Ausstellung im Gulbransson Museum

Augen-Blicke

Das Olaf Gulbransson Museum stellt in seiner neuen Ausstellung Berühmtes und Unbekanntes aus der Sammlung Anna und Michael Haas gegenüber und lädt zu einer Entdeckungsreise durch die Kunstgeschichte ein.

Text: Ute Watzl

Sammlung Michael Haas im Gulbransson Museum

Das Sammlerehepaar Anna und Michael Haas lebt mit der Kunst.
Foto: Halina Hildebrand

Es sind viele Blicke, die dem Besucher der neuen Ausstellung im Gulbransson Museum begegnen. Tiefe, melancholische, leere, eindringliche, düstere, gleichgültige, sanfte, verrückte, rätselhafte Blicke. Das ist einer der Gründe, warum diese Ausstellung diesen Namen trägt: Der andere Blick. Sie versammelt viele Porträts und ist doch nur ein vergleichsweise kleiner Ausschnitt aus der reichen Privatsammlung des Berliner Ehepaars Anna und Michael Haas. 

Werke berühmter Namen quer durch die Kunstgeschichte finden sich hier wieder: Ernst Ludwig Kirchner, Antoni Tapies, Otto Dix, Georg Baselitz, Kurt Schwitters, Markus Lüpertz, Lovis Corinth, Eric Fischl, Ferdinand Hofler, Miriam Cahn oder Daniel Richter. Aber auch viele unbekannte Künstler sind hier zu entdecken. Das mag zunächst irritieren, vielleicht willkürlich erscheinen. Doch beim Gang durch die Ausstellung werden wiederkehrende Motive deutlich, und einzelne Kunstwerke treten mit ähnlichen Themen in einen Dialog über Kunstepochen und Jahrhunderte hinweg. 

So hängt Eric Fischls Badeszene von 2004 neben einer von Lovis Corinth aus dem Jahr 1890, an anderer Stelle trifft die Renaissance-Madonna auf ein zeitgenössisches Pendant von Michael Kirkham. Das alles überrascht und unterhält, weil es zum vergleichenden Betrachten einlädt. 

Sammlung Michael Haas im Gulbransson Museum Tegernsee

Eine Show der Vielfalt: Ausstellungsansichen mit Daniel Richter, Uwe Lausen, Michael Langer u.a..
Foto: Olaf Gulbransson Gesellschaft e.V. Tegernsee

Fernab vom Mainstream

Ein weiterer Grund für den Titel der Ausstellung liegt im Sammler selbst: Michael Haas wählt aus dem Werk eines Künstlers auffallend oft die besonderen, nicht so ikonischen Arbeiten aus. „Für ihn muss es nicht der bekannte, auf dem Kopf stehende Baselitz sein“, erklärt Michael Beck, Freund des Sammlers und Vorsitzender der Olaf Gulbransson Gesellschaft, diesen anderen Blick.

„Stattdessen fasziniert ihn ein früheres Werk von ihm.“ Die Sammlung zeugt von einem über Jahrzehnte geschulten Blick des Sammlers und Kunsthändlers, der große Kunst von der Renaissance bis in die Gegenwart zu erkennen gelernt hat – und gerne diesen anderen Blick auf das Werk eines Künstlers wirft. Jener Blick, der sich nicht von Trends und Mainstream leiten lässt, sondern offen ist für Überraschungen jenseits des Etablierten.

Wie lässt sich dieser andere Blick des Sammlers erklären? Vielleicht dadurch: Michael Haas ist nicht nur Kunsthändler und Sammler, sondern auch selbst Künstler. So mischen sich unter die gesammelten Stücke der Ausstellung hin und wieder Arbeiten eines gewissen Joachim Elzmann. Dahinter steckt der Sammler – und eben Künstler – selbst. Es ist also nicht nur der Blick des Liebhabers und Kenners, der an der Oberfläche bleibt. Der Blick des Künstlers geht tiefer, er erkennt die Kunst, die bereits in der Entstehung des Werkes steckt und wechselt die Perspektive.

Sammlung Michael Haas im Gulbransson Museum Tegernsee

Alles andere als Mainstream.
Foto: Olaf Gulbransson Gesellschaft e.V. Tegernsee

Mit dem Sammlerehepaar verbindet Michael Beck seit vielen Jahren eine enge Freundschaft, wohl auch deshalb konnte er sie dazu bewegen, für die Dauer der Ausstellung auf einen Großteil ihrer gesammelten Werke zu verzichten, mit denen sie sich sonst unmittelbar und täglich umgeben. Fotos im Ausstellungskatalog geben einen Einblick, wie Anna und Michael Haas mit all den Kunstwerken leben. 

„Ich habe mich für die Ausstellung sehr zurückgezogen“, gibt Michael Beck zu. „Sowohl bei der Auswahl der Werke als auch bei der Hängung – es ist die Ausstellung von Michael Haas.“ Diese neue Werkschau im Olaf Gulbransson Museum lebt von den großen Sprüngen zwischen den Epochen, zwischen großen Namen und eher unbekannten Künstlern. Gerade deshalb ist „Der andere Blick“ eine kleine Entdeckungsreise. 

Der andere Blick, Sammlung Anna & Michael Haas
Olaf Gulbransson Museum
Kurgarten 5, Tegernsee
noch bis 21. Januar 2024

  • Mit ihren Augen

    Die Tegernseer Illustratorin Katharina Bourjau präsentiert ihren persönlichen Blick auf das Tegernseer Tal.