Das besondere Stück

Geflochten und gesteckt

Zu Dirndl und Spenzer galten lange strenge Frisurenregeln. Heute heißt es: Hauptsache „sauba gsteckt“.

Text: Susanne Mayr

Foto: Christine Pfluger

Genau geregelt

Als die ersten Trachtenvereine gegründet wurden, ging es unter anderem darum, die ländliche Volkstracht zu erhalten. Dafür wurde damals auch das Vereins-Gwand, also die Kleidung der aktiven Mitglieder für Feste und Auftritte vorgegeben. Das ging vom Hut über Rock, Mieder und Hose und bei manchen sogar bis zum Blumen- schmuck. Und auch die Frisuren wurden damals streng geregelt. Als unsittlich oder liederlich galten offene Haare zur Tracht, doch diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Heute ist das Tragen der traditionellen Tracht viel mehr ein Lebensgefühl. Dass man dazu die Frisuren „sauba steckt“ ist eine Ehrung des Brauchtums, denn die Tracht soll gelebt werden.

Mal Gretel, mal Französisch

Bei Kindern sind die Gretelfrisuren bei vielen Veranstaltungen zu sehen. Fein geflochtene Haarkränze, die weder Anfang noch Ende zu haben scheinen, werden manchmal sogar mit kleinen Blümchen oder Haarnadeln verziert. Im Tegernseer Tal sieht man sie bei den Vereinen bei den Leonhardstoanan, denn die Kleinsten tragen hier zur Tracht noch keinen Hut. Auch geflochtene Kränze, bei denen jeweils ein Zopf von rechts und links im Nacken zusammengesteckt wird, passt gut, auf Wald- und Seefesten sieht man aber vor allem den sogenannten französischen Zopf.

Dazu werden die Haare schon am Oberkopf Strähne für Strähne eingeflochten und im Nacken zu einem kleinen Knoten nach innen gesteckt. Das hat auch praktische Gründe: So hält das Hutband unter den gesteckten Haaren besser. Das sieht man bei fast allen Trachtenverei- nen rund um den See. Bei den Schalkfrauen, die die aufwändigsten Kleider tragen, sind auch die Frisuren am kunstvollsten. Kleine geflochtene Strähnen werden am Hinterkopf gekonnt ineinander verschlungen und oft mit Haarteilen kombiniert. Filigran verzierte silberne Haarnadeln machen das Steckwerk dann zum echten Hingucker.

Wir danken dem Wiesseer Trachtenverein für die freundliche Unterstützung und die fachliche Beratung.

Kinder tragen auf Wald- und Seefesten gern den französischen Zopf.
Foto: Christine Pfluger