Große Namen, große Kunst: Damit weckt das Olaf Gulbransson Museum neuerdings Aufmerksamkeit übers Tal hinaus. Schon die Ausstellung mit Bildern von Marc Chagall war ein Ereignis. Mit der nächsten Kunstschau will man das übertreffen – und fährt dafür wieder ganz große Namen der Kunstgeschichte auf: „Von Renoir bis Jawlensky“.

Text: Ute Watzl

Olaf Gulbransson Musuem Renoir bis Jawlensky

Emil Nolde, Familienbild, 1947, Öl auf Leinwand, 68 x 88,5 cm, ©Privatsammlung
Foto: Olaf Gulbransson Museum

Berühmte Namen sind am Tegernsee nichts Ungewöhnliches. Aber Pierre-Auguste Renoir, Paul Gauguin, Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger, Paul Klee, August Macke und Emil Nolde – das sind Kaliber, die man dann doch eher in der Großstadt erwartet. Insbesondere, wenn diese Herren mit ausgewählten Werken gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen sind: „Von Renoir bis Jawlensky: Mit Leidenschaft gesammelt“. Weltbekannt, tief verehrt und am Kunstmarkt kaum noch zu bezahlen – eine Kunstschau mit solchen erstklassigen Namen am Tegernsee lässt sich wohl nur mit ihm erklären: Michael Beck.

Der heutige Vorsitzende der Olaf Gulbransson Gesellschaft hatte diese Ausstellung für das Museum bereits Anfang 2020 fertig zusammengestellt, als das Virus noch nicht im Land und er selbst noch nicht künstlerischer Leiter des Hauses war. Hineingeboren in eine Tegernseer Künstlerfamilie – sein Vater war kein Geringerer als Herbert Beck, jener einheimische Künstler, nach dem man hier eine Parkanlage benannt hat – und seit Jahrzehnten als Kunsthändler und Galerist in Düsseldorf erfolgreich, hat sich Beck das Vertrauen vieler Sammler erarbeitet.

Olaf Gulbransson museum Renoir

Pierre-Auguste Renoir, Personnages dans un paysage, um 1900, Öl auf Leinwand, 32 x 41 cm, ©Privatsammlung
Foto: Olaf Gulbransson Museum

Vertrauen ist vermutlich sein wertvollstes Kapital, wenn es darum geht, teure und einzigartige Werke aus privatem Besitz für einige Monate auszuleihen, um sie der Öffentlichkeit in einem Museum zu zeigen. Immerhin ist das Olaf Gulbransson Museum keine allzu große Institution, die üppige Leihgebühren bezahlen kann.

So eine Werkschau kann dieses Museum nur auf die Beine stellen, wenn jemand wie Beck über sein auf Freundschaft und Vertrauen beruhendes Netzwerk unbürokratisch die Kunstwerke organisiert und transportiert.

Einblicke in die Welt privater Sammler

Rund 60 Gemälde und Grafiken hat er aus seinem persönlichen Sammlernetzwerk zusammengetragen, alles bekannte Namen aus Impressionismus, Expressionismus und klassischer Moderne. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei drei der wichtigsten Künstlerinnen der damaligen Avantgarde: Paula Modersohn-Becker, Marianne von Werefkin und Gabriele Münter.

Bewusst hat Beck dabei verzichtet, die Werke nach bestimmten Kategorien auszuwählen. Wichtig war ihm der Blick in private Sammlerleidenschaften. „Der wirklich spannende Teil einer Ausstellung sind immer die Werke, die aus den privaten Sammlungen kommen“, sagt Beck, „weil sie lange Zeit vor der Öffentlichkeit verborgen waren.“

Olaf Gulbransson Museum

Alexej von Jawlensky, Mädchen aus St. Prex, um 1916, Öl auf Malkarton © Privatsammlung
Foto: Olaf Gulbransson Museum

Die Werkschau „Mit Leidenschaft gesammelt“ wird so ein bunter Reigen namhafter Künstler, ein Spaziergang durch die Kunstgeschichte der letzten 120 Jahre. Namen und Bilder, die erst einmal keiner Erklärung bedürfen, weil sie im kollektiven Gedächtnis längst ihren Platz haben. Deswegen ist sich Beck sicher: „Mit diesen Bildern kann man nichts falsch machen. Das gibt dem Tegernseer Tal einen echten kulturellen Mehrwert.“

Mit Becks erster Ausstellung als Museumsleiter durfte man sich schon an große Namen der Kunst gewöhnen und an deren anziehende Wirkung. 18.000 Besucher kamen zur Chagall-Kunstschau ins Olaf Gulbransson Museum.

Mit der neuen Kunstschau knüpft das Museum an die Präsentation der Chagall-Werke an und zeigt weitere Meister des 19. und 20. Jahrhunderts, die Kunstgeschichte schrieben. „Sieht man heute auf diese Werke voller Bewunderung, können wir uns gar nicht mehr vorstellen, wie viel Unverständnis am Anfang diesen Malern und Bildhauern entgegenschlug“, erklärt Michael Beck dazu.

Die Avantgarde von gestern gilt heute als Weltkunst und wird in allen Museen gefeiert. Deshalb rechnet Beck mit der neuen Sonderausstellung mit ebenso vielen Besuchern – oder mehr. „Das wird ein Selbstläufer.“ Da ist sich Beck sicher.

„Von Renoir bis Jawlensky: Mit Leidenschaft gesammelt“

23. Juli 2022 bis 8. Januar 2023

Die feierliche Eröffnung ist am Freitag, den 22. Juli 2022 um 18.00 Uhr im Kurgarten Tegernsee.
Verschiedene Gespräche und Panel-Diskussionen zu den Themen Kolonialismus, Feminismus sowie ein spannender Kandinsky-Film begleiten die Ausstellung.

www.olaf-gulbransson-museum.de

Wassily Kandinsky, Häuser vor blauem Berg, 1908, Öl auf Malkarton, 33 x 44,5 cm
© Privatsammlun

Foto: Olaf Gulbransson Musuem