Auf dem Rücken der Pferde liegt am Tegernsee mehr als das Glück der Erde. Denn schon alleine die Gesellschaft eines Pferdes kann glücklich und gesund machen.

Text: Susanne Mayr

Achtsamkeitsreiten am Tegernsee

Foto: Urs Golling

Die Reitanlage Bachmair Weissach – Kirschner Alm in Rottach ist bestens bekannt bei Pferdefreunden. Viele Champions sind hier durch die Stalltüren ein- und ausgegangen. Seit einiger Zeit gibt es hier aber noch etwas Besonderes zu erleben. Insa Alberts, Uli Küfner und ihr Team sehen Pferde nämlich nicht nur als Sportgerät oder Arbeitstier, für sie sind sie Wegbegleiter, Seelentröster und Therapeut in einem – unter dem Motto „Glücksmomente erleben“.

Erst glücklich, dann gesund
„Viele Leute stehen sich oft selbst im Weg und dabei bräuchte es nur eine kleine Initialzündung und schon würden sie wieder zu sich selbst finden“, erzählen Insa Alberts und Uli Küfner von ihrer Arbeit mit den Pferden. Vor allem sollen dabei Erlebnisse vermittelt werden, die das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Und überall hilft das Pferd weiter: „Uns geht es in erster Linie darum, den Menschen wieder Lebensfreude zu vermitteln. Denn wenn man selbst vergessen hat, wie man glücklich ist, kann man auch nicht gesund bleiben oder werden – weder körperlich noch geistig“, so Insa Alberts, die selbst Ärztin ist. Auf den Grundlagen der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Neurobiologie, Psychoneuroimmunologie, Gehirn- und Glücksforschung, kombiniert mit altem Heilwissen und Coaching, wurde so ein Konzept entwickelt. Das soll nicht nur einfach guttun, sondern auch chronisch, psychisch oder akut kranken Menschen helfen.

Achtsamkeitsreiten am Tegernsee

Dreamteam: Insa Alberts, Uli Küfner und ihre Pferde.
Foto: Urs Golling

Das Pferd als Therapeut
Am Anfang steht dabei die Anamnese, also der Ist-Zustand des Gastes oder Patienten. Gemeinsam mit ihrem Team aus Ärzten, Naturheilkundlern, Psychologen, Heilpraktikern und Physiotherapeuten beginnen die Experten immer mit einer Begegnung zwischen Mensch und Tier. Sie beobachten, bevor sie dem Gast ein individuell auf ihn persönlich zugeschnittenes Angebot erarbeiten. „Wir gehen viel mit den Pferden spazieren, vor allem zum See“ erzählt Insa Alberts. „Wenn wir einem Burnout-Patienten sagen, wie schön doch der See ist, würden wir nicht weiterkommen. Schaut aber das Pferd auf den See hinaus, macht der Mensch am Zügel automatisch das Gleiche und folgt dem Blick des Tieres“ so Albers weiter, „er fokussiert sich wieder auf etwas Bestimmtes.“

Auch bei Gestressten oder Schmerzpatienten funktioniert das. Denn in diesem Moment ist der Mensch so entspannt, dass er keine Schmerzen oder Probleme bemerkt. „Genau dieser Impuls kommt dann im Gehirn an und bietet dort eine Lösung an, wie dieser Wunschzustand erreicht werden könnte,“ erklärt Uli Küfner. Das Gehirn merkt sich das. Und man kann es durch Training schaffen, solche Situationen wieder hervorzurufen. „Es geht dabei auch viel um Ablenkung“, so Küfner weiter, „von den Problemen ablenken und damit neue Reize für das Gehirn zu setzen. Und was das Hirn kann, macht der Körper weiter.“

Die „Zügel“ wieder in die Hand nehmen
Der Naturheilkundler vergleicht den Umgang mit den Pferden gerne mit dem Tanz: „Man muss seine Partnerin bestimmt, aber sanft führen. Genauso muss man auch dem Pferd zeigen, wohin es gehen soll, oder was von ihm erwartet wird.“ Man gibt also ein Signal, das sanft und verständlich ist und so geht die Bewegung ihren Lauf. Je besser geführt wird, umso leichter wird alles. Diesen Ansatz setzen die Experten zum Beispiel auch in Managerseminaren oder beim Achtsamkeitstraining um. Denn genau dieser bewusste Umgang mit dem Pferd hilft den Menschen, mehr über sich selbst zu lernen und vor allem wieder auf sich und den eigenen Körper zu hören.

Achtsamkeitsreiten am Tegernsee

„Es geht dabei auch viel um Ablenkung von Problemen und das Setzen neuer Reize für das Gehirn.“ – Uli Küfner
Foto: Urs Golling

Das Problem selbst erkennen – und lösen
Beispiele von Menschen, denen sie geholfen haben, können Insa und Uli zu Hauf erzählen. Angstpatienten, die plötzlich wieder Autofahren konnten. ADHS-Kinder, die in der Schule besser wurden, Menschen, die endlich Lösungen für lange bestehende Probleme gefunden hatten. „Es gibt viele Dinge, die man mit viel Zeit lösen könnte“, weiß Uli Küfner. Da die Zeit aber oft nicht da ist, hilft das Pferd, viele Mechanismen zu beschleunigen. Wie das funktioniert? „Vom Erlebnis und der Wahrnehmung zur Bewertung und damit zum selbstbestimmten Verhalten zu kommen. Mit dem Ergebnis einer selbst initiierten Lebensstilveränderung.“ Am Ende ist es eben doch der Mensch, der handeln muss. Pferde können
dabei aber wunderbare Begleiter sein.

So sind die eigenen Erfahrungen
Beim Interviewtermin drückt mir Insa Alberts den Strick von „It’s Winny“ in die Hand. Ich soll mit dem bildschönen braunen Trakehner-Wallach und ehemaligen sehr erfolgreichen Turnierpferd zum Reitplatz gehen. Ich, der Pferdeallergiker und Angsthase. Ich laufe unsicher los, neben mir It’s Winny, den das Team als ihren „Facharzt für Lebensfreude“ bezeichnet. Sofort merkt das Pferd meine Zweifel und versucht einen anderen Weg zu nehmen. Insa leitet mich an und erklärt mir, dass ich jetzt bestimmt, aber sanft zeigen darf, wo es langgeht. Und das tue ich dann. It’s Winny und ich spielen uns langsam aufeinander ein und kommen zu dem von mir bestimmten Ziel.

Und nur diese wenigen Meter haben mir gezeigt, um was es hier geht. Ich habe in diesen Minuten völlig vergessen, was um mich herum geschieht, war ganz bei mir und dem Pferd, habe nicht gemerkt, dass ein kalter Wind weht und mein linker Schuh drückt. Alles um mich herum wurde unwichtig, weil ich mich total auf das Pferd und meine Aufgabe konzentriert hatte. So achtsam war ich seit sehr langer Zeit nicht mehr. Und dieser Effekt wird von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde stärker. Je länger man mit dem Pferd zusammen ist umso leichter fällt es, auf sich und das Tier einzugehen.

Wer Lust hat Insa Alberts, Uli Küfner und ihr Team kennen zu lernen und eine ganz neue Erfahrung zu machen meldet sich unter steinlaus.1×1@t-online.de oder Mobil unter +43(0)664/9474685 – das Erlebnis mit It‘s Winny für 2 Personen dauert 1–3 Stunden. Einzelcoachings umfassen ca. 7 Stunden inklusive Vorbereitung/Erstgespräch. Preise werden individuell vereinbart.

Achtsamkeitsreiten am Tegernsee

Neue Wege gehen – mit Achtsamkeitsreiten und dem bewussten Umgang mit Pferden klappt das ziemlich schnell.
Foto: Urs Golling