Wie das Land, so der Grünwald: Der Kabarettist Günter Grünwald ist einer, der sich in keine Schublade stecken lässt, immer seinen eigenen Kopf behält – und zudem diesen knorrigen Charme hat, den man Bayern gerne nachsagt.

Interview: Christian Jakubetz

Günter Grünwald

Der doppelte Grünwald: Schon lange ist er als Kabarettist wie auch als Schauspieler erfolgreich.
Foto: PR, Veranstalter

Günter Grünwald ist auf seine Art ein Phänomen. Und ein bisschen wie der Tegernsee: Gehört fest zu Bayern und war eigentlich schon immer da. Man muss tatsächlich weit zurückblättern, wenn man die Anfänge des Kabarettisten und Schauspielers ergründen will. Seit Mitte der Achtziger taucht er immer wieder auf, egal ob auf der Bühne, in Filmen, Serien oder natürlich mit seiner eigenen Show. Einmal im Monat läuft im Bayerischen Fernsehen „Grünwalds Freitagscomedy“. Ein Relikt aus lang vergangenen Tagen und dennoch immer wieder relevant und unterhaltsam. Sich bald 20 Jahre mit einer eigenen TV-Show zu halten, ist selbst im BR, der seinen Leuten gerne lange treu ist, eher die Ausnahme.  

Da bietet es sich an, ein paar Fragen zu den Unterschieden zwischen früher und heute im Freistaat Bayern zu stellen. Und ganz im Gegensatz zum Titel seines neuen Programms „Definitiv vielleicht“ gibt Grünwald kurze und eindeutige Antworten.  

Herr Grünwald, woher kommt eigentlich diese „Definitiv-vielleicht-Haltung“, nach der Sie Ihr aktuelles Programm betitelt haben? 
Ich weiß es nicht. Ich bin leider kein Soziologe, der die Entstehung von Phänomenen erforscht, ich mache mich nur über die Auswirkungen lustig.  

Ich dachte bisher ja eher, dass die Menschen im digitalen Zeitalter dazu neigen, filterblasenhafte starre und eindeutige Positionen einzunehmen. Ein Widerspruch? 
Das wäre eine Frage an einen Soziologen, der ich dooferweise immer noch nicht bin. Aber im Ernst: Die Positionen sind schon vor allem starr, aber der Anspruch ist dann doch, sich alle Möglichkeiten immer und überall offen zu halten. 

Apropos Filterblasen und digitales Zeitalter: Schon mal einen echten Shitstorm mitgemacht?
Shitstorm wäre übertrieben. Anfeindungen und Bedrohungen schon.  

Hat man angesichts der aktuellen Überempfindlichkeiten auch bei Comedy und Kabarett eine Schere im Kopf oder siegt dann der bayerische Trotz und man sagt sich: Jetzt erst recht?
Ich habe schon immer überlegt, ob man nicht den falschen Affen Zucker gibt. Aber gerade zur Zeit überlege ich eher zweimal, als nur einmal, ob eine Nummer von mir auch von der falschen Seite beklatscht werden könnte.  

Günter Grünwald Tegernsee Seeseiten

Grünwald über das Grantler-Klischee: „Ich bin keiner und ich war nie einer.“
Foto: Tobias Tschapka

Ist Kabarett eigentlich schwieriger geworden, seitdem Markus Söder CSU-Chef, Ministerpräsident, oberster Umweltschützer und Kanzlerkandidat der Herzen ist?
Ich denke mal, für Kabarettisten, die sich mit solchen Themen befassen, wird es nie schwierig werden. Es hat bis jetzt noch keinen Politiker gegeben, der es dem Kabarett sonderlich schwer gemacht hätte.  

Täuscht der Eindruck oder ist es generell auch schwieriger geworden, uns Bayern aufs Korn zu nehmen?
Ja, das täuscht.  

Und darf man in Bayern noch Witze über die SPD machen oder fallen die schon unter Minderheitenschutz?
Man darf über alles Witze machen. Vor allem über Parteien, die sich selber zur Minderheit gemacht haben.  

Wenn man Geschichten über Sie liest, taucht immer wieder der Begriff „Grantler“ auf. Klischee oder doch ein bisschen Wahrheit? 
Ich bin kein Grantler und ich war auch noch nie einer.  

Wie sehr juckt es Sie in den Fingern, spontan ein paar Spitzen über den Tegernsee ins Programm aufzunehmen? 
Das juckt mich genauso in den Fingern wie Spitzen über den Chiemsee, den Brombachsee oder den Ingolstädter Baggersee ins Programm aufzunehmen, also: gar nicht. Der arme See kann ja nichts dafür. 

Günter Grünwald – „Definitiv vielleicht“

Seeforum
Nördliche Hauptstraße 35, Rottach-Egern
Verschoben auf  Mi., 8. Juli, 20.00 Uhr  

Seeseiten Tegernsee Günter Grünwald

Günter Grünwald: „Ich habe schon immer überlegt, ob man nicht den falschen Affen Zucker gibt.“
Foto: R. Dorn