Kreuth ist seit diesem Sommer „Bergsteigerdorf“. Das ist weitaus mehr als ein Siegel. Es ist eine Philosophie. Eine Philosophie, die das Besondere der Gemeinde Kreuth unterstreicht.

Text: Christian Jakubetz

Die Brennerin vom Tegernsee

Foto: Urs Golling

Zugegeben, man bringt das übergeordnete Thema dieses Heftes – nämlich „Heimat“ – und das Thema „Fremdenverkehr“ auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen. Tatsächlich aber ist das beim frischgebackenen Bergsteigerdorf Kreuth etwas anderes. Weil hier Heimat, Tradition, Naturverbundenheit eine große Rolle spielen. Und weil genau das die Gründe sind, warum Kreuth als erst vierte Gemeinde in Deutschland diesen Titel tragen darf. Wenn also ein Urlauber nach Kreuth kommt, bekommt er sehr viel mehr als einfach nur eine Infrastruktur, die ihm einen Urlaub ermöglicht. Stattdessen bekommt er: Heimat. Oberbayerisches Lebensgefühl. Echt, unverfälscht.

Bergsteigerdörfer: Was ist das überhaupt?
Bergsteigerdörfer sind kleine Gemeinden im Alpenraum, die ihre Entwicklung auf sanften Tourismus und Naturschutz ausgelegt haben. Natur und Naturerlebnis werden dort großgeschrieben, ebenso wie Bergsport, regionale Wertschöpfung und gelebtes Brauchtum. Dadurch sind Bergsteigerdörfer Vorzeigeorte für eine alternative Tourismusentwicklung im Alpenraum. Die Initiative wurde 2005 durch den Österreichischen Alpenverein ins Leben gerufen. Inzwischen sind auch die Alpenvereine in Deutschland, Südtirol und Slowenien dabei.

Klingt erst einmal einfach, ist es aber nicht. Bergsteigerdörfer müssen einen umfangreichen Kriterienkatalog erfüllen. In Österreich gibt es derzeit 20 Bergsteigerdörfer, in Deutschland sind es vier, in Südtirol eines und in Slowenien kommt 2019 ein erstes dazu. Zu den Kriterien des Deutschen Alpenvereins (DAV) gehören u.a. auch: Erhalt der alpinen Kultur und des lokalen Brauchtums: „Mensch, das passt ja direkt auf unsere Gemeinde”, dachte sich Bürgermeister Josef Bierschneider, als der DAV das Konzept vor drei Jahren den Gemeinden im Alpenraum bekannt gemacht hat. Schließlich ist gerade Kreuth eben weitaus mehr als ein Ort, von dem aus man prima zum Wandern oder Bergsteigen gehen kann.

Mit dieser Idee begann eine jahrelange Arbeit, die schließlich mit der Verleihung des ebenso seltenen wie begehrten Siegels endete. Eine eigene Philosophie also, die man in Kreuth verfolgt. Ein paar kleine Beispiele dafür: Mit dem Landschaftsschutzgebiet Weißachau, der Bayerischen Wildalm und weiteren Gemeindebereichen innerhalb des Fauna-Flora Habitats Mangfallgebirge wird das Pflanzen- und Tierreichtum und die landschaftliche Vielfalt der Gemeinde von Bergwald bis Hochmoor bewahrt und geschützt.

Die Brennerin vom Tegernsee

Foto: Urs Golling

Aber natürlich geht es in Kreuth nicht nur um Natur und Landschaft. Heimat, das heißt schließlich auch: Tradition und Kultur. Und das wissen die Kreuther in Ehren zu halten. Lederhose, Dirndl und Trachtenjoppe gehören nach wie vor zum Kreuther Ortsbild. Wobei „dazugehören“ wörtlich zu nehmen ist. Als fester Bestandteil des täglichen Lebens. Und nicht als faschingsähnliche Kostümierung wie sie mittlerweile leider auf vielen Volksfesten quer über die ganze Republik zu sehen ist.

Und ja, auch das macht eine authentische Region aus: eine bodenständige Landwirtschaft, Handwerker, die zu den Besten ihres Fachs gehören, Almen und Wirtshäuser und ein quicklebendiges Vereinsleben gehen Hand in Hand mit der bewussten Entscheidung für einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen. Als eine der Unterzeichner-Gemeinden der Ökomodellregion „Miesbacher Oberland“ unterstützt man die vielfältigen Perspektiven für Landwirte, aber auch für Gastronomie.

Mit dieser Idee begann eine jahrelange Arbeit, die schließlich mit der Verleihung des ebenso seltenen wie begehrten Siegels endete. Eine eigene Philosophie also, die man in Kreuth verfolgt. Ein paar kleine Beispiele dafür: Mit dem Landschaftsschutzgebiet Weißachau, der Bayerischen Wildalm und weiteren Gemeindebereichen innerhalb des Fauna-Flora Habitats Mangfallgebirge wird das Pflanzen- und Tierreichtum und die landschaftliche Vielfalt der Gemeinde von Bergwald bis Hochmoor bewahrt und geschützt.

Die Brennerin vom Tegernsee

Foto: Urs Golling

Entdeckungstouren von gemütlich bis sportlich
Egal, ob Gipfelsammler oder Liebhaber traditioneller Almwirtschaft, in der südlichsten Gemeinde des Tegernseer Tals wird jeder Bergfreund fündig. Dabei wird in Kreuth seit jeher auf eine nachhaltige Form der Ausführung des Bergsports gesetzt. Auf den bestens markierten Rad- und Wanderwegen und von den umliegenden Gipfeln eröffnen sich immer wieder neue und traumhafte Ausblicke auf die beeindruckende Voralpenlandschaft. Diese lassen sich bei einer Brotzeit mit regionalen Produkten auf einer der vielen Hütten besonders gut genießen. Im Sommer kann man im Gebirgsbach oder im Kneipptretbecken am Kurpark Kreuth seine müden Füße kühlen. Mountainbiker kommen auf den vielfältigen Trails genauso auf ihren Geschmack wie Kletterer auf den über 407 Klettereien mit Schwierigkeiten von 2 bis 11. Im Winter lockt Kreuth mit zahlreichen Aktivitäten von Winterwanderungen in der Weißachau über Rodelabfahrten auf dem Hirschberg, Schneeschuh- und Skitouren bis zu verschiedensten Langlaufmöglichkeiten auf den 60 Kilometern gespurten Loipen. Bürgermeister Josef Bierschneider, der sich zusammen mit dem Gemeinderat viele Jahre um das Siegel Bergsteigerdorf bemüht hatte, sieht allerdings nicht nur den Nutzen, der zweifelsohne mit einer solchen Auszeichnung verbunden ist. Stattdessen sieht er eine „moralische Verpflichtung“, das zu erhalten, was die Gemeinde Kreuth so besonders mache: „Die wunderbare Landschaft, die intakte Natur, unsere Baukultur, unsere Sprache und das Brauchtum, das bei uns von innen heraus gelebt wird.“

Die Brennerin vom Tegernsee

Im Beisein zahlreicher hochkarätiger Gäste wurde im Juli auf der Königsalm die Ernennung Kreuths zum Bergsteigerdorf gefeiert. V. l. n. r. Sepp Loferer (Bürgermeister Schleching), Rudi Fendt (Bürgermeister Ramsau), Christine Miller (DAV Vorsitzende Sektion Tegernsee) Peter Solnar (Erster Bürgermeister Aschau i. Chiemgau und Sachrang) Josef Bierschneider (Erster Bürgermeister Kreuth) Franz Josef Pschierer (Staatsminister für Wirtschaft, Energie u. Technologie) Ilse Aigner (Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr) Alexander Radwan (Mitglied des Bundestags) Dr. Marcel Huber (Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz) Rudi Erlacher (DAV Vizepräsident) Christine Degenhart (Präsidentin der bayerischen Architektenkammer) Ludwig Hartmann (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bayerischen Landtag) Hanspeter Mair (DAV Geschäftsbereichsleiter) / Foto Thomas Plettenberg

Die Party ist noch nicht vorbei: Gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern wird am 3. Oktober 2018 das Siegel bei einem Bergsteiger-Dorffest gefeiert werden. Weitere Informationen und Tourentipps: www.tegernsee.com/touren-bergsteigerdorf

Seeseiten, Herbst 2018.