Wenn es um Oldtimer geht, dann ist nicht nur Mechaniker-Geschick gefragt. Sondern auch: echte Begeisterung für Fahrzeuge, deren wahre Werte nur Liebhaber kennen und die nicht in Euro auszudrücken sind. Ein solcher Experte ist der Tegernseer Thomas Glas.

Text: Susanne Mayr
Fotos: Urs Golling

Thomas Glas Oldtimer-Experte am Tegernsee

Thomas Glas hat seine Leidenschaft für Oldtimer zum Beruf gemacht.

Für einige ist ein Auto vielleicht nur eine Karosse mit vier Rädern, die uns von A nach B bringt. Aber es gibt auch solche, die mehr sind als ein nützliches Ding: Oldtimer. 

Das mechanische Klicken des Türgriffes, das leise Quietschen der Federkernsitze, der spezielle Geruch und schließlich das tiefe Brummen oder Gluckern eines in die Jahre gekommenen Motors – Liebhaberherzen schlagen höher beim Anblick eines Oldtimers.

Einer, der diese Faszination seit Kindheitsbeinen teilt, ist Thomas Glas, der in Tegernsee eine Werkstatt betreibt, die hauptsächlich Oldtimer restauriert, repariert und wartet. „Ich bin da einfach hineingeboren“, sagt der Tegernseer. Schon sein Opa war Mechaniker bei der herzoglichen Familie, sein Vater und er folgten der Leidenschaft. Schließlich übernahm Thomas Glas die ehemalige Opel-Werkstatt in den herzoglichen Gebäuden und machte sich selbstständig, um seine Leidenschaft mit der Arbeit an alten Autos zum Beruf zu machen.

Oldtimer sollten fahren

Dieser Leidenschaft ist es zu verdanken, dass heute noch der Original-Käfer der Familie in deren Besitz ist. Ein wahres Schmuckstück. „Wir haben sogar noch den Original Kaufvertrag“, weiß Glas, der mit dem braunen Käfer, Baujahr 1954, gerne mit der Familie unterwegs ist. „So ein altes Auto muss man fahren“, erzählt er. „Nur so bleibt es gut in Schuss.“ Denn in seiner Werkstatt repariert er bei den alten Autos hauptsächlich Standschäden wie rissige Dichtungen oder eingerostete Bremsen. „Es gibt viele Oldtimerbesitzer, die das Auto nur besitzen wollen und es nicht nutzen“, so der Experte. „Das ist so schade, denn dann hat ja keiner was davon.“ 

Oldtimer Innenansicht

Alles original? Echte Oldtimerfans achten bei ihren Autos auf jedes Detail.

Das ist auch ein Grund, warum Glas im MSC bei der Tegernsee Classic aktiv ist und gerne bei Treffen oder Ausfahrten dabei ist. „Das ist vor allem hier am Tegernsee schön anzuschauen“, schwärmt er. „Diese alten traumhaften Autos vor dieser Kulisse, das ist schon etwas Besonderes.“

Ein eigener Fuhrpark

Gerade im Tegernseer Tal, in dem viele Wohlhabende leben, ist die Oldtimer-Dichte sehr hoch. Und doch sieht man gar nicht so viele davon auf den Straßen. „Viele sammeln die alten Autos einfach“, weiß Tom Glas. „Denn das können gute Wertanlagen sein.“ Auch er hat nicht nur ein Auto, sondern ein paar besondere Stücke in seinem Besitz. Zum einen den Glas V8, der früher einmal Herzog Max in Bayern gehört hat und in einem heruntergekommenen Zustand war. Mit viel Zeit, Herzblut und Geduld wurde daraus dann wieder ein Schmuckstück, mit dem Glas immer wieder gerne unterwegs ist, alleine schon wegen des passenden Namens.

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Ein echtes Einzelstück: Der Rennwagen von Thomas Glas Baujahr 1927.

Von Australien an den Tegernsee

Auch eine echte Rarität gehört zu seiner Sammlung: „Ich habe noch einen alten Rennwagen, Baujahr 1927, mit einer außergewöhnlichen Geschichte“, erzählt er. Dabei handelt es sich um einen Austin 7, den Glas von einer Kundschaft gekauft hatte und damit bei der Sudelfeld Classic mitmachte. Danach bekam er eine E-Mail und erfuhr mehr über die Herkunft des Autos. Ursprünglich stammt der Wagen nämlich aus Australien. Nach Deutschland kam der Rennwagen über Umwege, denn Herbert Nocker, der mit seinem BMW Dixi eine Weltumrundung gemacht hatte, brachte ihn aus Australien mit.

Nachdem Thomas Glas nach einigen Emails mit dem australischen Vorbesitzer in Kontakt kam, flog er schließlich nach Down-Under. „Die sind dort früher mit dem Auto Rundstreckenrennen gefahren“, erzählt der Mechaniker. „Der Erbauer war bei der Luftwaffe und deshalb sind einige Teile auch aus Flugzeug-Alu gefertigt und der Tankstutzen stammt von einem englischen Jagdflugzeug.” Damals wurden die Rennwagen nämlich einfach nach den Vorgaben der Fahrer weiter aufgebaut.

„Solche Geschichten machen die Oldtimer so spannend“, schwärmt Glas, der dann von einem Freund noch einen Peugeot D3, die sogenannte Schweinenase gekauft hat, um damit den Rennwagen zu transportieren. Denn auch mit diesem 95 Jahre alten Rennwagen ist Glas gerne unterwegs und schon viele Rennen gefahren. Er trägt dann einen alten Rennanzug und macht damit das Ensemble komplett.

Treffen der Raritäten

Allen, die selber einen Oldtimer zu Hause haben, rät Glas: „Wer Lust hat, meldet sich einfach bei den Organisatoren einer Ausfahrt oder eines Treffens und kann dann teilnehmen.“ Meist gibt es dazu ein schönes Rahmenprogramm und einige Ausfahrten, bei denen die Etappen in einer bestimmten Zeit absolviert werden müssen. „Aber auch wer nicht selbst mitmacht, kann bei solchen Treffen Schmuckstücke erleben, das lohnt sich auf alle Fälle.“

Für alle, die schöne Autos lieben. Die Termine dieses Sommers am Tegernsee. Zum Teilnehmen oder einfach nur zum Bewundern.

Sa., 13. August: 8. Youngtimer-/Oldtimertreffen am Tegernsee für Fahrzeuge von 1970–1993
Volksfestplatz, Max-Obermeyer-Straße, Gmund

So., 14. August: 20. Oldtimertreffen am Tegernsee für Fahrzeuge bis 1970,
Volksfestplatz, Max-Obermeyer-Straße, Gmund | Infos: www.oldtimerclub-tegernseertal.de

Fr., 9. bis So., 11. September: Concours d‘Élégance Tegernsee: Schönheitswettbewerb für elegante Automobile
Seehotel Überfahrt, Überfahrtstraße 10, Rottach-Egern Infos: www.concours-tegernsee.de

Thomas Glas Oldtimer-Werkstatt

Als Oldtimer werden alle Autos bezeichnet, die mindestens 30 Jahre alt sind. Dann kann man das sogenannte H-Kennzeichen beantragen, das nur erteilt wird, wenn das Fahrzeug noch in einem guten Zustand ist. Im Tegernseer Tal stammt das älteste Auto wohl aus dem Jahr 1908.