Man kann sich das Tegernseer Tal anschauen. Man kann es aber auch: entdecken und erleben. Falls Sie sich für die letztere Variante entschieden haben, sind die zertifizierten Heimatführer die besten Ansprechpartner. Eine davon ist Sonja Still, die uns an drei ihrer privaten Lieblingsplätze führt.

Text: Susanne Mayr

Die Brennerin vom Tegernsee

Drei Plätze und Wege im Tegernseer Tal, die nicht jeder kennt. / Illustration: Agnes Kirchbichler

Sonja Still ist im Skigebiet Sutten aufgewachsen, war 20 Jahre als Reisejournalistin in der Welt unterwegs und ist schließlich wieder heimgekommen. Seit vier Jahren führt sie Touristen und Einheimische als zertifizierte Heimatführerin zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten und Routen im Tegernseer Tal.

Sie selbst ist am liebsten in Gmund und in Kreuth unterwegs. „Gmund ist unverbraucht und von der Geschichte her die Ursprungsgemeinde, der Friedhof ist ein Geschichtsbuch und die Pfarrkirche ist eine wunderbare alte Kirche”, so Sonja Still, „und in Kreuth hat man das Gefühl, hier ist die Welt noch in Ordnung, und die Leute halten noch zusammen.”

PREYSING FAMILIENKAPELLE

Es handelt sich dabei um eine privat errichtete Kapelle der Familien Preysing und Reifenstuhl, die an diesem Ort ihrer Toten gedenken.

Warum ausgerechnet dieser Platz?
„Wenn man dort innehält und liest oder mitbekommt, wie jung die Angehörigen verunglückt sind, geht man in sich. Hier kann man wunderbar still sein und über den See schauen. Und dann geht man am Höhenweg weiter. Sogar an Wochenenden, wenn am Höhenweg reger Betrieb herrscht, findet man in der eingewachsenen und leicht nach unten versetzten Kapelle Ruhe.”

Info: Vom Unterbuchberger Hof im Gmunder Ortsteil Gasse erreicht man die Kapelle in fünf Gehminuten.

Die Brennerin vom Tegernsee

Ein Lieblingsplatz: Sonja Still an der Preysing Familienkapelle Foto: Andreas Leder

ROTTACHER BACHWEG

Wie es der Name sagt: Entlang der Rottach.

Warum ausgerechnet dieser Platz?
„Man kann nach unten schauen, es ist sauber, und man läuft durch die Kühe durch. Und man kann dann beim Café Angermeier einkehren. Das ist eine gemächliche Tour, die keine großen Steigungen beinhaltet, aber man ist zwischen 1,5 und 2 Stunden unterwegs. Immer schön am Bach entlang, und es sind viele Bäume mit Schautafeln gekennzeichnet, so dass man auch wieder die Namen der Bäume kennenlernt.

Info: Vom Ortszentrum Rottach (Parkplatz gegenüber dem Seeforum) an der Rottach entlang, über das Café Angermeier bis hinter nach Enterrottach über die Brücke und über Berg wieder zurück.

TONI-KINSHOFER-WEG

Toni Kinshofer ist einer der berühmtesten Bergsteiger der Geschichte. Zu seinem 50. Todestag wurde der Bad Wiesseer Höhenweg in KinshoferWeg umbenannt.

Im Jahr 1962 durchstieg der gebürtige Bad Wiesseer Toni Kinshofer gemeinsam mit Siegfried Löw und Anderl Mannhardt erstmals die Diamir-Flanke des Nanga Parbat, was zugleich erst die zweite Besteigung des 8125 m hohen Himalaya-Riesen darstellte. Löw stürzte beim Abstieg tödlich ab, Kinshofer und Mannhardt zogen sich schwerste Erfrierungen zu. Der Aufstieg über die Diamir-Flanke war die erste Neuroute an einem Achttausender. Ihre Leistung erregte große internationale Aufmerksamkeit. Der Normalweg auf dem Nanga Parbat heißt heute Kinshoferroute.

Warum ausgerechnet dieser Platz?
„Dieser Weg ist mein persönlicher Liebling. Ich komme von Holz mit dem Fahrrad, stelle es am Freihaus Brenner ab und gehe den Kinshofer-Weg hinüber zum Sonnenbichl. Das mache ich selbst auch sehr oft, weil der Weg so wunderschön ist. Toni Kinshofer war ein großer Bergsteiger von hier, der auch viele Erstbesteigungen gemacht hat. Seine berühmteste ist der Nanga Parbat. Dass das Tegernseer Tal einen so erstklassigen Bergsteiger wie ihn hervorgebracht hat, ist für mich ein Zeichen, dass wir hier nicht nur eine nette Sommerfrischler-Gegend zum Spazierengehen sind, sondern dass wir auch wahnsinnig gute und steile Berge haben. Sie sind vielleicht nicht besonders hoch, aber auf jeden Fall herausfordernd.”

Seeseiten, Herbst 2018.