Jörg Knör über gute Unterhaltung und die Frage nach dem unterschiedlichen Humor von Bayern und Hamburgern.

Interview: Christian Jakubetz / Fotos: Det Kempke

Jörg Knör Entertainer

Während man die letzten Minuten auf Jörg Knör wartet, hat man noch Zeit zum Nachdenken. Beispielsweise darüber, wie genau man ihn bezeichnet. Schließlich kann der Mann so ungefähr alles. Er singt, spielt Saxophon, parodiert und ist ein Entertainer der alten Schule. Und während man nachdenkt, ist Jörg Knör auch schon da – und vermutlich kann er auch noch Gedanken lesen…

Hallo Herr Knör, ich…
Bevor wir anfangen, ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich nicht Parodist nennen würden.

Hatte ich nicht vor, aber verraten Sie mir trotzdem, warum nicht?
Ach, wissen Sie, wenn ich mich ab und zu bei YouTube umschaue, da gibt es so viele alte Videos mit Sachen, die ich vor vielen Jahren mal gemacht habe. Ich stehe ja zu allem, was ich gemacht habe, aber ich bin doch viel mehr als der Typ, der mal Inge Meysel parodiert hat. Ich werde deswegen immer noch auf Sachen angesprochen, von denen ich sage, aber das ist doch alles schon so lange her…

Wer ist Jörg Knör denn heute?
Waren Sie mal bei Vimeo, bei den ganzen neuen Videos? (vimeo.com, nach Jörg Knör suchen; Anm. der Redaktion). Ich habe gerade für viel Geld eine Aufzeichnung gemacht. Von der gibt es bei Vimeo drei Varianten. Und die vermitteln ein deutlich besseres Bild davon, wer Jörg Knör heute ist, und was er macht. Wenn man mich auf die alten Sachen anspricht, dann komme ich mir immer vor wie ein kleiner Junge, dem man nochmal Schokolade mitbringt. Ein bisschen habe ich mich ja doch weiterentwickelt…(lacht).

Wenn ich jetzt auf einer Bühne stehe, dann ist das für mich Luxus. Weil mir alles, was ich da mache, einfach Spaß macht. Das ist mein einziger Maßstab für mich selbst. Und nur etwas, woran ich selber Freude habe, wird auch dem Publikum Freude machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dem Publikum heute sehr viel mehr biete als in den Zeiten, als ich beispielsweise im ZDF acht Millionen Zuschauer hatte.

Die Ankündigung Ihres neuen Programms „Filou“ liest sich ein bisschen wie eine Lebensgeschichte…
Nein, das ist es nicht. Es ist ein Rendezvous, das in Paris stattfindet. Die Kulisse ist der Montmartre, da treffen sich dann ganz viele Persönlichkeiten. Etwas eher Biografisches kommt erst nächstes Jahr, wenn ich 60 werde und 40 Jahre auf der Bühne stehe. Das addiere ich dann einfach zu einer 100.

Was macht der Jörg Knör von heute in seinen Programmen anders und vielseitiger als früher?
„Filou“ ist ein bisschen entstanden wie ein Musical. Ich singe, ich spiele Instrumente, ich erzähle Geschichten. Die Produktion der Show hat über 80.000 Euro gekostet. Ich hätte das alles auch einfacher und kostengünstiger machen können, aber ich will einfach was richtig Gutes für das Publikum, da bin ich einfach auch ein bisschen Idealist. Wer die Show gesehen hat, der geht raus und weiß: Der Knör kann singen, der macht seine Texte selber, das ist nichts Nachgemachtes und auch nichts Nachproduziertes.

Jörg Knör am Tegernsee

Entertainment pur. „Filou“ Jörg Knör auf der Bühne.

Verraten Sie uns etwas mehr über das neue Programm?
Natürlich. Ich begehe beispielsweise den 100. Geburtstag von Helmut Schmidt auf der Bühne. Ein kleiner Abgesang auf Angela Merkel wird dabei sein und natürlich taucht auch das Thema „Zeichnen“ immer wieder im Programm auf. Kann also sein, dass ich jemanden zeichne und dann kurz darauf schon genau in diese Rolle schlüpfe…

Wären Sie denn dann einverstanden, wenn man Sie einfach einen klassischen Entertainer nennen würde?

Ja, das geht, ob jetzt klassisch oder nicht klassisch. Ich bin ja auch keine 30 mehr, sondern eher ein alter Hase. Und ich mache eine Art Unterhaltung, wie ich sie ja auch selbst gelernt habe, beispielsweise bei jemandem wie Rudi Carrell. Ich habe ja mit vielen großen Leuten gearbeitet, ob nun mit Carrell oder auch lange Jahre mit Loriot.

Echt, Loriot? Wie das?
Da hatten wir zehn Jahre lang einmal im Monat einen Tag am Starnberger See, da habe ich für ihn die ganzen Tiere gesprochen, Wum, Wendelin…

Wenn man sich die Entertainer von früher anschaut, die waren ziemlich vielseitig…
Ja, und ich glaube, dass die Zeit dafür auch wiederkommt. Dieses Varieté-artige, das Bunte, auch das einfach Gutgelaunte. Das hat sicher damit etwas zu tun, dass die Menschen heute so vielen Belastungen ausgesetzt sind. Da will man vielleicht seine wertvolle Zeit abends nicht auch noch damit verbringen, einem Kabarettisten zuzuhören, der einen dazu bringen will, über den Syrien-Krieg oder die Flüchtlings-Problematik nachzudenken. Trotzdem ist das nicht banal…

Nein, sicher nicht – Menschen zwei Stunden zu unterhalten ist ja buchstäblich große Kunst…
Das Kunststück ist vor allem, zwei Stunden lang nichts zu tun, was die Leute langweilt. Du musst sie zwei Stunden lang in Spannung halten, sie neugierig machen, sie immer wieder überraschen. Unterhaltung heißt, du bringst zwei Stunden lang etwas, womit die Leute nicht rechnen. Klar, alles andere könnten sie ja sonst selbst (lacht)…

Entertainer Jörg Knör am Tegernsee

Tausendsassa auf der Bühne: Die Udo-Lindenberg-Parodie gehört immer noch zu Knörs Glanznummern. In seinem Programm „Filou“ überzeugt er auch als Sänger und Geschichtenerzähler.

Wenn man auf Ihren Tourplan schaut, Sie sind schon verdammt viel unterwegs auf der Bühne, machen das bald jeden Abend…
Nein, nein, nicht jeden Abend. Aber es stimmt, ich bin schon viel unterwegs.

Würden Sie sagen, es gibt regionale Unterschiede im Publikum? Also, sagen wir: zwischen Flensburger und Tegernseer Publikum?
Ja, in jedem Fall. Nördlich des Mains wird es eng…

Eng?
Wenn ich in Hamburg auftrete, dann bin ich mehrere Abende hintereinander ausverkauft. Meistens schon Monate im Voraus. Das ist für mich im Süden deutlich schwieriger. Ich gebe zu, damit muss man als Künstler erst mal klarkommen.

Woran liegt es? Gibt es eine Humor-Grenze zwischen Norden und Süden? Ist der bayerische Humor einfach anders?

Nein, das vielleicht nicht, aber natürlich tun sich Künstler mit einer heimischen Prägung, einem heimischen Dialekt, etwas leichter.

Django Asül hat allerdings im Interview unserer letzten Ausgabe gesagt, man treffe am Tegernsee ohnehin keine Bayern, sondern nur Düsseldorfer, die sich zum Bayern umoperieren lassen wollen…
Na, das ist doch wunderbar, dann muss ich mir ja überhaupt keine Sorgen machen! Vor allem lieben die Düsseldorfer ja die ganzen Promi-Geschichten, die ich in meinem Programm so erzähle…

Also, Sie wissen, was Sie am Tegernsee erwartet…
Natürlich. Und ich freue mich auch schon sehr auf schöne Landschaft, gutes Essen, nette Menschen…

„Tegernsee? Da zeichne ich Ihnen doch schnell mal was“, sagt Jörg Knör, als wir uns mit ihm über sein Gastspiel vor Ort und über die „Seeseiten“ unterhalten. Und tatsächlich: Die Zeichnung, mit der wir dieses Interview illustriert haben, hat Knör ganz alleine für die Seeseiten-Leser gezeichnet. Hatten wir erwähnt, dass der Mann enorm spontan und kreativ ist?

Weil ich den Tee gern seh... Jörg Knör Zeichnung

Mit den besten Grüßen an die Leser der „Seeseiten“: Eine Zeichnung, die Jörg Knör spontan während des Interviews gemacht hat.
Illustration: Jörg Knör

Das Gespräch mit Jörg Knör führten wir anlässlich seines Gastspiels in der Winner’s Lounge/Spielbank in Bad Wiessee im Septebmer 2018.

Seeseiten, Sommer 2018.