Boarisch g'ratscht

Sappralot, Sakradi und Saxndi!

Eine kleine Schule des bayerischen Dialekts. Heute: “Sappradi” und seine Entsprechungen “Sappralot“ und “Saxndi“.

Text: Christian Jakubetz

Alle drei Begriffe haben ihren Ursprung im Französischen, wie so vieles in Bayern.
Illustration: Thomas Hepp

Der in seiner ganzen Art ziemlich einmalige Sportreporter Harry Valérien war einer, der seinen Beruf mit Leidenschaft ausübte. Einer, der vor allem bei Skirennen derart bei der Sache war, dass er regelmäßig mit lautstarken Ausrufen seiner Gefühlslage Nachdruck verlieh. Legendär (und das nicht als eine der neuerdings so beliebten Phrasen, sondern wirklich im Wortlaut so gemeint) war vor allem sein Ausruf:

„Sappradi, was machst Du, Bursch?“

Vor allem das herzhafte, mit gerolltem „RRR“ in der Mitte gesprochene „Sappradi“ sorgte außerhalb Bayerns für Erstaunen. Wenn man ehrlich ist: eigentlich sogar außerhalb von Altbaiern. Auch für Franken und Schwaben ist „Sappradi“ mit all seinen Entsprechungen nichts, was man im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden würde. Die Entsprechungen lauten übrigens „Sappralot“ und „Saxndi“.

Aber egal in welcher Variante: Die Begriffe haben ihren Ursprung im Französischen, wie so vieles in Bayern. In Frankreich gibt es den Ausruf „Sacre dieu“. Übersetzt eigentlich eine Blasphemie: „Heiliger Gott“! Sappralot, Sakradi und Saxndi sind nichts anderes als althergebrachte Verballhornungen. Allerdings streiten sich die Sprachgelehrten ein bisschen darüber, was genau der Ausrufende damit ausdrücken will: Ärger, Freude, Überraschung – oder ist es nicht manchmal sogar ein Kompliment? „Sappralot, du schaust aber guat aus“, wäre im Bayerischen eine hohe Form der Anerkennung. Wer „Sakradi“ sagt, kann aber auch damit gemäßigt fluchen oder zumindest eine Form der Verärgerung ausdrücken, nennen wir es mal so.

Vermutlich also ist das mal wieder eine Form der bayerischen Sprachfreiheit: Die Sappra- und Sakra-Varianten können eigentlich alles bedeuten. Sie sind quasi Gefühlsverstärker. Und Gefühle kann man bekanntermaßen immer so schlecht erklären. 

Davon abgesehen sind Sappralot und Sakradi Begriffe, die nur von Bayern und im bayerischen Idiom vorgebracht werden können. Warum? Stellen Sie sich einen Düsseldorfer vor, wie er „Sappralot“ sagt und versuchen Sie, dabei nicht zu lachen …

Und wer wäre ein besseres Beispiel für diese These als Harry Valérien (dessen Nachname ja auch verdächtig französisch klang)? Wenn Valérien „Sappralot“ rief, dann wusste jeder, was gemeint war, zumindest in diesem einen Moment. Viel mehr kann man von Sprache kaum verlangen. Und dass so ein herzhaftes „Sappralot“ tausendmal schöner klingt als so ein dieterbohlenhaftiges „Meeega“, würden sie vermutlich nicht mal bei RTL bestreiten. 

Davon abgesehen sind Sappralot und Sakradi Begriffe, die nur von Bayern und im bayerischen Idiom vorgebracht werden können. Warum? Stellen Sie sich einen Düsseldor

Illustration 

Der gebürtige Niederbayer Christian Jakubetz ist zwar berufsbedingt zweisprachig, kann aber bei einer Maß, einer Brezn und in einem Bierzelt schlagartig alles Hochdeutsche vergessen.

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