Die Handsiebdruckerin und Stoffliebhaberin in Gmund, Gasse, erzählt von ihrer Leidenschaft.

Interview: Susanne Mayr

Handdruckerei Gistl Tegernsee

Martina Gistl fand vor zehn Jahren per Zufall zu dem Handwerk.
Foto: Urs Golling

Wir bedrucken gerade eine 100 Jah-re alte Leinentischdecke, die aus ei-nem historischen Aussteuerschrank stammt. Das ist auch für uns etwas Besonderes, denn so einen hochwertigen und gut gewebten Stoff findet man heute nur noch selten.

Und was wäre, wenn Sie sich jetzt verdrucken?
(lacht) Dann hätten wir es wohl buchstäblich versiebt! Aber im Ernst, ich muss gestehen, dass mein Herz bei solchen Arbeiten immer noch höher schlägt, weil wir alles mit viel Hingabe und Genauigkeit machen. Und natürlich möchte ich, dass das Ergebnis sehr gut ist.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses alte Handwerk auszuüben?
Das war mehr ein Zufall. Eine Freundin erzählte mir, dass eine Handdruckerei in Miesbach schließt und da ich gerade dabei war, mich neu zu finden, habe ich es mir mal angeschaut. Schon nach drei Tagen stand fest: Das will ich machen. Nach einer kurzen Einführung habe ich dann angefangen, Stoffe selbst zu bedrucken. Und heuer ist unser Zehnjähriges.

Können Sie uns etwas mehr über Ihre Arbeit erzählen?
Idealerweise gibt es meine Arbeiten immer nur einmal. Das heißt, ich frage die Kunden vorher, was genau sie sich vorstellen. Ich helfe bei Stoffauswahl, Muster und Druckfarbe etc. Schon alleine deswegen, weil es unzählige Kombinationen und Variationen gibt. Mein Drucktisch ist gut sechs Meter lang und somit kann ich große Bahnen fertigen. Gerne nenne ich mich auch „Stoffschreiner“. Nur ist mein Werkstoff hauptsächlich Stoff. Wobei ich auch schon eine Holzrückwand und dazu passende Vorhänge aus Altleinen mit dem gleichen Muster bedruckt habe.

Fertige Mustersiebe in der Werkstatt der “Stoffschreinerin”.
Foto: Susanne Mayr

Welche Muster verwenden Sie generell?
Wir arbeiten mit vielen verschiedenen Mustersieben. Es gibt zum Beispiel Blumen, Ranken, Karos oder Streifen. Jedes Muster hat einen eigenen Namen. Einige davon kann man individuell kombinieren, und es entsteht daraus wieder etwas Neues. Auch eigene Firmenmuster für Hotels, Gästehäuser, Raumausstatter und Designer, aber auch für Privatpersonen haben wir so schon entwickelt.

Haben Sie selbst ein Lieblingsmuster?
Ja, das Tegernseer, es ist so variabel. Ehrlich gesagt habe ich aber viele, und oft sind wir überrascht, wie eine neue Kombination in Farbe oder ein anderer Stoff das Muster wieder grundlegend verändert. Kleine Ursache, große Wirkung.

Auf welchen Materialien können Sie drucken?
Da bin ich sehr experimentierfreudig. Wir drucken auch auf Papier für Karten, Leder und fast alles, was sich Stoff nennt. Am liebsten bedrucke ich jedoch hochwertige Naturstoffe, denn die Qualität soll zum Aufwand meiner Arbeit passen.

Gibt es auch bereits fertige Ware bei Ihnen zu kaufen?
Selbstverständlich. Unsere Kissen und Tischdecken sind in vielen Farben bereits von unseren Schneiderinnen genäht. Außerdem haben wir viel Nützliches für den Alltag, wie Filztaschen, Stirnbänder und Rucksäcke. Alles wurde ausschließlich per Siebhanddruck bearbeitet.

Die Arbeit von Martina Gistl können Sie auch auf Instagram anschauen (@handdruckereigistl).
www.handdruckerei-gistl.de

Gistl bedruckt fast alles, was aus Stoff ist und andere Materialien.
Foto: Susanne Mayr