Beim Aufstieg hört man das Knirschen des Schnees unter den Füßen, bei der Abfahrt pfeift der Wind um die Ohren – Rodeln ist die perfekte Kombination aus Bewegung, Spaß, Naturerlebnis und Geschwindigkeit.

Text: Susanne Mayr

Rodeln am Tegernsee

Spaß und Geschwindigkeit sind beim Rodeln garantiert.
Foto: TTT Hansi Heckmair

Kaum hat es geschneit, sieht man an jedem noch so kleinen Hügel rund um den See Kinder mit ihren Schlitten, Bobs oder Rodeln. Kein Wunder, denn diese Sportart macht einfach einen Heidenspaß. Hier im Tegernseer Tal kann man gleich aus einigen Rodelstrecken für verschiedene Geschicklichkeitsstufen wählen – und sogar professionell trainieren.

Speed auf zwei Kufen

Einer, der sich beim Rodeln richtig gut auskennt, ist Oliver Rowold, 1. Vorstand des Rodelclub Rottach-Egern, der schon im bayerischen und internationalen Rodelverband tätig war. Wenn er nicht gerade in seiner offiziellen Funktion als Kampfrichter international unterwegs ist, findet man ihn im Winter meist an der Naturrodelbahn in der Klamm in Kreuth oder am Wallberg. „Für mich gibt es nichts Schöneres, als morgens gleich mit der ersten Bahn auf den Wallberg zu fahren und dann ins Tal zu rodeln“, erzählt der 50-Jährige, der schon als Kind professionell in der Naturbahn gerodelt ist.

Aber auch Laien, so der Experte, können mit ein bisschen Übung richtig viel Spaß mit dem Rodel haben. „Wichtig ist vor allem die richtige Ausrüstung“, so Oliver Rowold, „festes Schuhwerk, der Witterung entsprechende Kleidung und im besten Fall ein Helm und eine Skibrille.” Denn wenn es die Rodelbahnen runtergeht, dann bekommt man eine ordentliche Geschwindigkeit drauf. Da ist man schnell mal bei fünfzig bis siebzig Stundenkilometer. Ohne entsprechenden Schutz wäre das purer Leichtsinn.

Rauf und Runter

Wer sich nicht dafür entscheidet, eine der Gondeln des Wallbergs zu nehmen, die einen ohne große Anstrengung auf den Berg und zum Anfang der 6,5 km langen Rodelbahn bringt, der läuft zum Schlittenfahren den Berg erst einmal hinauf. „Das machen wir im Training auch so, denn dabei kann man sich schon mal die Strecke und vor allem die Kurven genauer anschauen“, so Oliver Rowold, der jahrelang als Betreuer tätig war. Und dabei trainiert man zusätzlich die Ausdauer und verbrennt rund 300 Kalorien in der Stunde.

Rodeln am Tegernsee

Beim Rodeln gibt es aber auch einige Regeln zu beachten.
Foto: TTT Hansi Heckmair

Aber man sollte dabei nicht nur auf sich selbst achten, sondern vor allem auf die Mitrodler. Auch für den Aufstieg gibt es Regeln – oder sagen wir besser: Empfehlungen. Man geht immer rechts und hintereinander, um die bergab fahrenden Rodler nicht zu behindern. Auch nach Stürzen muss man die Bahn sofort verlassen, um nicht noch weitere Zusammenstöße zu provozieren. Und schließlich: Nicht als völlig Ungeübter gleich die längste und eisigste Bahn nehmen.

Interessierte können zum Beispiel freitags beim Nachtrodeln vom Rodelclub Kreuth ein paar Expertentipps bekommen und sich einen guten Sportrodel ausleihen. Denn bei den Sportgeräten gibt es große Unterschiede.

Schlitten, Rodel oder Sportgerät?

Aus dem Fernsehen kennt man vor allem die Rennrodel. Diese sind sehr tief und vor allem für die Eisbahn geeignet. Sportrodel, wie ihn Oliver Rowold fährt, haben gerade Kufen in einem Winkel von ca. 20 Grad.

Dann gibt es noch den Davoser, also einen klassischen Schlitten mit Rundkufen und Latten auf der Sitzfläche. Einen guten Rodel bekommt man im Tegernseer Tal bei Markus Grausam, bei Sport Schlichtner in Rottach-Egern oder im Rodelshop Tegernsee in Gmund. „Gelenkt werden alle Schlitten entweder mit den Füßen“, erklärt Rowold, „indem man die Fersen auf der jeweiligen Kurvenseite auf den Boden stellt, oder mit etwas Übung mit Gewichtsverlagerung.“

Und auch so ein Rodel möchte etwas gepflegt werden, vor allem, wenn er im Einsatz war. „Man sollte immer die Kufen trocknen und säubern, sonst könnten sie rosten“, erklärt Oliver Rowold, „ich mache zusätzlich noch ein einfaches Wachs drauf, man kann aber zum Beispiel auch ein Kriechöl verwenden.“

Sollten die Kufen doch einmal über den Winter angerostet sein, kommt ein feines Schleifpapier zum Einsatz.

Rodeln am Tegernsee

Auf einem tief verschneiten Weg geht es von der Bergstation in Richtung Wallberg-Rodelbahn.
Foto: TTT Hansi Heckmair

Angehende Profis

Einen weiteren wichtigen Punkt gibt es vor dem Rodeln noch zu beachten. Denn ganz ohne sportliche Fitness sollte man sich besser auf keinen Schlitten setzen. „Man braucht insgesamt eine gute sportliche Kondition und vor allem Bauchmuskeln und einen starken Nacken. Zum Bremsen und Lenken sollten die Beine fit und kräftig sein“, weiß Rowold.

Deshalb trainiert die Jugend des Rodelclub Rottach-Egern regelmäßig, „Wir haben zehn bis fünfzehn aktive Jugendrodler, die von Stefan Niedermaier trainiert werden“, erklärt Oliver Rowold, dessen Tochter schon im Weltcup gerodelt ist.

Im Sommer steht dabei Ausdauer und Konditionstraining mit Hallentraining oder Radfahren an, im Winter wird an verschiedenen Naturrodelbahnen trainiert. Bis zu vier Abfahrten werden pro Training absolviert, mit dazugehörigem Hochlaufen.

Wer Interesse hat, kann sich gerne bei den Clubs im Tegernseer Tal melden. Oder sich mit der richtigen Vorbereitung und den Tipps des Profis in diesem Winter auf die erste Abfahrt freuen.

FÜNF GOLDENE RODELREGELN

–> Rechts hochlaufen, ganz am Rand, nicht nebeneinander.

–> Nicht laut lärmen, im Winterwald neben den Abfahrten leben viele Tiere. Man befindet sich in der Natur und nicht in einem Freizeit­park

–> Hunde an die Leine nehmen, sie könnten sonst vor herunter­ fahrende Schlitten springen.

–> Geeignetes Schuhwerk, warme Kleidung, Helm und Skibrille tragen.

–> Nach Stürzen die Bahn sofort verlassen.

Alle Infos zu Trainingszeiten und Events des Rodelclub Rottach-Egern gibt es unter www.rodelclub-rottach-egern.de.
Infos und Termine zum Nachtrodeln findet man bei www.rodelclub-kreuth.de.
Einen Überblick zu den Rodelstrecken bietet die Website www.tegernsee.com/rodelntegernsee

Oliver Rowold ist leidenschaftlicher Rodler und hat viel Erfahrung.
Foto: Susaane Mayr