Die größte Komik steckt – in den ganz normalen Fragen. Manchmal zumindest. Weswegen Wigald Boning und Bernhard Hoëcker für ihr Programm „Gute Frage“ gar kein Programm geschrieben haben. Stattdessen beantworten sie Fragen aus dem Publikum. Jede, die kommt. Was also passieren wird, wenn die beiden am Tegernsee auftreten, ist offen. Sicher ist nur: Es wird lustig. Und für die „Seeseiten“ war diese Idee ein schöner Anlass, endlich mal ein Interview zu führen, in dem man nach Herzenslust jede Frage stellen darf.

Interview: Christian Jakubetz
Fotos: Uwe Ernst / NDR

Schon jemals gedacht: Ok, diese Frage ist so doof, die beantworten wir nicht?
WIGALD BONING: Nein, gerade die, nun ja, etwas herkömmlicheren Fragen sind für uns Inspiration und Herausforderung.
BERNHARD HOËCKER: Nein.

Und wie oft sind Sie an einer Antwort gescheitert?
BONING: Scheitern ist unser täglich Brot. Nur wer scheitert, trägt in sich den Keim der Persönlichkeitsentwicklung. Ich versage gern!
HOËCKER: Nie.

Gibt es was Schlimmeres als Journalisten-Fragen?
BONING: Vor uns sind alle Fragesteller gleich. Auf der Bühne sind die Fragen ja eh anonymisiert.
HOËCKER: Ja, klar. Ich habe schon psychotherapeutische Momente erlebt. Allerdings fragen Journalisten oft dieselben Dinge ab, die man in tausend Interviews und im Internet nachschauen kann…

Herr Hoëcker, woher kommen die lustigen Pünktchen auf dem “e” in Ihrem Namen, wie heißen sie, was bedeuten sie und wo findet man sie auf der Computer-Tastatur?
(lacht)… … wie zum Beispiel diese hier.

Ok, Punkt für Hoëcker. Kann man googeln. Die lustigen Pünktchen heißen Tremazeichen. Dabei handelt es sich um ein diakritisches Zeichen in Form eines horizontalen Doppelpunktes über einem Vokal. Seine Verwendung hat in den Orthographien verschiedener Sprachen zumeist die Funktion, eine veränderte Aussprache im Lautzusammenhang anzuzeigen. Im Falle Hoëcker bedeutet das, dass man das „ë“ etwas stärker betont und dass aus dem „oe“ kein „ö“ wird, sonst würde er ja „Höcker“ heißen. Wieder was gelernt.

Herr Boning, es tut mir wirklich leid, aber immer, wenn ich Ihren Namen höre, muss ich an die Textzeile “Jesus war ein Wandersmann am liebsten auf’m Ozean” aus dem, nunja, Song „Jesus“ denken und laut lachen. Jetzt, 25 Jahre später, fällt mir ein: War die Zeile überhaupt von Ihnen oder doch von Olli Dittrich?
BONING: „Jesus“ war vor allem Olli ein Anliegen, weil er ja gebürtiger Offenbacher ist und ein erbauliches Lied auf hessisch singen wollte. Aber wer genau was dichtete, habe ich vergessen. Zu lange her.

Wie originell finden Sie es, wenn Sie im Jahr 2019 auf die “Doofen” und “RTL Samstag Nacht” angesprochen werden?
BONING: Originell eher nicht, aber schön. Haben wir uns den träumen lassen, diesen Nachhall.

Herr Hoëcker, wenn man Sie nachts um 3 weckte, welche Rolle aus “Switch” könnten Sie auf der Stelle spielen?
HOËCKER: Gottschalk, die ist so dick und klar. Allerdings würde mir der Lesch besser gefallen, aber da müsste ich noch einmal kurz reinhören.

Der Satz, dass kleine Männer gefährlich seien, das sehe man ja an Hitler und Berti Vogts, stammt aus welcher Comedy?
BONING: Hitler war nicht klein – jedenfalls im Vergleich zu uns. Wer behauptet so was? Das Heute-Journal?
HOËCKER: Das muss „Stromberg“ sein. Oder?

Mit Comedy-Fragen kommt man Hoëcker nicht bei. Stimmt, der Satz stammt aus der ersten Staffel von „Stromberg“.

Hätten Sie den Satz auch selbst geschrieben oder greift da der Reflex, dass Sachen mit Hitler nicht lustig sind?
BONING:
Doch, Sachen mit Hitler werden inzwischen von manchen für lustig gehalten. Ich finde Sachen mit Vogts weiterhin schwierig. Da schwingt sogleich die Schande von Cordoba mit. Du meine Güte, war ich enttäuscht. Nein, ich mache nur Witze über mich – und wenn ich die alle durchhabe, ist Bernhard dran.
HOËCKER: Sachen mit Hitler können sehr lustig sein. Wenn man einen grausamen Tyrannen dadurch zu etwas Besonderem macht, sich nicht über ihn lustig zu machen, halte ich das für einen Fehler. Nicht umsonst haben Diktatoren Angst vor Humor.

Und wer von Ihnen ist jetzt eigentlich größer?
BONING: Wenn ich meinen Rundrücken raushängen lasse: Bernhard knapp.
HOËCKER: Das dürfen Sie entscheiden und für die Länge müssten wir kurz in unsere Ausweise schauen, um auch eine offizielle Antwort geben zu können.

Ist Bayern lustig?
BONING: Ich, Waterkant-Wigald, bin eingeheirateter Bayer mit allen Rechten und Pflichten. Artikel 6 Bayerische Landesverfassung. Schon mal lustig.

Falls Sie es vergessen haben: Die erste Frage war, ob es jemals schon mal eine Frage gegeben hat, die für eine Antwort zu doof war. Zweifelhafte Premiere, die wir da hingelegt haben.

In drei Sätzen: Könnten Sie bayerischen Schulkindern erklären, warum König Ludwig damals im Tegernsee den Tod suchte?
HOËCKER: Woanders hat er ihn nicht gefunden. Lerne schwimmen. Rede mit Freunden.
BONING: Nein, könnte ich nicht. Weil es im Starnberger See passierte. Aber bei ihm geht es generell immer um Zahnschmerzen – übrigens, ist ohne diese Geschichte auch die deutsche Einheit 1871 undenkbar.

Gut, Boning ist auf die Fangfrage nicht reingefallen. Hoëcker schon. Sanfte Rache für die Premiere bei den schlechten Fragen! Nächste Frage. Mal sehen, wie das kleine Duell mit Hoëcker ausgeht.

Welcher Bundeskanzler ist am Tegernsee beerdigt?
BONING: Ludwig Erhard, in Gmund. Ich stand schon mal an seiner Statue und habe ein Selfie mit ihr gemacht.
HOËCKER: Ludwig Erhard. Es ist allerdings albern, solche Fragen zu stellen. Schließlich ist man ja heute in der Lage, so etwas nachzuschauen, und meine Neugierde ist einfach größer als meine Faulheit.

Ok, Punktsieg Hoëcker.

Herr Boning, Sie sind zwar jetzt qua Verfassung nach Ihrer Hochzeit offiziell ein Bayer. Aber würden Sie einen mittelschweren bayerischen Einbürgerungstest bestehen?
BONING: Ich denke schon.
HOËCKER: Ich will mich mal einmischen: Ich auch, ich bin in der Pfalz geboren und das gehört(e) rechtlich zuBayern.

An der Stelle müssen wir aufgeben. Waterkant- Wigald ist so bayerisch, den bringt man mit nix aus der Fassung. Und wenn jetzt Hoëcker auch noch Bayer sein will…

Wechseln wir also das Thema und reden wir über den Extremsportler Boning, der eine ganze Zeit lang mal nur nachts gelaufen ist und diese Erfahrungen auch in einem Buch niedergeschrieben hat.

Laufen Sie eigentlich noch nachts und wenn ja: Warum?
BONING: Frühmorgens. Echte Schlaflosigkeit peinigt mich nicht mehr, höchstens senile Bettflucht.

Was dem Boning sein Extremsport, ist dem Hoëcker sein Geocaching. Macht er angeblich mit großer Leidenschaft. Da muss man doch mal nachfragen.

Würde ich einen typischen Hoëcker-Geocache sofort erkennen? Und wenn ja: woran?
HOËCKER: Er läge auf dem Gipfel eines Berges.

Was genau ist an so einer GPS-Schnitzeljagd eigentlich
so faszinierend?
HOËCKER: Die Vielfalt. Man kann in Städten, auf dem Land oder richtig Outdoor unterwegs sein. Es gibt sie als Reiseführer oder als rätselhafte Herausforderung. Und man trifft damit immer wieder Menschen, die so verschieden sind wie die Dosen, die man sucht.

Herr Hoëcker, wie oft passiert es Ihnen, dass Ihnen jemand auf der Straße “Sie sind raus!” hinterherruft?
HOËCKER: Oft, ich winke oder sage, „Ok, dann gehe ich“.

Ich habe mal gehört, dass die meisten Menschen, die beruflich Comedy machen, privat komplett unlustig sind. Nur ein Gerücht?
BONING: Nein. Privat sind wir beide völlig humorlos. Aber vielleicht sollte ich da besser nur von mir sprechen. Die meisten Witze erkenne ich privat gar nicht als solche.
HOËCKER: Es gibt solche und solche. Aber grundsätzlich sind die Bühnenleute welche, die es gelernt haben, mit Sprache zu unterhalten, und so wird ein Abend mit Kollegen gern mal sehr lustig. Aber wir sind ganz normale Menschen, die auch mal langweilig und schlecht gelaunt sind.

Die zwei Seiten des Wigald Boning: Als schlagfertiger Bühnenpartner von Bernhard Hoëcker (links) und als eingeheirateter Bayer und Wandersmann mit Ehefrau Teresa.
Foto: Wigald Boning privat

Leben wir in guten oder schlechten Zeiten?
BONING: Gute Zeiten. Viel Wohlstand, immer bessere Medizin, Kriege werden zunehmend mit Computerviren geführt. Aber vielleicht antworte ich so auch nur, um mir und den Lesern den Tag nicht zu vermiesen.
HOËCKER: Im Großen und Ganzen wird die Welt immer besser, was immer man darunter verstehen mag. Und wenn ich in ein anderes Jahr reisen müsste, um dort zu bleiben, wäre das 2019.

Sicher?
BONING: Die Tatsache, dass Bernhard und ich am schönen Tegernsee gastieren dürfen, macht die Zeiten gut – jedenfalls für uns und unser Publikum.
HOËCKER: Ja.

Und schließlich noch, quasi als goldene Brücke, die Frage, mit der Sie sich bei Ihrem Publikum in Bad Wiessee jetzt schon unsterblich machen können, auch wenn die Frage – zugegeben – ein kleines bisschen rhetorisch ist: Warum ist der Tegernsee der schönste See Deutschlands, ach was, Europas?
BONING: Ich habe zum Tegernsee eine ganz persönliche Beziehung: Meine Frau und ich haben hier unsere persönliche Bestleistung im „Eingehakt spazieren gehen“ aufgestellt: 30 km von Holzkirchen nach Gmund. Diese sportliche Höchstleistung hat sich in unsere Herzen eingebrannt.
HOËCKER: Weil der Eltonsee in Asien nicht zur Wahl steht…

Das Gespräch mit Wigald Boning und Bernhard Hoëckerführten wir anlässlich ihres Gastspiels in der Winner’s Lounge in Bad Wiessee im Oktober 2019.

Seeseiten, Herbst 2019.