Eine einzige Zeichnung – und alles ist gesagt: eine Kunst, die Olaf Gulbransson meisterhaft beherrschte. Sein Vermächtnis ist in einem eigenen Museum zu sehen. Eva Winter kümmert sich darum, dass eine große Tradition von Karikatur und Satire weiterlebt.

Interview: Christian Jakubetz / Foto: Gulbransson Museum

Eva Winter, Geschäftsführerin des Gulbransson-Museum

Frau Winter, ist es ein nostalgischer Gedanke, dass Karikatur und Cartoon „früher“ scharfsinniger waren?
Nein, das nicht. Es ist eher der schwindende Stellenwert der Bildsatire, der nostalgisch stimmt. Die Popularität der Karikatur ist mit der Verbreitung von Radio, TV und Internet ein wenig gesunken. Aber die Kunstform lebt weiter. Es ist eine große intellektuelle Leistung, komplexe Zusammenhänge auf ein einziges Bild zu reduzieren. Unser Museum widmet sich deshalb neben Gulbransson auch dem Werk derer, die die Tradition fortführen, wie Tomi Ungerer, papan, Marie Marcks oder Ironimus.

Gibt es einen, den Sie mit Olaf Gulbransson vergleichen würden?
Gulbranssons Zeichnungen bestechen durch die Schönlinigkeit seiner Strichführung und durch den Verzicht auf Nebensächliches. Mit wenigen Strichen fing er das Wesen eines Menschen ein. Seine Schülerin Franziska Bilek führte dieses Erbe fort, aber auch andere Künstler, wie etwas der kürzlich verstorbene Tomi Ungerer waren vertraut mit Gulbranssons Stil.

Kennen Sie eine einzige Karikatur, die das ganze Tegernseer Tal auf einen Punkt bringt?
Es gibt eine Zeichnung, die sehr schön zeigt, was Gulbransson in Tegernsee wiederfand. Seit seiner Jugend in Norwegen verspürte er eine enge Verbundenheit mit der Natur. Die Arbeit zeigt den Künstler nackt in einer Wiese liegend. Er breitet die Arme weit aus, um die Sonne, die auf ihn herabscheint, in vollen Zügen zu genießen. Dieses Werk steht für das Selbstverständnis des Künstlers und das Museum selbst.

Eva Winter ist Liebhaberin guter Karikaturen und Cartoons. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie stellvertretende Geschäftsführerin des Gulbransson-Museums in Tegernsee.

Seeseiten, Frühling 2019.