HYDROFOIL – das ist nicht einfach eine andere Art von Surfbrettern. Tatsächlich bringen sie das Surfen zurück an den See. Möglich wird das durch ein paar technische Besonderheiten.

Text: Susanne Mayr

Hydrofoils Foiling Windsurfing Trend Tegernsee

Über dem Wasser – beim Foil-Surfen hebt das Brett durch den Auftrieb ab und gleitet über den See.
Foto: Sailingcenter Tegernsee

Sehen sie zunächst auch aus wie ganz normale Windsurfer, so scheint es im nächsten Moment, als würden sie plötzlich abheben und einen halben Meter über der Wasseroberfläche schweben. Geräuschlos und ohne eine Welle zu schlagen, sausen sie dann atemberaubend über den See.

Die Rede ist von sogenannten Hydrofoils. Das sind Surfbretter, die durch eine spezielle Finne unter dem Board die Wasserströmung nutzen und – das ist jetzt einfach Physik – durch den Auftrieb nach oben gleiten.

Flitzer auf Flügeln

In Süddeutschland wurde das Hydrofoil-Surfen erstmals im Sailingcenter Tegernsee in Bad Wiessee angeboten. Besitzer Stephan Eder erklärt dazu: „Ganz neu ist der Trend des Hydrofoils nicht. Schließlich wird die Technologie, die dabei eingesetzt wird, schon lange für Tragflächenboote verwendet, wie sie am Gardasee verkehren.“

Doch wie funktioniert das “fliegende Brett” eigentlich? „Unten am Surfbrett wird im Finnenkasten ein langes Schwert angebracht, der sogenannte Mast. An diesem ist vorne quer ein Frontflügel angebracht sowie hinten quer ein Heckflügel“, so Eder zum Aufbau des Materials. Das Ganze nennt sich Fuselage. „Diese Flügel sind geformt wie ein Flugzeugflügel: oben gewölbt, unten platt.“ Und genau am Beispiel eines abhebenden Flugzeugs kann man die Funktionsweise am besten erklären: „Wenn das Brett Tempo aufnimmt, dann produziert der Flügel ab einem bestimmten Geschwindigkeitspunkt einen Unterdruck und hebt ab“, so Eder weiter.

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“Wer das Gefühl beim Foilen mal erlebt hat, wird kaum wieder auf ein normales Surfbrett steigen”, sagt Stephan Eder vom Sailingcenter
Foto: Urs Golling

Der Surfer steuert dieses Aufsteigen durch Gewichtsverlagerung, indem er den Flügel schräg nach oben anstellt. Um den Flügel wieder abzusenken, wird einfach nur die Brettspitze absenkt. Der Flügel muss dabei immer unter Wasser bleiben, um den stetigen Auftrieb zu garantieren. Kommt er aus dem Wasser, lässt der Auftrieb sofort nach und der Surfer stürzt. Die Fuselage ist beim Surfen deshalb meist 70 bis 110 cm lang, um das Steuern einfacher zu machen.

Den Durchbruch dieser Technologie im Funsport ermöglichte die Segelregatta Americas Cup, eine Art Formel 1 des Segelsports. Um das Jahr 2000 wurden dann bei Segelbooten das erste Mal Foils eingesetzt und es wurden durch den verringerten Wasserwiderstand Rekordgeschwindigkeiten erzielt. Kein Wunder, dass darauf auch Funsportler aufmerksam wurden. Denn das Gleiten beim Surfen macht die Faszination aus und auf den bayerischen Seen ist nicht immer mit hohen Windstärken zu rechnen.

Deshalb ist das Foilen nun auch im Breitensport präsent und wird zukünftig sogar olympische Disziplin. Was man hier am See beobachten kann ist also nicht nur ein kurzzeitiger Trend, sondern der Sport der Zukunft. Und das aufgrund der ausgeklügelten Technik sogar bei weniger Wind.

Nichts für Anfänger

„Ganz einfach ist das nicht“, so Stephan Eder, der selbst als Vorreiter seit drei Jahren damit am See unterwegs ist und auch Kurse dazu anbietet. „Man kann das Foilen nicht komplett mit dem Surfen vergleichen, es ist doch eher eine neue Sportart.“

Zwar sind Brett und Segel vom Aufbau her ähnlich oder fast gleich, aber das Gefühl beim Fahren ist ein anderes: „Man schwebt ja über dem Wasser, die Welle und die Kraft des Wassers fallen dadurch weg, das ist eine ganz neue Sinneserfahrung“, so der Funsportler.

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Ein Brett mit Flügeln: das iQFoil 95 Carbon Reflex von Starboard.
Foto: Severne Starboard

„Man ist ganz leise unterwegs. Die Kräfte, die man in der Hand und auf dem Wasser fühlt, sind anders.“

Denn sobald man auf dem Foil fährt, minimieren sich die Segelkräfte. In dem Moment, indem das Brett aus dem Wasser auftaucht, nimmt der Druck im Segel schlagartig ab und man ist schneller, weil man mit mehr Strömung fährt. Das ist natürlich auch für den Fahrer anspruchsvoller. „Man muss feinfühliger unterwegs sein, denn schon kleinste Bewegungen mit dem Fuß geben Impulse“, so der passionierte Surfer.

Ein Anfängerkurs fängt deshalb immer mit den Grundlagen des Surfens und einer Theoriestunde zur Technologie der Hydrofoils an. Erst wer dann im Praxisteil das Fahren in Fußschlaufen und Trapez beherrscht, steigt auf das Foilbrett um. Dann geht es zuerst mit Begleitboot und später direkt mit dem Lehrer auf’s Wasser.

„Wer das Gefühl beim Foilen mal erlebt hat, wird kaum wieder auf ein normales Surfbrett steigen“, so Stephan Eder „Das ist eine ganz neue Erfahrung: Windsurfen auf einem aktiven, sportiven und interessanten Level. Es macht Riesenspaß und ist sportlich herausfordernder.“ Wer jetzt das Foilen einmal ausprobieren möchte, kann natürlich einen Kurs buchen oder sich das Material ausleihen und seit kurzem sogar online unter www.sailingcenter.de kaufen.

Kursangebot Foilen: Eine Session mit persönlicher Betreuung an Land und auf dem Wasser und flexiblen Terminen beinhaltet eine Grundeinführung an Land, gemeinsames Foilen auf dem Wasser und eine anschließende Videoanalyse.

Preis p.P. 195 Euro, maximal drei Teilnehmer
Anmeldung unter foiling@sailingcenter.de
Telefon: 08022/1884126 oder 0172/8421383

Foilen wird zukünftig olympische Disziplin.
Foto: Severne Starboard