Das Tegernseer Tal ist ja Kulisse für vieles – aber dort Geschichten über Mord und Totschlag anzusiedeln, gehört zu den ungewöhnlichen Geschichten. Weswegen wir mit Martin Calsow einen Krimiautoren ans Seeufer geholt haben, um mit ihm zu reden. Über die Motivation, solche Plots hier spielen zu lassen. Und natürlich über die unkriminellen Seiten des Sees.

„Ein Fest für Krimischreiber“: Für Martin Calsow ist das Tegernseer Tal nicht nur die perfekte Kulisse für sein Privatleben – sondern auch für seine Bücher.
Foto: Urs Golling

Ist das Tegernseer Tal nicht viel zu friedlich, um dort ausgerechnet einen Krimi anzusiedeln?
Friedlich ist es meist, wenn Menschen fehlen. Aber das Tal hat eine muntere Gesellschaft. Da wird von der Höhe der Hecke bis zum Erbe gern gestritten. Hier gibt es echte A-Prominenz und eine gigantische Anzahl von Adabeis. Kurz: Der Cocktail aus Neid, Intrige und Missgunst spielt hier zuweilen in der Champions League – ein Fest für Krimischreiber. Daneben hat es aber auch sehr engagierte, für die Belange des Tals brennende Menschen. Jene, die bei Krisen sofort da sind, die helfen und meist sehr still wieder gehen – das sind für mich die echten Entscheider.

Gab es schon mal den einen speziellen See-Moment, bei dem Sie der Anblick des Sees zu etwas inspiriert hat? Oder kommt der noch?
Der Sommerabend auf der besseren Seeseite, wenn fern irgendwo gefeiert wird, die letzten Glocken läuten, und man in den glatten See hinausschwimmt. Der Wintertag hinten in Wildbad unter der Woche, wenn der Atem beim Langlaufen große Wolken bildet. Der Herbstmittag im Söllbach, wenn noch einmal alles leuchtet, die Blätter ihre letzte Farbe zeigen, die Luft noch einmal flirrt. Der Frühlingsmorgen, wenn hinten in Dürnbach auf der Wiese die Blauberge in Weiß gekleidet sind, aber schon die ersten Hyazinthen blühen.

Auf Ihrer Webseite spötteln Sie schon mal über den „gemeinen Schad-Münchner“ und bescheinigen dem Bayern an sich das Gemüt eines Haflingers …
Jede Gruppe hier verdient die ironische Brechung, das Bespötteln, gerade jene, die glauben, das Tal mit ihrem Handeln verändern zu wollen. Jene, die es zubauen und versiegeln, jene, die das geschehen lassen. Jene, die es verstauen und wie eine seelenlose, mittelgroße Stadt in Westdeutschland aussehen lassen wollen.

Der brandneue Kriminalroman von Martin Calsow “Kill Katzelmacher!” ist im März im Grafit Verlag erschienen.