„De mim Huad san guad“ – sagt schon ein altes bayerisches Sprichwort. Heute kommt vor allem der Hut zur Tracht wieder in Mode. Aber: Hut ist nicht gleich Hut. Eine ganz besondere Ausführung stellen wir in dieser Ausgabe vor.

Text: Susanne Mayr / Foto: Urs Golling

Tegernseer Stopselhut

Natürlich trägt man zur Tracht nicht irgendeinen Hut. Die Regeln sind hier zwar nicht so streng. Aber er sollte im Stil und Aussehen doch passend sein. Ein echtes Original ist der Tegernseer Stopselhut und den gibt es auch in einer sommerlichen Ausführung aus feinstem Bortenstroh.  

Schon Bilder und Lithografien von Lorenz Quaglio II um 1825 zeigen den Stopselhut in der Gegend um Tegernsee als im Alltag getragenen Hut. Heute sieht man ihn kaum mehr auf den Straßen. Aber spätestens zu traditionellen Feierlichkeiten oder Waldfesten wird er wieder gern getragen.  

Besonders beliebt: der Tegernseer Strohhut. Und der ist auch etwas ganz Besonderes. Seine Besonderheiten sind eine hohe, schmale Kopfform, ein schmaler Rand und eine grüne Kordel. Gefertigt wird er aus der sogenannten „Mottled“ einer geflochtenen Strohborte – aus angeblich genau sieben Weizenstrohhalmen. Unzählige Meter dieser Borten werden dann von ganz oben, in der Hutmitte beginnend, Reihe für Reihe auf speziellen Nähmaschinen in Handarbeit zur gewünschten Hutform genäht und zum Schluss gepresst.  Das passiert heute fast ausschließlich in Italien. Doch den letzten Schliff bekommt er nach wie vor in den heimischen Hutgeschäften. Dort wird er dann mit Dampf stärker eingedrückt, ganz nach den Wünschen des Kunden.  

Ein Hut, der mit dem Träger lebt

Anschließend wird die Kordel und das Schweißleder, ein Lederinnenband angebracht, das mit den Initialen des Trägers geprägt werden kann und die Garnitur ausgesucht. Auch hier zählt der Geschmack des Trägers. An die grüne Kordel werden meist „Räsal“, also kleine Stoffröschen angesteckt, dazu kommen Federn von Eichelhäher oder Erpel, ein Gamsoder Hirschradl und verschiedene Abzeichen. Hier ist alles möglich und erlaubt.  

Eine Besonderheit hat der Hut außerdem noch: Er lebt sozusagen mit seinem Träger. Deshalb wird er mit der Zeit immer heller und höher. Die Höhe entsteht durch das Halten und Auf- und Absetzen am Griff, die Farbe bleicht einfach aus. So entsteht über die Jahre aus der dunkelgrünen Kopfbedeckung ein fast beiger Strohhut.  

Hinter der Geschichte: Unser Hut stammt aus dem Fundus des Hutmachers Schätz in der Rosenstraße in Tegernsee, den es seit gut 125 Jahren gibt. Geführt wird das Geschäft inzwischen in vierter Generation von Doris Gollé. Ihr Vater, Gottfried Schätz, hatte immer mehrere Strohhüte in Gebrauch. Einen verwitterten zum Berggehen oder für legere Anlässe, einen „Besseren“ zum Beispiel für die Waldfeste.  

Infos zum Laden oder dem Handwerk gibt es auch unter www.hut-schaetz.de