Wie kommen Menschen mit körperlichem Handicap dennoch in die Berge? Felix Gatzka verleiht für solche Zwecke einen speziellen Rollstuhl: die Joëlette.

Felix Gatzka

Felix Gatzka verleiht den Rollstuhl Joëlette über seine Website rolling-adventure.de.
Foto: Urs Golling

Hallo Herr Gatzka, was tun Sie gerade?
Ich habe die Joëlette gerade zurückbekommen. Jetzt säubere ich sie, warte alle Teile, wie Schrauben und Verschlüsse und schaue, dass sie für den nächsten Verleih gleich wieder fit ist.

Was ist denn die Joëlette?
Das ist ein spezieller Wanderrollstuhl, der es bewegungseingeschränkten Menschen möglich macht, sich auch in unwegsamerem Gelände fortzubewegen. Direkt unter dem Sitz ist ein großes Rad befestigt, hinten sind Griffe zum Schieben und vorne Schlaufen und Griffe zum Ziehen.

Warum haben Sie so einen speziellen Rollstuhl?
Meine beste Freundin Sarah und ich waren immer zusammen in den Bergen unterwegs. Als sie an ALS erkrankte, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, sie weiterhin mitzunehmen. Erst habe ich mit einer Schwerlastkraxe trainiert, aber das war zu umständlich und anstrengend. Sarah hat dann in Amerika einen Wanderrollstuhl entdeckt und wir haben die Joëlette (benannt nach Erfinder Joël Claudel) dann in Frankreich gefunden. Sofort war klar, das ist die Lösung. Wir haben sie  einmal ausgeliehen und eine Viertages-Tour in den Dolomiten gemacht und als ich genug Geld zusammen hatte, habe ich selbst eine Joëlette gekauft.

Rolling Adventure Tegernsee

Mit geeinter Kraft die Berge hinauf – für einen glücklichen Tag in den Bergen trotz Handicap.
Foto: www.rolling-adventure.de

Und konnten Sie mit Sarah dann wieder in die Berge?
Ja, wir waren wirklich viel unterwegs. Aber man braucht mindestens zwei bis drei Leute, die schieben und ziehen, wenn es bergauf geht. Es hat sich schnell eine gan- ze Gruppe zusammengefunden, die diese Möglichkeit, mit Sarah in Kontakt zu kommen, sehr geschätzt haben. Und auch ihr hat es gefallen, es war für sie bis zu ihrem Tod wie eine Flucht aus ihren vier Wänden. Wir sind sogar im Winter damit die Rodelbahn runtergefahren.

Und Sie verleihen den Bergrollstuhl auch?
Ja, wir möchten mit „Rolling Adventure“ einfach mehr Leuten die Möglichkeit geben, wieder „beweglicher“ zu werden. Gerade hier bei uns im Tegernseer Tal gibt es so viele wunderschöne Wander- oder Seewege, die für normale Rollstühle unmöglich zu passieren sind. Mit der Joëlette können behinderte, kranke oder ältere Menschen wieder mobiler werden und wieder mehr am aktiven Leben mit anderen teilnehmen. Das praktische ist, dass man die Joëlette zusammenfalten kann und sie dann wirklich in jeden Kofferraum passt. Wie genau der Aufbau funktioniert, erklären wir natürlich vor dem Verleih.

Und was kostet das Leihen?
Wir haben keine festen Preise. Jeder soll das bezahlen, was er kann oder möchte. Das ist ja ein gemeinnütziges Projekt. Aber jeder Cent, der durch den Verleih eingenommen wird, wird gespart, und wenn mehr zusammengekommen ist, möchte ich noch eine zweite Joëlette anschaffen, um noch mehr Menschen helfen zu können.

Die Abenteuer mit Joëlette können Sie auf dem Instagram-Account von Felix Gatzka verfolgen: @_rolling_adventure_
Den Rollstuhl können Sie unter www.rolling-adventure.de mieten.

Rolling-adventure.de

Dieser Moment des Glücks ist die Mühe wert.
Foto: www.rolling-adventure.de