Der Hosenträger ist in der bayerischen Tracht ein so gewohntes Bild, dass man ihm oft gar nicht viel Aufmerksamkeit schenkt. Was schade ist, denn da gibt es zum Teil ganz Außergewöhnliches zu bestaunen.

Text: Susanne Mayr
Foto: Urs Golling

Hosenträger bayerische Tracht

Initiale, Wappen und Verzierungen machen den Querriegel zum indivi­duellen Einzelstück.
Foto: Urs Golling

Seit wann oder warum man Hosenträger trägt, ist nicht ganz bekannt. Es wird vermutet, dass man so auch vererbte Lederhosen ohne Änderung weiter anziehen konnte. Anfangs waren die Träger aus Stoff oder Leinen, später dann auch aus Leder. Und spätestens seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Hosenträger zur Tracht nach und nach zu einem Statussymbol. Denn man begann damit, dessen Querriegel aufwändiger und vor allem individuell zu verzieren.

Eine ganz besondere Art dieser Verzierung ist die Federkielstickerei. Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem im Alpenraum verbreitet, wird das Leder dabei mit dem Kiel von Pfauenfedern bestickt. Dazu wird die lange Pfauenfeder, die der männliche Pfau im Sommer abwirft, gesäubert und von feinen Federteilen befreit, so dass schließlich nur noch der eigentliche weiße und harte Kiel übrig bleibt. Dieser wird dann in mehrere Teile längs gespalten. Mit diesen so entstandenen einzelnen Fäden wird gestickt.

Mehr als zwanzig Pfauenfedern werden verarbeitet. Meist wird auf den Querriegel ein Symbol oder Wappen gestickt, kombiniert mit feinen Zierlinien und einem Monogramm. Das gewünschte Muster wird zuerst aufgezeichnet und anschließend auf das Leder übertragen. Um den feinen Kiel durch das Leder zu bekommen, muss jeder Stich mit einer Ahle vorgestochen werden. 20 bis 30 Pfauenfedern werden für einen Hosenträger gebraucht, der Arbeitsaufwand beträgt bis zu 50 Stunden. Aber ein solcher Hosenträger hält dann auch ein Leben lang. Der Querriegel ist außen aus Rindsleder, innen ist er mit Schafsleder gefüttert. Sollte er mal zu kurz oder zu eng geworden sein, werden nur die äußeren Träger erneuert, der kunstvolle Querriegel wird dann wieder mit eingearbeitet.

Unser besonderes Stück stammt aus der Sattlerei Karl Stecher in Gmund und wurde von Siegfried Stecher sen. per Hand mit Zunftzeichen und Monogramm für einen Bäckermeister bestickt. Siegfried Stecher sen. lernte nach dem Krieg das Federkielsticken in Tirol und hat das Kunsthandwerk an seinen Sohn weitergegeben.

Um den feinen Kiel durch das Leder zu bekommen, muss jeder Stich mit einer Ahle vorgestochen werden.
Foto: Urs Golling