Die Lederhose ist mit Abstand eines der wohl bekanntesten Trachtenkleidungsstücke. Hier zeigen wir Ihnen einen echten Oldie.

Text: Susanne Mayr

seeseiten Lederhose Tracht

Diese hirschlederne Trachtenhose ist ca. 70 Jahe alt. Oben sieht man Büffelhornknöpfe, der Hosenlatz ist mit feinen Stickereien per Hand verziert.
Foto: Urs Golling

Können Sie sich vorstellen, dass die Lederhose noch Anfang des 20. Jahrhunderts als sittenwidriges Kleidungsstück galt? Aber dazu muss man vielleicht kurz in der Geschichte ein bisschen ausholen.

Denn eigentlich war die Lederhose nichts anderes als eine Arbeitshose für Bauern, Jäger und Holzarbeiter aus Ziegenleder, meist knielang, die vom Frühjahr bis Herbst getragen wurde. Die war allerdings sehr einfach geschnitten und ohne Stickerei. Über die Jahre verschwand sie mehr und mehr, doch schließlich zeigte sich der Adel in Kniebund-Lederhosen wieder zur Jagd.

Als sich dann einige Liebhaber der Tracht dazu entschlossen, Trachtenvereine zu gründen und das beliebte Kleidungsstück wiederzubeleben, war der Siegeszug der heute so beliebten Lederhose nicht mehr aufzuhalten. Zumindest fast, denn anfangs wurden die Träger dafür nicht nur verlacht, sondern von der Kirche sogar von Festlichkeiten ausgeschlossen. Zu freizügig waren die „Kniehosler“ für die damalige Gesellschaft.

Aber schließlich begrüßte auch der König den Gedanken einer Trachtentradition und seit den 1920er Jahren ist die Lederhose wieder mehr als salonfähig.

Eine Kurze mit langem Leben

Heute hat jeder Mann, der in Bayern etwas auf sich hält, mindestens eine „Kurze“ oder „Krachlederne“ im Schrank. Einmal angefertigt hält das gute Stück ein Leben lang und wird sogar oft weitervererbt. Zu verdanken hat sie das dem sehr robusten Leder, aus dem sie gemacht wird.

Hier am Tegernsee trägt man traditionell Hirschleder, das dunkel gefärbt wird mit schönen Blattstickereien. Zum Glück sind hier die Regeln nicht so streng, nur wenige Muster sind bestimmten Trachtenvereinen vorbehalten. Besonders schön werden der Hosenlatz vorne und die Beinnähte verziert.

Eine Besonderheit ist dann natürlich noch das kleine Täschchen an der Seite, das gerne mit Monogramm bestickt wird und in die traditionell ein Hirschfänger, der heute mehr Brotzeitmesser als Waffe ist, gesteckt wird.

Unten an den Beinen sieht man oft Büffel- oder Hirschhornknöpfe, die Bänder gehören nur zu echten Plattlerhosen, also die der Trachtenvereine – aber auch die darf jeder tragen.

Beim Kauf sollte die Lederhose übrigens ruhig knackig wie eine zweite Haut sitzen, denn das Leder gibt immer nach. Je mehr eine Lederhose getragen wird, umso schöner wird sie, bleicht nach und nach ein wenig aus und bekommt ihre perfekte Form und die charmante Patina. Und die sollte man auf keinen Fall abwaschen, es reicht, Verschmutzungen mit einer Lederbürste zu behandeln.

Die oben dargestellte Lederhose wurde uns von der Familie Keil zur Verfügung gestellt, die seit mehr als 225 Jahren das Trachtengeschäft Greif in Rottach-Egern betreibt und uns mit einer Fülle an Expertenwissen beim Schreiben dieses Beitrags begleitet hat.