Zugegeben, der Name dieses Schmuckstückes klingt wenig charmant, dafür macht es am Hals der Damen aber richtig was her: die Kropfkette.

Text: Susanne Mayr | Foto: Urs Golling

Kropfkette zur Tracht

Die Kropfkette wird heute wieder gern zur Tracht getragen.

Ein Stoff- oder Samtband, das vorne mit einem großen Schloss zusammengehalten wurde: Im 18. Jahrhundert kam diese Mode zu uns nach Bayern. Dort hat sie sich seither gehalten. Vermutlich auch, weil sie angeblich damals den Damen zu einem stolzeren Gang verholfen hat. Denn die Schlösser vorne waren so groß, dass man den Kopf nach oben nehmen musste, um sie überhaupt zu tragen. Wie auch immer, ein beliebtes Accessoire sind die Bänder heute noch.

Dabei war die Kropfkette früher nicht nur schönes Zubehör. Im Gegenteil, hier in Bayern kam diese Mode gerade recht, denn durch die jodarme Ernährung lit- ten viele Damen an einem Kropf oder hatten eine Narbe nach dessen Entfernung. Und schöner hätte man beides wohl kaum verstecken können. So wurde die Kropfkette immer beliebter und immer üppiger und aufwändiger gestaltet.

Vom Collier zum Kropfband

Das einfache Stoffband wurde für größere Festlichkeiten durch filigrane Ketten ersetzt, von denen jede einzelne in Handarbeit an den Hals der Trägerin angepasst wurde. Und das ist auch heute noch so, wer zum Beispiel eine alte Kropfkette erbt, der sollte sie sich anpassen lassen, denn man trägt das Schloss genau zwischen dem Grübchen am Schlüsselbeinansatz und dem Kehlkopf.

Musste das Schloss früher noch mit Edelsteinen und Prunk zeigen, welche gesellschaftliche Stellung man innehat, wurden sie mit der Zeit immer kleiner und für die Frauen auch bequemer zu tragen. Heute sind Kropfketten wieder ein Trend zum Dirndl und oft werden dafür auch antike Gemmen, Broschen oder Ringe umgearbeitet.

Unser besonderes Stück ist ein Erbstück der Großmutter von Goldschmiedemeisterin Ursula Bertele und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es besteht aus einer 20-reihigen Kette und einem hohen ovalen Schloss, das mit Glassteinen, Goldfiligran und einheimischen Flussperlen verziert ist. Jede der 20 Ketten ist unterschiedlich lang, um sich genau an den Hals der Trägerin zu schmiegen. Auf Bestellung fertigt die Tegernseer Goldschmiede Bertele moderne Kropfketten, die an den alten Stil angelehnt sind.