Er hätte im Beethoven-Jahr 2020 gerne Beethoven dirigiert, daraus wurde nichts. Aber weil Musik ja zeitlos ist, haben wir den Tegernseer Dirigenten und Musiker Sebastian Schober gefragt, wie man es am besten hält mit der Musik in einem Pandemie-Winter.

Sebastian Schober Dirigent

Sebastian Schober ist Künstlerischer Leiter “musica sacra tegernsee”
Foto: Tegernseer Tal Tourismus

Herr Schober, Winter und – ja, leider auch das, Pandemie – ist das jetzt nicht gerade die richtige Zeit für klassische und sakrale Musik?
Gerade in der Zeit der auferlegten häuslichen Einkehr besteht die Möglichkeit, das Hören in den Mittelpunkt zu stellen und sich eine blaue Stunde mit Musik zu gönnen. Je nach Stimmung. Anlass und Tageszeit empfehle ich das geistliche Repertoire der Advents- und Weihnachtszeit beginnend mit dem Gregorianischen Choral und der Vertiefung in die Texte der klassischen Choräle wie z.B. „O Heiland, reiß die Himmel auf” oder „Macht hoch die Tür“. Es gibt auch herrliche Winterbilder in Musik, wie z.B. „Der Winter” aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Nicht zu vergessen auch die großartigen Naturschilderungen in der Klavier und Orchesterliteratur der Romantik von Schumann oder Tschaikowski.

Ein langer Winterabend, ein paar gute Kopfhörer: Was legen Sie sich auf, wenn Sie den ganzen Abend Zeit für sich haben?
Das wäre eine hervorragende Gelegenheit für eine große spätromantische Oper von Wagner oder Richard Strauss. Vor allem weil das derzeit in großer Besetzung live gar nicht möglich ist. Um aber dem Flair und einer gewissen Unmittelbarkeit möglichst nah zu kommen, rate ich zu Live-Mitschnitten, beispielsweise „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner aus der Bayerischen Staatsoper unter Wolfgang Sawallisch mit Hildegard Behrens.

Die Frage aller Fragen: Bach, Beethoven oder Beatles?
Bach selbst gespielt am Klavier oder wenn möglich an der Orgel, gehört zu meinen alltäglichen Bedürfnissen. Sei es zur Übung oder als Meditation – es ist stets eine Kraftquelle. Beethoven heuer nicht dirigieren oder singen zu können, ist eine der traurigsten Folgeerscheinungen dieser Pandemie, und das ist anlässlich seines großen 250. Geburts-Jubiläums auch nicht nachholbar. Beatles-Titel halte ich für absolut zeitlos gültig, und sie faszinieren mich durch ihre stilistische Bandbreite bei gleichzeitiger Unverkennbarkeit.

Seit Juli 2003 versieht Sebastian Schober seinen Dienst als Kantor an der ehemaligen Klosterkirche St. Quirinus in Tegernsee und stellt als künstlerischer Leiter die Konzertreihe “musica sacra tegernsee” zusammen.

Sebastian Schober

Foto: Benjamin Kaufmann