Florian Bossert nimmt uns mit auf Entdeckungsreise rund ums Tegernseer Tal und lässt uns die heimische Natur neu erleben.

Text: Florian Bossert

Birkhuhn Wildnis Heimat

Wenn sich die Birkhähne zum Balzen treffen, ist das ein beeindruckendes Schauspiel.
Foto: H. Werth

Wenn der Winter mit Kälte und Schnee in den Bergen rund ums Tegernseer Tal einzieht, dann spielt das Birkhuhn seine Trümpfe aus. Denn es ist ein Wildhuhn mit Schneeschuhen: Befiederte Füße schützen es vor Kälte, seitliche Balzstifte an den Zehen davor, im Schnee zu versinken. Wenn es gar zu rau wird, lässt es sich vom Baum fallen und gräbt sich in Schneehöhlen ein. Dort bleibt es manchmal einen ganzen Tag verschwunden.

Diese perfekte Anpassung fasziniert mich immer wieder. Doch so gut diese Raufußhühner an das kalte Klima angepasst sind, so schlecht bekommt ihnen der Klimawandel mit den zunehmend schneearmen Wintern. Wenn sie sich nicht in Schneehöhlen verkriechen können, setzt ihnen jede Störung zu.

Jedes Frühjahr erlebe ich ein beeindruckendes Naturschauspiel: Es ist Balzzeit, die beste Zeit um nachzusehen, wie viele Birkhühner bei uns leben. Dann nämlich treffen die Birkhähne mit ihren roten Balzrosen über den Augen in den sogenannten Balz-Arenen ein, stellen ihre Schwanzfedern zum Rad auf und kullern und zischen um die Wette.

Leider erleben wir das Gruppenbalzen mit bis zu zwanzig Hähnen heute bei uns nicht mehr. Wir zählen nur einzelne, im besten Fall bis zu drei Hähne. Im Mai kommen die Hennen und schauen nach, wer der Tollste ist. Gut auszusehen und für die Weibchen „einen auf dicke Hose zu machen“, ist dann auch die einzige Aufgabe, die den Hähnen zukommt. Um Brut und Aufzucht kümmern sie sich nicht.

Birkhähne

Huhn mit Schneeschuhen: Birkhähne treffen sich zum Balzen in sogenannten Balzarenen
Foto: B. Reissner

Das Birkwild fühlt sich auf halboffenen Almweiden und im nicht zu dichten Latschengebüsch des Mangfallgebirges wohl. Eigentlich ernährt es sich von Kräutern und Knospen. Aber im Winter nimmt es fast ausschließlich die nährstoffarmen Nadeln und Triebe von Lärche, Latschenkiefer und Fichte zu sich – eine langwierige Nahrungsaufnahme, bei der es vor allem in den Dämmerungsstunden nicht gestört werden darf.

Sollten Sie einmal einem Birkhuhn begegnen, ist es meistens schon zu spät. Dann ist es bereits auf der Flucht. Winterwanderer, Schneeschuh- und Tourengeher sollten sich daher an die ausgewiesenen Routen halten. In meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass der Fuchs, ein Fressfeind der Birkhühner, inzwischen auch im Winter in höhere Lagen vordringt. Er nutzt einfach die Aufstiegsspuren der Touren- und Schneeschuhgeher.

Übrigens ist das Birkhuhn ist eine sogenannte Schirmart. Wenn wir diese schützen, profitieren auch andere Tier- und Pflanzenarten im Tegernseer Tal davon, wie Schneehasen, seltene Schmetterlinge oder Orchideen. Das Birkhuhn steht also nicht allein für den Vogelschutz, sondern für die gesamte Lebensgemeinschaft dieser halboffenen Berglandschaft.

Florian Bossert arbeitet als Gebietsbetreuer Mangfallgebirge im Auftrag des Landkreises Miesbach und des Bayerischen Naturschutzfonds. Er hilft auf unterschiedliche Weise und mit viel Herz, intakte Ökosysteme unserer Berge zu schützen und die Artenvielfalt zu erhalten. Mit den Seeseiten-Lesern teilt er sein Wissen über die Natur der Region. Gehen Sie mit ihm auf Safari:

Tierspuren erkennen und bestimmen mit Florian Bossert
Sa, 16.01.2021,10.00 Uhr
Treffpunkt Gut Schwärzenbach,
Schwärzenbach 1, Gmund

Infos zu Anmeldung und Ausrüstung:
www.tegernsee.com/e-tierspuren-erkennen-und-bestimmen