Sie sind charmante Wollknäuel, gelten als chronisch neugierig – und sie strahlen eine ansteckende Lebensfreude aus: Alpakas,
die wolligen Tierchen aus den Anden. Inzwischen sind sie auch im Tegernseer Tal angekommen. Über einen besonderen Tag mit Anton, Riley, Ludwig, Fridolin und Monaco.

Text: Susanne Mayr

Alpaka-Wandern am Tegernsee

Autorin Susanne Mayr (links) und Karin Hatzl (rechts) mit den Alpakas auf Tour.
Foto: Urs Golling

Seit einiger Zeit sieht man am Tegernsee, genauer gesagt in Kreuth-Oberhof, neben Fleckvieh und Haflinger auch etwas Exotischeres: Alpakas. Eine ganze Herde. Sie gehört Karin Hatzl. Sie bietet nicht nur Alpakawanderungen an, sondern ermöglicht eine hautnahe Begegnung und kann viel über die süßen Tiere erzählen.

Ich bin entzückt – anders kann man es nicht sagen. Denn ich liebe Alpakas. Dementsprechend euphorisch komme ich am Hof „Zum Hausmann“ an. Doch Karin Hatzl bremst mich gleich ein bisschen: „Alpakas sind leider gar keine Kuscheltiere.“

Will heißen, sie gehen zwar ganz gerne mal mit Menschen spazieren, oder kommen neugierig näher, auf Tuchfühlung haben sie allerdings wenig Lust. „Ich musste viel über die Tiere lernen“, lacht Hatzl, die bis vor kurzem noch in Florida und Dubai in der Tourismusbranche gearbeitet hat. „Meine Anfangsvorstellung war auch etwas anders.“

Das merke ich ebenfalls schnell. Ich bin viel zu überschwänglich, denn die Tiere sind doch recht scheu und wirken fast misstrauisch. Deshalb wollen wir die Tiere erst einmal kennenlernen. Denn auch das bietet Karin Hatzl an, in ihrem Gehege kann man die Alpakas beobachten und sich gegenseitig buchstäblich beschnuppern.

Langsam nähern wir uns den Tieren und werden neugierig begutachtet, teils aber auch ignoriert. Es könnte also noch ein Stück Arbeit werden, ihre Herzen zu erobern, zumal Alpakas als eigensinnig gelten. Aber ich bin zuversichtlich.

Fünf Wollknäuel

Die Herde von Karin Hatzl umfasst fünf Tiere: Anton, Riley, Ludwig, Fridolin und Monaco, der Anführer. Jedes der Tiere unterliegt hier einer Rangordnung, die auch beim Wandern eingehalten wird. Vorneweg läuft Chef Monaco, gefolgt von Riley und Ludwig, die beiden Kleinsten, Anton und Fridolin, laufen am Schluss.

Alpaka-Wandern am Tegernsee

Alpakas sind keine Schmusetiere, werden schnell ungeduldig und bespucken sich nur gegenseitig zur Verteidigung.
Foto: Urs Golling

Mein Begleiter für die nächste Stunde ist Ludwig, ein gutmütiger kleiner Wallach, der sich gern mal am Hals streicheln lässt. „Alpakas darf man nie am Kopf streicheln“, erläutert Karin Hatzl, „das finden die richtig doof und wäre, als ob man einem Menschen bei der Begrüßung ins Gesicht fasst.“

Man muss also schon ganz genau wissen, wie man den Alpakas begegnet. Und man kann sich täuschen, sehr schnell sogar. Kleines Beispiel: Während wir noch kurz warten bevor es losgeht, hört man dann das niedliche „Mmhh“, das die Tiere von sich geben. Ich bin hin und weg, weil ich mir sicher bin, sie kommunizieren mit uns. Doch keineswegs, Karin Hatzl weiß es besser. „Jetzt sind sie genervt“, erklärt sie. Denn Alpakas sind nicht gerade für ihre Geduld bekannt: „Sie haben jetzt das Halfter an und wollen losgehen. Stehen ist gar nicht ihr Ding.“

Spucken dient der Verteidigung

Also schauen wir, dass wir zügig loskommen. Wir wollen uns ja nicht gleich am Anfang unbeliebt machen oder vielleicht sogar bespuckt werden. Doch hier gibt
Karin Hatzl Entwarnung, denn die Tiere spucken sich nur untereinander an, wenn ihnen etwas nicht passt.

Es ist ein Mittel zur Verteidigung, jedoch hauptsächlich im Kampf um die Rangordnung. Man erhält eine Vorwarnung mit Speichel und grünem Grasbrei. Ignoriert man diese Warnung kann der nächste Spuckangriff mit halb verdautem Mageninhalt erfolgen.

Alpaka-Wandern am Tegernsee

Im Sommer kann man bei den Alpakas auch Yoga-Einheiten nehmen.
Foto: Stefanie Pfeiler

Schon nach den ersten Schritten merken wir, dass die Alpakas scheinbar ständig irgendetwas wahrnehmen. Was daran liegt, dass sie bis zu einem Kilometer weit hören, sehen und riechen können. Wenn wir also noch überhaupt nichts bemerken, wittern sie schon potenzielle Feinde.

Langsam weicht die Anspannung bei den Tieren. Auch wir selbst werden ruhiger und führen unsere Schützlinge mit mehr Bedacht. Wir lernen die Tiere in ihren Reaktionen besser einzuschätzen. Und irgendwann ist auch das Eis gebrochen, die Tiere scheinen uns mehr und mehr zu vertrauen.

Sensibles Miteinander von Mensch und Tier

Nach einer ausgedehnten und entspannten Runde bringen wir die Tiere wieder auf ihre Weide zurück und ich merke, dass ich Ludwig in mein Herz geschlossen habe. „Die Leute sind nach einer Begegnung oder einer Wanderung immer total begeistert von den Tieren“, erzählt Karin, die sich mit den Alpakas einen Traum erfüllt hat. „Das Schöne ist, dass ein Miteinander mit Tier und Mensch entsteht, weil Alpakas extrem sensibel sind.“ Und so dürfen wir die fünf noch mit ein paar Ästen und Heu füttern und genießen die letzten Momente.

Über die Alpakas

Die scheuen Tiere stammen ursprünglich aus den Anden Südamerikas, werden mittlerweile aber auch in anderen Regionen gezüchtet, so auch in Teilen Europas. Alpakas gehören zur Familie der Kamele und sind Schwielensohler, haben also keine Hufe. Schon die Inkas züchteten Alpakas insbesondere wegen ihrer Wolle.

Für eine artgerechte Haltung wie auf dem Hof “Zum Haus­mann”­ brauchen die ersten zwei Alpakas mindestens 1000 Quadratmeter Weidefläche und 200 Quadratmeter für jedes weitere Tier. Auch im Stall braucht es mehrere Quadratmeter Platz für jedes Tier. Alpakas sind Herdentiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Daher sollen sie nie alleine gehalten werden.

Wer Lust auf ein Date, eine Wanderung oder eine Kaffeepause bei den Alpakas hat, kann dies bei Karin Hatzl in Kreuth-Oberhof buchen.
Zum Hausmann, Oberhof 2, Kreuth/Oberhof
www.zumhausmann.de/alpakas 
Telefon: +49/151/28338913

Ziemlich beste Freunde: Mensch und Tier.
Foto: Urs Golling