Auf ihrem Foodblog Tegernsee Kitchen zeigt uns die ehemalige Managerin Anya Rüngeler, wie wirklich gutes Essen sein muss: frisch, gesund, regional, lecker – und bildschön!

Text: Susanne Mayr | Fotos: Urs Golling & Anya Rüngeler

Foodblogger Seeseiten

“Die regionale Küche ist der Beweis dafür, dass man mit wenigen Zutaten unfassbar gutes Essen zaubern kann”, sagt Anya Rüngeler.
Foto: Urs Golling

Hashtag #foodlover: Foodblogs sind beliebter denn je. Sie zeigen uns die leckersten Gerichte aus aller Welt, liebevoll gekocht, raffiniert kombiniert und perfekt in Szene gesetzt. Und einer davon kommt direkt hier vom See: Anya Rüngeler postet auf tegernseekitchen.de regionale Köstlichkeiten und macht richtig Lust aufs Kochen.

Von der Chefetage in die Küche

Dabei war es nicht unbedingt Rüngelers Plan, einen Foodblog zu starten. Nach einer erfolgreichen Karriere im Management verschiedener Start-up-Firmen passierte es einfach: „Der Weg zur Veränderung war eher ein Prozess als ein Moment. Als ich im vergangenen Jahr einen schmerzhaften Bandscheibenvorfall hatte, wurde mir klar, dass ich etwas in meinem Leben verändern muss. Die Diabetes-Erkrankung unseres Sohnes Max veränderte dann nochmals die Lebensprioritäten.“

So ist nach und nach eine Plattform für Essen und schließlich der Blog entstanden und ständig gewachsen. Ihr Erfolgsrezept im wahrsten Sinne des Wortes: einfache Gerichte, die der ganzen Familie schmecken. Gerichte, die raffiniert abgewandelt, gewürzt mit einer Prise Exotik und getoppt durch regionale Zutaten zu etwas Besonderem werden.

„Sie sollten nicht zu kompliziert sein, geschmacklich einerseits vollmundig und dennoch filigran – soll heißen, der Geschmack der genutzten Zutaten soll hervorstechen und nicht durch übermäßiges Gewürz oder z.B. Sahne übertüncht werden“, beschreibt die ehemalige Managerin ihre herrlich unprätentiösen Kreationen. Kochanfängern rät sie: „Man braucht weder teure Gerätschaften noch schlaue Kochbücher – einfach das erste Rezept googeln und anfangen. Ich würde mich aber schon von Anfang an mit hochwertigen Zutaten auseinandersetzen und mich auf den Geschmack der Zutaten einlassen.“

Foodblogger Anya Ruengeler Seeseiten

Gesund, aber lecker ist Anya Rüngelers Devise.
Foto: Urs Golling

Prädikat Regional

Genau das merkt man auch bei jedem Teller: Anya Rüngeler setzt vor allem auf Qualität. „Wenn man anfängt zu verstehen, wie die internationale Lebensmittelwirtschaft funktioniert auf Kosten der Natur, der Menschen, die die Lebensmittel produzieren, des Tierwohls und auch der Qualität der Ware – dann fängt man unweigerlich an umzudenken“, erklärt die Bloggerin.

Und deshalb ist es für sie selbstverständlich, ihre Heimat mit all ihren vielfältigen Produkten mit einzubeziehen: „Es macht für alle Beteiligten einfach mehr Sinn, möglichst lokal und saisonal einzukaufen“, erläutert Rüngeler. „Vor allem bei kleineren Betrieben, bei denen man einsehen kann, dass es Mensch und Tier wohlergeht und der Boden nicht ausgenutzt wird. Denn dann kommt in der Regel auch ein hervorragendes Produkt dabei heraus.“ Und sie fügt an: „Sollte die Gesundheit meines Körpers und damit das, was ich in meinen Körper als Nahrung hineingebe, nicht oberste Priorität haben?“

Nachdem Anya Rüngeler selbst nun auf gesundes Essen schwört, möchte sie das auch weitergeben. Sie rät: „Möglichst wenig, am besten gar keine Fertigprodukte verzehren. Vielseitig und bunt essen, mehr Pflanzen weniger Fleisch. Und wenn man noch einen Schritt weiter gehen möchte mehr Vollkorn und möglichst wenig Zucker. Am Ende muss Essen aber Spaß machen, das heißt gerne alles, aber alles in Maßen.“

Den Spaß am Essen sieht man jedem ihrer Gerichte an. Sie sind farbenfroh, vielseitig und auch immer wieder von der regionalen Küche inspiriert. „Sie ist ein Beweis dafür, dass man mit wenigen Zutaten unfassbar gutes Essen zaubern kann“ so Anya Rüngeler, die rohen Fisch, Risotto in allen Ausführungen und gutes Eis zu ihren Lieblingsgerichten zählt.

Die Liebe zum Tegernsee

Auf ihrem Blog postet Anya Rüngeler nicht nur Selbstgekochtes aus Zutaten, die sie beim Bauern um die Ecke kauft. Sie bietet auch lokalen Anbietern mit einem Concept Store eine Plattform. Hier kann man beispielsweise handgefertigte Servierplatten aus Altholz shoppen.

Auf Instagram nimmt sie ihre mittlerweile 19.000 Follower starke Community mit auf Wanderungen, Spaziergänge und zu ihren Lieblingsplätzen hier im Tegernseer Tal.

Foodbloggerin Anya Rüngeler Seeseiten

Kaltes für heiße Tage: Die ungewöhnliche Kombination aus Pfirsich und Tomaten kreiert eine unglaublich feine Gazpacho.
Foto: Anya Rüngeler

Die Wertschätzung, die Rüngeler der Gegend hier und der regionalen Küche gegenüber empfindet, erklärt sich vielleicht auch dadurch, dass sie nicht immer hier gelebt hat und noch nicht „betriebsblind“ ist. „Es ist einfach ein Privileg, an einem so schönen Ort leben zu dürfen. Ich hatte schon immer entweder am Meer oder in den Bergen leben wollen. Jetzt habe ich beides“, schwärmt die Weltenbummlerin, die in New York geboren ist und lange in Afrika gelebt hat.

Gemeinsam mit ihrem Mann Lucas ist sie im Sommer 2015 von Berlin an den Tegernsee gezogen. „Wir wollten die alte Wohnung von Lucas’ Großvater als Übergang nutzen, um in München sesshaft zu werden und haben uns dann in das Tegernseer Tal verliebt.“

Alte Liebe rostet dann halt doch nicht: Lucas verbrachte einen Großteil seiner Sommerferien als Kind und Jugendlicher am See, und auch Anya war mit ihrem Münchner Vater oft in ihrer Wohnung am Schliersee.

Am See daheim

Jetzt ist Anya Rüngeler angekommen. Privat hier am See und beruflich im Foodsektor. Denn Tegernsee Kitchen hat noch viel vor. „Pläne habe ich viele, nur leider zu wenig Zeit für die vielen Ideen“, lacht sie. Für dieses Jahr stehen in jedem Fall ein Kochbuch an und der Aufbau einer digitalen Ernährungsplattform, die Nutzer über einen Zeitraum von mehreren Wochen in einer Ernährungsumstellung begleiten. Und ein Herzensanliegen hat die Ingenieurin in Lebensmitteltechnologie und Diplom-Volkswirtin mittelfristig auch noch: eine Stiftung zu gründen, die das Thema Ernährung kreativ an Kinder und Jugendliche vermittelt.

Anya Rüngelers Blog finden Sie unter: www.tegernseekitchen.de.
Auf Instagram können Sie Anya unter tegernsee_kitchen folgen.

Zum Nachmachen: Ein Traum in Rosa
Erdbeer-Parfait von Anya Rüngeler

Sommerzeit ist Erdbeerzeit. Jedenfalls im Frühsommer. Okay, streng genommen dann auch nur ein paar Wochen. Wenn die Beeren denn nicht aus dem Gewächshaus oder der anderen Seite der Welt kommen. Wenn Sie Erdbeeren haben, frisch oder eingefroren, und einen einfachen aber sehr leckeren Nachtisch zaubern wollen, dann eignet sich dieses Erdbeer-Parfait perfekt.

Das Rezept stammt von meiner Mama und sie hat es vermutlich aus der alten US-Zeitschriften-Reihe “Gourmet Magazin”. Wenn es in Kenia mal Erdbeeren gab – wir haben sechs Jahre als Familie in Nairobi gelebt – dann gab es das Parfait. Anrühren und einige Stunden in das Tiefkühlfach stellen.

Das Rezept

500 g Erdbeeren
170 g Sahne
120 g Streichkäse
250 g Zucker

Erdbeeren sollten gewaschen aber trocken sein, um extra Wasser in der Creme-Masse zu vermeiden. Erdbeeren pürieren, dann restliche Zutaten hinzufügen und durch die Eismaschine laufen lassen.

Bei Bedarf eignet es sich, etwas Ingwerpulver unterzumischen, um eine leichte, scharfe Note hinzuzufügen.

Foodblog Rezept Erdbeeren-Parfait

Das perfekte Sommer-Parfait
Foto: Anya Rüngeler