Um am Tegernsee Hotels kaufen, Immobilien vermieten und Ferienhäuser bauen zu können, muss man schon über ein stattliches Vermögen verfügen – oder einfach Monopoly spielen. Die Seeseiten-Redaktion hat es getan und mit viel Spaß die Tegernsee-Edition ausprobiert.

Text: Ute Watzl

Monopoly Tegernsee

Die Tegernsee-Edition von Monopoly gibt es neu in zweiter Auflage.
Foto: Urs Golling

Mal wieder mit dem Sportwagen (Münchner Kennzeichen!) zu schnell am See unterwegs gewesen und dabei geblitzt worden? Macht 50 Strafe. Oder verbotener Weise in der Seestraße geparkt? Nochmal 50 Strafe. Vielleicht haben Sie es dann zum Glück noch rechtzeitig zum Berggottesdienst auf den Wallberg geschafft, das macht 200 für Sie von der Bank. Und nochmal zehn, wenn Sie auf der Tour dahin Viktoria Rebensburg getroffen haben. Weil Sie sich so gut verstanden haben, lädt die ehemalige Olympiasiegerin Sie direkt zum Kaffee ein. Wenn Sie Pech haben, müssen Sie Kurtaxe zahlen, satte 200. Dann sollten Sie vielleicht doch den Verkauf des Herzoglichen Bräustüberls in Betracht ziehen, dass Ihnen bisher so lukrative Mieteinnahmen verschafft hat. Hauptsache, Sie müssen nicht ins Gefängnis. Das könnte nämlich dann passieren, wenn Sie ohne Fahrerlaubnis Tretboot fahren. Man ahnt es, so skurril kann das Leben gar nicht sein, schon gar nicht am Tegernsee. Umso lustiger ist es aber, so zu tun als ob, mit der Monopoly Tegernsee-Edition.

Wenn das Rathaus zum Hotel wird

Mit Sicherheit hatten Timo Schap und Florian Berlinger viel Spaß dabei, als sie die Tegernseer Edition entwickelten. Einen Spaß, den sie als Wirtschaftsprüfer und Immobilien-Projektentwickler – in dieser Form jedenfalls – nicht haben. Wobei: So ganz fremd ist ihnen das Handeln mit Häusern und Hotels demnach ja nicht. Zwar leben die beiden in Nürnberg, aber dass ihnen der Tegernsee mindestens besuchsweise vertraut ist, spürt man bei jedem Spielzug dieser Monopoly-Edition.

Das Seeseiten-Redaktionsteam hat sich den Spaß nicht nehmen lassen, bei einer gemeinsamen Runde Monopoly mit Hotels, Restaurants und Freizeitanlagen am See zu handeln und in heiterer Leichtigkeit sich die Liegenschaften des Tegernsee einzuverleiben.

Monopoly Tegernsee Test

Arbeiten mal anders: Fröhliches Zocken der Seeseiten-Redaktion im Coworkingspace der Coworkerei Tegernsee in Gmund.
Foto: Urs Golling

Redaktionsmanager Kristian beispielsweise kassierte bei jeder Schifffahrt ab, weil er sich sehr früh die Kapitänsmütze aufsetzte und als Herr über alle vier „Dampferstege“ positionierte – die man hier ehrlicherweise nie so nennen würde, wie Autorin Susanne sofort anmerkte. Sie selbst offenbarte einen außerordentlichen Geschäftssinn als erfolgreiche Immobilieninvestorin und war versucht, drüben in Bad Wiessee mal eben in die Fischerei Tegernsee zu spazieren und sich als neue Besitzerin vorzustellen. Während die Autorin dieses Textes kurzentschlossen das Tegernseer Rathaus zum Hotel umbauen ließ. „Macht jetzt 100 Monopoly-$ pro Nacht für Euch.“

Alles Spaß natürlich, auch dass unser Fotograf Urs das Tegernseer Bräustüberl, die Tegernseer „Schlossallee“ des Spiels, erwarb, um auf dem Gelände in neoliberaler Selbstverständlichkeit gleich mal neue Ferienhäuser zu bauen. Warum auch nicht? Gehört ihm jetzt. Zumindest bis zur nächsten Würfelrunde. Das Absurdeste sind natürlich die vergleichsweise niedrigen Kauf- und Mietpreise – gerade für den Tegernsee. Da macht Immobilien erwerben noch richtig Freude.

Die Tegernsee-Editions-Macher Schap und Berlinger haben sich in Kooperation mit dem Tourismusverband Tegernseer Tal Tourismus (TTT) konkrete Partner aus Gastronomie, Hotellerie und Freizeit gesucht, die sich gegen Gebühr ins Spiel integrieren ließen. Ein eigenwilliges Werbeformat, aber es macht Spaß, damit zu spielen, wenn man den Tegernsee kennt und die Themen, die hier immer wieder die Menschen umtreiben. Kommt man darüber doch schnell ins Gespräch über die Geschichten, die das Tegernseer Leben schreibt.

Schap und Berlinger Monopoly Tegernsee

Timo Schap und Florian Berlinger haben die Tegernsee-Edition entwickelt und den Spieleklassiker mit viel Lokalkolorit versehen.
Foto: Schap/Berlinger

So ist das Feld mit der Zweitwohnsitzsteuer ein gefürchtetes unter den Spielern. 100 Monopoly-$ werden hier fällig. Hier blitzt das Augenzwinkern durch, mit dem die beiden das Spiel entwickelt haben. „Es soll ja auch eine Story erzählen“, sagt Schap. Vor allem mit den Spielkarten, den See-News von der „Tegernseer Zeitung“ und den See-Events der TTT, gelingt das. Und hin und wieder beschleicht einen das Gefühl, persönlich Erlebtes oder der Freundeskreis hätten für die eine oder andere Geschichte Pate gestanden.

Die Spielentwicklung sei selbst ein bisschen wie Monopoly gewesen, erzählt Schap. „So ein Spiel zu entwickeln, lohnt sich erst, wenn die Straßen gut verkauft sind an zahlungskräftige Partner.“ Es habe aber auch Orte gegeben, die explizit nicht dabei sein oder Geld dafür zahlen wollten, gibt Schap zu. Vielleicht, weil sie die kapitalistische Spielidee nicht gutheißen und das Image, das damit transportiert wird, mutmaßt Schap zum Beispiel beim Jodschwefelbad. Er selbst findet, das Spielbrett sei eine wunderbare Visitenkarte für die Betriebe am Tegernsee. Profitierten sie doch vom Ruf eines weltberühmten Spielklassikers.

„Monopoly ohne Schema F“, darin sieht er den Reiz der Edition. So gibt es in der Tegernsee-Edition eben Schiffanlegestellen (Dampferstege) und Bergbahnen statt der üblichen Bahnhöfe. Spieler können das Christa Kinshofer Skizentrum am Sonnenbichl oder die Sommerrodelbahn Gmund erwerben, noch besser: die Tegernseer Hütte oder den teuren Lanserhof. Ob die sich allerdings freuen, wenn dort Ferienhäuser gebaut werden, bleibt dahingestellt, aber darum geht’s ja hier nicht.

Monopoly Tegernsee kostet je nach Händler zwischen 50 bis 55 Euro. Am Tegernsee ist es in ausgewählten Spielwaren- und Buchläden erhältlich. Und noch ein Hinweis in eigener Sache: Im Monopoly-Gefängnis waren alle Redakteure natürlich „nur zu Besuch“.