„Der Tegernsee – eine kulinarische Reise“ heißt ein neues Buch, dessen Titel auf den ersten Blick nur mäßig originell klingt. Bei näherem Hinschauen entpuppt sich das Buch als eine opulente Reise zu Land und Leuten.

Text: Christian Jakubetz
Fotos: Enno Kapitza

Das Buch bietet eine besondere Perspektive aufs Tal.

Es gibt eine ganze Menge Dinge, von denen man sagt, dass sie zu Bayern im Allgemeinen und zum Tegernseer Tal im Besonderen gehören. „A guads Essen hoit Leib und Seel zam“, heißt es nicht umsonst. Was also läge näher, die Region nicht nur aufgrund ihrer Landschaft und anderer bekannter Vorzüge zu beschreiben, sondern auch entlang ihrer kulinarischen Besonderheiten?

Schweinshaxen, Semmelknödel, geräucherte Saiblinge und Forellen – auf den ersten Blick scheint klar, wofür das Tal steht, wenn man von seinen Spezialitäten spricht. Bei einem genaueren Blick entdeckt man dann aber die Vielfalt, Kreativität und Besonderheiten der heimischen Küche und Gastronomie. Der Journalist Franz Kotteder und der Fotograf Enno Kapitza haben sehr genau hingesehen und ihre Eindrücke festgehalten, in liebevollen Texten und in wunderbaren Fotos.

Vor allem Kapitzas Bilder sind es, die dem Buch eine besondere Note geben. Kapitza, ein renommierter und vielfach ausgezeichneter Fotograf, rückt das Tal in ein ganz besonderes Licht. Wäre die Formulierung nicht so abgedroschen, man könnte sagen: So haben Sie das Tal noch nie gesehen!

Neben Wirtshauskulinarik findet man am Tegernsee überraschend viel Sterneküche.

Fotos mit dem besonderen Blick

Aber auch bei etwas weniger Phrasenhaftigkeit lässt sich festhalten: Kapitza widersteht der Versuchung, die altbekannten Postkartenmotive aus der Region lediglich ein wenig abzuwandeln. Sein Blick auf Land und Leute macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Die Idee des Autors und des Fotografen ist spannend: Zwar nennt sich das Buch selbst im Untertitel „Eine kulinarische Reise“. Tatsächlich lernt man dabei aber nicht nur einiges über die Kulinarik, sondern auch über das Land und die Leute dahinter.

Es gibt dabei fast nichts, was es nicht gibt. Das Tal verfügt über eine verblüffend hohe Dichte von Sterneköchen ebenso, wie über kleine Juwelen, für die man schon etwas genauer hinschauen muss. Die traditionellen Wirtshäuser mit ihrer sprichwörtlichen Gastfreundschaft und den ortstypischen Speisen beispielsweise. Kleine Bio-Märkte, Schnapsbrennereien oder Wirte und Köche, die sich etwas trauen und Gerichte auf den Tisch des Hauses stellen, die man hier nicht erwartet hätte.

„Der Tegernsee – eine kulinarische Reise“ ist ein schönes Kompendium für alle geworden, für die das Tal mehr ist als ein oberbayerisches Idyll mit viel Wasser und Bergen.

Fischzucht Buch Der Tegernsee Eine kulinarische Reise

Die Fischzucht in Wildbad Kreuth ist ein Geheimtipp für Freunde frischen Fischs.

Um sein Buch schreiben zu können, hat Autor Franz Kotteder natürlich viel und intensiv Zeit im Tal verbracht. Seine Eindrücke über Region, Leute und Gastronomie schildert er in diesem Text für die Seeseiten.

von Franz Kotteder

Wenn man nicht am Tegernsee geboren wurde und dort nicht aufgewachsen ist, dann muss man sich in diese wunderschöne Region Bayerns natürlich erst einmal hineinfinden. Insbesondere dann, wenn es ums Essen geht und um die Wirtshäuser, Gaststätten und Restaurants, denn da gibt es ziemlich viele. Und manchmal staunt man auch: Kann das wirklich wahr sein? Kommt all der Saibling auf den Speisekarten denn wirklich aus dem See? Hätten die Fische dort überhaupt so viel Platz? Bis man dann feststellt: Ach, es gibt da ja beispielsweise die herzogliche Fischzucht, und die hat ja jede Menge Saibling im Programm respektive in ihren Zuchtteichen.

Auf anspruchsvolle Gäste eingestellt

Genauso gut könnte man natürlich vermuten, dass sämtliche Schweindl rund um den See nur auf drei Beinen herumlaufen, weil sonst gar nicht so viele Schweinshaxen im Herzoglichen Bräustüberl verkauft werden könnten. Alles Schmarrn, keine Frage! Was aber schon mal auffällt, ist: Am Tegernsee kocht man gerne mit den regionalen Besonderheiten, die Natur und Landwirtschaft so zu bieten haben. Man kocht auch traditionell, und das in aller Regel auch sehr gut. Wobei es der Gegend durchaus auch zum Vorteil gereicht, dass hier die Arme-Leute-Küche schon lange nicht mehr zu Hause ist. Sparen muss man nicht, weder an der Qualität der Zutaten, noch an ihrer Verfeinerung.

Man ist in den fünf Gemeinden am See eingestellt auf anspruchsvolle Touristen, Ausflügler und ebensolche Einheimischen und Zugezogenen. Ja, es gibt hier auch ein Drei-Sterne-Restaurant, bis vor kurzem sogar das einzige Bayerns, und es gibt viel gehobene Küche mit ehrgeizigen Chefs, die noch viel vorhaben. Da kann manche Großstadt in Deutschland tatsächlich nicht mithalten, und die Tegernseer können wirklich stolz darauf sein, in einer der kulinarisch interessantesten Gegenden (nicht nur) des Freistaats zu leben. Diese Gegend genauer zu erkunden, das hat sehr viel Spaß gemacht, und man kann Menschen, die Bayern besuchen, nur raten, es dem Autor nachzumachen.

Franz Kotteder/Enno Kapitza (Fotos)
“Der Tegernsee – eine kulinarische Reise” 2019. 192 Seiten, 288 Abbildungen, € 39,95

Kulinarik im Wallberghotel

Mit der Kulinarik am Tegernsee kann so manche deutsche Großstadt nicht mithalten.

Seeseiten, Winter 2019.