Mit dem Mountainbike fahren ist es wie mit dem Ski fahren: Um es richtig gut zu können, lernt man es am besten als Kind. Deswegen gibt es bei den Kreuther Hirschbergliften nun auch einen Mountainbike-Trail für Kinder – kurz, aber knackig.

Text: Ute Watzl / Fotos: Sabine Ziegler-Musiol

Hirschi-Trail Tegernsee

Mit breitem Grinsen kommen die Kinder im Ziel an.

Das Leben ist ein Mountainbike-Trail, könnte man meinen. Mal geht’s aufwärts, dann wieder muss man durch die eine oder andere Niederung, und gelegentlich wird’s knifflig – dann braucht man viel Stehvermögen, um sich im Gleichgewicht zu halten. Und so rasend es gerade noch zuging, so schnell wird man plötzlich ausgebremst durch Hindernisse, die überwunden werden wollen.

So ungefähr ließe sich auch der lange Weg zum kurzen „Hirschi“ beschreiben, dem neuen Mountainbike-Trail für Kinder an den Kreuther Hirschbergliften. Über zwei Jahre ist es her, dass mit den ersten Planun- gen begonnen wurde, jetzt ist er fertig.

Naturbelassen, ohne künstliche Einbauten

Christine Miller von der Tegernseer Tal Tourismus und das Team um Albert Meier von der Outdoorschule Tegernsee sind diesen Weg gegangen. Schon im April 2020 war die Strecke für einen Kinder-Bike-Trail festgelegt: Ein naturbelassener Pfad sollte es sein, auf natürlichem Waldboden und ohne künstliche Einbauten; einer, zu dem die Kinder auch selbst hinaufradeln können, ohne auf Aufstiegshilfen angewiesen zu sein. Am Ende sollte ein kleiner, aber feiner Rundkurs stehen, mit einer 200 Meter langen Abfahrt über 80 Höhenmeter durch den Wald.

Doch kaum waren die behördlichen Genehmigungen eingeholt, vermasselte der erste Lockdown den Start. Und kurz nach dem ersten Spatenstich kam ein früher Wintereinbruch – Vollbremsung. Dann wieder Corona, und so weiter. Am Ende zog sich die Umsetzung über ein Jahr von Oktober 2020 bis November 2021. Erst im vergangenen Frühjahr dann konnte das Team der Freiwilligen ans Feintuning der Strecke gehen. „Immer wieder hieß es: Durchhalten, dranbleiben“, erzählt Christine Miller.

Das gilt nun auch für den Mountainbike-Nachwuchs. Denn: „Der Trail ist nicht ganz ohne, man braucht schon Fahrkönnen.“ Das sagt Christian Räß, dessen Söhne Benedikt (15) und Quirin (13) be- geisterte Mountainbiker sind. Aber gerade, weil sie sich die Strecke erst einmal erarbeiten müssten, ohne dabei komplett überfordert zu sein, mache sie den Kindern einfach Spaß, so Räß.

Hirschitrail am Hirschberg in Kreuth

Hand an der Bremse, Blick auf den Trail – früh übt sich, wer ein sicherer Mountainbiker werden will.

„Ich find‘s cool, dass ich mich hier einfach mit meinen Freunden zum Biken treffen kann und wir dafür nicht mehr so weit fahren müssen“, sagt Benedikt. Denn Fahrtraining für Kinder gab es bisher nur auf dem Trail in der Langenau bei der Schwaigeralm, für viele Kinder zu weit. Auch die neunjährige Lena hat den Hirschi schon fast gemeistert. „Er macht richtig Spaß, aber an manchen Stellen ist er tricky“, sagt sie. Im dritten und schwierigsten Teil musste sie noch absteigen. „Aber danach kann man bis ins Ziel laufen lassen“, freut sie sich.

Sich den Hirschi zu erobern, das geht vielleicht nicht beim ersten Mal, wohl aber Etappe für Etappe. „Die kleineren Kinder können bei den Großen abschauen, wie es geht“, sagt Andrea Meier. Als Mountainbike-Guide weiß sie, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Der Trail ist spannend und technisch anspruchsvoll.“ Wo schaue ich hin, bevor ich die Kurve nehme? Welche Linie wähle ich, um das nahende Hindernis souverän zu meistern? Wieviel Geschwindigkeit muss ich aufnehmen, um nicht ins Schlingern zu geraten? Antworten darauf geben sich die Kids nach und nach, mit jedem weiteren Versuch.

Erst einmal die Regeln checken, denn ohne die geht’s auch auf dem Kidstrail nicht.

Auch hier heißt es wieder: Nicht aufgeben, nach einem Sturz wieder aufstehen und weitermachen. „Der Glaube an uns selbst prägt schließlich unser Leben“, sagt Andrea Meier.

Kameradschaft unter Gleichgesinnten

Und dann ist da noch das große Miteinander. Geht es nach den Wünschen der Initiatoren, dann erleben die Kinder und Jugendlichen auf dem Hirschi ein großes Stück Kameradschaft unter Gleichgesinnten. Sich gegenseitig helfen, Rücksicht nehmen und sobald man es selbst kann, den anderen mit Tipps zur Hand gehen, das soll Teil des Trail-Erlebnisses sein.

„Wer ohne Freunde herkommt, der wird sie hier finden“, sagt Andrea Meier. Schließlich ist der Hirschi-Trail selbst ein Tegernseer Gemeinschaftsprojekt. Eltern, Kinder, Jugendliche, Mountainbike- und Langlaufguides haben in ihrer Freizeit daran mitgearbeitet. Mit der Beschilderung wurden Kreuther Handwerker beauftragt. Auch jetzt noch dürfen sich die Kinder mit Anregungen zur Verbesserung ihres Trails einbringen. Und Christian Räß sieht es so:

„Wenn es einen offiziellen Trail gibt, dann fahren die Kinder nicht irgendwo im Wald herum – dann wissen wir wenigstens, wo sie sind.“

Auf den ersten Blick ist der Trail jedoch kaum zu sehen, so perfekt in den Wald integriert ist er angelegt worden. Von großen Rampen auf der Wiese, wie man sie andernorts sieht, keine Spur. So Mancher sieht den „Hirschi“ daher als Beginn einer größeren Geschichte. Vielleicht wächst er eines Tages zu einem Hirschen aus.

Zum Hirschi-Trail: Vom Parkplatz Bachlerweg in Kreuth bei der Skischule Tegernsee rechts am Waldrand dem Feldweg bis zum Einstieg des Trails folgen. Das Ziel ist wieder kurz oberhalb der Skischule. Der Hirschi-Trail ist nicht nur für Einheimische. Bikeshops und Bikeschulen bieten Gästekindern im Sommerprogramm dort Mountainbike-Kurse an. Extra Downhill-Bikes brauchen die Kids dafür nicht. Ein normales Mountainbike mit Federgabel reicht völlig aus.

“Wer ohne Freunde herkommt, der wird sie hier finden.”