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„Es genügt nicht zu leben,

man braucht ein Schicksal.“

Albert Camus

(Text mit Schreischrift)

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WELTNEUHEIT

WELTNEUHEIT

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„Bei Klaus Höfler und seiner Leitstern Company merkt man sofort, dass hier ein Unternehmer berät. Er hat wesentlich zur erfolgreichen Markenführung beigetragen und unser Unternehmen mit kreativer, professioneller und zielgruppengenauer B-to-B-Kommunikation auf die Erfolgsspur gebracht.”

Dr. Richard vom Holtz, Geschäftsführer Apomanum GmbH

„Die Unterstützung von Klaus Höfler in einem persönlichen Coaching und einem Werte-Workshop mit unserem Führungsteam war in jeder Hinsicht wertvoll. Mit seinergleichzeitig pragmatischen, kreativen und lösungsorientierten Herangehensweise schafft er es in einer sehr angenehmen Gesprächs- und Arbeitsatmosphäre echte Erkenntnisgewinne entstehen zu lassen. Die Arbeit mit ihm macht Spaß und bringt Ergebnisse. Absolut empfehlenswert!”

„Die Zusammenarbeit macht sowohl fachlich als auch menschlich sehr viel Spaß. Projekt mit Herrn Höfler finden nicht in einer klassischen Kunden-Lieferanten-Beziehung statt. Vielmehr hat man immer das Gefühl, als Partner an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Es findet offene und ehrliche Beratung statt und keine Marketing-Budget-Maximierung. Herr Höfler zeichnet sich durch das besondere Gespür für die Situation und Bedürfnisse seiner Kunden aus und besticht darüber hinaus durch Fachkompetenz, Kreativität sowie absoluter Zuverlässigkeit und Termintreue.”

„Wir haben mit der Leitstern Company einen qualifizierten und sehr vertrauensvollen Partner zu unserer Markenstrategie sowohl in der Evaluierung wie auch Umsetzung an unserer Seite. Insbesondere mit dem Inhaber Klaus Höfler können Themen und Aufgaben
kreativ und wirkungsvoll verarbeitet werden. Durch seine regionalen Kenntnisse und umfangreichen Netzwerke ist er ein wertvoller Ideengeber und authentischer Berater.“

„Klaus Höfler und seine Leitstern Company berät uns vertrauensvoll, zuverlässig und kompetent bei allen Themen rund um unseren Markenauftritt. Wir schätzen seine Leidenschaft und Kreativität, mit der er sich stets der Umsetzung unserer Aufgabenstellungen widmet. Er ist in unserer Region bestens vernetzt, hat stets offene Ohren und wache Augen und ist so für uns zu einem wertvollen Rat- und Impulsgeber geworden.“

„Klaus Höfler und seine Leitstern Company sind meine Spezialagentur für begeisternde Kommunikationsmaßnahmen. Mit dem überzeugenden Workbook für meine Seminare habe ich ein Tool erhalten, das in diesem Marktsegment wirklich einzigartig ist. So werden meine Kunden zum Fan – und ich bin neuer Fan der Leitstern Company.”

„Bei Klaus Höfler und seiner Leitstern Company spüre ich die inspirierende UnternehmerEnergie eines erfolgreichen Anwenders unseres Lehrwerks.”

„Über die Jahre hinweg ist Klaus Höfler ein klarer und zuverlässiger Leitstern in meiner Arbeit als Speaker und Autor geworden. Ohne unseren intensiven Austausch hätten weder meine Vorträge noch mein Bestseller die klare Positionierung und den kreativen Tiefgang erhalten, der sie heute auszeichnet. Die Zusammenarbeit mit Klaus Höfler ist kein Bundesliganiveau, das ist absolute Champions League!“

„Mit Hilfe von Klaus Höfler und seiner Leitstern Company haben wir unserer Versicherungsgesellschaft einen neuen, frischen Anstrich verpasst. Nicht nur wir sind begeistert, auch unseren Kunden und Geschäftspartnern ist das positiv aufgefallen. Nebenbei haben wir wertvolle Erkenntnisse über Markenidentität, Markenwerte und Markenkern gewonnen. Und nicht zuletzt hat es großen Spaß gemacht. Vielen Dank dafür!“

„Die Zusammenarbeit mit Klaus Höfler macht in der Tat immer wieder Spaß, da sowohl kreative Ideen als auch zielgerichtetes Arbeiten nicht zu kurz kommen, wie sich auch an unserem Unternehmensslogan ‚precision & efficiency’ zeigt. Am Ende steht stets ein positives Ergebnis. Wir beauftragen deshalb die Leitstern Company immer wieder gerne für unsere produktspezifischen Marketingaufgaben im b-to-b-Segment.“
  • Mein Credo? Leben und leben lassen. Ich habe schon so viele Lebensgeschichten meiner Mandanten im Hintergrund mitschreiben dürfen, das macht mich schon ein wenig stolz. Das Leben ist mehr als Steuern und Abgaben und mir ist immer der Mensch gegenüber am wichtigsten.

    Karl Pflügler, Gründer und Inhaber der Steuerkanzlei Pflügler

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Den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Alles-Anders-Podcast von und mit Marion Kuchenny und Christian Jakubetz gibt es hier zu hören:

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Tipps für den Fitness-Parcours

Ab nach draußen!

Hier am See gibt es keine schönere (und gesündere) Kulisse zum Sport treiben als die Natur. Riccardo Miglietta, Athletiktrainer im Medius Tegernsee hat mit uns eine Sportstunde vor das Studio verlegt.

Text: Susanne Mayr / Fotos: Urs Golling

Fitness-Parcours Tegernsee

Rund um den Tegernsee gibt es Fitness-Parcours. Man muss sie nur zu nutzen wissen.

Sport ist gesund, keine Neuigkeit. Noch ein bisschen mehr von allem ist Sport, wenn man ihn nach draußen verlegt. Hier im Tegernseer Tal gibt es viele Outdoor-Bewegungsparks, die man perfekt für eine Session nutzen kann. Trainer Riccardo Miglietta empfiehlt vor dem eigentlichen Training auf jeden Fall Aufwärmübungen.

„Perfekt ist natürlich, wenn man zu den Outdoorparks joggt oder mit dem Fahrrad fährt, dann ist man schon etwas aufgewärmt“, so der Sportexperte. Allen anderen rät er zu Armkreisen, Hampelmännern oder Beinheben. „Man kann sich auch einfach hinstellen und die Zehen abwechselnd über Kreuz mit den Fingern berühren“, so Miglietta. Alles was den Kreislauf erst einmal in Schwung bringt, ist gut. Dazu sollte man jede Übung mindestens eine Minute ausführen und insgesamt auf ca. fünf Minuten Beweglichkeitstraining kommen.

Dann geht es auch schon an die Geräte, die Namen wie Stretching-Tower oder Leg-Press haben. „Man kann an jedem der Geräte die verschiedensten Übungen und Variationen machen“, weiß der Athletiktrainer. „Man sollte erst einmal langsam anfangen und sich dann steigern.“ Einige der effektivsten Übungen, mit Varianten für jedes Level, hat er uns exklusiv gezeigt.

Fitness-Parcours Tegernsee

Der Stretching Tower kann vielseitig genutzt werden.

GANZKÖRPER-ÜBUNGEN AM STRETCHING-TOWER

1. Liegestütz mit erhöhter Haltung
Der Griff sollte ungefähr auf Brusthöhe sein, die Beine nach hinten gestreckt, Fußspitzen aufgestellt. Dann die Arme beugen und die Brust zur Stange bringen, dann wieder strecken. 20 Wiederholungen. Hier werden vor allem Brust, Arme und Schultern trainiert.

Riccardos Tipp: Fangen Sie bei der höchsten Station an und arbeiten Sie sich zur niedrigsten hin.

2. Stützhaltung
Hände an die Stützen, Beine aufgestellt. Abwechselnd das rechte Bein und den linken Arm und das linke Bein und den rechten Arm diagonal heben. Die Übung geht mehr auf den Rumpf, da man dabei den Oberkörper stabil halten muss. Riccardos Tipp: Gefühlt das Schambein zum Bauchnabel ziehen, das hält den Rumpf stabil. 20 Wiederholungen

3. Stretching [ohne Abb.] Ein Bein auf die Stütze legen, Zehenspitzen zum Körper ziehen. Langsam den Oberkörper nach vorne beugen und mindestens 30 Sekunden halten.
Tipp des Experten. Für einen Rückenstretch die Hände schulterbreit auf die Stütze legen, Beine hüftbreit aufgestellt und dann den Kopf zwischen die Arme absenken.

Manchmal braucht es gar keine Geräte, um Muskeln zu trainieren. Dann tut’s auch eine Parkbank.

MUSKELAUFBAU AN DER PARKBANK

Beinmuskeln trainieren an der Leg-Press

4. Ausfallschritt mit erhöhtem Bein
Einen Fuß auf der Bank aufstellen, beide Füße zeigen in die gleiche Richtung. Dann runter gehen, und wieder nach oben. Durch die Erhöhung dehnt man die Hüftbeuger und trainiert den vorderen Oberschenkel. 15 Wiederholungen pro Seite. Und stets darauf achten, dass das Knie nicht nach außen oder innen kippt.

Riccardos Tipp: Die Bank kann man auch für dynamische Übungen nutzen. Dazu vor die Bank stellen und in einem Satz auf die Bank springen. Anfänger fangen mit einem Bein an oder „steigen“ die Bank abwechselnd mit einem Bein hoch wie bei einer Treppe.

Fitness Parcours tegernsee Riccardo Miglietta

Die Station bietet viele Möglichkeiten für Muskeltraining.

BAUCH, BEINE, PO AN DER STATION

5. Beinbeuger:
Vor den niedrigsten Sitz stellen, Hand an die Rückenlehne. Das Bein vor die Stütze stellen und angewinkelt nach hinten oben heben. Dabei die Stütze nach oben drücken, das trainiert den hinteren Oberschenkel. 15 Wiederholungen pro Seite.

6. Bauchstraffer:
Mit dem Rücken zur Station stehen, Hände auf die Armstützen, Körpergewicht hochdrücken, so dass die Füße nicht mehr auf dem Boden stehen. Jetzt die Beine angewinkelt anheben und wieder senken. 5–10 Wiederholungen

Riccardos Tipp: Wer noch mehr will, streckt die Beine aus und hält sie parallel zum Boden. Dabei wieder anwinkeln und ausstrecken. Oder auch mal nur ein Bein absenken und wieder anheben.

Fünf Parcours für Ihre Fitness

Gmund am Tegernsee: Seeglas an der Promenade zwischen Volksfestplatz und Pavillon
Tegernsee: Vor dem Studio Medius Medizinische Fitness im Kurpark
Bad Wiessee: An der Seepromenade neben dem Kinderspielplatz
Kreuth: Fitness-Pfad, zwischen Einfahrt zum Waldfestplatz und Raineralm
Rottach-Egern: Calisthenics Park (in Bau) neben der Tennistraglufthalle

Riccardo Miglietta ist seit 2015 selbstständiger Trainer und arbeitet auch im Medius Medical Fitness. Seine Schwerpunkte sind funktionales und ganzheitliches Athletiktraining. Wer Lust auf ein Workout mit dem Profi hat, kann sich gerne unter rmathletic@outlook.de bei ihm melden.

20. 6. 2022|

Waldfeste am Tegernsee

Warum ich mich auf die Waldfeste freue

Jetzt geht es wieder los: Rund um den Tegernsee wird den Sommer hindurch das Leben gefeiert – und heuer, nach zwei Pandemiejahren, fühlt sich das alles gleich noch einmal viel großartiger an.

Text: Susanne Mayr

Waldfeste Tegernsee

Tanzen bis die Füße rauchen
Foto: Tegernseer Tal Tourismus

Vorfreude ist die schönste Freude, heißt es immer. Das ist beim Waldfestbesuch nicht anders. Denn schon lange, bevor man sein Eintrittsmarkerl in den Händen hält, geht die Vorbereitung los. Da steht zum ersten die Entscheidung an, auf welches Waldfest man geht (alle natürlich, außer sie überschneiden sich, was immer wieder vorkommt). Dann geht es darum, wie das Wetter wird und was man anzieht.

Ist die erste Entscheidung gefallen, geht es schon an die Dirndlwahl, denn die wird meist dem Wetter angepasst. Ist es am „Rottacher“ oft sehr heiß und sonnig, und kommt deshalb noch ein Hut zum Dirndl, weht beim „Kreuther“ häufig noch ein kühler Wind, weshalb man auf alle Fälle eine schöne Strickjacke oder Joppe braucht. Auf dem „Ostiner“ werden die Nächte schon empfindlich kalt, eine Strumpfhose im Handtäschchen ist unerlässlich.

Die Mischung aus Hendlduft und Blasmusik

Aber dann ist er endlich da, der Tag des Waldfests! Worauf ich mich dann am meisten freue? Auf alles! Auf das Ankommen in einem meist überfüllten Auto, weil man gerne Fahrgemeinschaften bildet, um nicht so viele Fahrer zu haben. Auf die ersten Bekannten, die man schon auf dem Weg vom Parkplatz zur Kasse trifft. Und auf die Mischung aus Hendlduft und Blasmusik, Stimmengewirr und Kindergeschrei.

Meist sucht man sich gar nicht erst einen Platz, sondern stellt sich mit der ersten Maß schon mal in die – wie immer endlose – Schlange vor dem Hendlstand, um hier schon wieder viele bekannte und auch mal aus den Augen verlorene Gesichter zu begrüßen.

Gefühlte Stunden später geht es dann mit Hendl, Bier, Limo und Kindern am Arm auf Platzsuche, die auch mal so ausfällt, dass man in Etappen essen muss, wenn es gerade besonders voll ist. Aber das ist egal, ein Plätzchen findet man immer und ein Waldfest soll ja schließlich nicht in Stress ausarten. Und so sitzt man gemütlich auf den Bierbänken, dreht ab und zu eine Runde und ratscht, lacht, trinkt und genießt.

Zu später Stunde

Am Höhepunkt des Abends, die Kinder sind dann schon daheim, wird die Bar eröffnet. Wobei Kenner sich ausschließlich rund um die Außenbar aufhalten. Drinnen ist es zu voll, zu stickig und meist auch zu laut. Mit einem viel zu starken Wodka Orange und dem einen oder anderen Schnapserl wird dann gefeiert, bis sich langsam die Bänke leeren, der Bierausschank geschlossen wird und nur noch der harte Kern übrig bleibt.

Dann zieht man schließlich selber in Richtung Fahrgemeinschaft, wenn man Glück hat. Denn Taxis oder Shuttles sind auf jedem Waldfest Mangelware und hart umkämpft. Mit leicht schmerzenden Füßen vom Tanzen und Stehen in den lange nicht getragenen Trachtenschuhen weiß man dann wieder bierselig, warum die Waldfeste so wunderbar sind. Und das nächste kommt bestimmt – meist schon am nächsten Wochenende.

TEGERNSEER WALDFESTE 2022
Die Termine

Sa., 11. und So., 12. Juni, 17:00 / 15:00 Uhr
Waldfest FC Real Kreuth
(Waldfestplatz am Leonhardstoana Hof, Kreuth)
www.fcrealkreuth.de

So., 19. Juni, 10:00 Uhr
Waldfest der Gebirgsschützen Tegernsee
(Gebirgsschützenhütte Rottach-Egern)
www.gsk-tegernsee.de

Fr., 24. und Sa., 25. Juni, 17:00 / 15:00 Uhr
Waldfest des Skiclub Bad Wiessee
(Waldfestplatz am Sonnenbichl)
www.sc-bad-wiessee.de

So., 26. Juni, 10:00 Uhr
Trachten-Waldfest der Hirschbergler
(Waldfestplatz der Hirschbergler, Wallbergstraße Rottach-Egern)
www.hirschbergler.de

Fr., 8. bis So., 10. Juli, 17:00 / 13:00 Uhr / 11:00 Uhr
Waldfest Skiclub Kreuth
(Waldfestplatz am Leonhardstoana Hof, Kreuth)
www.sc-kreuth.de

Fr., 15. bis So., 17. Juli, 17:00 / 15:00 / 15:00 Uhr
Waldfest der Tegernseer Vereine
(Schmetterlingsgarten, Stadt Tegernsee)
www.sv-tegernsee.de

Fr., 15. und Sa., 16. Juli, 17:00 / 15:00 Uhr
Waldfest TSV Bad Wiessee
(Kurpark Abwinkl, Bad Wiessee)
www.tsv-badwiessee.de

So., 24. Juli, 10:00 Uhr
Trachten-Waldfest der Leonhardstoana
(Waldfestplatz am Leonhardstoana Hof, Kreuth)
www.leonhardstoana.de

Fr., 29. und Sa., 30. Juli, 17:00 / 15:00 Uhr
Waldfest SC Rottach-Egern
(Waldfestplatz Lori-Feichta, Rottach-Egern),
www.scre.de

So., 7. August, 10:00 Uhr
Trachtenwaldfest der Wallberger
(Waldfestplatz Lori-Feichta, Rottach-Egern)
www.wallberger.de

So., 7. August, 10:00 Uhr
Waldfest des Trachtenvereins Bad Wiessee
(Kurpark Abwinkl, Bad Wiessee)
www.trachtenverein-bad-wiessee.de

Do., 11. bis Sa., 13. August, 17:00 / 15:00 / 15:00 Uhr
Waldfest SC Ostin
(Skilift Ostin, Gmund am Tegernsee)
www.sc-ostin.de

15. 6. 2022|

Höhentraining im Hypoxicum

Herr der dünnen Lüfte

Die Berge rund um den Tegernsee kann fast jeder erwandern. Schwieriger wird’s, wenn es höher hinaus gehen soll, sagen wir auf einen Achttausender. Für die hohen Gipfel kann man sich aber auch am Tegernsee akklimatisieren: im Hypoxicum von Flavio Mannhardt.

Text: Ute Watzl

Flavio Mannhardt Hypoxicum Höhentraining

Flavio Mannhardt zieht es zurück in die Tegernseer Heimat.
Foto: Urs Golling

Ich sitze auf 4000 Metern über dem Meer bequem auf einem Sofa und atme Höhenluft. Simulierte Höhenluft auf simulierten 4000 Metern, die mir ein brummender Generator durch Schlauch und Maske vorm Mund ser-viert. Ich darf nicht sprechen, das würde das Luftgemisch in der Maske verändern. Nur 13 Prozent Sauerstoff enthält es, nur so viel eben, wie ich wegen des geringen Luftdrucks au f 4000 Metern Höhe einatmen würde.

Vor mir sitzt Flavio Mannhardt auf den wirklichen 500 Metern und atmet – ganz ohne Schlauch – Luft mit den üblichen 21 Prozent Sauerstoff. Dabei doziert er routiniert über kontrollierte Hypoxie, also die Sauerstoff-Unterversorgung unter fachlicher Aufsicht. Sie setzt dem Körper gewisse Reize, an die er sich nach und nach anpasst. So funktioniert Akklimatisierung, fast wie Muskeltraining.

Ort des Geschehens ist das Hypoxicum, dessen Münchner Stammsitz Flavio Mannhardt 2018 von seiner ehemaligen Chefin übernommen hat. Als studierter Sportwissenschaftler, geboren und aufgewachsen in Rottach-Egern am Tegernsee, hatte er dort zu arbeiten begonnen. Wenige Monate später schon, Anfang 2019, gründete er im Ärztehaus Medicum in Rottach die Tegernseer Filiale. Und das hatte einen einfachen Grund: Flavio Mannhardt möchte wieder zurück in die Heimat, Hypoxicum Tegernsee ist sein Sprungbrett zurück ins Tal. „Nach über zehn Jahren in München will ich endlich wieder heim“, sagt der 30-Jährige. Endlich wieder auf dem Tegernseer Höhenweg joggen, statt in der Stadt bei jeder Ampel warten zu müssen und sich den Park mit tausend anderen zu teilen. „Das bin ich nicht“, sagt Mannhardt. „Ich bin ein Naturkind.“

Heute wollen die Leute nach ein paar Tagen auf dem Gipfel des Kilimandscharo stehen

Er hängt sehr an seiner Heimat – und an den Bergen hier. Die Liebe zum Bergsteigen hat ihm einst sein Großvater mitgegeben: Sepp Mannhardt, Bruder des berühmten Nanga-Parbat-Bezwingers Anderl Mannhardt. Der Großvater hat seinem Enkel all die stillen Wanderungen durch die heimischen Berge gezeigt, die die Münchner Tagestouristen nicht kennen – und er hat ihm von den Höhentrainings erzählt, die Höhenbergsteiger vor großen Expeditionen absolvierten.

„Früher hieß Bergsteigen: Erst einmal drei oder vier Wochen auf einer hohen Höhe akklimatisieren, bevor der Aufstieg zum Gipfel begann“, so Mannhardt. So viel Zeit haben wir nicht mehr. Modernes Reisen ist anders: Heute wird die Besteigung des Kilimandscharo (5895 m) beispielsweise in vier, fünf Tagen erledigt.

Egal ob Profi, Freizeitsportler oder Tourist – dazu sollte man unbedingt vorakklimatisiert sein. Genau dafür gibt es das Hypoxicum von Flavio Mannhardt. Er hilft seinen Kunden, ihre Höhentauglichkeit zu trai- nieren, nachdem er herausgefunden hat, ob und wie gut sie die Höhe vertragen. Das möchte ich jetzt auch.

Höhentraining hypoxicum

Für die Besteigung des Kilimandscharo empfiehlt Mannhardt ein Pulsoximeter, das den Blutsauerstoff misst.
Foto: Ute Watzl

25 Minuten muss ich mit der Maske auf dem Sofa verharren. Mannhardt hat mir noch kurz Blutdruck gemessen, der mir signalisierte: Ich war etwas aufgeregt. Vielleicht, weil ich schon wusste, dass ich es nun endlich schwarz auf weiß und mit Stempel bekommen würde: Ich vertrage die Höhe schlecht. Ich habe es schon oft gespürt, in Bolivien, wo man am Flughafen El Alto in La Paz bereits auf 4000 Metern landet. Oder im Annapurna-Gebirge in Nepal, wo ich schlecht schlief, Kopfschmerzen hatte. Aber auch in den Alpen, wenn auf 2500 Metern meine Leistungsfähigkeit im Vergleich mit anderen deutlich nachlässt. Ich weiß also ungefähr, was mich erwartet.

25 Minuten können ganz schön lang sein

Der Generator brummt und Mannhardt redet weiter, um mich zu unterhalten. 25 Minuten können lang werden. Wer kann heute noch so lange stillsitzen und nichts tun außer atmen? Mit einem Sauerstoffwert von üblichen 98 Prozent im Blut habe ich mich auf dieses Sofa gesetzt. 75 Prozent sind die kritische Grenze, erzählt Mannhardt.

Wer diese am Berg unterschreitet, würde in kürzester Zeit akut höhenkrank werden mit Symptomen wie Kopfschmerz, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden, Nasenbluten oder Koordinationsproblemen. Dann heißt es: pausieren und, wenn es nicht besser wird, absteigen. Andernfalls drohen lebensgefährli- che Hirn- und Lungenödeme.

Wer also den Kilimandscharo besteigen, die Reise auch wirklich genießen können und vor allem den Gipfel erreichen möchte, der sollte vorher wissen: Wie reagiert mein Körper auf Höhenluft? Und was kann ich machen, um ihn optimal auf die Reise vorzubereiten? Mannhardt beobachtet häufig einen Denkfehler. „Oft sagen Kunden: ‚Ich bin topfit. Was soll mir da die Höhe ausmachen?‘ Aber Fitness und Höhenverträglichkeit muss man ganz klar trennen.

Höhentauglichkeit ist genetisch veranlagt.“ Da gibt es auch die ganz Sensiblen, denen schon beim Skifahren über 2000 Metern schummrig wird. „Ab 4000 Metern merkt es eigentlich jeder“, sagt Mannhardt. Dann ist es gut, die eigene Sauerstoffsättigung im Blut messen zu können, als Entscheidungshilfe am Berg. Leider machten sich viele, die einen leichten 6000er wie den Kilimandscharo besteigen wollen, keine Gedanken, ob und wie sie da überhaupt hochkommen, erzählt er. “Sie verlassen sich auf den Reiseveranstalter. Nach dem Motto: Der wird mich da schon hochbringen.”

Informative 25 Minuten mit Höhenluft sind vorüber. Die Maske wird abgenommen. Körperlich spüre ich keinen Unterschied. Doch mein erster Satz kommt mir nicht fehlerfrei über die Lippen: „Spannend, was Sie da interessieren, äh … was Sie da erzählen.“ Habe ich tatsächlich zu wenig Sauerstoff im Hirn? Die Messung zeigt zwar schon wieder Normwerte, aber der Zustand kann bis zu drei Stunden anhalten.

Es folgt Teil zwei des Kombinationstrainings, das die Universität Innsbruck entwickelt hat. Mannhardt begleitet mich in einen der drei Höhenräume des Hypoxicum, ausgestattet mit Laufbändern, Ergometern und anderen Fitnessgeräten. Sensoren messen permanent Sauerstoff und Stickstoffgehalt der Luft, ein großer Generator drei Räume weiter bereitet das passende Gasgemisch für die gewünschte Höhensimulation.

„Bitte die Tür schnell wieder schließen“, werde ich angewiesen. Mit einem Schritt stehe ich unvermittelt auf luftigen 2500 Metern und spüre – nichts. Das ändert sich gleich auf dem Laufband.

Topfit, dank vieler roter Blutkörperchen

Erste Stufe: drei Prozent Steigung bei 3,5 km/h. Flavio Mannhardt erzählt, dass er regelmäßig bei seinem Schwager im Wallis auf die Berge steigt. Seit er im Hypoxicum arbeitet, ist er berufsbedingt dauerhaft höhenakklimatisiert. „Ich hatte früher auch immer Probleme mit der Höhe. Seit ich mit den Kunden mehrere Stunden täglich in der Höhenkammer bin, nicht mehr“, lacht er.

Und eigentlich ist er immer topfit, dank der vielen roten Blutkörperchen, die sich durchs Höhentraining bilden. Mit dem Rennrad nach Rom, wo seine Mutter herkommt? Gar kein Problem, auch ohne das frühere Trainingspensum, das er als Sohn der Rottacher Leichtathletik-Legende Johannes Mannhardt absolvierte. Sein Vater war Trainer und Mitbegründer der Leichtathletik-Gemeinschaft Oberland.

Heute ist es Mannhardt Junior, der im Hypoxicum Tegernsee Trailrunner und Skibergsteiger trainiert, ambitionierte Freizeitsportler, aber zum Beispiel auch Tatjana Paller aus der Nationalmannschaft im Skibergsteigen.

Höhentraining Hypoxicum

Auch namhafte Bergsteiger-Profis wie David Göttler sind Mannhardt für seine Hilfe dankbar und senden Grüße aus den Bergen.
Foto: Ute Watzl

Mir wird inzwischen warm. Meine Sauerstoffsättigung ist bereits auf 83 Prozent gesunken. Meine Wahrnehmung fühlt sich seltsam träge an, sie ist nicht mehr ganz so klar. „Mit zwei Wochen Höhentraining würden Sie das nicht mehr spüren“, sagt Mannhardt und hebt die Steigung des Laufbands weiter an. Ich stelle mir vor, wie schön es wäre, einmal nach so einem Höhentraining nach Nepal zu reisen, bis oben gefüllt mit roten Blutkörperchen, dieselbe Reise noch einmal, aber leichtfüßig, klar im Kopf und am Morgen immer ausgeruht, und vielleicht noch tausend Meter höher zu steigen. Einfach, weil ich’s kann.

„Jetzt muss ich Sie noch ein bisschen quälen“, weckt mich mein Höhentrainer aus meiner Träumerei und schickt das Laufband auf zehn Prozent Steigung. Es dauert nicht lang und meine Sauerstoffsättigung misst nur noch 76 Prozent. Grenzwertig. Reden möchte ich jetzt nicht mehr allzu viel während der letzten fünf Minuten. Der Puls ist ok, aber der Atem geht schwer.

Manipuliert man denn seinen Körper nicht, wenn man ihn dieser künstlichen Höhenluft aussetzt und auf diese Weise zu einer Leistungsfähigkeit ermächtigt, zu der er eigentlich nicht in der Lage wäre? Ist das vielleicht schon Doping? Nein, für Flavio Mannhardt ist und bleibt das ein natürlicher Prozess, nichts weiter als ein Training, das auch die Sicherheit am Berg erhöht. „Ohne diese Möglichkeit der Akklimatisierung gäbe es mehr Todesfälle und unangenehme Reiseverläufe in den Bergen.“ Aber klar: Für Puristen ist das nichts.

Ein letztes Mal schraubt sich das vordere Ende des Laufbands in die Höhe auf 13 Prozent Steigung. Mannhardt spricht weiter über guten und schlechten Schlaf in den Bergen, über Melatonin-Bildung einerseits und andererseits den Alarmzustand, in den der Körper durch Sauerstoffmangel versetzt und dadurch am Schlafen gehindert wird.

Ich mache nur noch „Mhmm“ und konzentriere mich auf meine Füße und das Laufband. Mehr geht nicht mehr. Noch 30 Sekunden. Mannhardt liest: 72 Prozent und kommentiert das mit einem „Ziemlich niedrig.“ Er wirkt nun doch etwas besorgt. „Wie geht’s dem Kopf?“

Kaum raus aus dem Höhenluftraum, atme ich zwei, drei Mal tief durch, schon steigt der Wert wieder und Mannhardt wirkt erleichtert. Fünf Minuten dauert es, dann kommt mein Testergebnis: 81 Prozent, und das liegt im ziemlich roten Bereich in der unteren Hälfte der Skala. Eine Höhentauglichkeit, deutlich unter dem Durchschnitt, den Europäer normalerweise aufweisen. Das hatte ich ja erwartet. Aber trotzdem hilft mir dieses Wissen.

Immerhin: Flavio Mannhardt rät mir nicht gänzlich von Touren oberhalb 3000 Metern ab. Sein Fazit lautet: „Planen Sie bei Ihrer nächsten Höhentour zwei Tage mehr ein, um sich auf der Höhe zu akklimatisieren.“

Wer sich auf eine Himalaya- oder Andenreise vorbereiten möchte, kann das im Hypoxicum tun. Entweder vor Ort oder mit einem geliehenen Höhenluft-Generator, mit dem man bequem zuhause beim individuell erstellten Trainingsprogramm Höhenluft inhaliert. Die Hypoxicum-Mitarbeiter betreuen den Kunden wie beim Personal Training.

Kosten: ca. 500 bis 700 Euro für eine 3 bis 5 Wöchige Vorbereitung
Derzeit gibt es im Hypoxicum Tegernsee Höhentrainings Dienstag und Freitag, jeweils 8.00 bis 18.00 Uhr
Hypoxicum Tegernsee, im Ärztehaus Medicum, Tegernseer Straße 100, Rottach-Weissach
www.hypoxicum.de

Höhentraining

Je höher wir gen Himmel steigen, desto dünner wird die Luft und desto größer wird die Belastung für den menschlichen Körper. Der Sauerstoffgehalt in der Luft beträgt in jeder Höhe 20,9%. Durch abnehmenden Luftdruck steht dem Körper auf über 8.000 m aber nur noch ein Drittel dieses Sauerstoffanteils zur Verfügung.
Illustration: panthermedia, Infografik: Thomas Hepp

1. 6. 2022|

Susanne Wiesner

Multitalent vom Tegernsee

Sie ist Musikerin. Schauspielerin. Mode-Designerin. Außerdem Moderatorin. Unternehmerin. Und: Ehefrau und Mutter. Wer sich Susanne Wiesner allerdings als eine Frau mit klarem Karriereplan vorstellt, liegt falsch. Begegnung mit einer Frau, deren ungewöhnliches Leben vor allem auf einem einfachen Prinzip fußt: keine Pläne, stattdessen einfach machen.

Text: Christian Jakubetz

Susanne Wiesner Tegernsee

Model in eigener Sache: Susi Wiesner hat gemeinsam mit ihrer Schwester auch ihr eigenes Trachtenlabel BellaSusi ins Leben gerufen.
Foto: Florian Bachmaier

Wenn man versucht, Susi Wiesner zu beschreiben, ist die Phrasen-Gefahr beträchtlich. Zumal man bei fast jedem Begriff, den man mit ihr verbinden würde, sofort unter Klischee-Verdacht gerät.

Versuchen wir es also mal so: Man kann sich kaum vorstellen, dass diese Frau irgendwann am Tag mal stillsitzt. Dass sie ihre ganzen Talente und Beschäftigungen in den regulären 24 Stunden eines Tages unterbringt, auch nicht.

Wenn man sich die 31-jährige Rottacherin jetzt als eine Art Duracell-Häschen unter Dauerstrom vorstellt: falsch gedacht. Man begegnet stattdessen einer Frau, die verblüffend entspannt ist, zumindest angesichts der Tatsache, dass andere Menschen mit diesem Pensum vermutlich eine bedrückende Aura der Hektik verströmen würden. Stattdessen eine pragmatische Selbsteinschätzung: „Andere junge Frauen und Mütter haben einen genauso anstrengenden Tag wie ich.“

Dabei hätte das Leben der Susanne Wiesner gar nicht so kommen sollen und eigentlich auch nicht dürfen.

Wenn allerdings der Satz zutreffen sollte, dass das Leben das ist, was passiert, während man gerade andere Pläne macht, dann ist er vermutlich für Susanne Wiesner ausgedacht worden. Denn wäre alles so gelaufen wie geplant, dann wäre sie jetzt: Grundschul-Lehrerin. Ein entsprechendes Studium hat sie vorzuweisen und dass es nicht so gekommen ist, ist bedauerlich für die Kinder. Einerseits. Auf der anderen Seite: Es hätte etliche Volksmusik-Sendungen weniger im BR gegeben, zuzüglich einer Serie. Und noch viele andere Dinge, weswegen man vermutlich mit gutem Gewissen sagen kann: Dass es keine Lehrerin Frau Wiesner gibt, ist schon gut so wie es ist.

Ihre Stärke? Unbekümmert drauflos!

Die Moderatorinnen-Karriere der Susi Wiesner ist exemplarisch, wenn schon nicht für ihr ganzes, dann zumindest für ihr halbes Leben. Weil sie entgegen vielen Wahrscheinlichkeiten verlaufen ist. Weder hatte sie beim Einstieg irgendwas vorzuweisen, was auch nur halbwegs nach einer Art Moderations-Ausbildung aussah. Und erst das Alter, dieses jugendliche Alter! Natürlich gibt es kein irgendwo festgelegtes Mindestalter für Moderatorinnen von Volksmusik-Sendungen. Aber weder erwartet man eine damals 20-Jährige, noch sieht man sie in diesem Genre allzu oft. Seit elf Jahren moderiert sie jetzt „Zsammg’spuit“ und den „Wiesn-Frühschoppen“ im Bayerischen Fernsehen, ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Perlseer Tegernsee Susanne Wiesner Luise Kinseher

Susanne Wiesner in der Rolle der Julia in der BR-Erfolgsfernsehserie „3 Frauen, 1 Auto“. Zusammen mit Luise Kinseher (als Birgit) und Angela Ascher (als Christl) bilden die drei Schauspielerinnen die lustigste Fahrgemeinschaft Bayerns.
Foto: BR, Bavaria Friction GmbH

Wenn man also zwischendrin wieder versuchen würde, Susi Wiesner zu beschreiben, man käme auf zwei Begriffe, die es treffen: unbekümmert und komplett naturbelassen (der Begriff ist deutlich schöner als das phrasenhafte „authentisch“). Vermutlich muss man so sein, wenn man sich einfach auf Bühnen stellt und mal macht. Man kann diese völlige Angst-Befreitheit ja auch durchaus als Stärke sehen.

Doch halt, bevor Sie jetzt etwas Falsches denken: Man darf Spontaneität, Autodidaktik und Begeisterungsfähigkeit für etwas Neues nicht verwechseln mit Dilettantismus. Das, was Susi Wiesner macht, macht sie professionell. Mit dem Ehrgeiz, richtig gut zu sein in dem, was man tut. Und natürlich hat sie viele ihrer Tätigkeiten ordentlich „gelernt“, manche mit klassischen Ausbildungen, manche im Do-it-yourself-Verfahren. Ein paar Beispiele: Master-Studiengang Musik- und Bewegungserziehung am Carl-Orff-Institut unter dem Dach der Universität Salzburg. Zwei Jahre klassischen Gesangsunterricht in der Stimmlage Sopran und Unterricht auf mehreren Instrumenten.

Das alles führt dazu, dass auch in den verschiedenen Genres ihrer Arbeit die unterschiedlichsten Ausprägungen zu finden sind. Als Schauspielerin hat man sie im Brandner Kasper genauso gesehen wie in einem klassischen Komödienstadel oder einer Daily Comedy im BR. Die Musikerin Wiesner wiederum spielt mit ihren „Perlseer Dirndln“ eigene Auftritte genauso wie sie als Sängerinnen auf diversen Produktionen von André Rieu zu hören sind. Und auch als Unternehmerin begnügt sie sich nicht mit einem Projekt. Neben einem eigenen Dirndl-Label gemeinsam mit ihrer Schwester ist sie auch noch an der Hutmacherei ihres Mannes Martin Wiesner im Voitlhof in Rottach-Egern beteiligt.

Muss man dazu sagen, dass sie für die eigenen Kollektionen modelt? Man sieht sie immer wieder auf Fotos, auch auf der Titelseite der “Seeseiten” war sie vor ein paar Jahren.

Die Entstehungsgeschichte ihres Einstiegs erzählt womöglich prototypisch die Geschichte der Susanne Wiesner. Von Hüten hatte sie in ihrem Leben vor Martin Wiesner so viel oder eben so wenig Ahnung wie alle anderen auch. Irgendwann war da bei ihr der Wunsch, „mehr darüber zu wissen, was mein Mann jeden Tag macht“. Und wenn sie was macht, dann richtig. Was dazu führt, dass sie im Geschäft in der „Zotzn“ mehr oder weniger unentbehrlich geworden ist, auch wenn sie selbst das vermutlich dezent abstreiten würde.

Dirndl, Hutmode, Musik, Schauspiel, wann lernt man das denn alles, Frau Wiesner? „Ich möchte das ja alles wissen, wie das geht, wie man das macht“, sagt sie in einem derart glasklaren Oberbayerisch, dass man meinen könnte, dass sie das auch noch trainiert hat. „Und wenn ich das einfach wissen will, dann ist das ja kein Lernen, zumindest empfinde ich das nicht so.” Neugier und Begeisterung also als Motivation. Worüber andere erst mal ganze Ratgeberbücher lesen müssen, das liegt ihr einfach im Blut, es gibt schlechtere Eigenschaften. Ihr Wissen über Hüte beispielsweise hat sie u.a. aus Besuchen bei Zulieferern in Portugal oder im Allgäu: „Man schaut sich das alles ein bisschen genauer an“, erzählt sie, „und dann weiß man schon wieder mehr über das Ganze.“

Susanne Wiesner Perlseer

Drei Stimmen, eine Leidenschaft: die Perlseer Dirndl. Susanne Wiesner singt dort die zweite Stimme und spielt Geige.
Foto: Dominik Schachten

Fünf ihrer sieben Geschwister sind Schauspieler

Bei der Schauspielerei und der Musik liegen die Dinge etwas anders. Nicht, dass sie dort nicht auch von Neugier und Begeisterung getrieben ist. Allerdings liegen Musik und Schauspiel quasi in der Familie. Susanne Wiesner, geborene Brückner, kommt nämlich aus einer Schauspieler-Familie, fünf ihrer sieben Geschwister gehen diesem Beruf nach. Ihr Bruder Maximilian Brückner dürfte der bekannteste unter ihnen sein; zuletzt war er in dem ZDF-Fernsehfilm „Die Wannseekonferenz“ zu sehen.

Dabei war der erste Zugang der Brückner-Kinder zu bayerischer Musik und Kultur eher einer Art Integrationsmaßnahme geschuldet. Weil die Familie nämlich von München aus in den Chiemgau zog, hielten es die Eltern für eine gute Idee, ihre Kinder mit dem dortigen Brauchtum vertraut zu machen. Für Susanne, 1991 in Prien am Chiemsee geboren, gab es gar nichts anderes: Als Vierjährige erste Auftritte in einem Krippenspiel am Prinzregententheater und am Münchner Volkstheater, da ist der Weg auf die Bühne vorgezeichnet.

Wenn man es dann nochmal zusammenrechnet: Schauspielerin, Musikerin, Moderatorin, Unternehmerin mit einem mittelständischen Betrieb („Unser Steuerberater nennt das zumindest so“), Ehefrau, Mutter – in einen handelsüblichen 24-Stunden-Tag passt das eigentlich nicht rein. Warum geht das dann bei Susanne Wiesner anscheinend doch? „Ich mache das ja nicht alles auf einmal“, lacht sie. Stattdessen kommen und gehen die einzelnen Projekte in verschiedenen Phasen: mal ein Schauspielprojekt, dann wieder Musik oder die Moderationen. Man braucht also einen „guten Kalender“, Mitarbeiterinnen, die ihr auch mal den Rücken freihalten – und ja, inzwischen auch das: „Ich sage immer wieder mal etwas ab, weil ich das einfach nicht alles machen kann.“ Zumal sie bei alldem eine klare Priorität hat: „Ich arbeite hauptsächlich vormittags, am Nachmittag möchte ich Mama sein.“

Und überhaupt, ganz so ungewöhnlinch findet sie ihr Pensum gar nicht. Andere Mütter hätten schließlich auch ein vollgestopftes Tagesprogramm. „Frauen müssen halt viel unter einen Hut bringen“, sagt sie, entspannt wie eh und je. Der vierjährige Sohnemann wird es ihr danken – und ihr wiederum ist klar: „Ich habe halt jetzt gerade im Moment ein kleines Kind, das will ich schon bewusst mitnehmen.“

Ihr Plan ist: keinen Plan haben

Vom gewesenen Fußballer Mehmet Scholl existiert das Bonmot: „Gerade mal 25 und schon keine Ziele mehr im Leben“ (nach dem Gewinn der Europameisterschaft). Ganz so extrem ist es bei Susi Wiesner nicht. Aber die Frage drängt sich schon auf: Mit 31 so viel erreicht, welche Ziele kommen danach, gibt es Pläne? Ein fröhliches Lachen beim Gegenüber: „Ich bin gar nicht der Typ für lange Pläne.“ Ihre feste Überzeugung: So wie es kommen soll, kommt es dann auch. Geht man positiv durchs Leben und ist für alles offen, dann komme auch viel Gutes. Nochmal ein kurzes Lachen: „Ist jetzt aber überhaupt nicht esoterisch gemeint.“ Vielmehr ein Erfahrungswert: „Das war bei mir und meinem Mann bisher immer so.“ Davon abgesehen hat der Verzicht auf Pläne, Ziele und Erwartungen auch noch einen anderen Hintergrund: „Ich mag mich nicht selbst enttäuschen. Alles, was jetzt noch dazu kommt, da denke ich mir: Wow, cool. Aber es ist ja jetzt schon alles ziemlich cool, was ich mache.“

Dann ist Mittag, Schluss mit dem Gespräch. Und Zeit, dass die Unternehmerin, Musikerin, Schauspielerin, Moderatorin in ihre Mutter-Rolle schlüpft.

Neugierig geworden auf das Multitalent vom Tegernsee?
Wer Susanne Wiesner live erleben möchte, hat bei einem Auftritt der Perlseer Gelegenheit dazu. Die Perlseer sind: Michaela Brückner (Gesang; Harfe), Susanne Wiesner (Gesang; Geige), Christina Maier (Gesang; Klarinette)

Seit über 20 Jahren bestimmt die gemeinsame Begeisterung für die traditionelle lateinamerikanische und insbesondere kubanische Musik das Geschehen der Band „Trovasur“ aus dem Tegernseer Tal. Infolge eines Projektes mit dem Wiesseer Salonorchester ist Thomas Rebensburg 2021 als festes Mitglied zur Band gestoßen.

Perlseer & Trovasur – „Music travels“
Sa, 2. Juli, 20.00 Uhr, Seepromenade Ortsmitte am Pavillon Bad Wiessee

www.perlseer.de

“Ich bin nicht der Typ für lange Pläne.”
Foto: Susanne Wiesner privat

31. 5. 2022|

Seeseiten online lesen

ePaper: Seeseiten-Ausgabe 69, Sommer 2022

Die aktuelle Ausgabe zum Lesen auf dem Bildschirm.

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Die Sommerausgabe der Seeseiten mit u.a. folgenden Themen:

  • Multitalent und Mama: Susanne Wiesner im Portrait
  • Ein Leben für die Musik: Emmanuel Tjeknavorian im Interview
  • Bummis Bilder: Elisabeth Rixfehrens Insta-Welt

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25. 5. 2022|

Was tun sie gerade?

Valerija Vuk Strobel

Valerija Vuk Strobel ist Künstlerin und leitet die Kunstakademie Tegernsee.

Valerija Vuk Strobel setzt auf die Kraft der Kreativität.
Foto: Urs Golling

Frau Vuk Strobel, was tun Sie gerade?
Wir feiern unser Jubiläum: drei Jahre Kunstakademie Tegernsee am Steinmetzplatz. Zu diesem Anlass präsentieren wir eine Jahresausstellung mit den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler der Kunstakademie Tegernsee aus den verschiedensten Bereichen wie Malerei, Zeichnung und Gestaltung.

Welche Kurse kann man bei Ihnen belegen?
Wir bieten durchlaufende Kurse an, in denen fast alle Medien der Gestaltung berücksichtigt werden. Altersgerecht werden die Komponenten der Malerei und Zeichnung in den verschiedenen Kursen untersucht und vertieft. Die Workshops sind themenbezogen. Für ältere Jahrgänge gibt es projektbezogene Kurse. Seit vergangenem Jahr haben wir auch den Zweig der Darstellenden Künste. Etwas Besonderes sind die Workshops unserer ausstellenden Künstler.

Wie wichtig ist Kreativität für Kinder?
Kinder müssen schon früh lernen, wie man in der Gesellschaft funktioniert. Dabei geht viel Kreativität verloren. Durch die Kunst werden sie wieder inspiriert und lernen die Welt neu kennen. Die Kinder und Jugendlichen werden durch die verschiedenen Kunstformen individuell in ihrer Entwicklung gefördert. Jeder Bereich fördert die Vorstellungskraft, räumliches Denken, strukturiertes Planen, Selbstvertrauen und die individuelle, aber auch technische Umsetzung bereits vorhandener oder eigener Ideen. Im Ausprobieren und Erlernen neuer Techniken entfaltet sich schöpferisches Potenzial, das weit in das spätere (Berufs-)Leben hineinwirkt.

Wie kommen Sie auf neue Ideen für die Kinder?
Die Leitideen entstehen meist durch Ausstellungen, Museumsbesuche, im Austausch mit anderen Künstlern und Kreativen durch die Kunstgeschichte, oder durch den eigenen Schaffensprozess. Aber das Tegernseer Land, der See, die Berge, die Natur im Jahreszeitenwechsel, die verschiedenen Stimmungen sorgen für zusätzliche Inspiration. Die Natur ist ein Meister der Farbe und Form. Vieles entwickelt sich spontan mit den Schülerinnen und Schülern der Akademie.

Was war Ihr bisher tollstes Projekt?
„Auf die Flocken, fertig, los!“ im Winter 20/21. Das war ein Wettbewerb, der überregional Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene bewegte, im Freien, mit Schnee und Eis die schönsten Skulpturen und Ideen zu realisieren. Es gab unzählige Einsendungen und schöne Umsetzungen. Von Barbie im bunten Schneekleid, über Schneeburgen, puppenfressende Monster, Galeeren, Drachen bis zu den Schneekühen, alles war möglich, alles aus Schnee!

Sind dieses Jahr wieder größere Aktionen geplant?
Ja, im Mai und Juni. Wir freuen uns sehr auf den Künstler Janosch Müller aus Stuttgart, der seine Werke in der Ausstellung „ELEMENTE – Malerei. Relief. Objekt. Fragment.“ bis 25. Juni 2022 im Galerie-Atelier präsentieren wird. Er ist ein medial versierter Künstler, der sich gern inhaltlich in den jeweiligen Grenzbereichen von Malerei und Graffiti bewegt. Seine Werke reichen von Kunst am Bau, Malerei bis Objektkunst. Er wird u.a. den Graffiti-Workshop „Planets – my own universe!“ in der Kunstakademie Tegernsee geben. Weitere Informationen dazu gibt es auf unserer Webseite.

Instagram: @kunstakademietegernseekids

www.kunstakademie-tegernsee.com

23. 5. 2022|

Der besondere Frühlingsmoment

Auf der Neureuth

Die Tegernseer Illustratorin Katharina Bourjau lässt uns an dieser Stelle das Tegernseer Tal mit ihren Augen erblicken. Den besonderen Frühlingsmoment hat sie exklusiv für diese Ausgabe der Seeseiten festgehalten.

Illustration und Text: Katharina Bourjau

Katharina Bourjau Illustratorin Tegernsee

Die Neureuth ist der Hausberg unserer Familie. Wir haben das Glück, von unserem Grundstück aus durch den Wald direkt hinauflaufen zu können. Wenig überraschend also, dass ich dort so oft war wie auf keinem anderen Berg.

Der Gipfel mit seiner Tegernseer Traditionshütte, die 1883 als Neureuth Alpe eröffnete, ist einer der beliebtesten und meist besuchten am Tegernsee, weswegen ich diesen Lieblingsort mit vielen Menschen teile. Wer allerdings gleich morgens hinaufsteigt, trifft auf dem 1264 Meter gelegenen Berggasthof nur ein paar wenige Frühaufsteher. Später am Tag tummeln sich hier viele Begeisterte.

Wenn man dann auf der Terrasse des Neureuth-Hauses sitzt, genießt man nicht nur einen außergewöhnlichen Blick auf den See, sondern auch sehr gutes Essen. Daher ist die schöne Aussicht runter ins Tal an einem Frühlingstag für mich unweigerlich mit einem bestimmten Geschmack verbunden. So haben diesmal Kuchen, Apfelschorle, Weißbier und Schweinsbraten einen prominenten Platz in meiner Illustration eingenommen. Für mich sind die gefüllten Teller und Gläser ein emotionaler Bestandteil dieses Moments. Gute Speisen sind genauso Inspiration wie Musik, Gespräche, Farben und Formen. So gehört zu manchen Bildern ein besonderer Geschmack oder Geruch, den ich bei diesem Motiv mit Senfgelb, saftigem Orange, Waldgrün und Cremeweiß zeichne.

Im Winter hingegen sähe mein „Neureuthmoment“ vollkommen anders aus. In der Bildkomposition dürfte ein Schlitten, Glühwein, die Farben Weinrot und Eisblau nicht fehlen und auch die gezeichnete Perspektive wäre eine andere. So erlebt man einen oft besuchten Ort immer wieder anders und entdeckt Neues im Vertrauten.

Aktuell findet man in der Buchhandlung Kolmansberger in Rottach-Egern viele ihrer illustrierten Tegernsee-Motive als Postkarten und kann sie als Gruß in die Welt hinausschicken.

5. 5. 2022|

Schönheits-Chirurgie

Schön durch die Krise

Je mehr Krise, desto mehr Beauty. Klingt ein wenig schräg? Ist aber tatsächlich so. Warum Menschen während der Pandemie mehr Wert auf ihr Äußeres legen, erklärt Experte Dr. Torsten Kantelhardt.

Text: Susanne Mayr

Schönheitschirurgie Tegernsee

“Viele Menschen hatten in der Pandemie mehr Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen.”
Foto: Panthermedia

Haben Sie schon einmal etwas vom Lippenstift-Index gehört? Dieser besagt, dass in Krisenzeiten mehr roter Lippenstift verkauft wird. Forscher haben für dieses Phänomen eine plausible Erklärung: Wenn die Zeiten schon schwierig sind, dann will man sich wenigstens etwas Gutes tun.

So ähnlich ist es jetzt auch in der Coronakrise. Denn ein großer Gewinner dieser Zeit ist die Schönheitsbranche – Beauty-Operationen boomen. Wir sprachen mit Dr. Torsten Kantelhardt, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, über die Trends, die Gründe und die Chancen der Krise.

Herr Dr. Kantelhardt, was sind aktuell die größten Trends in Sachen Ästhetik?
In der Ästhetik muss man unterscheiden zwischen den sogenannten minimalinvasiven Maßnahmen ohne Operation und den operativen Eingriffen. Bei den minimalinvasiven Maßnahmen verzeichnen wir jährlich zweistellige Zuwachsraten, aber auch die ästhetischen operativen Eingriffe werden immer stärker nachgefragt, wenn auch nicht ganz so stark. Bei den minimalinvasiven Maßnahmen führen nach wie vor die Faltenbehandlungen mit Hyaluronsäure und Botolinumtoxin die Rangliste an, aber auch neuere Methoden, wie Fadenlifting oder Eigenfettunterspritzungen sind stark im Kommen. Bei den sogenannten Schönheitsoperationen sind die aktuellen Top 5 Lidstraffung, Fettabsaugung, Brustvergrößerung, Nasenkorrektur und Facelift.

Haben wir hier im Tegernseer Tal, das ja grundsätzlich als das Tal der Schönen und Reichen gilt, andere Trends?
Da der Bevölkerungsdurchschnitt im Tegernseer Tal eher Ü 50 ist, liegen hier die Trends mehr in den verjüngenden Maßnahmen, wie Faltenbehandlungen, Lidstraffungen und Facelifts. Bei den jüngeren Patienten stehen vorwiegend die körperformenden Eingriffe, also Brustvergrößerungen bzw. -verkleinerungen, Bauchdeckenstraffungen und Fettabsaugung auf der Agenda.

“Bei Videokonferenzen sieht man sich aus einem anderen Blickwinkel.”
Foto: Panthermedia

Und haben die Einschränkungen der Pandemie diese Trends tatsächlich beeinflusst?
Die Pandemie hat nach anfänglicher Vorsicht und Zurückhaltung viele Menschen dazu bewogen, lang gehegte Wünsche bezüglich ihres Aussehens in die Tat umzusetzen. Die Menschen waren viel mehr zu Hause als sonst und hatten dadurch auch mehr Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen …

… und sie wollten sich wahrscheinlich auch etwas gönnen, oder?

Ja, in der Tat, denn wer in der Pandemie normal weiterarbeiten konnte, für den gab es nur wenige Möglichkeiten, sich für diese Arbeit selbst zu belohnen. Urlaube, ein Abendessen mit Freunden, ein kurzes Wellnesswochenende oder ein Shoppingtrip in die Stadt waren auf einmal nicht mehr möglich. Dadurch war auch der finanzielle Spielraum für ästhetische Eingriffe größer als zuvor. Und die Menschen wollten sich ja trotz dieser Einschränkungen etwas gönnen. Viele haben die Zeit auch genutzt, um ihre Wohnungen und Häuser zu renovieren oder neu einzurichten.

Und dabei gleich noch etwas an sich selbst zu verändern?

Ja, denn in diesen „Homing-Trend“ fällt auch die Besinnung auf sich selbst, das eigene Aussehen und den eigenen Körper. Außerdem kam hinzu, dass Kontakte sehr eingeschränkt stattfanden und man so den idealen Zeitpunkt hatte, um einen Eingriff unbemerkt vom persönlichen Umfeld umsetzen zu können. Dazu kam die Maskenpflicht, mit der sich eventuelle Folgen eines Eingriffs gut kaschieren lassen.

Welche Eingriffe erzielen denn eine besonders große Wirkung?

Man kann grob sagen, je invasiver ein Eingriff ist, desto größer und langanhaltender ist seine Wirkung. Eine Creme wirkt nur mehrere Stunden, eine Faltenunterspritzung hält ca. 6 Monate, ein Fadenlifting ca. ein Jahr, eine Lidstraffung oder ein Facelift halten ca. 10 Jahre.

Und was davon wurde in der Pandemie am meisten gemacht?
In der Pandemie wurden vermehrt Faltenbehandlungen, Lidstraffungen, Hals- und Facelifts, Fettabsaugungen und Brustoperationen nachgefragt. Bei Videokonferenzen sieht man sich selbst auf dem Bildschirm aus einem anderen Blickwinkel und intensiver als nur ein paarmal täglich im Spiegel. Die Fältchen wirken dort viel tiefer, ein Doppelkinnansatz wird erstmals in der Handycam von unten sichtbar, die Augen und damit auch die Schlupflider sind über der Maske auf einmal viel augenfälliger als vorher.

Ist die Beautybranche also ein Gewinner der Krise?
Der Trend zu ästhetischen Eingriffen war vor der Pandemie bereits voll im Gang und ist durch die Pandemie und die vielen bereits erwähnten Faktoren noch einmal beschleunigt worden.

Haben sich auch die Erwartungshaltungen der Patienten geändert?
In den letzten Jahren auf jeden Fall: Der Eingriff sollte schnell und möglichst unbemerkt vom Umfeld mit geringen Nebenwirkungen und Ausfallzeiten vonstattengehen. Die modernen Techniken versuchen diese Erwartungen soweit es geht umzusetzen.

Was sind das für moderne Techniken?
Die Materialien und Techniken sowohl im nichtinvasiven Bereich als auch bei den Ästhetik-OPs werden stetig weiterentwickelt und verbessert. Fast wöchentlich schwappen allerdings neue „Trends“ über den Atlantik, meist aus den USA oder Brasilien. Hier sollte man immer erst einmal abwarten, was sich tatsächlich längerfristig durchsetzt und ob es das halten kann, was die Behandler oder Hersteller oft vollmundig versprechen.

Dr. med Torsten Kantelhardt ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Facharzt für Chirurgie, Sportmedizin und Notfallmedizin. Seine Praxisklinik „Plastische Chirurgie am Tegernsee“ finden Sie in der Nördlichen Hauptstr. 17 in Rottach-Egern.

www.plastische-chirurgie-am-tegernsee.de

25. 4. 2022|

Musiker und Kabarettist Willy Astor

“Ein brotloser Künstler wollte ich nie sein”

Bei der Erstbegegnung mit Prominenten fragt man sich gerne, inwieweit das Gegenüber der öffentlichen Figur entspricht. Bei Willy Astor rätselt man konkret darüber, ob er auch nur einen einzigen Satz ohne seine berüchtigten Wortspiele sagen wird und wie man sich den Mann vorstellen muss, der einen übel ohrwurmigen Stadion-Mitgröl-Rocker wie die FC Bayern-Hymne „Stern des Südens“ geschrieben hat.

Text: Christian Jakubetz

Interview Willy Astor

Willy Astor, wenn er im Stadion seine FC-Bayern Hymne “Stern des Südens” hört: „Hammer, das ist immer noch unsere Nummer!“
Foto: kabarett-kroell.de

Um es vorwegzunehmen: Wortspiel gab es kein einziges, ein Vertreter des breitbeinigen Schweinerocks ist Willy Astor auch nicht. Stattdessen begegnen wir einem reflektierten, verblüffend leisen Mann. Der als mittlerweile 60-Jähriger weiß: Um es vom Mechaniker aus dem Hasenbergl zum ausgebuchten bayerischen Bühnenkönig zu schaffen, gehört ein bisschen mehr als nur Talent.

Herr Astor, wir müssen leider mit Ihnen über ein Thema reden, von dem wir schon vor zwei Jahren gesagt haben, es sei jetzt langsam aber mal wieder gut. Trotzdem, zu Beginn der Auftrittssaison: Kann man, darf man im dritten Pandemiejahr überhaupt noch lustig sein?
(Überlegt lange, dann ein tiefer Seufzer) Ringelnatz hat diesen berühmten Satz gesagt: Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. Aber ich gebe zu, mir ist mein Humor auch schon weggebrochen. Speziell im zweiten Lockdown.

Wieso speziell im zweiten?
Den ersten hatte ich noch gut hinbekommen. Aber beim zweiten, da hatte ich gerade eine komplett ausgebuchte Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz vor mir. Das war schon hart, als das alles plötzlich weggebrochen ist. Aber falls es nochmal zu einer ähnlichen Situation kommen sollte, weiß ich eines ganz sicher.

Und das ist?
Ich würde nicht nochmal in eine solche Schockstarre verfallen, sondern mich aufs Schreiben stürzen.

Haben Sie das beim zweiten Lockdown nicht gemacht?
Jeder ist mit diesem Thema anders umgegangen. Und nicht jedem ist gelungen zu schreiben und kreativ zu sein, wenn gar kein Publikum und kaum Kontakt zur Außenwelt da ist. Zu denen habe ich leider auch gehört. Obwohl es mir ja an sich gut ging. Ich hatte ein paar Reserven angespart, von denen wir auch in solch schlechten Zeiten leben konnten. Trotzdem war das schon bedrückend, wenn man die ganze Zeit aufeinandersitzt. Meine Frau hat sich wahrscheinlich gedacht: Wann geht er denn endlich wieder auf Tour?

Und Sie?
Das hat sich angefühlt wie im Schleudergang einer Waschmaschine. Auf der anderen Seite habe ich mir oft gedacht, was für eine großartige Zeit die letzten 30 Jahre für mich waren. Ich hätte so oft spielen können, wie ich wollte, 365 Tage im Jahr. Insofern darf man nicht darüber klagen, dass dieses Leben im Wohlstand, dass ich mir erarbeitet und erspielt und erschrieben habe, einen Dämpfer bekommen hat. Da gab und gibt es viele, denen es schlechter gegangen ist.

Ist die Kreativität jetzt wieder zurück?
Sie kommt und geht. Ich bin jemand, der braucht gute Laune um sich, um kreativ arbeiten zu können. Unter großem Druck oder in einer melancholischen Stimmung kann ich relativ schlecht schreiben.

INterview Willy Astor

“Mein Vater hat Tanzmusik gemacht, meine Mutter hatte einen wunderbaren Humor, und mit diesem Kessel Buntes der Astor-Gene habe ich mich befähigt gefühlt, auf die Bühne zu steigen.”
Foto: : kabarett-kroell.de

Sie machen ja nicht nur Comedy und Kabarett, sondern auch viele seriöse, ernste Sachen. Kann man Blues und melancholische Stimmung nicht wunderbar in Gitarrenmusik kanalisieren?
Stimmt schon, aber auch wenn es widersprüchlich klingt: Ich muss gut drauf sein, um melancholische Stimmungen verarbeiten zu können. Das ist bei mir eher ein Rückblick auf zurückliegende Zeiten. Aber direkt aus einer Melancholie heraus zu schreiben, das haut bei mir nicht hin. Da habe ich nicht mal die Lust, eine Gitarre oder einen Stift in die Hand zu nehmen.

Wann wurde es dann wieder besser?
Als ab etwa Mai die Bühnen wieder geöffnet haben. Ich hatte einen schönen Open-Air-Sommer mit wirklich vielen guten Auftritten, die mir viel Spaß gemacht haben. Und ich konnte wieder ein paar Erdnüsse einfahren, um meine Familie zu ernähren.

Weil Sie vorhin meinten, Sie hätten sich Ihren Wohlstand erarbeitet: Sie sind ja Autodidakt, haben nie klassische Schulen oder Ausbildungen absolviert. Ist das heute noch Ihre Art zu arbeiten oder lehnen Sie sich auch mal entspannt zurück und denken sich: Schaun mer mal, wann mich die Muse wieder küsst?
Naja, mir wurde der Künstlerberuf ja nicht in die Wiege gelegt. Der Humor vielleicht. Und mein Talent als Komponist. Alles andere war eine unglaubliche Tingelei. Aber was ich damals gespürt habe: dass es eine Berufung für mich gibt.

Eine Berufung, echt jetzt?
Ja, eine Berufung, um auf der Bühne zu stehen. Mein ursprünglicher Beruf ist ja Werkzeugmacher, siebeneinhalb Jahre bei BMW im Maschinenbau.

Und wie erkennt man dann eine Berufung zu ganz was anderem?
Ich sag es jetzt mal bewusst ganz platt: Ich habe eine Art Eingebung gehabt. Ich habe einfach gemerkt, dass es etwas gibt, das mich ruft und das mir viel Lebensfreude gibt. Diesem Ruf bin ich dann gefolgt und ich habe mich dann durch Beharrlichkeit und natürlich auch Glück durchgesetzt. Aber das soll jetzt nicht verklärend klingen. Tatsächlich habe ich fünf oder sechs Jahre in offensichtlicher Erfolglosigkeit versucht, einen Fuß in die Tür zu kriegen. Aber letztendlich habe ich mich durch das viele, viele Spielen vor wenigen Leuten selbst ausgebildet. Und obwohl es teilweise nur zehn oder zwanzig Leute waren, die bei meinen Auftritten waren, habe ich gewusst: Wenn es denen gefällt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, dass mal hundert kommen.

Das ist aber eine sehr optimistische Sichtweise. Nicht jeder, der nur vor zehn Leuten spielt, hat irgendwann mal zwangsläufig ausverkaufte Häuser.
Ich bin halt einfach drangeblieben. Es gab ja auch noch keine Marketing-Tools, wie man heute sagen würde. Kein Fernsehen, kein Radio, keine anderen Möglichkeiten, mich einem größeren Publikum zu präsentieren.

Ich würde trotzdem gerne noch wissen, wie man sich eine göttliche Eingebung vorstellen muss. Wird das Licht heller, Engel fangen an zu singen und man weiß: Das ist es jetzt? Und hat nicht irgendjemand zu Ihnen gesagt: Spinnst jetzt eigentlich total? Die Geschichte von Georg Ringsgwandl geht ja ähnlich, der war über 40, Arzt am Krankenhaus. Und der wollte dann nur noch Künstler sein. Seine Frau war angeblich mäßig begeistert.
Ich kenne den Georg sehr gut, wir haben eine schöne Freundschaft miteinander. Aber das Beispiel zeigt mir, dass wir Künstler alle Existenzängste haben. Ich habe meinen Beruf als Werkzeugmacher nicht sofort an den Nagel gehängt, als ich gemerkt habe, dass es jetzt besser läuft. Im Gegenteil, ich habe meine Mittlere Reife nachgeholt und in einem Studium mich noch als Maschinenbau-Techniker weitergebildet. Ich wusste aber schon vorher, das ist eine reine Alibi-Zeit.

Keine Zeile ohne: Wortspielereien sind zum Markenzeichen Willy Astors geworden.
Foto: kabarett-kroell.de

Warum haben Sie das dann gemacht?
Ich wollte einfach ein sicheres Netz haben. So war es beim Georg auch. Der war bereits ein Star in Bayern, als er noch als Oberarzt gearbeitet hat. Dann hat er sich voll auf die Kunst gestürzt und ist seiner Eingebung gefolgt. Bei mir war es so, dass ich eines Morgens mit dem 84er-Bus um sechs vom Hasenbergl ins Olympiazentrum gefahren bin. Und dann war da wirklich so ein Moment des Lichts.

Licht? Im Bus?
Ich bin kein Esoteriker und habe keinen schamanischen Hintergrund. Das kann man auch nicht mit Worten erklären, das ist einfach ein Gefühl. Außerdem, mein Vater hat nebenher Tanzmusik gemacht, meine Mutter hatte einen wunderbaren Humor und mit diesem Kessel Buntes der Astor-Gene habe ich mich befähigt gefühlt, auf die Bühne zu steigen und zu sagen: Hört es euch an, wenn es euch gefällt, dann freu ich mich. Und wenn nicht, kann ich immer noch zurück in den Maschinenbau gehen. Dieses Auffangbecken war mir einfach wichtig.

Trotzdem, warum dann nicht gleich der direkte Weg auf die Bühne?
Ich hätte das damals sicher gleich nach der Schul- und Ausbildungszeit machen können. Vermutlich würde ich das heute sogar so machen. Ich glaube, mit diesem späteren Maschinenbau-Studium wollte ich mir auch selbst einfach nochmal was beweisen. Und ich wollte mich, wenn Sie so wollen, auf den bevorstehenden Absprung in das Künstlerleben vorbereiten.

Stell ich mir schwierig vor …
War es auch. Aber ich hatte zu der Zeit Kollegen in dem Studium, die haben mir echt geholfen. Unter anderem auch damit, dass Sie mich haben abschauen lassen bei Prüfungen. Ich war einfach kaum mehr für den Maschinenbau zu motivieren. Konstruktionstechnik, Physik, das alles auf einem hohen Niveau. Ein Teil dieser Kollegen kommt heute noch zu meinen Auftritten.

Willy Astor büffelt Physik und Konstruktionstechnik, man kann es sich kaum vorstellen … Klingt ein bisschen wie das Drehbuch für eine TV-Schmonzette: Der junge Willy hat im Bus eine Eingebung und wird daraufhin Künstler. Klingt prima, aber hatten Sie nicht irgendwann mal doch Zweifel an den Eingebungen?
Natürlich gab es die. Aber die hatten nie etwas mit der Qualität meiner Arbeit zu tun. Wäre es so gewesen, dass ich Zweifel an meinen Sachen gehabt hätte, wäre ich wieder zurückgegangen. Es gibt ausreichend viele in der Künstler-Branche, die nie eine Chance haben werden, von ihrer Kunst zu leben und die als brotlose Halb-Genies durch die Lande tingeln. Aber klar, wenn du wenige Besucher hast, das bringt dich ins Zweifeln. Ich habe mal eine Woche in Wien gespielt und hatte 60 Leute. In einer Woche! Das sind dann die Momente, in denen du dir denkst: Wenn das so weiter geht, schmeiße ich das Handtuch.

Ohne Wenn und Aber?
Also, ich wollte eines immer ganz sicher nicht sein: ein brotloser Künstler. Und um das nicht zu sein, brauchst du wenigstens eine kleine Basis an Zuschauern.

Herr Astor, wir müssen, auch wenn es Ihnen wahrscheinlich nicht gefällt, noch über den „Stern des Südens“ reden. Das Stück ist hundsgemein, man bekommt es nicht mal dann aus dem Ohr, wenn man kein Bayern-Fan ist. War das auch wieder so eine Eingebung oder ist das eher am Reißbrett entstanden?
(lacht) Nee, das war auch wieder so ein Glückstag von mir. Und ich ärgere mich übrigens überhaupt nicht, wenn Sie mich auf den „Stern des Südens“ ansprechen. Die Geschichte des Stücks ist schnell erzählt. Ich war 1999 Mitarbeiter bei „Antenne Bayern“ und Stephan Lehmann (zu dieser Zeit noch Moderator bei Antenne, d. Red.), damals schon Stadionsprecher bei den Bayern, hat zu mir gesagt: Du, mir geht diese alte Hymne derart auf den Geist, kannst du nicht mal versuchen, was Besseres zu schreiben? Ich habe mich dann mal an einem Vormittag hingesetzt und hatte eine Idee für eine Midtempo-Nummer. Ich habe als Arbeitstitel „Stern des Südens“ genommen, die ersten acht Zeilen geschrieben und dann dem Stephan im Studio vorgespielt. Anschließend haben wir den Text fertig gemacht, sind mit dem Mokick in die Säbener Straße gefahren, beim Uli Hoeneß rein und der hat gesagt: Das machen wir! Das wäre heute eine unvorstellbare Sache.

Und heute, 22 Jahre später, läuft der „Stern“ immer noch …
Ich war vor kurzem mal wieder im Stadion. Immer, wenn da der „Stern“ läuft, dann wird man innen drin ganz leise und demütig und man denkt sich: Hammer, das ist immer noch unsere Nummer!

Sie haben Uli Hoeneß erwähnt und der wohnt ja am Tegernsee und Sie wiederum sind bekannt für Ihre Wortspielereien. Kriegen Sie jetzt spontan eines mit Hoeneß und Tegernsee hin?
Au weh, so schnell gleich? Geben Sie mir doch bitte ein paar Minuten …

Epilog:
Nach dem wir uns verabschiedet haben, dauert es zehn Minuten, bis das Handy den Eingang einer Nachricht vermeldet. Absender: Willy Astor.

Wenn ich mein warmes Teeglas dreh,
dann weil ich meinen Tee gern seh.
Denn ein Darjeeling, wie ihr wisst,
Auch wirklich etwas Schö-Hoeness ist.

Willy Astor, „Pointe Of No Return“: das Beste aus dem Einfallsreich.

Der Auftritt am 10. März 2022 in der Winner‘s Lounge, Bad Wiessee wurde pandemiebedingt verschoben.

Neuer Termin: 6. Oktober, 20.00 Uhr
Spielbank Bad Wiessee
Winner’s Lounge
Winner 1, Bad Wiessee

Interview Willy Astor

“Ich muss gut drauf sein, um melancholische Stimmungen verarbeiten zu können.”
Foto: kabarett-kroell.de

13. 4. 2022|

Wellness-News vom Tegernsee

Völlig entspannt

Es tut sich etwas in den Wellnesshotels und Spas im Tegernseer Tal. Wir haben die (ent-)spannendsten News für Sie zusammengetragen.

Eiskalt im LANSERHOF

Auf die heilende Kraft der Kälte setzen die Experten im Lanserhof bei den unter-schiedlichsten Beschwerden. Zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen, chronischen Schmerzzuständen, stumpfen Verletzungen der Gelenke, Hauterkrankungen, wie Neurodermitis, Schlafstörungen oder erhöhter Stressbelastung geht es ab in die Minusgrade. In der speziellen therapeutischen Kältekammer bleiben die Patienten maximal drei Minuten. Hände, Füße und Ohren werden dabei gesondert vor der Kälte geschützt.

Das kurzfristige Einwirken von -110° Celsius auf den Körper blockiert seine Schmerzleitfähigkeit und wirkt entzündungshemmend. Das soge- nannte Schmerzgedächtnis, das durch chronische Schmerzen überaktiviert sein kann, wird zur Neuregulierung angeregt. Auch die Durchblutung der Muskulatur wird verbessert, was insbesondere zur Leistungssteigerung bei Sportlern beiträgt. Empfohlen werden ein bis zwei Anwendungen pro Tag für eine Dauer von 14 Tagen bis maximal vier Wochen. Oft sind erste Effekte aber schon nach einer Anwendung, meist nach zwei Wochen spürbar.

Preis pro Anwendung: 86 Euro (nur in Verbindung mit einem Aufenthalt am Lanserhof buchbar), www.lanserhof.com

Erfrischt im Das Tegernsee

Der Blick auf den See aus jedem Anwendungsraum im Spa des Hotels “Das Tegernsee” ist einzigartig. Aber auch die Treatments selbst mit Pharmos Natur, Rohini oder Aqua Organic sind individuell. Dazu kommt jetzt noch etwas Neues: Frischer Aloe Vera Pflanzensaft macht die beliebte „Zeit für mich“-Anwendung in dem Lifestylehotel im Luxussegment noch intensiver.

Denn wenn man diese Verwöhnung für Gesicht, Hals und Dekolletee mit den Produkten von Pharmos Natur wählt, kommt nicht nur 100 Prozent Aloe Vera-Ur-Saft zum Einsatz, sondern auch ein vitalisierendes Frischpflanzenblatt. Die Aloe gilt als „Quelle der ewigen Jugend“ und wirkt kräftigend, regenerierend, immunstär- kend, reinigend und schmerzlindernd. Für die Haut ist sie ein Glücksfall, denn sie wirkt kühlend, entzündungshem- mend und antiseptisch. Ideal, also auch bei Unreinheiten oder gereizter Haut.

Anwendung 60 Minuten, 115 Euro, www.dastegernsee.de

Ungestört im Jodbad

Auch wenn man in den einzelnen Badesuiten des Jod-Schwefelbades in Bad Wiessee ungestört entspannen kann, so lässt sich jetzt noch etwas mehr Privatsphäre buchen. Denn das Jod-Schwefelbad-Komfort-Paket ermöglicht einen Aufenthalt in einem eigenen Bereich mit Lounge und direkt angrenzendem Massageraum. Dieses Refugium bucht man in Kombination mit Anwendungen und einem Bad und hat dann für drei Stunden absolute Ruhe für sich oder auch gerne für Zwei. Neben den gemütlichen Entspannungsmöglichkeiten in den eigenen Räumlichkeiten umfasst das Paket Wannenbäder für bis zu zwei Personen, Leihbademantel und Badeschuhe, Obst, gesunde Snacks sowie Erfrischungsgetränke und Tee.

Buchbar unter www.jodbad.de: 200 Euro

Verwöhnt im Seehotel Überfahrt

In den lichtdurchfluteten Behandlungsräumen des 4-Elements Spa im Althoff Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern pflegen jetzt nicht nur die Treatments von Marken wie Julisis oder QMS, sondern ganz neu auch von Annané. Die Schweizer Wirkstoffkosmetik, die von einem Arzt entwickelt wurde, setzt komplett auf natürliche Inhaltsstoffe wie Pflanzen- und Algenextrakte in Kombination mit hochwertigen Ölen. In den Gesichtsbehandlungen mit Reinigung, Hautanalyse, Peeling, Massage und Abschlusspflege werden traditionelle Methoden mit modernen Techniken kombiniert. Somit steht das verwöhnende und pflegende Ritual im Einklang mit dem individuellen Hautbedürfnis.

Infos über alle Behandlungen und Preise erhalten Sie online in der Spa-Rezeption oder über die Spar-Rezeption, www.althoffcollection.com

6. 4. 2022|

Biograf Gerd Holzheimer

Auf den Spuren Olaf Gulbranssons

Der mehrfach prämierte Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Gerd Holzheimer begibt sich in seinem neuen Buch auf die Spuren eines Norwegers am Tegernsee: Olaf Gulbransson. Dabei kam er dem Künstler und Karikaturisten bei bewegenden Recherchen rund um den See sehr nah. Und lernte über sich selbst gleich noch eine Menge.

Text und Fotos: Ute Watzl

Gerd Holzheimer Olaf Gulbransson

Gerd Holzheimer neben der Büste Olaf Gulbranssons im gleichnamigen Museum.
Foto: Ute Watzl

Wer Gerd Holzheimer gegenübersitzt, könnte meinen, Olaf Gulbransson, den berühmten Zeichner höchstpersönlich vor sich zu haben – oder mindestens einen seiner Nachfahren. Deswegen sorgt auch der Blick auf Holzheimers neu erschienene Biografie über den „bayerischen Norweger“, der Anfang des 20. Jahrhunderts als Karikaturist der Satire-Zeitschrift „Simplicissimus“ berühmt wurde, für kurze Verwirrung: Vom Cover blickt Gulbransson – glatzköpfig, verschmitztes Lachen –, Biograf Holzheimer schaut ganz ähnlich aus dem Autorenfoto auf dem Umschlag.

Gerd Holzheimer ist Experte für bayerische Literatur und selbst bayerischer Schriftsteller. Markenzeichen: Nickelbrille und orientalische Kappe. Für dieses Buch ist er die vergangenen zwei Jahre tief ins Leben Gulbranssons eingetaucht. Hat riesige Konvolute an Briefwechseln gelesen und Archive durchforstet, und ist den Spuren des Norwegers entlang des Tegernsees gefolgt – bis hin zum Schererhof, wo Gulbransson 1958 starb, und wo noch heute Jorun Hars-Gulbransson, die Enkelin, lebt. Ja, er hatte sogar das unverschämte Glück, auf deren Einladung den Schererhof immer wieder besuchen zu dürfen.

Auf Gulbranssons Spuren am Schererhof

Was für eine seltene Gelegenheit für den Biografen, die Tegernseer Jahre Gulbranssons auf diese Weise nachempfinden zu können: Wie dieser (am liebsten fast nackt) vor seinem Hof stehend über den See schaut; mit seinen Augen den Blick auf den Hirschberg einfangen, den Gulbransson auf so vielen Aquarellen festgehalten hat; sogar in seinem Pool schwimmen zu dürfen! Zwischen dem Autor und Gulbranssons Enkelin entstand über die Monate eine enge Freundschaft. Die Brille Holzheimers ist ein Geschenk von ihr. Eine bessere, authentischere Quelle kann sich ein Biograf kaum wünschen.

Biografie Olaf Gulbransson

Ein Blick ins Buch, das wie keine andere Schrift über ihn dem Menschen und Künstler Gulbransson nahekommt.
Foto: Allitera Verlag

Vielleicht war es Holzheimers verblüffende Ähnlichkeit mit ihrem Großvater Olaf, die Joruns Vertrauen weckte? Dass sich beide so ähnlich sehen – reiner Zufall. Aber die Gemeinsamkeiten gehen weit über die beiden Glatzen hinaus. So weit, dass es den Anschein hat, Holzheimer habe in Gulbransson einen Bruder im Geiste gefunden.

Schon als Junge Ort liebte er die Lausbuben-Geschichten von Ludwig Thoma, nicht zuletzt wegen der Illustrationen von Gulbransson. „Dem kloanen Kerl stand immer so ein Haarbüschel weg. Diesen Widerstandsschüppel hatte ich auch“, erzählt Holzheimer. „Ich fühlte mich wie dieser Lausbub, der nur Schmarrn im Kopf hat.“ Damals lebten Holzheimer und seine Familie wie Nomaden. Der Vater war Landvermesser und so zogen sie von Ort zu Ort quer durch Bayern, stiefelten durch die Landschaft und sprachen mit den Einheimischen.

Auf diese Weise entdeckte er auch die alte Sprungschanze, die Olaf Gulbransson während der geselligen Wochenenden bei seinem Freund Ludwig Thoma am Sixthof in Finsterwald an der Hainzenhöhe errichtet hatte. Hier konnte die geladene Gesellschaft aus München lernen, wie so ein Naturbursche aus den norwegischen Wäldern skiläuft und skispringt.

Gulbransson errichtet die erste Sprungschanze Bayerns

Es war eine von vielen denkwürdigen Begegnungen bei seinen Recherchen: Ein Ehepaar beobachtete Holzheimer, wie er suchend durch die Gegend schweifte, und sie fragten ihn: „Suchen Sie etwas?“ Auf die Gefahr hin, für verrückt erklärt zu werden, fragte er vorsichtig: „Sagt Ihnen der Name Gulbransson etwas?“ Die beiden lachten, denn sie kannten dessen Frau Dagny noch persönlich, und zeigten ihm den richtigen Weg zur „S-pring“, wie Gulbransson die Schanze nannte. Am selben Platz an der Hainzenhöhe wurde nach dem Krieg, 1948, eine offizielle Sprungschanze gebaut, an der noch bis 2004 künftige Skisprung-Profis trainierten. Heute steht nur noch das alte Fundament. Der Biograph auf Recherche ist dann dort gleich kräftig ausgerutscht auf den alten, feuchten Holzplanken, die sich unter Moos und Gras verbergen. „Mich hat’s ohne Ski hingehauen, aber der Olaf, der hat auch kaum einen Sprung gestanden.“

Der Olaf. Holzheimer nennt ihn oft so, wenn er von ihm spricht. Als wäre der Künstler ein guter Freund von ihm gewesen. Aber es ist eher so, dass er dem Menschen Gulbransson während der Recherchen sehr nahegekommen ist, sich mitunter in ihm gespiegelt sah. Da ist zum Beispiel die tiefe Liebe zur Natur. Holzheimer liebt das Wandern, seine Dissertation schrieb er über die „Poetik des Gehens“.

Auch Gulbransson hielt es nicht lange im wilden Schwabing des frühen 20. Jahrhunderts aus, diesem Schmelztiegel der Lebensexperimente und Extrovertiertheiten. Ihn zog es dorthin, wo sich Wälder, Berge und Seen zu einem Abbild seiner Heimat verbanden. Hoch überm Tegernsee, am Schererhof, der einst ein Ausflugscafé war, fand er diesen Ort. Wenn er zu den Gindelalmen wanderte, dann fühlte er sich zurückversetzt in die Nordmarka bei Oslo. „Seine Frau Dagny fragte ihn einmal, ob er denn nicht Heimweh nach Norwegen habe“, erzählt Holzheimer. Gulbransson habe geantwortet: “Wieso? Ich hab’s doch hier?” Auch die Mentalität, das wortkarge, zurückgezogene Leben, das lag ihm.

Die optische Ähnlichkeit zwischen Olaf Gulbransson und seinem Biografen Gerd Holzheimer ist verblüffend.
Foto: Ute Watzl

Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie Holzheimer um das Ansehen Gulbranssons bangt, als er dessen Brief an Nazi-Generalgouverneur Hans Frank liest, den „Schlächter von Polen“, in dem sich Gulbransson bedankt für die Vermittlung eines polnischen Zwangsarbeiters an den Schererhof. Dem Biografen Holzheimer wäre es wohl lieber gewesen, solche Briefe existierten nicht. Es ist nicht einfach, bei so einer Arbeit die Distanz zu wahren. „Je tiefer man gräbt, desto näher fühlt man sich dem Menschen. Aber je besser ich ihn kennengelernt habe, desto mehr wuchs auch meine Überzeugung: Ein Typ wie Olaf kann kein Nazi sein“, so Holzheimer. „Aber ja: Er hat auch nichts gesagt.“

Dieser dunklen Seite in Gulbranssons Leben auf den Grund zu gehen, gab den Anstoß zu dieser Biografie. Immer wieder wurde er in die Nähe der Nazis gerückt, weil er nicht aufbegehrte, sich offenbar arrangierte. Manch einer sieht darin den Opportunisten. Nicht so Holzheimer. Er zitiert aus seinem Buch: „Der für die Zeit des Nationalsozialismus auf ihn gemünzte Begriff des ,stoischen Opportunismus‛, trifft, und wenn ihn noch so viele voneinander abschreiben und wiederholen, nicht zu.“ Viel treffender habe ihn mal einer seiner schüler beschrieben: „Er war ein wunderbarer Egoist, und alle haben diesen Egoisten geliebt. Er war fast tierhaft egoistisch, und das hat man an ihm genossen.“

Freund und Architekt Sep Ruf erbaute das Gulbransson Museum

Diese Ambivalenz – zwischen Genie und Eigensinn – gehört einfach zur Person Gulbransson. Denn andererseits hat den Autor vor allem dies überrascht: „Mit welcher Hingabe und Zartheit dieser urtümliche Koloss Holzscheite zeichnen konnte, nachdem er das Holz persönlich gehackt und gestapelt hatte. Mit wie viel Liebe zum Detail unter dem Stift in seiner kräftigen Hand ein Grashalm Form annahm, oder ein kleiner Vogel“, sagt er.

Gerd Holzheimer steht an der Sprungschanze bei Finsterwald. Hier hatte Gulbransson während seiner Aufenthalte am Sixthof bei Ludwig Thoma seine Liebe zum Tegernseer Tal entdeckt. Holzheimer zeigt hinüber zum Ackerberg, gleich gegenüber der Sprungschanze. Dort erbaute ein gewisser Sep Ruf Jahrzehnte später, nach dem Krieg sich selbst (und dem Kanzler Ludwig Erhard gleich mit) moderne Wohnbungalows in den Wald, mit Blick auf den See.

Wie dieser berühmte Architekt mit seiner Bauweise Licht und Natur von draußen in den Raum holte, das war ganz nach Gulbranssons Geschmack. „Du hast die Sonne eingefangen“, staunte er zu Besuch im Bungalow. Zufall, dass Sep Ruf später der Erbauer des Olaf Gulbransson Museums wurde? Sicher nicht. Aber vielleicht eine dieser Geschichten, auf die Holzheimer bei seinen Recherchen stieß und die ihn staunen ließen: „Das gibt’s doch gar nicht. I glaub, i spinn!“

Im Olaf Gulbransson Museum kann man sich vom Leben und den Arbeiten des Norwegers ein Bild machen. Eine gute Gelegenheit bietet beispielsweise die „Lange Nacht der Kunst“ am 13. und 14. Mai rund um den Tegernsee. Im Museum liegt auch die neue Biografie von Gerd Holzheimer aus.

Zudem organisiert Gerd Holzheimer im Sommer Kulturreisen nach Norwegen. Quer durch Kultur und Geschichte des südlichen Norwegen geht diese Reise, die immer wieder mit dem großen Zeichner Olaf Gulbransson zu tun hat.

Biografie Olaf Gulbransson

Gerd Holzheimer, „Olaf Gulbransson“, Allitera Verlag 2021, 28 Euro
Foto: Allitera Verlag

2. 4. 2022|

Fünf Fragen an

Kabarettist Wolfgang Krebs

Er ist: Markus Söder, Edmund Stoiber, Hubert Aiwanger, Horst Seehofer, Günter Beckstein. Und außerdem natürlich Kabarettist und Autor. Wie man das alles unter einen Hut bringt, erzählt Wolfgang Krebs im Seeseiten-Interview.

Interview: Christian Jakubetz

kabarettist Wolfgang Krebs Tegernsee

Fünf Köpfe, ein Charakter: Der Kabarettist Wolfgang Krebs und seine diversen Figuren.
Foto: Wolfgang Wiebe

Wenn einen ein Virus so lange als Künstler lahmlegt, wie fühlt sich das jetzt an: Bedrückend, weil man jetzt wieder lustig sein muss – oder eher eskapistisch, weil man endlich wieder hemmungslos drauflos parodieren darf?
Ich sag inzwischen immer am Anfang meines Programms: Wir reden heute nicht über das Thema mit dem C. Und damit meine ich nicht die CSU! Dann bemerkt man immer die Reaktion im Publikum: Gottseidank, mal nicht zwei Stunden über dieses Thema reden und nachdenken.

Sie bezeichnen sich selbst gerne als „volkstümlicher Kabarettist“. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Nein. Natürlich habe ich in meinen Programmen hauptsächlich Sachen, die lustig und unterhaltsam sein sollen. Aber ich spreche immer wieder auch Themen mit einem ernsthaften Hintergrund an. Nur, dass ich vielleicht nicht die klassische Herangehensweise habe. Schon alleine deswegen nicht, weil ich parodiere und immer wieder versuche, mir die Sichtweise meiner Figuren zu eigen zu machen.

Schon mal die Befürchtung gehabt, auf die Rolle desjenigen reduziert zu werden, der immer so lustig den Stoiber nachmacht?
Ach wo, das ist gar kein Problem. Wenn man genau hinhört, dann merkt man, dass ich eine ganze Reihe von Themen in meinem Programm verpacke. Nur eben so, dass man darüber lacht. Wenn das dafür sorgt, dass sich die Menschen wieder verstärkt an Debatten beteiligen, dann ist doch alles gut.

Wir haben eine neue Regierung … hat das das Portfolio Ihrer Figuren erweitert?
(lacht) Ich halte Olaf Scholz nicht für parodierbar. Da würden wir in Langeweile sterben. Es bleibt natürlich bei Söder, Stoiber und Aiwanger usw., aber ich denke über Robert Habeck oder Claudia Roth nach. Frauenrollen sind kein Problem, schließlich habe ich auch schon mal die „Kanzlerin“ gespielt.

Sie ahnen es, Sie müssen jetzt in einem Kurzinterview mit den „Seeseiten“ irgendwie noch einen Satz unterbringen, dass das Tegernseer Publikum das Beste ist. Wollen wir, wollen Sie?
Selbstverständlich: Zunächst einmal ist der Tegernsee mittlerweile so unbezahlbar schön, dass manche sogar von Russland und China hierherziehen. Deshalb sind alle, die mich verstehen, herzlich eingeladen, meine Heimatabende mit zahlreicher Politprominenz zu besuchen, denn das Tegernseer Publikum weiß, wo man zum Lachen hingeht.

Wolfgang Krebs, „Geh zu, bleib da!“
Sa., 19. März 2022, Seeforum Rottach-Egern

18. 3. 2022|

Alpaka-Wandern

Auf Tour mit Alpakas

Sie sind charmante Wollknäuel, gelten als chronisch neugierig – und sie strahlen eine ansteckende Lebensfreude aus: Alpakas,
die wolligen Tierchen aus den Anden. Inzwischen sind sie auch im Tegernseer Tal angekommen. Über einen besonderen Tag mit Anton, Riley, Ludwig, Fridolin und Monaco.

Text: Susanne Mayr

Alpaka-Wandern am Tegernsee

Autorin Susanne Mayr (links) und Karin Hatzl (rechts) mit den Alpakas auf Tour.
Foto: Urs Golling

Seit einiger Zeit sieht man am Tegernsee, genauer gesagt in Kreuth-Oberhof, neben Fleckvieh und Haflinger auch etwas Exotischeres: Alpakas. Eine ganze Herde. Sie gehört Karin Hatzl. Sie bietet nicht nur Alpakawanderungen an, sondern ermöglicht eine hautnahe Begegnung und kann viel über die süßen Tiere erzählen.

Ich bin entzückt – anders kann man es nicht sagen. Denn ich liebe Alpakas. Dementsprechend euphorisch komme ich am Hof „Zum Hausmann“ an. Doch Karin Hatzl bremst mich gleich ein bisschen: „Alpakas sind leider gar keine Kuscheltiere.“

Will heißen, sie gehen zwar ganz gerne mal mit Menschen spazieren, oder kommen neugierig näher, auf Tuchfühlung haben sie allerdings wenig Lust. „Ich musste viel über die Tiere lernen“, lacht Hatzl, die bis vor kurzem noch in Florida und Dubai in der Tourismusbranche gearbeitet hat. „Meine Anfangsvorstellung war auch etwas anders.“

Das merke ich ebenfalls schnell. Ich bin viel zu überschwänglich, denn die Tiere sind doch recht scheu und wirken fast misstrauisch. Deshalb wollen wir die Tiere erst einmal kennenlernen. Denn auch das bietet Karin Hatzl an, in ihrem Gehege kann man die Alpakas beobachten und sich gegenseitig buchstäblich beschnuppern.

Langsam nähern wir uns den Tieren und werden neugierig begutachtet, teils aber auch ignoriert. Es könnte also noch ein Stück Arbeit werden, ihre Herzen zu erobern, zumal Alpakas als eigensinnig gelten. Aber ich bin zuversichtlich.

Fünf Wollknäuel

Die Herde von Karin Hatzl umfasst fünf Tiere: Anton, Riley, Ludwig, Fridolin und Monaco, der Anführer. Jedes der Tiere unterliegt hier einer Rangordnung, die auch beim Wandern eingehalten wird. Vorneweg läuft Chef Monaco, gefolgt von Riley und Ludwig, die beiden Kleinsten, Anton und Fridolin, laufen am Schluss.

Alpaka-Wandern am Tegernsee

Alpakas sind keine Schmusetiere, werden schnell ungeduldig und bespucken sich nur gegenseitig zur Verteidigung.
Foto: Urs Golling

Mein Begleiter für die nächste Stunde ist Ludwig, ein gutmütiger kleiner Wallach, der sich gern mal am Hals streicheln lässt. „Alpakas darf man nie am Kopf streicheln“, erläutert Karin Hatzl, „das finden die richtig doof und wäre, als ob man einem Menschen bei der Begrüßung ins Gesicht fasst.“

Man muss also schon ganz genau wissen, wie man den Alpakas begegnet. Und man kann sich täuschen, sehr schnell sogar. Kleines Beispiel: Während wir noch kurz warten bevor es losgeht, hört man dann das niedliche „Mmhh“, das die Tiere von sich geben. Ich bin hin und weg, weil ich mir sicher bin, sie kommunizieren mit uns. Doch keineswegs, Karin Hatzl weiß es besser. „Jetzt sind sie genervt“, erklärt sie. Denn Alpakas sind nicht gerade für ihre Geduld bekannt: „Sie haben jetzt das Halfter an und wollen losgehen. Stehen ist gar nicht ihr Ding.“

Spucken dient der Verteidigung

Also schauen wir, dass wir zügig loskommen. Wir wollen uns ja nicht gleich am Anfang unbeliebt machen oder vielleicht sogar bespuckt werden. Doch hier gibt
Karin Hatzl Entwarnung, denn die Tiere spucken sich nur untereinander an, wenn ihnen etwas nicht passt.

Es ist ein Mittel zur Verteidigung, jedoch hauptsächlich im Kampf um die Rangordnung. Man erhält eine Vorwarnung mit Speichel und grünem Grasbrei. Ignoriert man diese Warnung kann der nächste Spuckangriff mit halb verdautem Mageninhalt erfolgen.

Alpaka-Wandern am Tegernsee

Im Sommer kann man bei den Alpakas auch Yoga-Einheiten nehmen.
Foto: Stefanie Pfeiler

Schon nach den ersten Schritten merken wir, dass die Alpakas scheinbar ständig irgendetwas wahrnehmen. Was daran liegt, dass sie bis zu einem Kilometer weit hören, sehen und riechen können. Wenn wir also noch überhaupt nichts bemerken, wittern sie schon potenzielle Feinde.

Langsam weicht die Anspannung bei den Tieren. Auch wir selbst werden ruhiger und führen unsere Schützlinge mit mehr Bedacht. Wir lernen die Tiere in ihren Reaktionen besser einzuschätzen. Und irgendwann ist auch das Eis gebrochen, die Tiere scheinen uns mehr und mehr zu vertrauen.

Sensibles Miteinander von Mensch und Tier

Nach einer ausgedehnten und entspannten Runde bringen wir die Tiere wieder auf ihre Weide zurück und ich merke, dass ich Ludwig in mein Herz geschlossen habe. „Die Leute sind nach einer Begegnung oder einer Wanderung immer total begeistert von den Tieren“, erzählt Karin, die sich mit den Alpakas einen Traum erfüllt hat. „Das Schöne ist, dass ein Miteinander mit Tier und Mensch entsteht, weil Alpakas extrem sensibel sind.“ Und so dürfen wir die fünf noch mit ein paar Ästen und Heu füttern und genießen die letzten Momente.

Über die Alpakas

Die scheuen Tiere stammen ursprünglich aus den Anden Südamerikas, werden mittlerweile aber auch in anderen Regionen gezüchtet, so auch in Teilen Europas. Alpakas gehören zur Familie der Kamele und sind Schwielensohler, haben also keine Hufe. Schon die Inkas züchteten Alpakas insbesondere wegen ihrer Wolle.

Für eine artgerechte Haltung wie auf dem Hof “Zum Haus­mann”­ brauchen die ersten zwei Alpakas mindestens 1000 Quadratmeter Weidefläche und 200 Quadratmeter für jedes weitere Tier. Auch im Stall braucht es mehrere Quadratmeter Platz für jedes Tier. Alpakas sind Herdentiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Daher sollen sie nie alleine gehalten werden.

Wer Lust auf ein Date, eine Wanderung oder eine Kaffeepause bei den Alpakas hat, kann dies bei Karin Hatzl in Kreuth-Oberhof buchen.
Zum Hausmann, Oberhof 2, Kreuth/Oberhof
www.zumhausmann.de/alpakas 
Telefon: +49/151/28338913

Ziemlich beste Freunde: Mensch und Tier.
Foto: Urs Golling

11. 3. 2022|

Seeseiten online lesen

ePaper: Seeseiten-Ausgabe 68, Frühling 2022

Die aktuelle Ausgabe zum Lesen auf dem Bildschirm.

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Die Frühlingsausgabe der Seeseiten mit u.a. folgenden Themen:

  • Gipfeltreffen starker Frauen: Ilse Aigner und Christiane Goetz-Weimer
  • Wilder Wortwitz: Interview mit Willy Astor
  • Sooo süß: Ein Ausflug mit Alpakas

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2. 3. 2022|

Spitzengespräch Aigner und Goetz-Weimer

Chefinnen-Sache

Zwei „Role Models“ für erfolgreiche Frauen im Tal, die eine in der Politik, die andere in der Wirtschaft. Landtagspräsidentin Ilse Aigner und die Verlegerin Christiane Goetz-Weimer ließen sich mühelos als Belege für eine „Alles ist gut“-Theorie verwenden. Und trotzdem sagen beide: Es ist noch viel zu tun, sehr viel. Eine Begegnung mit zweien die wissen, dass man nur übers Handeln zur Veränderung kommt.

Text: Christian Jakubetz / Fotos: Urs Golling

Zwei Frauen mit Führungsqualitäten beim Spaziergang am See.

Talk is cheap, sagt man in den USA gerne, wenn man leise Verachtung für theoretische Endlos-Debatten zum Ausdruck bringen will. Reden ist billig, es kommt aufs Machen an. Vermutlich würden die Präsidentin und die Verlegerin das sofort unterschreiben. Schon alleine deswegen, weil die eine sonst nicht die politisch erste Frau des Freistaats und die andere nicht Verlegerin wäre.

Am Tegernsee treffen sie sich nicht nur, weil sie Duz-Freundinnen sind. Sondern auch, weil Ilse Aigner hier ihren Stimmkreis hat und weil sie dem Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group schon seit Anfang an eng verbunden ist. Und auch, weil sie als erfolgreiche und selbstbewusste Frauen immer noch nicht die Regel sind.

Keine Steinzeit-Feministinnen

Die Stellung der Frau als solche: Es gibt vermutlich nicht viele Themen, die man mit so gutem Recht als paradox bezeichnen darf. Weil: In der Theorie wird sich selten jemand finden, der ernsthaft Frauen den gleichberechtigten Zugang zu allen gesellschaftlichen Bereichen verwehren will. In der Praxis aber? Ilse Aigner und Christiane Goetz-Weimer sind keine Steinzeit-Feministinnen, bei dem Thema werden trotzdem beide für ihre Verhältnisse – nennen wir es: energisch.

Trifft man beide am Tegernsee, dann kommen die Belege dafür, dass die Welt in Sachen Gleichberechtigung immer noch verschoben ist, ziemlich schnell. Die Landtagspräsidentin kann vom immer wiederkehrenden Phänomen erzählen, dass in männerdominierten Runden die Aufmerksamkeit groß ist – wenn Männer sprechen. Sind dann Frauen an der Reihe, sinkt das Interesse und steigt umgekehrt proportional der Lärmpegel.

Und Goetz-Weimer, ehemals Redakteurin der Männerbastion FAZ, kann auswendig Zahlen aufzählen, wie es beispielsweise mit dem Frauenanteil in Führungsetagen von Dax-Unternehmen aussieht. Um es kurz zu fassen: nicht gut, gar nicht gut. Nur so viel: In der Hälfte dieser Unternehmen ist die Männerquote im Vorstand bei sagenhaften 100 Prozent.

Gockelei ist nur was für Gockel

Man staunt dann, als Mann sowieso, über Zustände des Jahres 2022. Und man(n) fragt Ilse Aigner: Frau Landtagspräsidentin, sind Männer wirklich so furchtbar? Statt einer diplomatischen, präsidialen Antwort springt ein „Ja!“ aus ihr heraus. Eines von der Sorte, bei dem keine Zweifel bleiben, dass es aus tiefster Überzeugung kommt. Dann ein kurzer Lacher: „Nein, nicht alle. Und ich will auch gar nicht behaupten, dass sie das bewusst machen.“ Gelerntes Verhalten, sozusagen. Da dürfen Frauen, das wünscht sich die Landtagspräsidentin, durchaus auch mal robuster auftreten.

Robust ist allerdings eine Kategorie, die man Männern anerkennend zubilligt. Frauen hingegen wird eine gewisse Robustheit gerne mal auch eher nachteilig ausgelegt. Falls hier der Eindruck entsteht, zwei sehr robuste Frauen würden in eine ideologisch aufgeladene Schlacht ziehen: Christiane Goetz-Weimer lacht mindestens so viel wie sie redet (und das ist ein durchaus beachtliches Pensum).

Ilse Aigner wiederum ist einer der nettesten Menschen, die man sich vorstellen kann, auch wenn „nett“ in der Politik keine Kategorie ist und für eine Landtagspräsidentin schon gleich gar nicht.

Zwei Vorbilder für andere Frauen: Landtags-Präsidentin Ilse Aigner und Verlegerin Christiane Goetz-Weimer beim Seeseiten-Gespräch in den Räumen der Weimer Media Group in Tegernsee.

Stellen Sie sich also am besten zwei selbstbewusste Frauen vor, denen jede Gockelei fremd ist. Und das nicht nur, weil es sich bei ihnen schon aus biologischen Gründen nicht um Gockel handeln kann. Die beiden untereinander wiederum verstehen sich prächtig, eine angenehme Atmosphäre, hier sitzen zwei, die sich schätzen. Da macht es auch nichts, wenn man mal nicht einer Meinung ist.

Bei allen Debatten darüber, woran nun was liegen könnte und wie man das ändert – das Duo vom See belegt zumindest, dass es neben der Theorie auch eine ausgesprochen wirksame zweite Methode gibt: Machen, handeln und den eigenen Anspruch selbstbewusst formulieren. Selbst dann, wenn man unbestritten als Frau immer noch ein Stück schneller, besser, weiter sein muss, wenn man dorthin kommen will, wo Männer auch langsamer, schlechter, kürzer landen würden.

Jahrelang geschult in Männerdomänen

Bei Ilse Aigner war das schon immer Teil ihrer persönlichen und politischen DNA. Ohne großen Aufhebens mal eben vermeintlich festgefügte Strukturen auf den Kopf stellen: Angefangen von der jugendlichen Ilse in Bad Aibling, die vom Gymnasium auf die Realschule wechselt und dann eine „Lehre“ als Radio- und Fernsehtechnikerin absolviert. Ein „Männerberuf“, damals, Anfang der 80er, noch viel mehr als heute.

Und dann noch vier Semester Weiterbildung zur staatlich geprüften Elektrotechnikerin. Verbürgt ist, dass sie diese Ausbildung allein unter etwa 100 Männern als Beste abgeschlossen hat, vermutlich ein viel wirksameres Statement als jede Sonntagsrede zum Thema Gleichberechtigung. Danach wechselt sie zu Eurocopter in Ottobrunn, kümmert sich dort um die Entwicklung von Systemelektrik für Hubschrauber.

Das zieht sich als Maxime durch das ganze Leben der 57-Jährigen. Wo ansonsten Männer das Sagen und alles andere auch hatten, war und ist Aigner mittendrin. Auf ihre Art, die anders, aber nicht weniger deutlich ist. Kleines Beispiel: Ob sie denn dann auch mal laut werde, wenn Männer in ihrer Anwesenheit demonstratives Desinteresse zeigen, möchte man gerne wissen. Nein, sagt sie, es reiche aus, immer leiser zu werden oder einfach mal gar nichts mehr zu sagen. Sagt sie mit einem Blick, der wenig Zweifel daran lässt, dass man lieber nicht dabei sein möchte, wenn Ilse Aigner mal leise wird. Durchsetzungsfähigkeit gehört halt einfach dazu, wenn man nach oben will. Und „arbeiten, arbeiten, arbeiten und ein bisschen Glück“.

Der Unterschied zwischen einem Handwerks-Betrieb und der FAZ? Nicht allzu groß

Bei allen Unterschieden, einiges haben Ilse Aigner und Christiane Goetz-Weimer gemein. Beispielsweise die Erfahrung, wie man sich in Männerbastionen durchsetzen muss. Was die Elektro- und Fernsehtechnik im Handwerk und ein CSU-Bezirksverband in der Politik ist, das stellt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die alle Welt nur FAZ nennt, im deutschen Journalismus dar. Eine weibliche Herausgeberin gibt es dort bis heute nicht und niemand dort würde ernsthaft protestieren wollen, würde man die FAZ als einen immer noch ziemlich männerdominierten Laden beschreiben.

Als Redakteurin des Blattes setzt sich Goetz-Weimer dennoch durch, ehe sie später zur Verlegerin, zur Unternehmerin wird. Heute veranstaltet die Weimer Media Group nicht nur den Ludwig-Erhard-Gipfel, sondern beheimatet zahlreiche Publikationen aus Politik und Wirtschaft, darunter u.a. The European, Börse am Sonntag, Markt und Mittelstand oder Wirtschaftskurier. Zudem führt Goetz-Weimer seit 2001 den Ch. Goetz Verlag, in dem Sachbücher aus Wirtschaft und Politik, aber auch belletristische Sammelbände und Biografien erscheinen.

Denkt man sich dann nochmal ein paar Jahre zurück, dann ahnt man auch als Außenstehender schnell: Als Frau sich
im Männerverein FAZ zu behaupten, das erfordert neben journalistischer Expertise eine Menge Durchsetzungskraft (und gute Nerven).

lse Aigner im Gespräch mit den Seeseiten

Von der Auszubildenden als Elektrotechnikerin an die Spitze des Landtags: Ilse Aigner.

Das alles ist schon eine ganze Zeit her, man könnte also meinen: Es war einmal. Aber die Baustelle besteht weiterhin.

Wieso muss man, obwohl sich in den letzten Jahrzehnten die Dinge erheblich gewandelt haben, im Jahr 2022 überhaupt noch über Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe reden? Sollte das nicht längst selbstverständlich sein und ist es das nicht auch – nach 16 Jahren Amtszeit einer Bundeskanzlerin und angesichts auch der nunmehr zweiten bayerischen Landtagspräsidentin? „Darüber reden müssen wir tatsächlich nicht mehr“, sagt Christiane Goetz-Weimer, „aber miteinander reden, das ist entscheidend“. Wobei die Verlegerin hier eine Freundin klarer Worte ist: „In der Praxis haben die Kerle lange genug Zeit gehabt, etwas in den Chefetagen zu ändern.“ Die vieldiskutierte Quote mag sie nicht, zumindest im Grundsatz. Aber sie zeigt Wirkung, das ist für sie das Entscheidende.

Die Pragmatikerin Ilse Aigner setzt auf den „Machen statt reden“-Ansatz: „Und dafür brauchen wir Vorbilder“. Eine Aussage, hinter der auch Christiane Goetz-Weimer steht.

Auf der anderen Seite: In der Praxis ist es immer noch schwer genug, das scheinbar Selbstverständliche umzuset-
zen. Auch der von Christiane Goetz-Weimer und der Weimer Media Group veranstaltete Ludwig-Erhard-Gipfel ist immer noch eine einigermaßen männerlastige Veranstaltung. Und das, obwohl die Veranstalter es lieber anders hätten, doch: Die Top-Positionen in Politik und Wirtschaft sind immer noch überwiegend Männersache, wo also solle man denn bitte schön dann die Frauen hernehmen? Eine rhetorische Frage, klar. Aber eine, die das Dilemma aufzeigt.

Aber eigenartig ist das schon. Da sind sich, zumindest in der Theorie, fast alle einig, dass es mehr Frauen in Spitzenpositionen braucht. Dann dürfte es doch in der Praxis nicht scheitern, genau das auch hinzubekommen. Warum das doch nicht gelingt? Manche Frauen wollen nicht, manche fühlen sich dann, wenn sie sich zu einem Engagement in der Politik entschließen, von den dort vorherrschenden Strukturen nicht willkommen, glaubt Ilse Aigner.

Kein Phänomen der Politik alleine: Wenn Christiane Goetz-Weimer sich beim Unternehmerverband engagiert, sitzt sie dort im Vorstand allein unter Männern. Zumindest am Tegernsee allerdings hat man sich ja schon immer bemüht, eher Teil einer Lösung denn eines Problems zu sein. Und deswegen stehen sie im April beide auf der Bühne, beim Top-Treffen der Top-Leute. Ilse Aigner, die Landtagspräsidentin. Und Christiane Goetz-Weimer, die Verlegerin und Gastgeberin des Ludwig-Erhard-Gipfels.

Manchmal ist es dann eben doch so einfach.

Der Ludwig-Erhard-Gipfel findet am 21. und 22. April 2022 statt, die Schirmherrschaft hat Ministerpräsident Markus Söder übernommen.

Auch in diesem Jahr kommt eine Vielzahl prominenter Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Tegernseer Tal, die ihresgleichen sucht. Neben der schon erwähnten Landtagspräsidentin Ilse Aigner rechnen die Veranstalter u.a. mit Ministerpräsident Söder, den Parteivorsitzenden Friedrich Merz (CDU), Lars Klingbeil (SPD) und Christian Lindner (FDP) sowie Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Alt-Bundespräsident Joachim Gauck.

Highlight bei den Vertretern der Wirtschaft: die beiden BionTech-Masterminds Uğur Şahin und Özlem Türeci.

Die alljährliche Veranstaltung, von der unter anderem die Medienpartner ntv, RTL Mediengruppe und FOCUS Online
umfassend berichten, gilt als das „Stelldichein der Wirtschaft“ (Handelsblatt). Da das endgültige Programm bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht feststand, empfiehlt sich ein Blick ins Netz: www.ludwig-erhard-gipfel.de

2. 3. 2022|