Bevor man ein Interview mit Rick Kavanian macht, stellt man sich unweigerlich die Frage: Ist der wirklich so witzig? Und ist er auch so nett, wie es immer heißt? Nach ein paar Minuten ahnt man es dann: Die Erwartungen werden übertroffen. Rick Kavanian ist ein überaus witziger, bestens aufgelegter Gesprächspartner. Davon abgesehen, dass Kavanian ziemlich internationale Wurzeln hat, hat er an den Tegernsee ausgeprägte Erinnerungen. Und die haben keineswegs nur mit seinem Lieblingsbier zu tun…

Interview: Christian Jakubetz

Rick Kavanian am Tegernsee

“Ich habe eine große Freude daran, wenn meine Gäste über das, was ich erzähle, lachen können.”
Foto: Huber

Rick Kavanian, die erste Frage dieses Interviews befasst sich – wenig originell – mit Ihrer Herkunft: Sie sind in München geboren, haben armenische und rumänische Wurzeln und Ihre Eltern leben in New York. Wie oft werden sie eigentlich noch für einen Griechen gehalten? Und wie oft denken Menschen, dass Sie in Wirklichkeit Bastian Pastewka sind?

(lacht) Also, mit dem Bastian Pastewka bin ich seit Jahren gut befreundet, das muss ich zu meiner Ehrenrettung sagen. Aber tatsächlich ist das eine Geschichte, die mir bei einem Auftritt in Dresden passiert ist. Da hat eine Besucherin erst nach der Pause und nach dem Aufsetzen ihrer Brille festgestellt: Das ist doch gar nicht Bastian Pastewka! Sie dachte wirklich die ganze Zeit, sie sei bei einem Pastewka-Auftritt. Das war aber wahnsinnig lustig, weil diese Familie nicht nur sympathisch war, die hatten auch Humor. Ja, und wie oft werde ich auf „den Griechen“ angesprochen? Immer noch regelmäßig – und das freut mich ja auch. Schließlich gibt es den Griechen schon seit immerhin 16 Jahren, also seit dem „Schuh des Manitu“. Ein bisschen ist der Grieche zu meinem Alter Ego geworden, er ist irgendwie immer mit dabei.

Und dann noch Ihre bunte Herkunft…Sie sind ganz schön viel in einer Person.
Ja, aber es fühlt sich gut an. Ich empfinde das eher als Bereicherung. Ich durfte über verschiedene Tellerränder schauen. Mir tut es umso besser, je unterschiedlicher der Mix ist.

Sie haben gerade den „Schuh des Manitu“ angesprochen. Kann man das nach all den Jahren noch hören, wenn jemand sagt: Das ist doch der aus dem „Manitu“? Oder sagen Sie: Ich bin jetzt Solokünstler – der Film ist ja bald 20 Jahre her?
Natürlich bin ich auch wahnsinnig gerne der Solokünstler. Aber wenn es den „Schuh des Manitu“ nicht gegeben hätte – respektive die „Bullyparade“ und die lange Zusammenarbeit mit Bully – dann würde es mich auch als Bühnenkünstler so nicht geben. Wenn einer sagt „Das ist doch der vom Manitu“, dann ist der Satz ist für mich was Positives. Die Leute freuen sich und mich kostet das keine Überwindung. Der „Manitu“ und der „Grieche“ sind immer im Handgepäck. Die Reaktionen, die das auslöst, finde ich übrigens wirklich ungewöhnlich. Und es macht Freude, auch nach all den Jahren immer noch.

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man als Münchner, noch dazu einer mit weltbürgerlichem Hintergrund, und sehr erfolgreicher Künstler, an den Tegernsee kommt? Denken Sie an Klischees oder womöglich sogar an irgendwas, was man zur Comedy machen könnte?
Nee, gar nicht! Ich habe schöne Erinnerungen mit der Kindheit an den Tegernsee, weil ich mit meinen Eltern und meiner Großmutter tatsächlich früher das eine oder andere Mal von München hingefahren bin, um Mittag zu essen, am See spazieren zu gehen, danach Kuchen zu essen und Kaffee zu trinken. Ich verbinde das ganz stark mit Mutter, Vater, Großmutter.

Und heute?
Ich laufe mal schnell in den Keller… und jetzt stehe ich vor einem Träger: Na, raten Sie mal, mit was?

Tegernseer Hell?
Genau! Und das meine ich echt als Kompliment!

Kommen wir zu Ihrem Programm „Offroad“, das Sie ja auch im März spielen werden. Sie haben mal auf die Frage nach dem Inhalt dieses Programms gesagt, das spiele eigentlich keine wirkliche Rolle, weil Sie in Ihrem Leben ohnehin so viele Rollen spielen…
(lacht) Die Antwort war nicht so patzig gemeint, wie sie vielleicht im ersten Moment klingt. Aber tatsächlich ist es das bisher offenste und auch privateste Programm, das ich spiele. Das sind ganz persönliche Dinge. Die ersten drei Programme waren für mich eher so Einbahn-Theaterstücke. Da gibt es eine klare Handlung, am Flughafen oder am Buffet. Diesmal ist es wirklich sehr offen, ich erzähle auch mal spontan. Wenn mir auf dem Weg zum Tegernsee etwas einfallen sollte, dann nehme ich mir diese Freiheit gewissermaßen raus, um genau das zu erzählen. Oder ich beziehe das Publikum mit ein. Es gibt keine klare dramaturgische Handlung. Wenn mir danach ist, die Geschichte aus dem zweiten Teil in der ersten Spielhälfte zu bringen oder die erste Hälfte erst gar nicht – kann alles passieren. Es ist letzten Endes sehr frei und für mich ein sehr dynamischer Vortrag. Vor allem, weil ich tatsächlich von Abend zu Abend flexibel sein kann. Ich kann auf den Tegernsee eingehen. Ich kann auf Rottach-Egern eingehen – oder aber auch nicht. Es ist ganz schwer, nach einem roten Faden zu suchen. Es sind viele kleine aneinandergereihte Geschichten.

Vielseitig: Rick Kavanian ist Schauspieler, Synchronsprecher, Comedian
Foto: Bauman

Ich habe mal gelesen, dieses Programm sei Ihre Rückkehr zu Ihren Wurzeln als Comedian. Mögen Sie den Begriff Comedian? Sind Sie überhaupt einer?
Ja, bin ich auf jeden Fall. Es klingt jetzt so ein bisschen dramatisch, aber ich fühle mich als darstellender Künstler und die meiste Zeit meines Lebens habe ich mit Kunst verbracht. Nichtsdestotrotz: Um was Dramatisches zu erzählen, dafür bräuchte ich eine große Verrenkung. Es ist auch nicht so, dass ich zu Hause im Kämmerchen sitze und darauf warte, dass irgendjemand meine dramatische Ader entdeckt. Ich habe eine große Freude daran, wenn meine Gäste über das, was ich erzähle, lachen können. Das ist schon ein Anliegen. Insofern bin ich auch Comedian – ja, auf jeden Fall!

Dann haben Sie wahrscheinlich auch keinen übermäßigen Drang, mal richtig politisches Kabarett zu machen: 23 Uhr, ARD oder Arte…

Ich hatte eine nur kurze, aber sehr schöne kleine Vergangenheit gemeinsam mit Monika Gruber und Bruno Jonas. Damals hatten wir für eine Zeitlang die Gelegenheit, die Sendung „Die Klugscheißer“ zu machen.

Ah…ARD, 23 Uhr…
(lacht) Das geschah hauptsächlich unter der Ägide und auch unter der Initiative von Bruno Jonas. Das war einfach toll, eine sehr spannende Zeit. Und eine sehr, sehr angenehme Zusammenarbeit.

Aber jetzt kommt dann erstmal der See…
Jetzt kommt erstmal der See!

Richard Horatio Kavanian nennt niemand so – alle Welt, und das buchstäblich, kennt ihn als Rick. Oder noch mehr als: der Grieche aus dem „Schuh des Manitu“, oder als „Schrotty“ und „Pulle“ aus dem „Traumschiff Surprise“ oder als…die Auflistung würde zu lang werden, zumal Kavanian auch noch einer der gefragtesten deutschen Synchronsprecher ist. Zudem ist er immer wieder mit Soloprogrammen unterwegs.
Das Gespräch mit Rick Kavanian führten wir anlässlich seines Gastspiels im Seeforum in Rottach-Egern im März 2018.

Seeseiten, Winter 2017/2018.