Wer hat es nicht schon einmal gesehen, das Bild von Ludwig van Beethoven, das sich mit dessen düsterem Blick und wilder Mähne in unserem kollektiven Gedächtnis eingenistet hat. Im laufenden Beethoven-Jahr ist es allgegenwärtig. Doch der Maler hinter der Staffelei ist gemeinhin unbekannt, dabei war er der Celebrity-Maler seiner Zeit: Joseph Stieler. Er war der Hofmaler von König Ludwig I.. 1829 sagte dieser zu Stieler: “Er baue sich hier ein Sommerhaus!”

Beethoven Joseph Stieler Seeseiten

Diesem berühmten Beethoven-Porträt begegnen Kinder schon in ihren Schulbüchern. Doch kaum jemand kennt den Namen seines Malers: Joseph Stieler.

Mit diesem Wunsch soll König Ludwig I. im Jahr 1829 seinem Hofmaler Joseph Stieler einen Grund auf der Tegernseer Point zum Kauf angeboten haben. Und dieser baute dort tatsächlich sein Sommerhaus ein romantisches Häuschen mit Balkon mitten im Grünen, das dort noch heute steht und in etwa wieder das ist, was es wohl vor 190 Jahren auch schon war: ein Ort kultureller Gastlichkeit, ein moderner Salon der Künste und der Kulinarik.

Der aus einer Mainzer Künstlerfamilie stammende Porträtmaler war zu diesem Zeitpunkt in der Münchner Gesellschaft bereits ein gefragter Mann. Die Adeligen rissen sich förmlich darum, von ihm porträtiert zu werden, und auch an den Höfen der Könige und Kaiser genoss er großes Ansehen. Heutzutage würde man ihn wohl einen Celebrity-Maler nennen.

Im April 1820 stellte Stieler eines seiner berühmtesten Gemälde fertig: das Porträt Ludwig van Beethovens, das im Beethoven-Jahr 2020 allgegenwärtig an den 250. Geburtstag des Komponisten erinnert. Noch im selben Jahr, am 18. Dezember 1820, wurde Stieler per Dekret zum königlich-bayerischen Hofmaler ernannt.

Joseph Stieler Seeseiten Tegernsee

Selbstporträt von Joseph Karl Stieler im Alter von 64 Jahren.

Das Jahr 2020 bot aus diesem Grund auch die Gelegenheit für die Publikation des neuen großformatigen Bildbands „Joseph Stieler“, der im Frühjahr im Allitera Verlag München erschienen ist. Das Buch zeigt Stielers umfangreiches Œuvre, von weltberühmten Porträts und der „Schönheitengalerie“ König Ludwigs I. bis hin zu bisher unveröffentlichten Gemälden.

Begleitend bringt Autorin Sonja Still die Welt des königlich-bayerischen Hofmalers mit kenntnisreichen Einblicken in die damalige Gesellschaft, amüsanten Anekdoten sowie diversen Interviews mit Nachfahren Stielers, S.K.H. Herzog Max in Bayern, dem Leiter der Abteilung Alte Kunst des Auktionshauses Neumeister in München, der Architektin der Restaurierungsarbeiten am Stieler-Haus in Tegernsee und weiteren Experten facettenreich und unterhaltsam nahe.

Sonja Still, “Joseph Stieler. Der königlich-bayerische Hofmaler”,
Allitera Verlag München, 196 Seiten, Hardcover, 35 Euro

Der neue Bildband widmet sich Stielers umfangreichem Werk.