Leo Slezak lebte hauptsächlich in Wien, ab Mai 1938 in Berlin, in Ferienzeiten ab 1911 in einem alten Bauernhaus in Rottach-Egern, wo er auch mit Georg Hirth und den Schriftstellern Ludwig Thoma und Ludwig Ganghofer befreundet war.

Leo Slezak, ca. 1927 Ferdinand Schmutzer / Foto: Ferdinand Schmutzer (gemeinfrei)

Tegernsee! – Welch ein Zauberklang birgt für mich dieses eine Wort. Es bedeutet restlose Freude, Abfallen aller Erden- schwere und jubelnde Erfüllung monatelanger Sehnsucht. Der erste Ferialtag. Nicht daran denken müssen, was man alles für Berufssorgen vor sich hat – es geht heim, in mein hölzernes Häusel am wunderschönen blauen Tegernsee. Ich will Dich, mein lieber Leser, dahin führen und dir seine Reize schildern, damit du dieses entzückende Fleckchen Erde auch lieben lernst. (…) Eine Weißwurst zu beschreiben, bin ich nicht imstande, weil die deutsche Sprache zu arm ist, um diese Fülle von Wonne erschöpfend zu schildern. Eine Weißwurst ist etwas Überirdisches und kann stundenlang gegessen werden. (…) Es existieren Menschen, die zur Weißwurst Senf, manche, die viel Senf nehmen.- Das sind Unwissende. – Ich esse sie mit Salz!”Leo Slezak (1873–1946), Kammersänger

Leo Slezak war der deutsche Opernsänger zur Zeit der letzten Jahrhundertwende. Wien, Berlin, Breslau, St. Petersburg, Paris, Mailand, London… Zusammen mit Enrico Caruso sang er an der Metropolitan Opera in New York. Noch heute hängt in der Eingangshalle das Bild des Sängers. Er ließ sich 1910 am Tegernsee nieder. Sein damaliges „Blumenhäusl“, wie er es nannte, ist heute das Restaurant Seehotel Malerwinkel in Rottach-Egern. Im ersten Stock erinnert noch eine kleine Galerie an die große Karriere von Slezak. Der Herr Kammersänger litt unter Figurproblemen, die er im Sommer mit Bewegung und Schwimmen im See bekämpfte, damit er im Winter wieder in die Theaterroben passte. Regelmäßig zu seinem Geburtstag, am 18. August, büchste er aus und aß im Tegernseer Bräustüberl einen Kranz Weißwürste – zwischen 20 bis 38 Stück berichten die Chroniken.

Lesetipp: Leo Slezak: „Lachen mit Slezak”, ISBN 978-3-930931-06-4 für 16,80 €

Seeseiten, Herbst 2018.