Seit über 350 Jahren gibt es die bayerische Tracht. Und inzwischen ist sie populärer denn je. Aber wie trägt man eine Tracht stilvoll? Wir haben Experten aus dem Tegernseer Tal gefragt.

Text: Susanne Mayr

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Foto: Birgit Weber, Trachten Greif

Tanzmieder mit blauem Janker, Bollnkittl und Weißwasch dazu Gschnür und Halskette – das ist nur ein kurzer Auszug aus den Vorgaben des Wallberger Trachtenvereins, wenn es um die richtige Ausstattung für Trachtenfeste geht. Natürlich ist das für den Alltag nicht so streng geregelt. Trotzdem eine Grundsatzfrage: Was geht, was geht nicht?

„Ich halte wenig vom strengen Diktat und Regelkonformität, mit Ausnahme der Vereinszugehörigkeit,” so Alexandra Keil, von Trachten Greif aus Rottach-Egern für die Tracht etwas ganz Selbstverständliches ist, “Tracht kann ein Strickjanker zur Jeans getragen sein, ein modischer geschnittener Rock kombiniert zu einem Spenzer, bis hin zum Waschdirndl.”

Diese Vielfalt ist es, die die Tracht so interessant macht. Und auch so tragbar, wie Volksschauspielerin Nicola Pendelin erklärt: „Tracht geht immer, zu sämtlichen Feierlichkeiten, Veranstaltungen, aber auch in der Freizeit. Man ist damit einfach immer gut angezogen. Gerade am Tegernsee sieht man deshalb zu fast jeder Gelegenheit Frauen und Männern in Dirndl und Lederhose und bei Waldfesten ist es eher die Ausnahme, dass jemand normal gekleidet auf der Bierbank sitzt.

Trotzdem: Die Ansprüche an die Tracht haben sich geändert. „Es findet gerade ein Umdenken statt”, glaubt Schmuckdesignerin Birgit Weber aus Rottach-Egern, die sieben Jahre neben dem Studium als Bedienung im „Bräustüberl“ den berühmten Trachtenrock getragen hat. “Die Menschen haben Massenware satt und wollen hochwertige Unikate oder ein maßgeschneidertes Dirndl.”

Für alle, die sich zum ersten Mal an ein Dirndl oder eine Lederhose herantrauen, hat Alexandra Keil ein paar grundsätzliche Tipps: “Bei Frauen stimmen die Proportionen einfach nicht, wenn der Rock zu kurz ist.“ Auch gilt beim Dirndl die Regel, dass weniger mehr ist.

Das findet auch Nicola Pendelin, die auf der Bühne oft Dirndl trägt und auch privat ein Liebhaber von Waschdirndl und Spenzer ist. „Tracht sollte keine Verkleidung sein und man sollte es nicht übertreiben”, so die Gmunderin, “man merkt, wenn sich jemand in einer Tracht verkleidet fühlt. Ansonsten sind sich alle einig, dass jeder der gerne eine Tracht trägt, egal woher er kommt, dies unbedingt tun sollte. “Das ist doch das schönste Kompliment überhaupt “, sagt Birgit Weber, Damit zeigt man, dass man die Tradition Wert schätzt und die Menschen die hier leben.”

Neben der eigentuchen Tracht spielen auch die Accessoires eine gewichtge Rolle: „Bei Männern wäre es schön, wenn etwas mehr aufs Schuhwerk geachtet wird”, so Alexandra Keil, „Weiße Socken und Chucks oder bunte Turnschuhe widerstreben mir persönlich ein wenig, dann lieber barfuß im Sommer.”

Natürlich muss es nicht immer der klassische Trachtenschuh sein, aber einfache modische Schuhe passen oft besser, als ein zu gewollter Stilbruch. „Auch beim Schmuck ist weniger oft mehr”, weiß Birgit Weber, die hochwertigen, handgefertigten Dirndlschmuck herstellt, ihr Tipp für alle, die noch das passende Accessoire zum Dirndl suchen: „Eine Kropfkette, die durch eine längenverstellbare Kette im Nackenbereich immer perfekt sitzt und in der Familie weitergegeben wird.”

Waldfest-Styleguide

Die Seeseiten haben bei den Kennerin der Szene nachgefragt.

Nicola Pendelin

Schauspielerin und Sprecherin
nicola-pendelin.de

SO BITTE NICHT!

Nicola Pendelin fasst zusammen, worauf man beim stilvollen Tragen von Dirndl und Lederhose lieber verzichten sollte:

  • Bitte keine pinken Hüte mit meterlangen Federn
  • Turnschuhe zur Lederhose muss nicht sein, es gibt doch so schöne Trachtenschuhe
  • Ein Dirndl ohne Bluse
  • Lederhosen bei Frauen – an Fasching und bei “Nicht-Bayern” kann man ein Auge zudrücken
  • Rote Halstücher – wer ist denn überhaupt darauf gekommen?
  • Männer in langen Lederhosen in Kombination mit Hosenträgern

Nicole von Stackelberg

Trachten-Expertin bei Gössl, Rottach-Egern

SO BITTE GERNE!

Nicole von Stackelberg, Trachten-Expertin bei Gössl, Rottach, mit ein paar Tipps, wie man in Tracht immer gut aussieht:

  • Die Herrenjoppe sollte in Kombination zur kurzen Lederhose nicht zu lange im Schnitt ausfallen

  • Sauber gebundene Schürze, die nicht zu tief, aber auch nicht zu hoch in der Taille sitzt, und ein schön gebundenes Schleiferl
  • BH sollte nicht unter der Dirndlbluse hervorschauen
  • Immer lohnenswert: Auf die Faltenlegung bei den Röcken der Gewänder zu achten.

Steffi Weindl

Make-up-Expertin bei Parfümerie am Tegernsee by Hildegard in Rottach-Egern

WALDFEST MAKE UP

Steffi Weindl, ist Make-up-Expertin bei Parfümerie am Tegernsee by Hildegard in Rottach-Egern und fühlt sich am Tegernsee wie im Paradies. Als Waldfestliebhaberin weiß sie, worauf es beim perfekten Make-up zur Tracht ankommt.

Wie sollte das Make-up grundsätzlich für ein Waldfest aussehen?
Die Natürlichkeit steht im Vordergrund, da das Make-up die individuelle Schönheit unterstreichen darf. Perfekt wären feine Rougetöne und Sonnenpuder für die Frische, Highlighter zum Strahlen, Eyeliner und Wimperntusche als Öffner für die Augen.
Besonders schön ist es, wenn der Lippenstift oder Lidschatten passend zur Dirndlfarbe gewählt wird.

Welche Farben kommen dabei zum Einsatz
Je nach Tracht, feine Erdtöne mit farbigem Eyeliner. Etwas ausdrucksstärker ist Schwarz oder Glitzer, das man je nach Anlass auswählt.

Das Waldfest ist ja für das Flirten bekannt. Sollte man beim Make-up einen Fokus setzen?
Ja, mit konturierten Lippen als Blickfang, Rouge um im Halbdunkel schön rosig auszusehen und mit Glowpuder auf Hals und Dekolletee

Wie hält das Make-up das ganze Fest durch, z.B. beim Essen und Trinken?
Long Lasting Produkte sind empfehlenswert und keine zu ölhaltigen Konsistenzen. Mein Tipp ist matter Lippenstift mit einem Hauch Lipgloss. Wenn man die Haut vorher mit einem Hyaluronpuder abpudert, hält das Make-up besser.

Seeseiten, Sommer 2018.