Knallig weiß-rote Segel, zwei Kufen und richtig viel Tempo: Wer Topcats über den Tegernsee sausen sieht, kann sich vorstellen, welche Faszination das ausübt. Die WM-Segler Uta Eyck und Wolfgang Kordes erzählen, wie es sich anfühlt, Katamarane zu steuern.

Text: Susanne Mayr | Fotos: Urs Golling

Katamaran-Segeln am tegernsee

Uta Eyck und Wolfgang Kordes in Aktion. Die Topcat-Katamarane zählen zu den schnellsten und sichersten schwertlosen Sportkatamaranen der Welt.

Fragt man Wolfgang Kordes, wie er zum Katamaransegeln gekommen ist, dann leuchten seine Augen. Denn nach den ersten Anfängen auf kleineren Jollen und einer leidenschaftlichen Surferkarriere, war für ihn schnell klar: Da muss noch mehr drin sein. Und so kaufte er sich seinen ersten Katamaran. Danach hat ihn das Thema nie wieder losgelassen.

Aber das ging erst einmal nicht vielen so. „Damals wurden wir belächelt und es gab am Tegernsee nur ein paar private Liegeplätze für Katamarane“, erzählt er von den Anfängen. Als er Ende der 1990er Jahre bei der Europameisterschaft am Neusiedlersee teilnehmen wollte, musste er sich einen Verein suchen, der vom deutschen Seglerverband anerkannt war. Den fand er im Yacht-Club Bad Wiessee, der sich bereit erklärte, ihn und seinen Freund Kurt als Mitglieder probeweise aufzunehmen. „Wir waren für die nur die Flößer, die mit diesem komischen Katamaran segelten“, schmunzelt Kordes. „Aber nach einem Jahr haben wir uns so gut mit allen verstanden und wurden akzeptiert.“ Seitdem ist die Anzahl der Katamaran-Liegeplätze im Wiesseer Club – vor allem dank Kordes – auf heute 26 Boote angewachsen. Als einziger Club für Katamarane am Tegernsee ist die Warteliste aber für Neuaufnahmen mittlerweile lang. Nur Gastliegeplätze für einige Wochen stehen zur Verfügung.

Eingespieltes Team

Seine Frau Uta, mit der Kordes heute gemeinsam segelt, kam schon früh mit Katamaranen in Berührung und ist eine der wenigen Steuerfrauen bei Regatten. „Mein Onkel hatte sich aus zwei Paddelbooten einen Katamaran gebaut und ich wollte unbedingt mitsegeln“, erzählt die Seglerin, die erst seit sechs Jahren am Tegernsee ist, „Aber er meinte nur, das sei nichts für Mädchen. Da war mir klar, dass ich das erst recht will.“ Nach dem Studium in Berlin suchte sie sich einen Club und schnell machte sie sich mit ihrem Können in der Szene einen Namen.

Gemeinsam sind Wolfgang und Uta jetzt ein eingespieltes Team, das nicht nur den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft auf ihrem Topcat ersegelt hat, sondern auch in der Klassenvereinigung aktiv ist. Bootsklassen mit einer gewissen Verbreitung in Deutschland sind in Form von Klassenvereinigungen organisiert, die sich speziell um die Belange der Klassen kümmern und beispielsweise die Ranglisten führen und die Klassenvorschriften erstellen.

Katamaran-Segeln am Tegernsee

Dreamteam – nicht nur auf dem Topcat: Uta Eyck und Wolfgang Kordes.

Uta Eyck ist Chefin der Internationalen Topcat-Klassenvereinigung, Wolfgang engagiert sich dort als Chefvermesser, zuständig für Technik und Klassenregeln. Sie geben in ihrer Freizeit im Sailingcenter Kurse oder trainieren den vielversprechenden Nachwuchs im Yacht-Club Bad Wiessee. Auch er hat eine lange sportliche Erfolgsgeschichte vorzuweisen: 1. Platz bei der Österreichischen Meisterschaft, 3. Platz bei der Deutschen Meisterschaft, WM-Teilnahme.

Geschwindigkeit und Konzentration

Doch was macht den Katamaran so anders? Zuerst einmal der Aufbau. „Man hat zwei Rümpfe, die mit dem Trampolin verbunden sind“, erklärt Kordes. „Ein Topcat hat so schon einmal die stattlichen Grundmaße von 5,60 x 2,50 Meter. Und durch diesen Aufbau hat ein Katamaran viel weniger Wasserwiderstand als eine Jolle und wird schneller. „Dadurch, dass man so breit ist, hat man eine viel bessere Segelwirkung, der Katamaran geht erst bei mehr Wind in Schräglage. Man kann also mehr Windkraft in Geschwindigkeit umsetzen“, erklärt der Segelprofi.

Das Segeln mit einem Katamaran gilt als sportlich anspruchsvoll, wie Uta Eyck weiß: „Es ist unmittelbar, man wird auch mal nass bei mehr Wind. Es ist intensiv und man spürt die Wellen und das Wasser einfach mehr.“ Steigt der Katamaran bei Wind auf eine Kufe, ist der Vorschoter und Steuermann im Trapez auch mal schnell ein paar Meter in der Höhe. „Das kribbelt dann schon ordentlich im Bauch“, lacht Kordes und Uta Eyck schwärmt: „Die Geschwindigkeit ist überwältigend. Wir können mit unserem Boot bis zu 22 Knoten erreichen.“ Dann ist aber absolute Konzentration gefordert, so die passionierte Steuerfrau. „Ich weiß bei Regatten oft gar nicht, an welcher Stelle am See wir sind, da ich nur auf das Segel fixiert bin.“

Ein anspruchsvoller Sport

Da ein Katamaran so viel schneller als eine normale Jolle werden kann, gibt es zusätzlich zum Segelschein den speziellen Katamaranschein. „Das ist sinnvoll, denn Katamaransegeln ist sehr anspruchsvoll“, weiß Segellehrerin Eyck. „Ein Kat startet auch bei weniger Wind gleich los, deshalb muss man viel weiter vorausdenken. Dafür reagiert er bei Kurven langsamer als eine Jolle, die fast auf der Stelle drehen kann“, ergänzt Kordes.

In vier bis sechs Doppelstunden lernt man in einem Kurs den Umgang mit dem Boot und die Grundkenntnisse in Theorie und Praxis. Danach gibt es einen Schein, der belegt, bei wie vielen Windstärken man schon mit einem Katamaran gesegelt ist. „Alles andere ist Übung“, so Eyck.

Trotzdem, selbst bei viel Erfahrung ist Konzentration gefor- dert. Wenn ein Katamaran „einspitzelt“, also mit den Kufen vorne unter Wasser kommt, dann kracht es schon mal rich- tig. Dazu reicht ein kurzer Moment der Unachtsamkeit. Im schlimmsten Fall kentert der Katamaran.

Gesegelt wird der K1 Topcat immer von zwei Personen: Steuermann oder -frau und Vorschoter. Der Vorschoter kümmert sich um Fock, Großschot und macht die Taktik, so dass der oder diejenige am Steuer sich voll und ganz auf das Segel und den Kurs konzentrieren kann. In ihrer Freizeit wechseln Wolfgang Kordes und Uta Eyck auch mal die Plätze und lassen es etwas ruhiger angehen. „Man hat auf einem Katamaran viel Platz und kann sich auch einfach mal sonnen“, erzählt Kordes.

Die Segelsaison am Tegernsee geht von Mai bis Oktober. Dann wird der See vor allem wegen seinen abwechslungsreichen, anspruchsvollen und thermischen Winden sehr geschätzt und war schon Austragungsort vieler, auch internationaler Regatten und Meisterschaften.