Ein Mann setzt seine Heimat richtig gut in Szene: Den Fotografen Hansi Heckmair kennen Sie vielleicht nicht persönlich, seine Bilder haben Sie aber mit hoher Wahrscheinlichkeit schon mal gesehen. Als treue Leser der Seeseiten sowieso – Fotos von Heckmair sind in fast jeder Ausgabe enthalten.

Text: Christian Jakubetz / Fotos: Hansi Heckmair

Hansi Heckmair Porträt

Am Tegernsee daheim, in der Welt zuhause: der Fotograf Hansi Heckmair

Und nicht nur das. Heckmair-Bilder sehen Sie auf Plakaten und in etlichen Publikationen der Tegernseer Tal Tourismus. Kurz gesagt: Wo Tegernsee drauf ist, ist häufig Heckmair drin.

Unverkennbar, es ist ein Oberbayer, der da spricht. Wer Hansi Heckmair reden hört, der muss nicht lange fragen, wo er herkommt. Es ist diese spezielle oberbayerische Färbung, die man schnell raushört. Ein Fest für Dialektforscher: Wenn man sich ein wenig mit den Feinheiten der bayerischen Sprache beschäftigt, hört man schnell: ein echter Tegernseer, von Geburt an.

Trotzdem, so typisch die sprachliche Einfärbung auch ist, man würde Hansi Heckmair nicht gerecht, würde man ihn als einen Fotografen aus der Region für die Region beschreiben. Weil der heimatverbundene Heckmair auch eine andere Seite hat. Die des Weltenbummlers, des Fotografen, der mit Fotos vom See genauso glücklich ist wie mit Bildern aus Senegal, Tansania oder Kenia.

Die Gesichtsfarbe des Globetrotters

Woran erkennt man einen Weltenbummler? Vermutlich gibt es mehr als eine Möglichkeit. Aber die Gesichtsfarbe ist immer ein guter Indikator. Hansi Heckmair hat diese typische Weltenbummler-Gesichtsfarbe. Eine leichte Dauerbräune, mild und unaufdringlich. Dazu das Outfit des klassischen Kreativen, des Freigeists. Strickmütze auf dem Kopf, weißes, lässiges Oberteil, stilsicher und trotzdem mit einem fein dosierten Schuss des Unkonventionellen.

Wenn man also Hansi Heckmair nach einem langen und in Teilen unerfreulichen Winter begegnet, dann kommt man sich selbst im ersten Moment ungesund blass vor. Man ist allerdings auch weitgehend chancenlos: Während man selbst kaum Sonne gesehen hat, kommt Heckmair gerade frisch aus Portugal, genauer gesagt von der Algarve-Küste. Der begeisterte Wellenreiter kann dort Beruf und Passion miteinander verbinden, den Sport in den bekannt grandiosen Wellen und die (Fotografen)-Arbeit in einem Licht, das Heckmair als „einzigartig“ bezeichnet.

Hansi Heckmair Mountainbike

„Rausgehen, fotografieren, immer und immer wieder.“

Klingt das gerade nach dem Leben eines Menschen, bei dem sich nicht unterscheiden lässt, ob er arbeitet oder einem Hobby nachgeht? Und das womöglich noch an paradiesischen Orten auf der ganzen Welt. Wenn ja, dann trügt der Eindruck. Zumindest ein wenig. „Professionell fotografieren ist richtige Arbeit, da habe ich keine Zeit, um nebenher die Landschaft zu genießen“, erzählt der 41-Jährige. Auf der Kundenliste des Fotografen stehen dann auch etliche große Unternehmen, Adidas, BMW, Moleskine, dazu bekannte Magazine.

Vermutlich muss er das immer wieder betonen: Fotografieren ist Arbeit. Zwar hat der Autodidakt Heckmair keine „richtige“ Fotografenausbildung und sich das Allermeiste selbst angeeignet. Dass man aber, um solche Bilder wie er machen zu können, nicht einfach nur rausgehen und draufhalten kann, ist auch klar. Und vielleicht ist es ja auch so, dass der Autodidakt grundsätzlich mehr Zeit in seine Arbeit investieren muss als alle anderen.

Veganes Kochen und Charity-Projekte

Der Fotograf ist nebenher noch Mit-Betreiber einer „Masterclass“ für veganes Kochen (vegan-masterclass.de). Dazu gehört auch ein gleichnamiger Kanal bei YouTube. Masterclass und Kanal betreibt er gemeinsam mit Freunden und Sebastian Copien. Alleine der You-Tube-Kanal bringt es inzwischen auf fast 13.000 Abonnenten.

Zudem engagiert er sich für das Creative-Charity-Projekt „Forward Collective“. Fotografen stellen dabei kostenlos ihre Zeit für Projekte zur Verfügung, die sie unterstützen wollen und die sich mit oftmals schmalen Budgets einen Profi an der Kamera nicht leisten könnten.

Für diese Vielseitigkeit sprechen auch die beruflichen und privaten Stationen, die er hinter sich gebracht hat, ehe er sich 2009 dazu entschloss, als freier Fotograf zu arbeiten: Tourismus-Kaufmann, Eventmanager, Handelsfachwirt & Snowboard-Wettkampfsportler. Dazwischen immer wieder lange Reisen rund um den Globus. Die Phrase von jemandem, der die Welt gesehen hat, ist bei Hansi Heckmair Realität.

Diese vielen Reisen – die erste „mittelgroße“ Weltreise machte er gleich nach dem Abitur – haben buchstäblich sein Weltbild geprägt: „Wenn man sieht, wie in vielen Teilen der Welt die Menschen mit Armut und anderen riesigen Problemen kämpfen, während sich bei uns dann doch fast alles um Konsum dreht, das lässt einen nicht kalt.“ Auch deshalb gibt es das Charity-Engagement und den veganen Kochkanal.

„Professionell fotografieren ist richtige Arbeit, da habe ich keine Zeit, um nebenher die Landschaft zu genießen.“

Das hat auch damit zu tun, dass Heckmair zu der Kategorie Menschen gehört, die einen sehr eigenen Kopf haben. Dazu gehört: machen, was man für richtig hält und was (wenigstens halbwegs) Spaß macht. Und weiter: ein vergleichsweise geringer Hang zu Konventionen, ein wenig Idealismus und viel Kreativität. Die Sache mit der Autodidaktik klingt ja immer so schön simpel: Man setzt sich hin und bringt sich selbst etwas bei. So wie die zumindest der Legende nach wohl berühmtesten Autodidakten der Neuzeit, John Lennon und Paul McCartney. Angeblich konnte keiner Noten lesen. Das erfolgreichste Komponisten-Duo aller Zeiten wurden sie dennoch. Hinter der Tatsache, dass Hansi Heckmair heute ein sehr gefragter Fotograf ist, stecken unzählige Stunden des Selbstversuchs, manchmal auch des Scheiterns und des immer wieder neu Beginnens. Und klar ist auch: Ganz ohne Talent geht es nicht, auch wenn es ja inzwischen eine ganze Autoren-Industrie gibt, die das Gegenteil behauptet.

Für Kreativität gibt es kaum Regeln

Wie wird man denn nun so gut wie Hansi Heckmair? Der Ratschlag des Profis klingt auf den ersten Blick so banal, dass man sich kaum traut, ihn wiederzugeben: „Rausgehen, fotografieren, immer und immer wieder.“ Die alte Theorie also: Um etwas richtig gut zu können, muss man es 10.000 Stunden trainiert haben. Wem das zu simpel (oder auch zu aufwändig) ist: Hansi Heckmair hat noch ein paar Tipps für die Seeseiten-Leser zusammengestellt. Liest man diese Tipps, dann ahnt man aber auch schnell, dass sich Kreativität nur schwer in Regeln packen lässt.

Und dass Handwerk nur bis zu einem gewissen Grad weiterhilft. Es ist natürlich ganz prima, wenn man sich ein wenig mit Verschlusszeiten und Blenden auskennt. Wenn man allerdings so gar keinen Blick für ein gutes Motiv hat, hilft das auch nichts. Was wiederum ein gutes Motiv ist, darüber ließe sich streiten.

Auch Hansi Heckmair ist bei dieser Frage wenig dogmatisch. Seine Präferenzen hat er allerdings: „Ich bin eindeutig ein Outdoor-Fotograf, Studioarbeit ist nicht so sehr meins.“ Rausgehen, die Welt mit dem eigenen Blick entdecken, da blüht Heckmair auf. Im Ergebnis kommt dann raus, dass er beispielsweise das vergleichsweise kleine Tegernseer Tal aus immer wieder neuen Blickwinkeln betrachtet. Das führt sehr häufig dazu, dass seine Tegernsee-Bilder keine klassischen Postkarten-Idyllen sind. Echter, unverfälschter, und trotzdem immer ein Abbild der Landschaft, die jedes Jahr so viele Menschen anzieht.

Das könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass Hansi Heckmair das Tegernseer Tal besser kennt als viele andere. Schließlich ist er vor 41 Jahren in Tegernsee geboren worden. Und auch, wenn er heute nicht mehr dort lebt, verbringt er dennoch nach wie vor den größten Teil seiner Zeit im Tal. Genauer gesagt: in Gmund, wo er sein Büro/seinen Kreativplatz mit Studio eingerichtet hat.

Ob es dauerhaft beim Standort Gmund bleibt, ist offen. Weil die Sehnsucht nach der großen, weiten Welt nach wie vor nicht gestillt ist. Vielleicht, sinniert Heckmair, kommt ja in absehbarer Zeit noch ein zweiter Standort dazu. Portugal, das Land des Lichts und der hohen Wellen, wo sonst? Ganz weggehen aus Gmund kommt aber nicht in Frage. Heimat bleibt schließlich Heimat.

Hansi Heckmair im Netz:
www.hansiheckmair.com, www.forward-collective.de, www.vegan-masterclass.de

Heckmairs Profi-Tipps

Wie macht man Fotos – und keine Schnappschüsse? Das ist gar nicht so schwer, wenn man sich an die Empfehlungen hält, die Hansi Heckmair hier für die Seeseiten-Leser gibt.

1. Ein Bild entsteht zuerst im Kopf

Durch die einfache Möglichkeit der Automatik-Funktionen wird oft zu schnell drauflos geschossen. Dadurch entsteht ein Sammelsurium an Bildern, was oft mehr Arbeit im Nachhinein mit sich bringt. Fotografieren bedeutet das Einfangen eines Moments und genau dafür sollte man sich auch Zeit lassen.

2. Das Licht

Fotografieren bedeutet mit Licht zu zeichnen. Gerade in der Outdoorfotografie ist es elementar, das richtige Licht abzuwarten, um die Szene im richtigen Licht erscheinen zu lassen. Früh morgens oder abends eignet sich das Licht bei Sonnenaufgang oder -untergang am besten, um das Gefühl dieses speziellen Moments einzufangen. Mit diesem weichen Licht ist es möglich, harte Schatten zu umgehen, was das Motiv oft schöner wirken lässt.

3. Bildaufbau

Ein Objekt, das sehr zentriert steht, wirkt oft nicht so spannend. Um einen interessanteren Bildeindruck zu erzeugen, ist man gut beraten, das Objekt je nach Gefühl seitlich oder nach oben oder unten zu positionieren. Es muss auch nicht immer alles gezeigt werden, um eine Geschichte zu erzählen.

4. Perspektive

Eine spannende Perspektive zu finden, entscheidet über die Wirkung des Bildes. Sich Zeit zu nehmen und das Motiv aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten lohnt sich für das Ergebnis. Auch hier gilt: Erst denken, dann abdrücken.

„Portugal: Um den richtigen Moment vor die Linse zu bekommen, mussten wir durchnässtes und matschiges Gelände im Regen durchqueren. Ob es wirklich aufreißen würde, war ein Spiel mit dem Glück.“