Wenige kennen sie, alle brauchen sie, ihre Produkte haben wir jeden Tag in der Hand: Die Papierfabrik Louisenthal in Gmund stellt nicht einfach nur Papier her, sie ist Weltmarktführer in der Produktion von Banknotenpapier. Geschäftsführer Dr. Alfred Kraxenberger, echter Bayer und zuständig für Technik, Forschung und Entwicklung, weiß, warum es ohne Bargeld auch in Zukunft nicht gehen wird. Und warum die moderne „Geldfabrik“ in Gmund genau richtig ist.

Text und Interview: Klaus Höfler

Bargeld ist die Visitenkarte eines Landes”, sagt Louisenthal-Geschäftsführer Dr. Alfred Kraxenberger.
Foto: Urs Golling

Nur ein kleines Verkehrsschild weist darauf hin, dass sich ein paar hundert Meter von Gmund entfernt ein stattlicher Industriestandort befindet. Wer von der B318 abzweigend die Mangfallstraße entlangfährt, begleitet von der sanft fließenden Mangfall, landet schließlich an einem großen Parkplatz und der Abzweigung Louisenthal. Endstation ist eine kleine, unscheinbare Brücke. Wer hier den Securities keinen Ausweis oder Zufahrtsschein vorzeigen kann, muss leider draußen bleiben. Und das liegt nicht an Corona-Bestimmungen, sondern an den besonderen Sicherheitsstandards, die so auch in der Europäischen Zentralbank gelten.

Was verbirgt sich hinter dem Firmennamen Louisenthal? Dr. Alfred Kraxenberger, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Technologie und Operations erwartet die Seeseiten an der kleinen Brücke zum Gespräch. Der promovierte Physiker und ambitionierte Sportler geht seit 2013 fast täglich über die Brücke zu seinem Arbeitsplatz. Kraxenberger liebt Technik und Innovationen – da ist es nur konsequent, dass er auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bayerischen Forschungsstiftung ist und in das Kuratorium der Bayerische Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer berufen wurde.

Herr Dr. Kraxenberger, warum wissen so wenige, was in der Papierfabrik Louisenthal hergestellt wird?
(lacht) Das liegt wohl daran, dass wir ein echter „Hidden Champion“ in einer sehr beliebten Tourismusregion sind. Wir sind Weltmarktführer in der Herstellung von Banknoten- und Sicherheitspapieren sowie in der Entwicklung von Sicherheitselementen. Wir sind mit unseren Produkten auf allen Kontinenten vertreten. Fast jeder am Tegernsee dürfte eine Banknote aus unserem Papier in seinem Geldbeutel haben – wir sind also in jeder Hinsicht nah am Menschen.

Wieso heißt das Unternehmen Louisenthal und nicht Mangfalltal?
Die Mangfall fließt zwar mitten durch unser Firmenareal und dann in den Tegernsee, aber unser Name fußt auf einer historischen Anekdote: 1865 beantragte der damalige Eigentümer der Fabrik, der Schweizer Geschäftsmann Schulte, bei König Maximilian II. die Umbenennung des Betriebs in „Louisenthal“. Der Name erinnert an Herzogin Ludovika – französisch Louise – Tochter des Königs Maximilian I. Joseph von Bayern, die auch die Mutter von Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn war, besser bekannt als „Sisi“.

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Gut versteckt hinterm See: Das Produktionsgelände umgeben von 55 Hektar firmeneigenem Wald.
Foto: Louisenthal

Sie sind der größte Arbeitgeber in der Region Tegernsee …
… und sehr stolz darauf. Viele unserer auf drei Standorte verteilten rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohnen und leben am Tegernsee, einige haben ihr Zuhause sogar in einer unserer Werkswohnungen auf dem Gelände. Manche arbeiten bei uns inzwischen in der vierten Generation und natürlich wird an den Maschinen trotz Internationalität gerne bayerisch gesprochen! Wenn wir neue Azubis suchen – aktuell haben wir 55 im gesamten Unternehmen – , wenden wir uns erst einmal an die umliegenden Schulen. In Gmund insbesondere an die Realschule, mit der wir eine Bildungspartnerschaft pflegen. Wir kaufen auch bewusst nach Möglichkeit regional ein und wenn wir Aufträge an Handwerksbetriebe zu vergeben haben, wählen wir bevorzugt regionale Betriebe aus.

Eine Banknotenfabrik im Trinkwassereinzugsgebiet einer Millionenstadt wie München? Hätte es da nicht einen besseren Standort gegeben?
Diese Frage stellt sich nicht mehr wirklich, wenngleich man heute in dieser Idylle wahrscheinlich allein schon aufgrund der Grundstückspreise keine Fabrik mehr bauen würde. Die Wurzeln der Papiererzeugung auf unserem Gelände am Tegernsee gehen mehr als 140 Jahre zurück. Zu unserem Areal gehört auch ein rund 55 Hektar großer Wald, der mehr als 300.000 Tonnen CO2 speichert.

Eine sehr besondere Lage …
Ja, wir schätzen diese großartige Lage wirklich sehr, das saubere Wasser, die reine Luft und wir sind uns der Verantwortung für unsere Umwelt bewusst. Ich spreche in diesem Kontext gerne analog zum Bier von unserem eigenen bayerischen Reinheitsgebot für Banknoten. Nur hochwertige Rohstoffe kommen in unsere Banknoten. Im übertragenen Sinne sind in unseren Banknoten auch immer ein paar Tropfen Tegernsee, da wir unser Wasser und auch Teile der Energie für die Produktion aus der Mangfall gewinnen.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema geworden. Wie gehen Sie hier bei uns im Tegernseer Tal mit dem Thema um?
Diese große Aufgabe begleitet uns Tag für Tag. Umweltschutz sowie ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sind feste Bestandteile unserer Firmenphilosophie. Wir unterliegen den strengen europäischen Umweltschutzregeln und besonderen Auflagen im Gewässerschutz.

Konkret?
Da wir als Produktionsbetrieb viele Ressourcen wie Strom, Wärme, Wasser und Baumwolle verbrauchen, können wir auch viel sparen. Wasser ist unser wichtigstes Element in der Produktion. Durch eine 2010 gebaute biologische Kläranlage konnten wir unseren Wasserverbrauch um ca. 40 Prozent reduzieren. Wärme erzeugen wir in einem eigenen Dampfkraftwerk und Strom zu fast 25 Prozent mit Wasserturbinen und durch Kraft-Wärme-Koppelung, also vor Ort und CO2-neutral.

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“Unseren Banknoten sind auch immer ein paar Tropfen Tegernsee.”
Foto: Urs Golling

Und die Mangfall …
… ist dabei eine unserer fleißigsten Mitarbeiterinnen, denn wir nutzen sie zur Papierherstellung, kühlen Gebäude sowie Maschinen und erzeugen über Turbinen sogar Ökostrom für unsere Maschinen. Das wieder eingeleitete Wasser wird biologisch gereinigt und permanent überprüft, da passen wir besonders auf. Und natürlich schützen wir die Fische in der Mangfall durch zwei Fischtreppen, damit die Tiere die Wehre umgehen können. Da Teile der Wasserfläche zu unserem Gelände gehören, fischt unsere Mitarbeiter-Fischereigruppe sogar im eigenen Wasser.

Und wie sauber ist dann am Ende unser in Ihrer Fabrik produziertes Papiergeld?
Eine hundertprozentig nachhaltige Banknote gibt es noch nicht, aber wir arbeiten mit Nachdruck daran, den gesamten Lebenszyklus nachhaltiger zu gestalten. Damit wir alle in ein paar Jahren mit reinem Gewissen bezahlen können. Um nachhaltig produzieren zu können, müssen wir alle Faktoren betrachten: Rohstoffe, Produktion, Energie, Wasser und den Standort, darüber hinaus aber auch Transport, Logistik und Verpackung – und nicht zuletzt Entsorgung und Recycling.

Geben Sie uns bitte ein Beispiel?
Für unsere Banknotenproduktion verwenden wir schon heute ein Abfallprodukt aus der Textilindustrie, sogenannte Baumwoll-Kämmlinge, die auch für Wattepads zum Einsatz kommen. Die langen Baumwollfasern überlassen wir der Modeindustrie für feine Kleidung. Bei Verpackung und Transport setzen wir auf plastikfreie Lösungen und wiederverwendbare Transportboxen, idealerweise aus Bio-Kunststoff oder Gras – daran forschen bereits unsere Kolleginnen und Kollegen im sächsischen Werk Königstein. Wir sind also bereit für weniger.

Die Pandemie hat unsere Zahlungsgewohnheiten stark verändert. Kartenzahlung statt Bargeld heißt es immer öfter beim Einkaufen. Wie lange wird es Bar- bzw. Papiergeld noch geben?
Banknoten gibt es in Europa ungefähr seit dem 16. Jahrhundert. Wir alle, die Deutschen ganz besonders, haben eine emotionale Beziehung zu unseren Geldscheinen. „Geld ist gedruckte Freiheit“, hat Fjodor Dostojewski mal gesagt. Ich bin zuversichtlich, dass in der Vielfalt der Bezahlmittel Bargeld noch lange eine Rolle spielen wird. Und vergessen Sie nicht: Bargeld ist die Visitenkarte eines Landes. Weltweit werden jährlich rund 150 Milliarden Geldscheine gedruckt und der Bedarf steigt noch in Krisenzeiten, insbesondere in bevölkerungsreichen Ländern wie China oder Indien. Lieber Bargeld zuhause, sicher ist sicher, heißt es dort. Die Menge der Geldscheine hat hier auch nichts mit einem „Anwerfen der Notenpresse“ durch die Banken zu tun, sondern ganz lapidar mit steigender Bevölkerungszahl und mit dem im Durchschnitt steigenden Reichtum der Menschen.

Was lieben Sie persönlich an Ihrer Arbeit bei Louisenthal am Tegernsee?
Natürlich den wunderbaren Standort, arbeiten, wo andere Urlaub machen. Aber noch mehr Freude macht mir unser geniales Team, der Pioniergeist, der hier lebt, der omnipräsente Spirit – das hier ist wirklich unsere Firma. Wir sind eine kleine, verschworene Gemeinschaft auf einem Hochsicherheitsgelände, die absolute High-Tech-Produkte mit den hohen Sicherheitsstandards der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank herstellt. Ich brauche kein Silicon Valley. Wir holen uns diese Technologie an den Tegernsee und züchten sie hoch. Ist das nicht genial? (lacht)

BARGELD – MYTHOS UND MAGIE

1. Kann man Geld waschen?
Ja, denn Banknoten sind waschecht. Der Hersteller mischt zum Baumwollsubstrat sogenanntes Nassfestmittel. Die Aufheller im Waschmittel lassen die Banknote im UV-Licht aber leuchten. Es könnte also sein, dass die Banknote nicht mehr akzeptiert wird, aber sie ist immer noch echt.

2. Ist Geld eine Keimschleuder?
Nein. Dieser Mythos kam mit der Corona-Diskussion wieder auf den Tisch. Viren und Bakterien halten sich auf Banknoten wesentlich kürzere Zeit als z.B. auf Metall. Trotzdem ist Händewaschen immer eine gute Entscheidung.

3. Wie schwer ist eine Banknote?
Ein Geldschein wiegt nur rund ein Gramm – und das, obwohl er zahlreiche Sicherheitsmerkmale wie Wasserzeichen, Sicherheitsfaden und -fasern eingebaut hat, direkt in das Substrat eingebettet. Trotzdem kann es schwerfallen, einen Hunderter aus der Hand zu geben.

4. Kann ich einer Banknote vertrauen?
Fühlen, sehen, kippen – dieser Dreiklang hilft. Prüfen Sie die Beschaffenheit des Geldscheins. Sehen Sie sich im Licht die Merkmale wie Wasserzeichen, Sicherheitsfaden und Porträtfenster an. Durch Kippen können Sie Hologramm und die Smaragdzahl erkennen. Nicht jeder Fälscher macht sich die Mühe, mehrere Merkmale zu imitieren. Alle Merkmale zu fälschen ist unmöglich, man muss aber aufpassen, dass man nicht auf eine sogenannte Eindrucksfälschung hereinfällt, die auf den ersten Blick wie eine echte Banknote wirkt.

5. Ist mein Geldschein echt?
Sicherheit ist bei einer Banknote das höchste Gut – sagt der Hersteller. Was macht er dafür? Viele Sicherheitstools auf bzw. im Geldschein, die nahezu fälschungssicher sind. Aber Sie müssen diese Merkmale natürlich auch erkennen. Installieren Sie sich die App „Hybrid ADDvance“ von Louisenthal auf Ihr Smartphone, um mehr über Sicherheitsmerkmale zu erfahren.

Über eigens angelegte Fischtreppen können Fische die Wehre umgehen und so die Mangfall auf und ab schwimmen.
Foto: Louisenthal