Das Jodschwefelbad in Bad Wiessee hat sich neu erfunden: klein, fein, edel. Während außen die Handschrift des Designers Matteo Thun für unaufdringliche Noblesse sorgt, ist innen alles auf so viel Gesundheit und Erholung wie möglich ausgerichtet. Unsere Seeseiten-Autorin Susanne Mayr hat nicht nur einen Blick darauf geworfen, sondern sich auch im Wasser verwöhnen lassen. Und dabei festgestellt: Auch eine schöne Optik trägt zu mehr Wohlbefinden bei.

Text: Susanne Mayr
Fotos: Jodschwefelbad/Susanne Mayr

Jodschwefelbad Bad Wiessee Seeseiten Magazin

Frisch gebadet entspannt man noch 20 Minuten mit Blick nach draußen.

Nun ist es also fertig, dieses Gebäude, über das auch überregional viel geschrieben und gesprochen wurde. Was daran liegt, dass mit Matteo Thun einer der renommiertesten Architekten und Designer unserer Zeit für den Neubau engagiert wurde. Klar also, dass man vom neuen Jodschwefelbad alles erwarten darf. Alles, nur nicht gewöhnlich. Schon beim Ankommen zeigt die Außenfassade, wer hier federführend war. Holzlamellen, ein Lieblingsmaterial von Matteo Thun, prägen die Ansicht. Sie schaffen durch ihre Anordnung und in Kombination mit den großen Fensterfronten ein kunstvolles Spiel mit Licht und Schatten.

Innendrin: außergewöhnliche Architektur und der gewohnt zuvorkommende Service. Am Empfang werde ich begrüßt – und dabei aber freundlich unter die Lupe genommen. Denn auch wenn das Wasser herrlich entspannend ist, geht von ihm eine starke Wirkung aus. Und die muss der Körper auch verkraften. Deshalb wird man hier nach Vorerkrankungen, Befinden und Vorlieben gefragt und auch zur passenden Anwendung beraten; sicher ist sicher.

Nicht einfach ein Warteraum

Ich habe mich für ein Ganzkörperbad entschieden und werde nun in den Wartebereich geschickt. Wobei das Wort sehr uncharmant umschreibt, was mich erwartet. Ein heller Lichthof mit einem zentralen Sitzelement umrahmt von wunderschönen italienischen Bodenfliesen – diese sind in jedem Flügel farblich unterschiedlich. Ich nehme kurz Platz, bevor mich meine Badefrau Sigrid Biechl abholt. Sie führt mich in eine Kabine – und auch hier: viel Licht und Sonne, Holzlamellen, Wechselspiele zwischen Licht und Schatten.

Geschickt angeordnete Holzlamellen schaffen ein kunstvolles Licht- und Schattenspiel.

Die Badewanne, die in ihrer Form speziell der Körpersilhouette entspricht, wird von einem Leuchtelement umrahmt, was vor allem in der Dämmerung eine sehr schöne Wirkung erzeugt. Frau Biechl lässt mir nun die Wanne mit dem leicht grünlichen Wasser ein. „Es fühlt sich fast schon ein wenig königlich an, von jemand anderem gebadet zu werden“, denke ich mir. Ich rieche den speziellen Geruch, der nicht nur vom Schwefel stammt (Jod ist geruchslos), sondern auch vom enthaltenen Paraffin.

Geruch hin oder her, jedenfalls läuft hier gerade das einzigartige Wasser ein, dessen Heilwirkung schon seit über hundert Jahren genutzt wird. Und auch meine Badefrau, die seit mehr als 23 Jahren im Jodschwefelbad arbeitet, hat schon viel gesehen. Neurodermitiker, die von ihren Beschwerden geheilt wurden, eine fast erblindete Patientin, die mithilfe der Augenbäder ihre Makuladegeneration stoppen konnte oder Arthrose-Patienten, die wieder schmerzfrei laufen konnten.

„Jedes Bad wirkt“, weiß Frau Biechl. „Es strafft die Haut, regt Durchblutung und Kreislauf an, wirkt entsäuernd und sogar stimmungsaufhellend.“ Und nicht nur das, es macht uns auch gesünder. Eine Studie des Instituts für Ecomedicine der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg belegt, dass das Jodschwefelwasser in Bad Wiessee immunstärkend wirkt.

Happy Feet: Im Jodschwefelwasser entspannt man buchstäblich von Kopf bis Fuß.

Ab in die Wanne

Mit einem speziellen Thermometer prüft die Badefrau nochmals die Temperatur und ich steige in die Wanne. Frau Biechl verlässt den Raum, nachdem sie sich nochmals vergewissert hat, dass das Wasser genauso warm ist, wie ich es gerne möchte. Erst einmal fühle ich nur Wärme und versuche mich zu entspannen – was mir erstaunlich leichtfällt und vielleicht auch daran liegt, dass man durch den natürlichen Salzgehalt im Wasser mehr schwebt als liegt. Etwas ungewohnt zu Beginn, aber sehr angenehm.

Nach bereits einigen Minuten spüre ich die Wirkung des Heilwassers. Meine Haut fühlt sich wie in einem Cremebad an und kribbelt leicht. Ich merke auch, wie mein Herz kräftiger schlägt und mir durch und durch warm wird. Nach maximal 20 Minuten ist die Badezeit vorbei – danach nimmt die Haut nichts mehr von den Wirkstoffen auf – und Frau Biechl kommt wieder und bittet mich, noch nass zwischen die Laken auf der Liege zu schlüpfen. Ich bekomme noch ein Wasser, denn viel zu trinken ist nach der Anwendung wichtig.

Überhaupt wird man hier bei der Anwendung sehr bedacht, aber unaufdringlich an die Hand genommen. Auf der Liege ruhe ich dann weitere 20 Minuten. Diese Zeit braucht der Körper. Das Kribbeln auf der Haut ist gleich weg, aber mein Herz arbeitet ordentlich. Nicht schnell, aber kräftig spüre ich meinen Herzschlag, während ich in den Himmel und auf die vom Wind bewegten Blätter des Rotahornbaumes vor meinem Fenster blicke. Normalerweise kommt mir eine Nachruhezeit im Spa immer zu lang vor, hier in meiner Jodschwefelbad-Kabine hingegen könnte ich tatsächlich noch länger liegen.

Nachhaltig wirksam

Doch schon erinnert mich Sigrid Biechl daran, dass nun auch meine Nachruhezeit um ist, auch wenn die Wirkung in meinem Körper noch sehr viel länger dauert. „Oft merken die Patienten nicht sofort etwas, sondern erst später“, erklärt mir die erfahrene Badefrau. Sie erzählt von Kurpatienten, die erst nach Wochen wieder zu Hause plötzlich eine Veränderung feststellten. Denn das Wasser wirkt noch lange nach, weshalb man nach einem Bad auch mindestens fünf Stunden warten sollte, bis man es abwäscht.

Ich jedenfalls fühle mich jetzt gestärkt, wenn auch ein wenig müde, und merke, dass meine Haut bereits viel weniger spannt und juckt. Ich habe mir vorgenommen, jetzt öfter ins neue Wiesseer Jodschwefelbad zu kommen, denn Deutschlands stärkste Jodschwefelquelle hat einiges zu bieten. Egal ob zur Unterstützung einer Fastenkur im Frühling (das Wasser entsäuert schließlich), nach dem Sport zur Regeneration und Vermeidung eines Muskelkaters, bei Beschwerden der Atemwege, wenn mich wieder eine meiner Allergien plagt, oder einfach nur für Schönheit und Entspannung.

Wer nun Lust bekommen hat gleich loszubaden, der ruft kurz im Jodschwefelbad an. Die Mitarbeiter versuchen jeden noch so spontanen Terminwunsch zu erfüllen. Zur Eröffnung gibt es das „Schnupper-Paket“ mit je einem Wannenbad, Inhalation oder Augenbad (55 Euro). Das „Detox & Relax“ Package enthält drei Wannen- oder Sprühbäder und drei Teilmassagen  (175 Euro).

Infos unter www.jodschwefelbad.de

Das Atrium dient als Wartebereich und ist in jedem Flügel farblich anders gestaltet