Wenn es erst einmal richtig wehtut – dann ist es zwar nicht zu spät, aber höchste Zeit zu handeln. Früher bedeutete dieses Handeln fast automatisch: ein wie auch immer gearteter Eingriff am und in den Körper. Inzwischen hat sich allerdings die Einsicht durchgesetzt, dass man Schmerzen auch anders als durch Operationen behandeln kann. Drei Beispiele aus der Region.

Schmerztherapie Martin Marianowicz

„Kein Schmerz gleicht dem anderen, weder in Bezug auf die Ursache noch auf das persönliche Empfinden des Leids.“ Dr. Martin Marianowicz
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Wenn sich Patienten zur Behandlung in die Privatklinik Jägerwinkel am Tegernsee begeben, dann ist es soweit: Es tut weh, irgendwo dort, was Mediziner „Bewegungsapparat“ nennen. Bandscheiben, Hüfte, Knie, Wirbelsäule zum Beispiel. Bereiche des Körpers, in denen man früher gerne und vergleichsweise schnell zum Messer gegriffen hat. Für Dr. Martin Marianowicz ist das eine überholte Idee: „Wir wollen weg von Operationen und hin zur Unterstützung des Körpers, seine Selbstheilkräfte zu aktivieren.“

Für seine sogenannte „minimalinvasive Behandlung“ insbesondere von Wirbelsäulen und Bandscheibenerkrankungen, ist Marianowicz international bekannt geworden. Der ärztliche Direktor der Privatklinik Jägerwinkel hat sich schon früh einen Namen gemacht durch seine These, dass 80 Prozent aller Rückenoperationen in Deutschland überflüssig seien. 

Wer kritisiert, muss allerdings auch eine Alternative anbieten. Für Marianowicz und sein Team in der Klinik bedeutet das: mit allen Ärzten und Therapeuten einen ganzheitlichen Weg zu gehen und alle erdenklichen Möglichkeiten der Heilung in Betracht zu ziehen, um die richtige Therapie zu finden. Ganzheitlich heißt in diesem Fall: klassische Ansätze der Schulmedizin, fließend mit alternativen Heilmethoden kombiniert. Das Klinikteam setzt immer zuerst auf die sanfteste aller möglichen Behandlungsmethoden. Grundsatz: Was heilt, hat recht.  

 

Zu den körperlichen Beschwerden gehören oft auch psychische Probleme.
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Neben der avisierten Ganzheitlichkeit setzt Marianowicz auch auf eine möglichst individuelle Behandlung für jeden Patienten. „Kein Schmerz gleicht dem anderen, weder in Bezug auf die Ursache noch auf das persönliche Empfinden des Leids“, sagt der Mediziner. Der von ihm entwickelte Fünf-Stufen-Schmerzplan lasse sich für jeden Patienten individuell anpassen. Was zwingend nötig ist: „Die eine, für alle Patienten passende Therapie gibt es aus meiner Sicht nicht“, betont er.

Zur medizinischen Behandlung gehören auch viele persönliche Gespräche. Weil zu körperlichen Beschwerden oft auch psychische Faktoren gehören. Grundsätzliches Ziel in der Klinik ist deshalb: Linderung von Schmerzen, aber auch die Verbesserung der durch Schmerz eingeschränkten körperlichen Beweglichkeit in Kombination unter Einbeziehung der Psyche.   

Wenn Räume zur Ruhe führen 

Wie man also sieht: Auch „weiche Faktoren“ können einen erheblichen Einfluss auf Vorbeugung und Heilung haben. Sogar die Gestaltung einer äußeren Umgebung: Weltweit belegen inzwischen mehrere Studien, dass eine ästhetisch gestaltete Umgebung den Heilungsprozess positiv beeinflussen kann. Es treten weniger Komplikationen auf, der Bedarf an Schmerzmitteln sinkt und die Aufenthaltsdauer in der Klinik verkürzt sich.

Auch Ludwig Klitzsch, Eigentümer und Geschäftsführer der Klinik im Alpenpark in Bad Wiessee, ist davon überzeugt, dass das Ambiente zum Gesundwerden beitragen kann. „Als eine der ersten Kliniken in Deutschland haben wir in ein Konzept investiert, das erstklassige medizinische Versorgung mit einer hotelähnlichen Wohlfühlatmosphäre vereint. Die bisherige Erfahrung bestätigt die positive Wirkung“, sagt er.  

Waldbaden als Schmerztherapie

Auf den ersten Blick ist ein Wald nur ein Wald. Dabei ist er auch eine ausgesprochen wirksame Entspannungsquelle
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Waldbaden: Mehr als Wellness 

Vergleichsweise neu in Deutschland ist ein Trend, der aus Japan gekommen ist: „Shinrin Yoku. Frei übersetzt: Waldbaden. Dass ein Waldspaziergang entspannende Wirkung hat, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Inzwischen aber glauben auch Mediziner zunehmend mehr daran, dass Waldbaden mehr sein kann als reine Wellness. Wissenschaftler aus Japan wollen zudem herausgefunden haben, dass schon ein kurzer entspannter Spaziergang durch den Wald einen Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Im Wald steige die Zahl der Killerzellen, und das Immunsystem verbessere sich, schreiben die Wissenschaftler. Blutdruck, Kortisol und Puls würden sinken – schon nach einer Stunde im Wald.

Auch die Münchner Professorin Angela Schuh glaubt an die heilende Kraft des Waldes. Das schonende Klima des Waldes führe “nachgewiesener Maßen zu einem Erholungseffekt durch Stressreduktion”, sagt Schuh. Auch gebe es Hinweise für “eine Zunahme der Leistungsfähigkeit des Immunsystems”. Es lohne sich daher, das Waldbaden zu untersuchen. 

Das Tegernseer Tal ist für diese sehr spezielle Form von Prävention und Therapie ganz besonders gut geeignet. Dank der üppigen und gesunden Waldflächen bietet der Tegernsee optimale Bedingungen für das Waldbaden. Dementsprechend werden Führungen vor Ort angeboten. Die wichtigste Regel hierbei: Man kann nichts falsch machen!

Beim Waldbaden geht es darum, möglichst alle Sinne zu öffnen und bewusst zu entschleunigen. Was man wahrnimmt, ist da, und das gilt es zu erforschen. Bedächtiges Gehen, Lauschen, der Blick in die Ferne oder das Spüren der Natur sind auch Bestandteile der WaldbadenFührungen, bei denen Sie spezielle, unterstützende Achtsamkeitsübungen erlernen. Dabei gilt natürlich auch der bewusste Umgang mit der Natur, um den Wald als Regenerationsort zu erhalten. 

 

Schmerztherapie am Tegernsee

Alle Sinne öffnen, bewusst entschleunigen und die Natur spüren – auch das ist Teil der Schmerztherapie.
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Seeseiten, Winter 2019.