2021 Sammlung Vorlagen 012021-12-09T17:22:58+01:00

Header: Navigation für OnePager. Verbinden mit “Name Of Menu Anchor” im Container. Im Menu mit Hashtag # kennzeichnen. Siehe Menu.
Logo links automatisch ziehen lassen.

Sticky container offset: .top-bar (dann fix)

Headline H2

Container Hintergrund Standard Apple Grau #f4f6f7
Type: Flex

Column Alignment: Stretch
Column Justificatio: Flex Start
Padding Desktop 20px Top, 20px Bottom
Column Content Alignmen: Center
Padding: 20, 20, 20, 20
Fade Top 1,6

Bild Rechts: 2px Rahmen mit Schatten, Bildbegrenzung 550px

Headline H2

Container Hintergrund Transparent
Type: Flex

Column Alignment: Stretch
Column Justificatio: Flex Start
Padding Desktop 20px Top, 30px Bottom
Column Content Alignmen: Center
Padding: 20, 20, 20, 20
Text: Fade Top 1,6, Bild Fade left, 1,6

Bild Rechts: Quadrat

Blindtext, Life is now, Blindtext, das Leben ist kein Wartezimmer, Blindtext, wir sitzen auf einem riesigen Feuerball und sausen mit 106.000 Km/h durchs All, Blindtext,…

Headline H2

Master Design Hintergrund
Container mit ganz leichtem Verlauf, damit die Fläche nicht so “tot” aussieht.
Gradient Start Farbe: 0.9 (oder 0.8)
Gradient End Farbe: 1.0
Start 0, End 100

Gradien Type Radial
Der Kniff (nicht center center einstellen)
Radial Direction hier: Right Top

Headline H2

Container Type: Flex,
Hintergrund: Image, Position Right Center, Paralax Fixed, Zusätzlich: Gradient, Start Color 0.1 Transparent, End Color 0.8 Transparent, Start Position 42, End Position 80, Linear, Gradient Angle 92
Column Alignmen: Stretch
Column Justificatio: Flex Start
Padding Desktop Top 40px , Bottom 40px
Border: 5px Top, Border Color 2f548d

Column Content Alignmen: Center
Padding: 20, 20, 20, 20, Background Color 0.7
Fade Top 1,6
Links: Column ohne Inhalt, nicht sichtbar auf mobile

HEADLINE

Container Halber Hintergrund mit Gradient 50

Blindtext, Life is now, Blindtext, das Leben ist kein Wartezimmer, Blindtext, wir sitzen auf einem riesigen Feuerball und sausen mit 106.000 Km/h durchs All, Blindtext,…

Online in Print bewerben:

Teaser-Anzeige in der Stellentabelle in Print

  • Bewerben Sie Ihr Online-Stellenangebot in Print während der Laufzeit

  • Erreichen Sie die Leser unserer Tageszeitungen und damit eine zusätzliche Zielgruppe zu Online
  • Hohe Reichweite durch Verbreitung in der tz sowie in der Großraumausgabe vom Münchner Merkur
  • Direkte Verknüpfung zu Ihrem Angebot durch Job-ID auf jobs.merkur.de + stellenanzeigen.de möglich

Headline H2

Container Type: Flex,
Hintergrund: Color #c7e3f7
Column Alignmen: Stretch
Column Justificatio: center

Margin Bottom 0px (damit der Bogen dirket anschließt)

Padding Desktop Top 40px
Border: 10px Top, Border Color 2f548d

Column Content Alignmen: Center
Padding: Right 20, Left 20
Fade Top 1,6
Recht: Alignment Flex Start, (Alternativ center)

„Es genügt nicht zu leben,

man braucht ein Schicksal.“

Albert Camus

(Text mit Schreischrift)

Schrift: Google Font Give You Glory

HEADLINE H3

– Generation Schneeflocke –

HEADLINE H4

Blindtext, Life is now, Blindtext, das Leben ist kein Wartezimmer, Blindtext

HEADLINE H4

Blindtext, Life is now, Blindtext, das Leben ist kein Wartezimmer, Blindtext

HEADLINE H4

Blindtext, Life is now, Blindtext, das Leben ist kein Wartezimmer, Blindtext

HEADLINE H4

Blindtext, Life is now, Blindtext, das Leben ist kein Wartezimmer, Blindtext

ELEMENTE BOX H3

– Für den schnellen Zugriff –

Standard V1
Standard Download
  • Gibt es Fragen? Einfach anfrufen: 0160-5918923

HELL

DUNKEL

WELTNEUHEIT

WELTNEUHEIT

KUNDENSTIMMEN

„Bei Klaus Höfler und seiner Leitstern Company merkt man sofort, dass hier ein Unternehmer berät. Er hat wesentlich zur erfolgreichen Markenführung beigetragen und unser Unternehmen mit kreativer, professioneller und zielgruppengenauer B-to-B-Kommunikation auf die Erfolgsspur gebracht.”

Dr. Richard vom Holtz, Geschäftsführer Apomanum GmbH

„Die Unterstützung von Klaus Höfler in einem persönlichen Coaching und einem Werte-Workshop mit unserem Führungsteam war in jeder Hinsicht wertvoll. Mit seinergleichzeitig pragmatischen, kreativen und lösungsorientierten Herangehensweise schafft er es in einer sehr angenehmen Gesprächs- und Arbeitsatmosphäre echte Erkenntnisgewinne entstehen zu lassen. Die Arbeit mit ihm macht Spaß und bringt Ergebnisse. Absolut empfehlenswert!”

„Die Zusammenarbeit macht sowohl fachlich als auch menschlich sehr viel Spaß. Projekt mit Herrn Höfler finden nicht in einer klassischen Kunden-Lieferanten-Beziehung statt. Vielmehr hat man immer das Gefühl, als Partner an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Es findet offene und ehrliche Beratung statt und keine Marketing-Budget-Maximierung. Herr Höfler zeichnet sich durch das besondere Gespür für die Situation und Bedürfnisse seiner Kunden aus und besticht darüber hinaus durch Fachkompetenz, Kreativität sowie absoluter Zuverlässigkeit und Termintreue.”

„Wir haben mit der Leitstern Company einen qualifizierten und sehr vertrauensvollen Partner zu unserer Markenstrategie sowohl in der Evaluierung wie auch Umsetzung an unserer Seite. Insbesondere mit dem Inhaber Klaus Höfler können Themen und Aufgaben
kreativ und wirkungsvoll verarbeitet werden. Durch seine regionalen Kenntnisse und umfangreichen Netzwerke ist er ein wertvoller Ideengeber und authentischer Berater.“

„Klaus Höfler und seine Leitstern Company berät uns vertrauensvoll, zuverlässig und kompetent bei allen Themen rund um unseren Markenauftritt. Wir schätzen seine Leidenschaft und Kreativität, mit der er sich stets der Umsetzung unserer Aufgabenstellungen widmet. Er ist in unserer Region bestens vernetzt, hat stets offene Ohren und wache Augen und ist so für uns zu einem wertvollen Rat- und Impulsgeber geworden.“

„Klaus Höfler und seine Leitstern Company sind meine Spezialagentur für begeisternde Kommunikationsmaßnahmen. Mit dem überzeugenden Workbook für meine Seminare habe ich ein Tool erhalten, das in diesem Marktsegment wirklich einzigartig ist. So werden meine Kunden zum Fan – und ich bin neuer Fan der Leitstern Company.”

„Bei Klaus Höfler und seiner Leitstern Company spüre ich die inspirierende UnternehmerEnergie eines erfolgreichen Anwenders unseres Lehrwerks.”

„Über die Jahre hinweg ist Klaus Höfler ein klarer und zuverlässiger Leitstern in meiner Arbeit als Speaker und Autor geworden. Ohne unseren intensiven Austausch hätten weder meine Vorträge noch mein Bestseller die klare Positionierung und den kreativen Tiefgang erhalten, der sie heute auszeichnet. Die Zusammenarbeit mit Klaus Höfler ist kein Bundesliganiveau, das ist absolute Champions League!“

„Mit Hilfe von Klaus Höfler und seiner Leitstern Company haben wir unserer Versicherungsgesellschaft einen neuen, frischen Anstrich verpasst. Nicht nur wir sind begeistert, auch unseren Kunden und Geschäftspartnern ist das positiv aufgefallen. Nebenbei haben wir wertvolle Erkenntnisse über Markenidentität, Markenwerte und Markenkern gewonnen. Und nicht zuletzt hat es großen Spaß gemacht. Vielen Dank dafür!“

„Die Zusammenarbeit mit Klaus Höfler macht in der Tat immer wieder Spaß, da sowohl kreative Ideen als auch zielgerichtetes Arbeiten nicht zu kurz kommen, wie sich auch an unserem Unternehmensslogan ‚precision & efficiency’ zeigt. Am Ende steht stets ein positives Ergebnis. Wir beauftragen deshalb die Leitstern Company immer wieder gerne für unsere produktspezifischen Marketingaufgaben im b-to-b-Segment.“
  • Mein Credo? Leben und leben lassen. Ich habe schon so viele Lebensgeschichten meiner Mandanten im Hintergrund mitschreiben dürfen, das macht mich schon ein wenig stolz. Das Leben ist mehr als Steuern und Abgaben und mir ist immer der Mensch gegenüber am wichtigsten.

    Karl Pflügler, Gründer und Inhaber der Steuerkanzlei Pflügler

Available services

Video

Erklärender Text

Video

Erklärender Text

Web

Erklärender Text

Web

Erklärender Text

Audio

Erklärender Text

Audio

Erklärender Text

Print

Erklärender Text

Den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Alles-Anders-Podcast von und mit Marion Kuchenny und Christian Jakubetz gibt es hier zu hören:

SITEMAP

SITEMAP II

KONTAKT

HERZLICHST

Copyright © 2019 - Name Unternehmung | Datenschutzerklärung | Impressum | Home
Meisterin aller Klassen (m/w/d)
Hinweis – Hintergrund weiß nicht transparent

Footer

SITEMAP

KONTAKT

ANSCHRIFT

  • Steuerkanzlei Pflügler
    Dipl. Kfm. Karl Pflügler
    Untere Hauptstraße 4
    85354 Freising

HERZLICHST

Copyright © 2003 - Steuerkanzlei Karl Pflügler | Datenschutzerklärung | Impressum | Home

Zwölf LiteraTouren

Tegernseer Bestseller-Autorinnen

Thoma, Ganghofer, Stieler – das literarische Erbe des Tegernsees ist groß. Und es geht weit über diese drei Autoren hinaus. Zwölf Spaziergänge rund um den See laden nun ein, sich auch der weniger bekannten Literatur dort zu nähern, wo sie entstanden ist: am Tegernsee.

Text: Ute Watzl

Hedwig Courths-Mahler Mutterhof Tegernsee

Hedwig Courths-Mahler bei ihrer Arbeit an der Schreibmaschine.
Foto: Hedwig Courths-Mahler Archiv

Diese stattliche Villa mit den roten Fensterläden war sicher sorgfältig ausgewählt. In Hanglage am Leeberg fällt der Blick über die Egerner Bucht hinüber zum Malerwinkel, dahinter erheben sich Leonhardstein und Hirschberg. Wenn hier nicht die Kreativität fließt, wo sonst? Das Leben jener Frau, die hier von 1935 bis 1950 wohnte, war tatsächlich ein einziger Schreibfluss, seit sie 1904 ihren ersten Roman veröffentlichte.

Aber was man von ihr weiß, lässt eher darauf schließen, dass sie ihre Werke, 207 an der Zahl, systematisch erarbeitete und nicht so sehr auf den Kuss der Muse wartete. Die Rede ist von Hedwig Courths-Mahler, als Frau ein frühes Vorbild in weiblicher Selbstbestimmtheit, als Schriftstellerin ein Phänomen. Sie war die erfolgreichste deutschsprachige Autorin des 20. Jahrhunderts. Doch kaum einer weiß das.

Viel mehr als Thoma und Ganghofer

Möglicherweise ändert sich das nun, jedenfalls hier am Tegernsee. Denn wer jetzt vor diesem prächtigen Haus steht, ist vielleicht auf einem der zwölf neuen Spaziergänge rund um den Tegernsee unterwegs, die seit September frisch beschildert an das Literaturerbe der Region erinnern. Mit ihnen will man endlich der literarischen Bedeutung des Tals gerecht werden.

Denn die reicht mehr als 1000 Jahre zurück in die Zeit der Gründung des benediktinischen Klosters, wohlgemerkt einst das mittelalterliche Zentrum von Literatur, Buchkunst und Gelehrsamkeit in Bayern. Auch in neuerer Zeit gibt es mehr zu entdecken als die allgegenwärtigen Namen Thoma und Ganghofer, wie eben Courths-Maler und ihre Töchter, die Tegernseer „Bestsellerautorinnen“. Genau so nennt sich dieser Spaziergang nämlich.

Ausgehend von der Schwaighof-Anlage am Seeufer, wo die Gemeinde zu Ehren der Autorin eine Gedenktafel aufstellte, führt der Weg hinauf zum sogenannten „Mutterhof“. So nannte die Familie Courths-Maler das Haus, als die Autorin mit ihrem Mann Fritz und den beiden Töchtern Magarete Elzer und Friede Birkner von Berlin an den Tegernsee zog. 1935 war das, und die Nationalsozialisten machten auch dieser Autorin das Arbeiten schwer, die man später eher für ihre Schnulzenromane belächelte.

Die Romanfabrik vom Leeberg

Hier am Leeberg eröffnete sie ihre „Romanfabrik“. Der Name Mutterhof, so lernt der Spaziergänger in begleitenden Texten zu den „Tegernseer LiteraTouren“, bezog sich auf Courths-Malers Mütterlichkeit als Triebfeder für ihr schriftstellerisches Arbeiten. „Ich glaube wahrhaftig, dass ich nie die Courths-Mahler geworden wäre, wenn ich keine Kinder gehabt hätte“, schrieb sie einmal über sich selbst. Dieses große Haus vor Augen, das ein Vermögen gekostet haben dürfte, lässt in Vergessenheit geraten, aus welch ärmlichen Verhältnissen Hedwig Courths-Maler als Tochter einer alleinerziehenden, mehrfachen Mutter stammte. Sie hat sich mit ihren Büchern aus der Armut zu Ruhm und Reichtum geschrieben.

Mutterhof Tegernsee

Schreibfabrik: Im Mutterhof mit Blick auf den Tegernsee entstanden unzählige Romane von Hedwig Courths-Mahler.
Foto: Hedwig Courths-Mahler Archiv

Doch verschrien als Schnulzenautorin, verurteilt für ihre Trivialliteratur, wird sie kaum noch öffentlich gewürdigt. Dabei hat keine so viel Geld verdient und mit ihrer Arbeit sich und ihrer Familie einen ansehnlichen Wohlstand erwirtschaftet. Und das zu einer Zeit, als das den wenigsten Frauen möglich war.

„Statt diese Leistung zu würdigen und ihrer zu gedenken, wurde Courths-Mahler nicht selten herabgewürdigt“, erzählt Ingvild Richardsen. Sie ist Literaturwissenschaftlerin in München, und es ist ihrem Aufenthalt auf einer Schönheitsfarm im Tal zu verdanken, dass die Idee entstand, man müsse das kulturelle Erbe des Tegernsees endlich erlebbar machen, nicht im Museum, sondern dort, wo es entstand. Wohl wissend – von Berufs Wegen – dass der Tegernsee reich an literarischer Geschichte und Kultur ist, wunderte sie sich darüber, dass davon kaum etwas vor Ort stattfand.

Stoff aus Jahrhunderten

Dabei bietet das Tal literarischen Stoff aus Jahrhunderten, angefangen bei den Schriften der gelehrten Mönche und den zahlreichen Tegernseer Sagen aus dem Mittelalter über das erste deutsche Liebesgedicht und Kaiserin Sissis Dichtungen vom Tegernsee bis hin zu den viel zu wenig gewürdigten, schreibenden Frauen wie eben Hedwig Courths-Mahler.

Oder auch Grete Weil. Letztere wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter das Bayerische Verdienstkreuz, weil sie für die jüdische Erinnerungskultur in der deutschsprachigen Literatur unerlässlich ist. „Sie wuchs am Tegernsee auf, aber daran erinnerte hier nichts“, so Richardsens Eindruck.

Als ihr eine Ausschreibung des Bundesministeriums für ländliche Entwicklung ins Haus flatterte, war das schon fast der Startschuss zum Projekt. Ziel war es, Initiativen zu fördern, die die kulturelle Identität auf dem Land stärken und bewusst machen. „Das war genau das, was mir beim Tegernseebesuch in den Sinn kam: Die Kultur der Region stirbt, wenn wir sie nicht erinnern“, so Richardsen. „Wenn man das nicht festhält, wird es verloren gehen.“ Zusammen mit ihrem Wissenschaftler-Kollegen Dr. Peter Czoik entwickelte Richardsen deswegen die LiteraTouren, die den Menschen vor Ort diesen Teil ihrer Kultur wieder ins Gedächtnis bringen.

Vom Mutterhof gelangt der Spaziergänger am Ludwig-Ganghofer- und am Stielerhaus vorbei zum Kloster und dem Friedhof Tegernsee, wo Hedwig Courths-Mahler und 16 Jahre später auch ihre Tochter Margarete Elzer begraben wurden. Weil sie ihre Begabung an ihre Töchter weitergegeben hatte und diese ebenfalls zu Bestsellerautorinnen wurden, führt die Route noch weiter: Mit dem Schiff geht es hinüber nach Rottach-Egern zum dort gelegenen Friedhof nahe der eigenwilligen evangelischen Auferstehungskirche.

262 Bücher – aus einer einzigen Feder

Neben Grete Weil, dem Schriftsteller Heinrich Spoerl und dem Maler Olaf Gulbransson hat hier auch Courths-Malers Tochter Friede Birkner ihr Grab. Sie war wie ihre Schwester in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten: Als Birkner 94-jährig starb, hatte sie unglaubliche 262 Bücher veröffentlicht, leichte Kost, die der Unterhaltung diente. Es waren aber nicht zuletzt die Einnahmen aus den vielfach verfilmten Romanen ihrer Mutter, die ihren Wohlstand bis ins hohe Alter sicherten.

Hedwig Courths-Mahler und ihre Töchter Margarete Elzer und Friede Birken am Tegernsee

Hedwig Courths-Mahler und ihre Töchter Margarete Elzer und Friede Birkner am Tegernsee
Foto: Hedwig Courths-Mahler Archiv

Hier an der Auferstehungskirche neben dem Friedhof bietet sich die Gelegenheit zum Innehalten. Man sollte sich Zeit nehmen, um sich niederzulassen. Man kann sich in jene Zeit versetzen, als im Mutterhof die Schreibmaschinen der drei Frauen klappern und sich Seite für Seite mit Geschichten füllen, die das schicksalhafte Leben und Lieben von Frauen mit einem Happy End ausstatten; in die Zeit der letzten Kriegsjahre, als Courths-Mahler ihre Villa mit Nazifamilien teilen muss und Friede Birkner Schreibverbot erhält. Und vielleicht sieht das innere Auge die drei emanzipierten, vom Berlin der 20er Jahre geprägten Damen stolz in bayerischer Tracht am Seeufer flanieren. Dank der begleitenden Texte wird das Spazieren auf den LiteraTouren zum Wandeln zwischen Lesen und Schauen.

Wenn Ingvild Richardsen über das Projekt der Tegernseer LiteraTouren (Telito) spricht, ist sie in ihrer Leidenschaft dafür kaum zu bremsen. Wichtig war ihr bei jeder der Routen die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, mit dem Museum Tegernseer Tal, den Gemeindearchiven und den Bürgermeistern. Richardsen und ihre Kollegen haben in Archiven gegraben, Unbekanntes zu Tage gefördert und mit Einheimischen gesprochen.

Mit Vorträgen, Lesungen und Poetry Slams sollen die Spaziergänge begleitet, die Schulen ins Boot geholt und die Heimatführer geschult werden, damit sich das Projekt langfristig selbst erhält. Schon jetzt sieht so mancher am Projekt Beteiligte die eigene Heimat mit ganz anderen Augen.

Was selbst Einheimische oft nicht wissen

Und das in des Wortes Sinne. Wer weiß schon, dass das Wappensymbol des Tegernseer Klosters, das doppelte Seeblatt nämlich, ursprünglich ein Keuschheitssymbol ist? Könnte sein, dass der eine oder andere, der das Symbol stolz auf der Tracht trägt, erstaunt ist, was er durch die Gegend trägt. Aber auch diese Geschichte kann auf einem der Spaziergänge (Klosterwappen) erlebt und nachgelesen werden.

Auf dem Rundgang „Poetische Glanzlichter“ lernen Interessierte das erste deutsche Liebesgedicht kennen. Sie erfahren, wer der Brandner Kaspar eigentlich war, wo dieser der Legende nach gelebt hat („Im Paradies“) und wo Franz von Kobell diese Geschichte vermutlich niederschrieb (Fürstenstraße 8); dass nicht nur der bekannte Karl Stieler gute Gedichte schreiben konnte, sondern auch seine Tochter Dora, die sonst kaum Erwähnung findet (Stieler-Haus an der Point). Auf unterhaltsame Weise lesen sie von der ebenfalls fast vergessenen Literatin Carry Brachvogel, wie das Dirndl in Tegernsee entstanden ist und später von „stillosen Mondänen … aufgeplundert wurde, daß es mehr an die Maskengarderobe, denn an ein heimisches Sommergewand erinnert.“

Am Ende jeder Route hat der Spaziergänger das Tegernseer Tal nochmal ein bisschen besser kennengelernt, und auch der Person hinter dem Namen Hedwig Courths-Mahler dürfte er ein ganzes Stück nähergekommen sein.

Die zwölf LiteraTouren können Sie im Internet unter www.tegernsee.com/literatouren nachlesen.
In Kürze wird eine App veröffentlicht, die die Spaziergänge mit den passenden Hörgeschichten begleitet.
Im Frühjahr erscheint ein Begleitheft im Volk Verlag.

Ingvild Richardson Tegernseer Literatouren Telito

Dr. Ingvild Richardsen tauchte für ihre Recherchen zum Projekt Telito tief in die literarische Geschichte des Tals ein.
Foto: Daniel Biskup

19. 1. 2022|

Der perfekte Wintermoment

Am alten Bad

Die erfolgreiche Tegernseer Illustratorin Katharina Bourjau lässt uns zu jeder Jahreszeit das Tegernseer Tal mit ihren Augen erblicken. Den besonderen Wintermoment hat sie exklusiv für die Seeseiten festgehalten.

Text und Illustration: Katharina Bourjau

Katharina Bourjau Illustration Tegernsee

Mit Klick auf das Bild sehen Sie die komplette Ansicht.

Eigentlich wissen alle alles vom Tegernsee. Aber das Alte Bad in Wildbad Kreuth ist dann doch irgendwie immer noch ein Geheimtipp geblieben. Als Kinder haben wir an dem kleinen Bach gerne gespielt, Staudämme gebaut und Fische beobachtet. Vor ein paar Jahren habe ich mit Freunden im eingeschneiten Gasthaus in der Abgeschiedenheit und Stille Silvester gefeiert. Seitdem habe ich dieses besondere Winterbild in meinem Kopf gespeichert und jetzt auf Papier gebracht.

Vielleicht wird bei dieser winterlichen Illustration der ein oder andere an die alten Wintersport Plakate aus St. Moritz oder Kitzbühel erinnert. Der grafische Stil und die Anmutung dieser Bilder beeindrucken mich immer noch so sehr, dass ich bis heute Postkarten aus diesen Regionen sammle. Besonders bewundere ich den österreichischen Maler Alfons Walde, der mit seinen Wintermotiven bekannt wurde und auch das berühmte Logo von Kitzbühel, die rote Gams, entwarf. Er ist einer meiner „persönlichen Picassos“. Seine Arbeiten sind für mich immer wieder eine Inspiration. Daher habe ich mich bei dieser Zeichnung vom Gasthaus Altes Bad mit der kleinen Kapelle nebendran an eine oft verwendete Farbkombination des Künstlers angelehnt. Die Landschaft ist in Dunkelblau, graublaue Nuancen, warmes Rot, strahlendes Weiß und Creme-Weiß getaucht.

Weniger ist mehr

Eigentlich hätte ich, um es auf die Spitze zu treiben, in dieses fast surreal idyllische Motiv noch eine Pferdekutsche hineinzeichnen können. Aber genau das wäre zu viel des Guten gewesen. Es sind die Stille und die ruhigen Flächen im Motiv, die die Einfachheit betonen und den Moment einprägsam machen. So fühlt sich die fertige Komposition richtig und vertraut an. Sie passt zu meiner Erinnerung und zur Stimmung an diesem Wintertag.

Im Sommer sollte man unbedingt noch weiterwandern zu den Siebenhütten-Almen, rät die Illustratorin. Im Winter hingegen ist der Weg lawinengefährdet. Da empfiehlt sie einen Kaiserschmarrn im Gasthaus Altes Bad.

Einen Teil Ihrer Arbeiten zeigt Katharina Bourjau auf Instagram (@katharinabourjau).

11. 1. 2022|

Computergestützte Kosmetiktrends

Hightech Beauty

Die computergestützte Hautanalyse macht es möglich. Mit neuester Technik gibt es in Sachen Kosmetik jede Menge zu entdecken. Und das sogar in der eigenen Haut. Die Gmunder Kosmetikerin Desiree Renaud zeigt, wie es funktioniert.

Text: Susanne Mayr

Kosmetiktrends

Die Fluoreszenztechnologie in Kombination mit verschiedenen Licht- und Polarisationsfiltern zeigt die Haut in verschiedenen Modi und gibt Desiree Renaud wichtige Informationen zur Beurteilung der Haut.
Foto: Susanne Mayr

Fettig, empfindlich, trocken – so ganz weiß man nie, wie die eigene Haut beschaffen ist. Häufig liegt man mit seiner Einschätzung daneben. Die Beauty-Expertin Desiree Renaud von Reviderm Skinmedics in Gmund kennt das nur zu gut: „Viele glauben beispielsweise, dass ihre Haut glänzt und deshalb fettig ist. Das Gegenteil ist meist der Fall und sie haben eher trockene Haut“, so die Expertin. So kann man sich täuschen. „Denn wenn sie keine richtige Feuchtigkeitscreme verwenden, produziert der Körper zu viel Fett, damit die Haut in Einklang kommt und schon glänzt die Haut.“ Bleibt die Frage: Wenn man seinen eigenen Augen nicht trauen kann, wem dann?

Bildbasierte Analyse des Hautzustands

Der Check-up: Um solchen und vergleichbaren Problemen entgegenzuwirken, nutzt die Kosmetikerin ein Hightech-Tool, das Hautanalysegerät. Der Kopf wird für ein paar Minuten in eine futuristisch anmutende „große Kugel“ gesteckt, das Gerät analysiert die Haut dann mit verschiedenen Licht- und Polarisierungsfiltern. Was herauskommt sieht erst einmal schlimm aus: Kleinste Fältchen, Sonnenschäden oder Rötungen werden plötzlich sichtbar. Doch diese Darstellung hilft der Kosmetikerin dann dabei, die richtige Behandlung für die jeweiligen Kunden zu finden. „Wir kennen so den Ist-Zustand der Haut und was sie braucht“, erzählt Desiree Renaud. „Das hilft nicht nur mir, sondern auch den Kunden, ihre Haut besser zu verstehen.“ Oft ist es nämlich so, dass die Haut gar nicht so schlecht beschaffen ist, aber auf ihrer Oberfläche viele alte Hautschüppchen liegen, die die Poren verstopfen und die Haut wie eine Schicht abdecken. „Dann kann man noch so viel gute Pflege verwenden, sie kommt einfach nicht dort an, wo sie hingehört“, so die Beauty-Expertin weiter. Nach der Analyse kommt die Behandlung. Im nächsten Schritt folgt dann erst einmal ein Peeling, um die Haut wieder aufatmen zu lassen.

Es gibt heute zahlreiche technologiegestützte Behandlungsmethoden für die Haut.
Foto: Thomas von Aagh für Reviderm

Technologiebasierte Treatments

„Wir haben dazu je nach Hautbeschaffenheit verschiedene Möglichkeiten“, so die Kosmetikerin. „Zum Beispiel die Microdermabrassion“. Dabei treffen ultrafeine Kristalle mit hoher Geschwindigkeit auf die Haut und werden mit einem Vakuum wieder abgesaugt. So werden die abgestoßenen Hautschüppchen abgetragen. „Der Effekt ist toll, die Haut strahlt, ist gut durchblutet und wirkt gesund und rosig“, schwärmt Renaud.

So gereinigt, kann dann mit der typgerechten Pflege gestartet werden. Und damit diese intensiv und zielgenau in der Haut wirkt, hat Desiree Renaud noch mehr Hightech-Apparaturen auf Lager. Zum Beispiel Ultraschall. Die Wirkstoffe werden dadurch tiefer in die Hautschichten eingeschleust und die Haut speichert sie besser. Dabei wird zuerst ein Wirkstoff oder ein Pflegeprodukt auf die Haut aufgetragen und dann mit dem Ultraschallgerät in die Haut eingebracht.

Noch mehr Anti-Aging schafft der sogenannte „Vega“. Das Gerät arbeitet mit elektrischen Strömen im Radiofrequenzbereich. Die nicht-invasive Behandlung regt die Kollagen-Produktion tief in der Haut an. Dazu wird ein Mimik- oder Konturenserum aufgetragen, darüber dann ein spezielles Gel gestrichen, das die Frequenz weiterleitet. Anschließend bringt das Gerät die Pflege mit Hilfe von thermischer Wärme in die Haut und stimuliert dort die Reparaturmechanismen. Dabei sieht man nach einer Kurbehandlung von sechs Wochen und einer Behandlung pro Woche deutliche Erfolge.

Alles sichtbar: Auch Sonnenschäden und trockene Stellen zeigt das Hautanalysegerät an.
Foto: Susanne Mayr

Aber auch die altbewährte Microneedling-Behandlung, also bewusst herbeigeführte Mikroverletzungen, um die hauteigene Regenerationskraft zu steigern, wird in Form eines Gerätes wirksamer und sicherer.

„Um diesen Effekt zu erreichen, wird die Nadeltiefe vorher genauestens eingestellt“, erklärt Renaud die Technik. Die Kosmetikexpertin arbeitet dazu in der mittleren Hautschicht. Während der Behandlung „sticht“ das Gerät kleine Nädelchen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10.000 Nadelstichen pro Minute in die Haut und kurbelt, mit dem Ziel einer Faltenreduzierung, die dafür nötige Kollagenproduktion an.

Profi-Pflege mit Hausaufgaben

So gepflegt sieht die Haut erst einmal richtig toll aus. Damit das auch so bleibt, empfiehlt Expertin Desiree Renaud auch für zu Hause die richtigen Produkte. „Es geht mir nicht darum, dass die Kundin dann hier zehn Produkte kauft, sondern dass sie für ihren individuellen Hauttyp genau das richtige bekommt.
Es gibt Menschen, die brauchen nur wenig Pflege, andere haben anspruchsvollere Haut, und da muss man dranbleiben.“ Deshalb gibt die Beauty-Fachfrau ihren Kunden und Kundinnen gerne als Hausaufgabe einen Pflegeplan mit, schließlich soll der Erfolg nicht nur kurzfristig sein. „Mir ist wichtig, dass sich jeder in seiner Haut wohlfühlt. Und je mehr man dafür zu Hause tut, umso schneller geht das.“

Reviderm Skinmedics Gmund am Tegernsee
Tegernseer Str. 14, Gmund
www.reviderm-skinmedics-tegernsee.de

23. 12. 2021|

Ludwig Klitzsch

Der Möglichmacher

Aus dem gefährdeten Erbe der Eltern eine ganze Unternehmensgruppe gemacht, daneben engagiert für die Heimat und dann auch noch glücklicher Familienvater: Was aufs erste Lesen nach klassischem Plot einer Inga-Lindström-Verfilmung klingt, hat Ludwig Klitzsch zur Realität gemacht. Mit Romankitsch hat diese Geschichte allerdings nichts zu tun. Vielmehr mit zielstrebiger, harter Arbeit. Und mit Mut und Begeisterung für Innovationen. Über einen Mann, der vieles bewegt – und der trotzdem nicht gerne im Mittelpunkt steht.

Text: Christian Jakubetz

Ludwig Klitzsch Kirinus GmbH

Ludwig Klitzsch trat in jungen Jahren an, das Lebenswerk seiner Großeltern und Eltern zu retten.
Foto: Kirinus Kliniken

Reden wir erst mal über nüchterne Fakten. Rund achthundert Menschen arbeiten für die Kirinus GmbH. Sie betreibt Kliniken am Tegernsee und im Großraum München und ist u.a. an einem digitalen „Einhorn“ beteiligt. Dass diese Gruppe in nur 15 Jahren in dieser Form so entstanden ist, hat viel mit dem Mastermind dahinter zu tun.

Allerdings: Vor 15 Jahren war es keineswegs ausgemacht, dass Klitzsch zum Chef seiner eigenen großen Health-Gruppe werden würde. Den Begriff „Konzern“ verwendet er dabei bewusst nicht, im Gegenteil: „Konzern, das steht für vieles, was wir nicht sein wollen. Wir sind ein Familienunternehmen.“ Die Gruppe also, die kein Konzern sein soll, war damals in einem wenig zukunftsträchtigen Zustand. Noch ein paar Jahre mehr – und es wäre womöglich vorbei gewesen.

Für den damals 28-jährigen Ludwig Klitzsch ist die Heimkehr an den Tegernsee nicht unbedingt eine naheliegende Option. Nach dem BWL-Studium in St. Gallen macht er schnell Karriere in großen Konzernen (die diesen Namen für sich auch wirklich voller Stolz in Anspruch nehmen). Die beiden Kliniken am Tegernsee, von den Großeltern gegründet, sind nicht nur geographisch einigermaßen weit weg.

So könnte es auch weitergehen, aber seine Frau Ursula, die er während des Studiums kennenlernt, drängt ihn, sich um den Betrieb zuhause zu kümmern. Denn der ist in einem bedenklichen Zustand.

Die Firma retten – im Fall von Ludwig Klitzsch hat dieser Antrieb auch viel mit seiner Vergangenheit zu tun. Sein Vater stirbt, als er elf Jahre alt ist. Der einzige Sohn der Unternehmerfamilie vom Tegernsee muss zusehen, wie das Lebenswerk seiner Großeltern und Eltern in Gefahr gerät. Klitzsch folgt schließlich dem Rat seiner Frau. 2007 kehrt er an den Tegernsee zurück.

Erstmal alles umbauen

Ludwig Klitzsch wird allerdings auch schnell klar: „Wenn ich das hier mache, dann muss ich einiges verändern.“ Und so beginnt der 28-jährige Firmenerbe mit einem Umbau der Kategorie „Kein Stein bleibt auf dem anderen“. Zwei Häuser umfasst das Familienunternehmen, beide unter der Verwaltung eines Testamentsvollstreckers. Man muss kein Betriebswirt sein, um zu ahnen: Ein solcher „Vollstrecker“ macht alles Mögliche, aber ein Unternehmen entwickeln, nach vorne bringen, das kann er nicht und das ist auch nicht sein Job.

Neuausrichtung, Expansion also. Das jungvermählte Ehepaar Klitzsch legt ein Tempo vor, das so gar nicht zu der beschaulichen Vergangenheit der beiden Kliniken passt. Klitzsch erkämpft sich die Führung des Familienunternehmens gerichtlich, danach wird saniert, dazugekauft. Klitzsch ist kein Mediziner, dafür aber ein Betriebswirt, der weiß, dass man in Zeiten der großen Umbrüche nicht einfach weitermachen kann wie bisher. Vor allem die Digitalisierung treibt ihn um. Klitzsch richtet das Unternehmen auf klare Schwerpunkte aus: Psychosomatik, Innere Medizin und Orthopädie. Innovation ist ihm wichtiger als Größe: „Wir wachsen nicht um jeden Preis“, sagt er.

Fasst man es also zusammen, lassen sich die vergangenen 15 Jahre schnell bilanzieren: Aus zwei in der Existenz be- drohten Kliniken macht Klitzsch eine Gruppe mit 800 Mit- arbeitern, einem Dutzend Häuser – und mittlerweile auch einer Digitalstrategie, die man in dieser Konsequenz eher selten findet. Das Erfolgsgeheimnis? Die Mitarbeiter, sagt er, natürlich. Er ist erkennbar stolz darauf, Menschen um sich zu haben, auf deren Rat er jederzeit vertrauen kann. Seinen eigenen Beitrag zu dieser Geschichte ordnet er da- gegen eher in die Kategorie „nicht der Rede wert“ ein. Der Chef als einer, der die Dinge ermöglicht, andere ermutigt. Understatement oder Überzeugung? Vermutlich eine Mi- schung aus beidem.

Klinik Alpenpark Bad Wiessee

Kernstück der Kirinus Gruppe ist die Klinik „Alpenpark“ in Bad Wiessee.
Foto: Kirinus Health

Der heute 43-jährige selbst lässt keinen Zweifel daran, dass er alles andere als ein klassischer Patriarch ist. Spricht er über sein Unternehmen, dann fallen oft Begriffe wie „Team“ oder „Mitarbeiter“. Konzernkulturen verpönt er. Und Menschen, die brauchen „Raum zur Entfaltung“, glaubt er. Man könnte also Klitzsch vermutlich jederzeit ohne Vorberetung als Referent in ein Seminar über moderne Unternehmensführung stecken.

Auch rein äußerlich sieht man ihm den Macher, den Manager, den Chef einer Gruppe von 800 Mitarbeitern nicht sofort an. Zumindest dann nicht, wenn man bei Unternehmenslenkern an die handelsüblichen Klischees denkt. Das breitbeinige Auftreten des Firmenchefs alter Tage ist so gar nicht seins.

Mit Slim Fit hat er nichts am Hut

Stattdessen: eine gediegen konservative Erscheinung, Janker zum klassischen blauen Businesshemd. Kein Christian-Lindner-artiges Slim Fit, stattdessen eher Einkäufe in einem Tegernseer Laden. Und dass Klitzsch in weißen Sneakern zum Anzug daherkäme, kann man sich auch nicht so recht vorstellen. Tegernseer Tracht statt Berliner Bubble. Mit der Daueraufgeregtheit des digitalen Zeitalters kann er nichts anfangen.

Der latent in ihm ruhende Feingeist kommt stattdessen auch in Kleinigkeiten zum Vorschein. Zum verabredeten Gesprächstermin ist Klitzsch sekundengenau pünktlich, jeder Schweizer wäre beeindruckt. Trotzdem bittet er um eine kurze Pause. „Es war ein langer Tag mit vielen Gesprächen“, sagt er. Kurze Zeit also zur inneren Sammlung, dann Hände an die Teetasse, Konzentration, weiter geht es, So, als hätte der Tag gerade erst begonnen. Klitzsch spricht leise, trotzdem sehr bestimmt. Und nahezu druckreif. Man braucht viel Disziplin, will man arbeiten wie Ludwig Klitzsch.

Klingt das alles nach einem, der sich zurücklehnt und zufrieden auf das Erreichte blickt? Das wäre ein Trugschluss. Schließlich ist Klitzsch nicht einfach ein Verwalter seiner Kirinus GmbH. Unter dem Label „Ideamed“ versammelt erinzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen. Die Palette reicht von Tageskliniken bis hin zur eigenen Digital-Unit, mit der er die künftigen Veränderungen im Gesundheitswesen mitgestalten will.

Zwischen Euphorie und Pragmatismus

Und da steht das Thema Digitalisierung weit oben. Ein Thema, das Klitzsch in einer verblüffenden Mischung aus Pragmatismus und Euphorie betrachtet. „Entweder“, glaubt er, „Sie bauen die neue Organisation, die die Digitalisierung bringt. Oder jemand anderes tut es.“ Der Pragmatiker Klitzsch entscheidet sich dafür, es lieber selbst zu tun. Ein bisschen Staunen kann er sich bei diesem Thema dennoch nicht verkneifen. Den Begriff der Digitalisierung, findet er, den dürfe es gar nicht geben. Weil es mittlerweile kaum ein Unternehmen mehr gibt, „das nicht irgendwelche digitalen Aspekte drin hat.“

Zu den digitalen Verhinderern gehört Ludwig Klitzsch also ziemlich sicher nicht: „Ich kann mich bei solchen Themen sehr begeistern, vielleicht sogar zu viel. Mein Management muss mich dann schon mal vor teuren Fehlern schützen.“ Da bricht dann kurz der Euphoriker durch.

Die letzten größeren digitalen Engagements von Klitzsch waren hingegen sicher kein Fehler. Er stieg als Investor beim Terminvermittlungs-Portal „Doctolib“ ein, das vor allem während der Corona-Pandemie auch in Deutschland populär wurde. Komplett übernahm Klitzsch mit sener Unternehmensgruppe das Berliner Coaching-Start-up Vivelia. Das Unternehmen bietet Beratung und Coaching per Videosprechstunde an.

Wenn man den Unternehmer und den Menschen Klitzsch verstehen will, dann hilft es, mit ihm über das Engagement bei Doctolib zu sprechen. Zur Einordnung: Doctolib gilt inzwischen als Einhorn. Einhörner bzw. Unicorns sind Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar vor dem Börsengang oder einem Exit. Oder noch klarer: Doctolib ist mittlerweile eines der wertvollsten Health-Unternehmen in Europa.

Trotzdem wiegelt Ludwig Klitzsch ab: „Wir sind da nur ein kleiner Investor“, sagt er. Dagegen lobt er Doctolib-Gründer Stanislas Niox-Chateau als „den großartigsten Digital-Unternehmer, den ich kenne“. Sowas macht Klitzsch gerne. Einen Schritt zurücktreten und stattdessen die Bedeutung anderer zu betonen.

Ludwig und Ursula Klitzsch

Ludwig Klitzsch hört gern auf andere Menschen, besonders auf Ehefrau Ursula.
Foto: Kirinus Health

Vorzeige-Familie? Den Begriff würde er vermutlich nicht gerne hören wollen

Neben dem Unternehmer gibt es den Privatmann. Der private Ludwig Klitzsch hält, was das Äußere verspricht. Heimatverbunden, bodenständig, sein Sinn für Extravaganzen ist in jeder Hinsicht überschaubar. Verheiratet mit Studentenliebe Ursula, vier Kinder, sozial und kulturell engagiert. Eine bayerische Vorzeige-Familie, auch wenn Ludwig Klitzsch selbst es vermutlich nie so nennen würde. Oder aber das größte Verdienst an dieser Entwicklung seiner Frau zusprechen würde.

Der Privatmann Klitzsch tritt ebenso als Mäzen auf wie als Tourismusbeirat der Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Er hat 7200 Fotoplatten aus den Jahren 1891 bis 1934 des Tegernseer Ateliers Josef Reitmayer gekauft und lässt die Neugestaltung der Alpenpark-Klinik von Architekten-Ikone Matteo Thun vornehmen. Das alles, wie es seine Art ist. Er macht, ohne Aufhebens zu machen. Bei ihm gilt: Leichter getan als gesagt. Bei anderen wäre es eventuell umgekehrt.

Diese Sache mit dem Alpenpark steht ohnehin exemplarisch sowohl für den Menschen als auch den Unternehmer Klitzsch. Für die Modernisierung und Erweiterung holt er sich die Architekten-Ikone Mattheo Thun an Land. Und das aus der Überzeugung heraus, dass jemand wie Thun exakt weiß, was dort zu tun ist. Klitzsch schafft den Rahmen, Thun setzt es um. So laufen die Dinge bei ihm meistens. Was aber nur geht, weil sich Ludwig Klitzsch zurückzunehmen weiß. Wäre er Fußball-Trainer, hätte er vermutlich vor allen anderen den Spruch „Der Star ist die Mannschaft“ in die Welt gesetzt.

Und beinahe wie nebenbei ist er Vorstandsmitglied im Verband der privaten Krankenanstalten in Bayern und erster Vorsitzender des Verbands der psychosomatischen Krankenhäuser und Krankenhausabteilungen in Deutschland. Und außerdem sind noch ein paar Dinge in Planung, die zur Drucklegung dieses Heftes nicht spruchreif waren. Rechnet man das alles zusammen, müsste der Tag von Ludwig Klitzsch ungefähr 29 Stunden haben.

Wie man das alles hinbekommt? Ein leises Lächeln. Er habe halt lauter gute Leute um sich rum. Und überhaupt: „So viel Aufwand, wie Sie meinen, ist das alles gar nicht.“ Ludwig Klitzsch hört gerne auf andere Menschen und vertraut auf ihre Fähig­keiten. Bei der Neugestaltung des Alpen­parks sind das vor allem Architekten­-Ikone Matteo Thun und Ehefrau Ursula.

Wenn das so ist, dann darf man vermuten, dass die (Erfolgs-)Geschichte Ludwig Klitzsch noch lange nicht an ihr Ende gekommen ist.

Einblicke in das Engagement von Ludwig Klitzsch außerhalb der Kirinus-Gesundheitsgruppe liefert auch die Ausstellung der Fotosammlung von Josef Reitmayr. Sie ist auch virtuell zu sehen unter: www.reitmayer-ausstellung.de

Alpenpark Klinik Neugestaltung

Mit der Neugestaltung der Alpenpark Klinik hat Klitzsch Matteo Thun beauftragt.
Foto: Kirinus Health

16. 12. 2021|

Der Auerhahn im Tal

Atemlos durch die Balz

Sollten Sie einmal einem Auerhahn begegnen, seien Sie vorsichtig. Denn wenn Sie ihm in einem unpassenden Moment über den Weg laufen kann, kann so ein Vogel schon mal sehr ungehalten reagieren.

Text und Fotos: Florian Bossert

Auerhahn

Der Auerhahn ist der größte Hühnervogel Europas.

Manchmal gehen mit dem Auerhahn die Hormone durch. Erst kürzlich habe ich das nahe unseren Bergen erlebt: ein balztoller Auerhahn. So nennt man die Tiere dann, wenn sie wegen eines anhaltend hohen Testosteronspiegels über Wochen unter Dauerstress stehen.

Der Name ist Programm. Ist der Auerhahn „balztoll“, geht er auf alles los, was sich in der näheren Umgebung befindet. Selbst der Mensch erscheint ihm dann als Rivale. Das ist für den Auerhahn ungesund. Menschen sollten sich dann allerdings auch in Acht nehmen. Weil der Hahn schon sehr angeschlagen war, haben wir ihn eingefangen und in ruhigere Gefilde umgesiedelt. Eine kleine Erfolgsgeschichte war das. Denn kaum aus der Kiste gesprungen stellte er die Balz ein, pickte Heidelbeerblätter, begann zu fressen und beruhigte sich.

Auch in den Wäldern des Tegernseer Tals entlang der Weißach bei Kreuth sowie rund um Bad Wiessee fühlt sich das Auerhuhn wohl. Es stammt wie das Birkhuhn aus Skandinavien. Die Nadelwälder und Blaubeerbestände in den Vorbergen rund um den Tegernsee sind genau das, was Auerhühner suchen. Allerdings braucht der Vogel lichte Wälder, damit er Platz zum Fliegen hat. Denn der Auerhahn ist der größte Hühnervogel Europas.

Fress-Stress: Im Juni wiegt das Küken 30 Gramm. Bis November muss ein Männchen mindestens drei Kilo erreichen, um den Winter zu überleben.

Es ist erstaunlich, wie so ein großes Tier so unauffällig leben kann, dass man es eigentlich fast nie zu Gesicht bekommt. Aber wenn der Auerhahn, so schwer er auch ist, tatsächlich einmal fliegt, dann hört man das auch: Es klingt, als ob ein großer Stein landet. Dabei wiegt das Küken, wenn es im Juni schlüpft, gerade einmal 30 Gramm. Bis November hat ein Männchen dann nur vier Monate Zeit, mindestens drei Kilo zu erreichen, bevor der Winter kommt. Das ist eine enorme Fressleistung. Wenn das Küken das nicht schafft, kommt es nicht über den Winter.

Leider ist das Auerhuhn unser größtes Sorgenkind. Der Bestand ist im freien Fall. Die Klimaerwärmung lässt viele junge Buchen in den Wäldern wachsen, die schnell den Waldboden bedecken. Der Vogel findet nichts mehr zu fressen. Es ist also nicht immer sinnvoll, den Wald Wald sein zu lassen. An ausgewählten Stellen müssen wir der Entwicklung entgegenwirken, um diesen Lebensraum zu erhalten.

Früher wurde der Auerhahn viel gejagt. Man hatte leichtes Spiel mit ihm – und auch das hatte mit der Balztollheit zu tun. Die Jäger machten sich einfach den Moment zu Nutze, wenn er während der Balz seine typischen Glucksgeräusche machte. Während dieser wenigen Sekunden nämlich sind bei ihm alle Sinnesorgane ausgeschaltet, er sieht nichts, er hört nichts, er merkt nichts. Dann ist der Auerhahn leichte Beute.

STECKBRIEF

Auerhahn – Tetrao urogallus

Größe: etwas größer als eine Hausgans

Gewicht: Hahn bis 5 kg, Henne etwa 2,5 kg

Aussehen: Hahn – dunkelgrau/-braun und schwarz gefärbt mit metallisch glänzendem grünem Brustschild
Henne – unauffällige „Tarnfarbe“ in braun/gelber Färbung mit Querbändern

Lebensraum: lichte, lückige und nadelbaumreiche (vor allem Tanne) Wälder mit Totholz. Altbestände mit tiefbeasteten Tannen, viel Bodenvegetation und Beersträu- chern (vor allem Heidelbeere).

Balzzeit: März–Ende Mai

Brut- und Aufzuchtzeit: Juni–August

Nahrung im Sommer: Heidelbeerblätter und -beeren, Samen, Knospen
im Winter: Nadeln und Knospen von Tanne, Kiefer, Fichte und Buche

AUFGEPASST: Wer einem balztollen Auerhahn begegnet ist, sollte das unbedingt den Gebietsbetreuern und dem Vogelschutz melden.

13. 12. 2021|

Was tun Sie gerade?

Martina Gistl

Die Handsiebdruckerin und Stoffliebhaberin in Gmund, Gasse, erzählt von ihrer Leidenschaft.

Interview: Susanne Mayr

Handdruckerei Gistl Tegernsee

Martina Gistl fand vor zehn Jahren per Zufall zu dem Handwerk.
Foto: Urs Golling

Wir bedrucken gerade eine 100 Jah-re alte Leinentischdecke, die aus ei-nem historischen Aussteuerschrank stammt. Das ist auch für uns etwas Besonderes, denn so einen hochwertigen und gut gewebten Stoff findet man heute nur noch selten.

Und was wäre, wenn Sie sich jetzt verdrucken?
(lacht) Dann hätten wir es wohl buchstäblich versiebt! Aber im Ernst, ich muss gestehen, dass mein Herz bei solchen Arbeiten immer noch höher schlägt, weil wir alles mit viel Hingabe und Genauigkeit machen. Und natürlich möchte ich, dass das Ergebnis sehr gut ist.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses alte Handwerk auszuüben?
Das war mehr ein Zufall. Eine Freundin erzählte mir, dass eine Handdruckerei in Miesbach schließt und da ich gerade dabei war, mich neu zu finden, habe ich es mir mal angeschaut. Schon nach drei Tagen stand fest: Das will ich machen. Nach einer kurzen Einführung habe ich dann angefangen, Stoffe selbst zu bedrucken. Und heuer ist unser Zehnjähriges.

Können Sie uns etwas mehr über Ihre Arbeit erzählen?
Idealerweise gibt es meine Arbeiten immer nur einmal. Das heißt, ich frage die Kunden vorher, was genau sie sich vorstellen. Ich helfe bei Stoffauswahl, Muster und Druckfarbe etc. Schon alleine deswegen, weil es unzählige Kombinationen und Variationen gibt. Mein Drucktisch ist gut sechs Meter lang und somit kann ich große Bahnen fertigen. Gerne nenne ich mich auch „Stoffschreiner“. Nur ist mein Werkstoff hauptsächlich Stoff. Wobei ich auch schon eine Holzrückwand und dazu passende Vorhänge aus Altleinen mit dem gleichen Muster bedruckt habe.

Fertige Mustersiebe in der Werkstatt der “Stoffschreinerin”.
Foto: Susanne Mayr

Welche Muster verwenden Sie generell?
Wir arbeiten mit vielen verschiedenen Mustersieben. Es gibt zum Beispiel Blumen, Ranken, Karos oder Streifen. Jedes Muster hat einen eigenen Namen. Einige davon kann man individuell kombinieren, und es entsteht daraus wieder etwas Neues. Auch eigene Firmenmuster für Hotels, Gästehäuser, Raumausstatter und Designer, aber auch für Privatpersonen haben wir so schon entwickelt.

Haben Sie selbst ein Lieblingsmuster?
Ja, das Tegernseer, es ist so variabel. Ehrlich gesagt habe ich aber viele, und oft sind wir überrascht, wie eine neue Kombination in Farbe oder ein anderer Stoff das Muster wieder grundlegend verändert. Kleine Ursache, große Wirkung.

Auf welchen Materialien können Sie drucken?
Da bin ich sehr experimentierfreudig. Wir drucken auch auf Papier für Karten, Leder und fast alles, was sich Stoff nennt. Am liebsten bedrucke ich jedoch hochwertige Naturstoffe, denn die Qualität soll zum Aufwand meiner Arbeit passen.

Gibt es auch bereits fertige Ware bei Ihnen zu kaufen?
Selbstverständlich. Unsere Kissen und Tischdecken sind in vielen Farben bereits von unseren Schneiderinnen genäht. Außerdem haben wir viel Nützliches für den Alltag, wie Filztaschen, Stirnbänder und Rucksäcke. Alles wurde ausschließlich per Siebhanddruck bearbeitet.

Die Arbeit von Martina Gistl können Sie auch auf Instagram anschauen (@handdruckereigistl).
www.handdruckerei-gistl.de

Gistl bedruckt fast alles, was aus Stoff ist und andere Materialien.
Foto: Susanne Mayr

3. 12. 2021|

Seeseiten online lesen

ePaper: Seeseiten-Ausgabe 67, Winter 2021

Die aktuelle Ausgabe zum Lesen auf dem Bildschirm.

Klicken Sie rechts unten auf die eckigen Klammern, um in den Vollbildmodus zu gelangen.

Die Winterausgabe der Seeseiten mit u.a. folgenden Themen:

  • Das Tal auf LiteraTouren: Auf den Spuren der großen Autoren des Tegernsees
  • Simmerl, Sänger, Söder: Interview mit dem Kabarettistenund Musiker Stephan Zinner
  • Helfer in der Not: Wie Ärzte mit ihrem Engagement Leben retten

ePaper Ausgaben

Seeseiten-Ausgabe 67,
Winter 2021

Seeseiten Titelseite Herbst 2021

Seeseiten-Ausgabe 66,
Herbst 2021

Seeseiten Titelseite Sommer 2021

Seeseiten-Ausgabe 65,
Sommer 2021

Seeseiten-Ausgabe 64,
Frühling 2021

Seeseiten Tegernsee Titelseite Winter 2020

Seeseiten-Ausgabe 63,
Winter 2020

Seeseiten Tegernsee Titelseite Herbst 2020

Seeseiten-Ausgabe 62,
Herbst 2020

Seeseiten Ausgabe Sommer 2020 Titelseite

Seeseiten-Ausgabe 61,
Sommer 2020

Seeseiten Titelseite Ausgabe Frühling 2020

Seeseiten-Ausgabe 60,
Frühling 2020

Seeseiten Ausgabe Winter 2019 Titelseite

Seeseiten-Ausgabe 59,
Winter 2019

Seeseiten Titelseite Herbst 2019

Seeseiten-Ausgabe 58,
Herbst 2019

Seeseiten-Ausgabe 57,
Sommer 2019

Seeseiten Titelbild 2019 Frühling

Seeseiten-Ausgabe 56,
Frühling 2019

Seeseiten Titelbild 2018 Winter

Seeseiten-Ausgabe 55,
Winter 2018

Seeseiten Titelbild 2018 Herbst

Seeseiten-Ausgabe 54,
Herbst 2018

Seeseiten Titelbild 2018 Sommer

Seeseiten-Ausgabe 53,
Sommer 2018

Seeseiten Titelbild 2018 Frühling

Seeseiten-Ausgabe 52,
Frühling 2018

Seeseiten Titelbild 2017 Winter

Seeseiten-Ausgabe 51,
Winter 2017

24. 11. 2021|

Kabarettist Stephan Zinner

Der Schinkennudel-Blues-Bayer

Geht‘s eigentlich noch bayerischer? Er spielt den Metzger Simmerl in den Eberhofer­-Krimis, doubelte 15 Jahre lang den Ministerpräsidenten am Nockherberg, macht Kabarett und singt bayerische Mundart. Außerdem isst er am liebsten Schinkennudeln und trinkt bevorzugt ein Helles. Wenn er Musik macht, sind aber gerne mal Einflüsse aus der ganzen Welt dabei: Country, Rock, Blues. Und überhaupt: In die berühmten Schubladen steckt man einen wie Stephan Zinner nicht so leicht. Zeit für eine Spurensuche.

Interview: Christian Jakubetz

“Der Derbste und ,Krachertste‘ bin ich nicht. Aber ich lang schon mal hin.”
Foto: Gerald von Foris

Vermutlich bekommen sowas nur Bay- ern hin: Trotz der äußeren Brummbärigkeit kann Stephan Zinner rasend schnell reden, gestikulieren und dabei dennoch die Behaglichkeit eines Kachelofens ausstrahlen. Kurz gesagt, man fühlt sich schnell wohl in seiner Umgebung und landet sofort beim „bayerischen Du“. „Servus“, sagt er zur Begrüßung. Und zu so einem sagst du nicht: Guten Tag, Herr Zinner.

Wobei ein wenig förmlicher Respekt schon angebracht wäre. Zinner ist Schauspieler, Musiker und Kabarettist in einem, seine Auftritte in den Verfilmungen der Rita-Falk-Krimis und als Söder-Double auf dem Nockherberg haben Millionen Menschen gesehen. Trotzdem mag Zinner auch die kleine Bühne, wo er es wiederum fertigbringt, bayerische Mundart genauso zu spielen wie U2.

Stephan, kein Witz, ich habe vor kurzem eine Frau über 50 mit Zöpfen gesehen. Und dann musste ich an deinen gleichnamigen Song denken („Frauen über 50 mit Zöpfen“) und dann wiederum gingen mir die Sachen durch den Kopf, die einen heutzutage ja schnell beschleichen: Sexismus, Altersdiskrimi­nierung, das ist alles fürchterlich inkorrekt. Hat das schon mal jemand  zu dir gesagt: So geht das nicht, das ist ja Sexismus?
Ob das als Sexismus bewertet wurde, weiß ich nicht. Aber dafür hat schon mal eine Dame zu mir gesagt: „Das haben Sie aber nicht nötig, Herr Zinner!“ Klar kann man vordergründig in diese ganze Diskriminierungs-Debatte einsteigen. Aber darum geht es in diesem Stück ja gar nicht. Das Thema ist das Älterwerden und die Schwierigkeiten, die man damit hat. Das betrifft Männer genauso. Es geht darum zu wissen, wo man ist in diesem Alter. Und wie man damit umgeht. Das ist den meisten ja auch durchaus bewusst. Aber klar, es gibt immer ein paar, denen es wichtig ist, dass alles politisch korrekter ist. Ob das dann auch immer besser ist, ist die andere Frage.

Ich habe bei den ganzen Korrektheits-­Debatten oft den Ein­druck, dass sie im Gegensatz zur Idee des Kabaretts stehen. Bei Kabarett und Satire geht es doch nicht darum, dass so eine kuschelige Kuhstallwärme entsteht und alle sich wohl fühlen. Und gerade bayerisches Kabarett, da wird schon aus alter Tradition heraus gerne mal fester hingelangt. Wie derb darf es bei dir und deinem Kabarett sein?
Also, „derb“, das liegt mir nicht so. Da gibt es ein schöneres bayerisches Wort dafür: „krachert“ (Anmerkung d. Red.: Das lässt sich leider nicht wirklich übersetzen). Ich bin sicher in meinen Programmen nicht immer der reine Florettfechter. Das darf schon mal sein, dass man in einer Pointe eine Grenze … naja, nicht völlig auslotet, aber schon mal so leicht streift. Das ist mir wichtig, man muss das ganze Korrektheits-Zeug nicht überstrapazieren. Und so ein leichtes tiefes Einatmen beim Streifen einer Grenze und die Frage, kriegt der das wieder hin, das mag ich ja selber auch, wenn ich mir Kollegen anschaue. Das ist ganz reizvoll. Also, kurz gesagt: Der Derbste und „Krachertste“ bin ich nicht, aber ich lang schon mal hin.

Wie entsteht dein Kabarett? Sitzt du vor einem leeren Blatt und fängst an, nach Plan zu arbeiten? Oder bist du eher der Typ, der sich in ein Café setzt, drei Stunden Leute beobachtet und dann Eindrücke wiedergibt?
(lacht) Ja gut, du hast ja in München quasi ein fertiges Kabarettprogramm, wenn du dich einfach zwei Stunden in ein Café hockst. Aber ich weiß, was du meinst. Es gibt Kollegen, die haben regelrechte Rituale, nach denen das bei ihnen abläuft. Das habe ich nicht. Bei mir ist es eine Mischung. Manchmal sitze ich in der Wirtschaft, ratsch mit jemandem und denk mir dann: Da könntest du was draus machen.

Einer, der viele(s) zusammenbringt: Stephan Zinner mit Ukulele und Lemmy Kilmister (im Hintergrund).
Foto: Gerald Foris

Es geht aber auch andersrum, dass ich mich hinsetze vor ein leeres Blatt Papier, weil es ein bestimmtes Thema gibt, zu dem ich schon immer mal was schreiben wollte. Aber, das wirst du auch wissen: Ein leeres Blatt Papier, das ist erstmal ein potenzieller Killer. Das ist dann ein bissl mehr Arbeit, aber das schadet ja nicht. Trotzdem, grundsätzlich schaue ich schon, dass ich so nahe wie möglich am Selbsterlebten bleibe. Das überhöhe ich etwas, das ist nun mal Kabarett. Und dann geht’s raus.

Dein Kabarettisten­-Kollege Martin Frank hat uns erzählt, dass er während der Corona-Pandemie echte Probleme hatte, seine Nummern zu schreiben, weil er sich von der Welt etwas abge­schnitten gefühlt hat. Wie war das bei dir während Corona?
(lacht) Der Martin hat ja auch keine Kids. Ich habe drei und die waren im Homeschooling – und schon hast du dein Kabarett. Meine Frau ist Ärztin am Krankenhaus, schon hast du die nächste Nummer. Ich habe also in der Corona-Hochphase genügend Stoff für ein Programm gehabt, manchmal leider auch zu meinem Bedauern. Trotzdem ist der Corona-Anteil in meinem Programm ziemlich gering. Irgendwann reicht es und die Leute haben von dem Thema die Nase voll.

Klingt zwar etwas nach Klischee, aber trotzdem: Du bist ja vielseitig. Kabarett, Musik, Schauspielerei. Und bei der Musik wechselst du von der bayerischen Nummer hin zu U2 („One“, im Duett mit Hannes Ringlstetter). Der Dorfmetzger Simmerl, der U2 singt: Bist das alles du oder ist da einfach nur der Wunsch, mal was auszuprobieren?
Bei „One“ war es so, dass der Hannes vorgeschlagen hat, die Nummer gemeinsam zu spielen. Und ich mag den Song sehr, sehr gerne. Also habe ich einfach gesagt: Ja, machen wir. Klar probiere ich gerne mal was aus, aber nüchtern betrachtet, hat mir diese Vielseitigkeit während der Coronazeit auch ein bissl den Hintern gerettet. Im Gegensatz zu den Kollegen, die „nur“ live auf der Bühne stehen, ist mir wenigstens das Fernsehen geblieben. Dieser Tanz auf mehreren Hochzeiten, das ist ein Luxus und das mache ich sehr gerne. Das hält mich auch frisch. Wenn ich mir überlege, ich würde „nur“ mein Kabarett machen und immer meine eigenen Witzchen erzählen, also ich weiß ja nicht. Aber klar, man muss schon aufpassen, dass man es nicht übertreibt.

Gibt es auch was, was du gar nicht kannst?
Malen! Geht überhaupt nicht bei mir!

Wie autodidaktisch bist du? Ich weiß, du warst auf einer Schauspielschule, zumindest das also musst du mal richtig gelernt haben. Aber der Rest, Musik, Kabarett?
Ich habe Gitarre schon auch gelernt, so richtig mit Unterricht. Aber ich versuche auch gerne einfach mal was. Von dem her würde ich sagen: eine wilde Mischung aus beidem, aus Lernen und Autodidaktik.

Wie nimmt dich dein Publikum war? Ist das ein Publikum, das sich das Gesamtkunstwerk Stephan Zinner anschaut? Oder eher jeweils quasi ein Teil­-Publikum für den Musiker, den Schauspieler, den Kabarettisten?
Nein, das glaube ich nicht. Das ist querbeet, was zu mir kommt. Klar passiert das auch mal, dass jemand sagt: Komm, jetzt schauen wir uns den an, der immer den Söder macht. Oder den Schauspieler. Ich mag das sehr, wenn ein Publikum so durchgemischt ist, auch vom Alter her.

Von Mundart bis zu U2: Der Musiker Stephan Zinner ist einer, der spielt, was ihm gefällt. Und dem Publikum natürlich auch.
Foto: Hans Lippert

Apropos Schauspieler: Kannst du unerkannt durch Fronten­hausen gehen? (Anmerkung d. Red.: Im niederbayerischen Frontenhausen werden die Verfilmungen der Krimis von Rita Falk gedreht, in denen Zinner den Metzger Simmerl spielt).
(lacht) Oh, in Frontenhausen, ja, könnte schwierig sein. Obwohl ich glaube, dass ich ein Erkennlevel habe, das noch ganz ok ist. Der Kollege Sebastian Bezzel (spielt die Hauptrolle des Dorfpolizisten Eberhofer, d. Red.) hat es da schon schwerer, der ist da auf einem ganz anderen Niveau. Und das nicht nur in Frontenhausen, in ganz Bayern, egal, wo er hinkommt. Ich kann mir schon vorstellen, dass das manchmal nervt. Bei mir ist es jedenfalls noch ganz gut auszuhalten.

In Frontenhausen kann man übrigens super Schwammerl suchen, das weiß ich.
Ja, sehr gute Wälder da! Und sehr nette Leute, wir werden da wirklich jedes Mal mit offenen Armen empfangen.

Findest du es nicht erstaunlich, dass ein krachend bayerischer Plot wie der Eberhofer auch außerhalb Bayerns so gut funk­tioniert? Wie überhaupt auffällig ist, dass man bayerisches Kabarett und Mundart­-Musiker auch in Berlin oder Hamburg gerne mag.
Das muss man auseinanderhalten. Da ist zum einen der Großstadtfaktor. Der Großstädter an sich ist ja schon einiges gewohnt. Und außerdem findest du in Großstädten eine wilde Mischung aus Einheimischen und Zuagroasten. Denen ist das wurscht, wenn sie mal einen Halbsatz nicht verstehen. Aber wenn du, sagen wir, auf dem brandenburgischen Land unterwegs bist, dann könnte es sein, dass das ein etwas schwieriger Abend wird. Überhaupt ist es nochmal ein Unterschied, ob du in der Großstadt oder auf dem Land auftrittst. Auch in Bayern. Auftritte in Trostberg oder Dingolfing, ich weiß nicht, ob das gleich so flutscht (lacht). Wenn ich in München auftrete, da habe ich schon alleine wegen der Größe der Stadt ein Publikum, das weiß, was jetzt gleich kommt.

Jetzt ist Tegernsee nicht gerade eine Großstadt, aber irgend­ wie ja dann doch wieder städtisch. Ist das ein Heimspiel für dich, weil die ganzen Münchner draußen am See sind?
Wenn ich mich richtig an meine Auftritte am See erinnere, dann war das auch ein gemischtes Publikum. Ein paar Zuagroaste, ein paar Einheimische. Und zwei oder drei Touristen hatten sich da auch verirrt, denen man dann halt mal ein paar Wörter erklären muss. Jedenfalls ist Tegernsee nicht auf einer roten Liste bei mir, auf der steht: Vorsicht, schwieriges Publikum. Passt scho!

Ich schaue dich jetzt schon während des ganzen Gesprächs an, versuche mir den Bart wegzudenken und will dann heraus­ finden, worin eigentlich deine optische Nähe zu Markus Söder besteht …
Keine Ahnung!

Und du sprichst keinerlei Fränkisch.
Fränkisch ist ja auch wirklich harte Arbeit, glaubʼs mir.

Was machst du, wenn Söder eines Tages Bundeskanzler wird? Dann bist du für alle Zeiten abgestempelt als Kanzler-­Double.
Dann wird’s Zeit, mit der Rolle aufzuhören. Obwohl, ich habe schon vor Jahren gesagt: Wenn der mal Ministerpräsident wird, dann ist Schluss. Das habe ich wohl versäumt.

Allmächd! Vielleicht war der fränkische Dialekt auf Dauer zu anstrengend, eventuell hat ihn auch dieses Interview nochmal zum Nachdenken gebracht. So oder so: Kurz nach diesem Gespräch und ebenso kurz vor Erscheinen dieser Ausgabe hat Stephan Zinner mitgeteilt, nicht mehr den Söder geben zu wollen. Der Ministerpräsident reagierte umgehend: „Schade, das war immer ein großer Spaß!“

Stephan Zinner, „Raritäten“, Fr., 7. Januar, 20.00 Uhr
Ludwig-Thoma-Saal, Rosenstr. 5, Tegernsee

24. 11. 2021|

Wellness im Parkhotel Egerner Höfe

Der leise Luxus

Kernsanierung und neue Eigentümer: Das Parkhotel Egerner Höfe präsentiert sich nach seiner Wiedereröffnung als Refugium für Nachhaltigkeit, Naturverbundenheit und „leisen Luxus“. Auch das Spa wurde auf 1.500 Quadratmetern runderneuert.

Text: Susanne Mayr

Runderneuert und modern präsentiert sich das Mangfall Spa im Parkhotel Egerner Höfe.
Foto: Egerner Höfe

Wer das Hotel kennt, dem fällt schon vor der Tür die erste Änderung auf: Die Fassaden sind heller und freundlicher, das Bronzepferd ist weg, stattdessen stehen hier nun drei stilisierte Bäume. Und die symbolisieren, wofür das Haus steht: für Naturverbundenheit, Nachhaltigkeit und entspannte Momente.

Auch im Inneren des Hauses ist buchstäblich kein Stein auf dem anderen geblieben. Alle 81 Zimmer und Suiten wurden komplett renoviert, ein besonderes Lichtkonzept für das gesamte Haus erarbeitet. Die Lobby ist kleiner, lichtdurchflutet und mit einem herrlichen Kamin ausgestattet. Gleich dahinter findet man die „KostBar“, eine coole Hotelbar mit einer vielversprechenden Karte, daneben die „Stubn Alois“ und „Anton“ für das Abendessen. Mit Blick auf den Garten lockt das Kaminrestaurant, das Konzept ist eine Karte für alle drei Bereiche. Der Gast sitzt einfach dort, wo er es am schönsten findet. Viele Gourmets kommen natürlich hier ins Hotel wegen Thomas Kellermann und seiner „Dichterstubn“, die zum Gourmetrestaurant „Dichter“ umbenannt wurde. Das hat nicht nur eine große Glasfront mit Blick in den Park, sondern auch einen zweiten Eingang bekommen, damit es auch für externe Gäste und Einheimische besser zu erreichen ist.

Auf ins Spa

Das Hotel lockt mit Day-Spa-Angeboten, und so eines möchte ich heute testen. Dazu geht es vorbei an der Boutique Bo Redley ein Stockwerk tiefer in den Spa-Bereich. Der Empfang ist der Dreh- und Angelpunkt für alle, die schwimmen, sporteln oder sich einfach nur verwöhnen lassen wollen. Ich werde freundlich von Vanessa Legler, der Spa-Managerin empfangen. Nach einem kurzen Rundgang ist es auch schon Zeit für meine Behandlung.

Das Spa-Menü ist vielseitig: Treatments mit Dr. Duve Produkten, Körper- und Gesichtsbehandlungen mit Sisley und verschiedene Day Spa-Specials.
Foto: Susanne Mayr

Im Spa-Menü gibt es neben Facials von Dr. Duve, einem renommierten Münchner Hautarzt, auch Body- und Facetreatments von Sisley. Für mich geht es heute zur „Body Slimming Massage“, einem 80-minütigen Verwöhnprogramm, das nicht nur den Körper straffen, sondern auch entspannen soll. Dafür darf ich eine Duftkerze auswählen, die den Behandlungsraum für mich beduftet. Das Licht wird warm gedimmt, im Hintergrund läuft leise Musik. Nicht das klassische Wasserplätschern mit Vogel-gezwitscher, sondern eine Mischung aus coolen Clubsounds gemischt mit Klassikklängen. Ich liege auf einer beheizten Liege, zugedeckt mit einem weichen Handtuch und bin gespannt, was mich erwartet.

Gekonnte Griffe von unten nach oben

Die ersten Griffe gehören zur sogenannten Kontaktmassage, wie die Spa-Managerin erklärt. Dabei werden verschiedene Partien sanft gedrückt, wobei die Griffe der eigenen Atmung folgen. Dadurch soll der Körper erst einmal zur Ruhe kommen. Danach kommt das erste Produkt, der „Energizing Expert Balm for Body“ zum Einsatz, den Frau Legler erst zwischen den Händen erwärmt, um damit meine Füße zu massieren.

Anschließend wird jedes Bein einzeln mit teils anregenden, teils entspannenden Griffen massiert. Das Gleiche wird an Oberkörper und Armen wiederholt, bevor es zum Abschluss eine entspannende Rückenmassage gibt. Und dann ist es passiert: Ich bin kurz eingenickt. Ich habe schon viele Massagen überall auf der Welt, in Hotels, Spas und Kosmetikstudios getestet, aber ich bin tatsächlich nie eingeschlafen.

Pool, Ruheraum, Eiskammer – es gibt viel zu entdecken im neuen Mangfall Spa.
Foto: Egerner Höfe

Als ich das nach der Massage mit Vanessa Legler bespreche, meint sie nur, dass das bei ihr doch öfter vorkommt.

Spa-Rundgang

So entspannt und vielleicht auch ein paar Millimeter schlanker, schlüpfe ich nun in meinen sehr weichen Bademantel und gehe nochmals ins Spa, um mir alles genauer anzusehen. Die gesamten Räume, wie auch das ganze Hotel, sind mit viel einheimischem Holz und Stein gestaltet. Gleich am Eingang des Wellnessbereichs geht man zum Beispiel an einem Wasserfall aus grauem Granit aus dem Walser Tal vorbei, bevor man den eigentlichen Spa-Bereich betritt. Hier gibt es neben einem Dampfbad und vier Saunen ein Tauchbecken und ein Private Spa, das man exklusiv mieten kann. Mein Highlight ist die Eiskammer mit einem Eiswürfelbrunnen in der Mitte. Daraus wachsen im Zeitlupentempo Eisstäbe, die schließlich zu Würfeln zerbrechen und nach einem Saunagang für schnelle Abkühlung sorgen.

Etwas Besonderes sind auch die Sportkurse, die für Hotelgäste und Einheimische angeboten werden. Trainerin Julia Füssl bietet zum Beispiel Inside Flow Yoga mit Mediation an und auch Aerial Yoga in Zusammenarbeit mit einem Münchner Studio ist im Programm.

Zum Schluss eine „Frische Resi“

Im oberen Stockwerk findet man den Poolbereich, der durch große Fensterfronten zum Garten hin geöffnet ist und daneben einen wunderbaren Ruheraum mit bewachsenen Glaskuben als Trennwände. Ein Plätzchen zum Entspannen entdeckt man hier im Spa überall, denn auch im unteren Stockwerk gibt es zwei Ruheräume und sehr kuschelige Rückzugsorte. Ich suche mir einen Platz mit Blick auf den Park und hole mir eine „Frische Resi“. Das ist aber keineswegs eine nette Spa-Mitarbeiterin, sondern eine Tasse Tee. Denn hier gibt es Biotee der Chiemgauer Marke Bioteaque mit so süßen Namen wie „Scheene Leni“ oder „Schwarza Franzi“. Ich genieße noch eine Weile die Ruhe und den Blick und bin ausnahmsweise mal froh, dass der Handyempfang nicht der Beste ist.

Day Spa-Angebot von 9.00–21.00 Uhr (85 Euro)
Das Abendritual von 17.00–21.00 Uhr (45 Euro)

Parkhotel Egerner Höfe, Aribostraße 19–26, Rottach-Egern
www.egerner-hoefe.de

Spa-Managerin Vanessa Legler: “Wir haben die Natur quasi ins Haus geholt. Mit großen Panoramafenstern, Bäumen im Restaurant und im Spa, sowie Stein und Holz als Material.
Foto: Egerner Höfe

24. 11. 2021|

Papierfabrik Louisenthal

Wertschöpfung aus dem Tegernsee

Wenige kennen sie, alle brauchen sie, ihre Produkte haben wir jeden Tag in der Hand: Die Papierfabrik Louisenthal in Gmund stellt nicht einfach nur Papier her, sie ist Weltmarktführer in der Produktion von Banknotenpapier. Geschäftsführer Dr. Alfred Kraxenberger, echter Bayer und zuständig für Technik, Forschung und Entwicklung, weiß, warum es ohne Bargeld auch in Zukunft nicht gehen wird. Und warum die moderne „Geldfabrik“ in Gmund genau richtig ist.

Text und Interview: Klaus Höfler

Bargeld ist die Visitenkarte eines Landes”, sagt Louisenthal-Geschäftsführer Dr. Alfred Kraxenberger.
Foto: Urs Golling

Nur ein kleines Verkehrsschild weist darauf hin, dass sich ein paar hundert Meter von Gmund entfernt ein stattlicher Industriestandort befindet. Wer von der B318 abzweigend die Mangfallstraße entlangfährt, begleitet von der sanft fließenden Mangfall, landet schließlich an einem großen Parkplatz und der Abzweigung Louisenthal. Endstation ist eine kleine, unscheinbare Brücke. Wer hier den Securities keinen Ausweis oder Zufahrtsschein vorzeigen kann, muss leider draußen bleiben. Und das liegt nicht an Corona-Bestimmungen, sondern an den besonderen Sicherheitsstandards, die so auch in der Europäischen Zentralbank gelten.

Was verbirgt sich hinter dem Firmennamen Louisenthal? Dr. Alfred Kraxenberger, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung, Technologie und Operations erwartet die Seeseiten an der kleinen Brücke zum Gespräch. Der promovierte Physiker und ambitionierte Sportler geht seit 2013 fast täglich über die Brücke zu seinem Arbeitsplatz. Kraxenberger liebt Technik und Innovationen – da ist es nur konsequent, dass er auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bayerischen Forschungsstiftung ist und in das Kuratorium der Bayerische Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer berufen wurde.

Herr Dr. Kraxenberger, warum wissen so wenige, was in der Papierfabrik Louisenthal hergestellt wird?
(lacht) Das liegt wohl daran, dass wir ein echter „Hidden Champion“ in einer sehr beliebten Tourismusregion sind. Wir sind Weltmarktführer in der Herstellung von Banknoten- und Sicherheitspapieren sowie in der Entwicklung von Sicherheitselementen. Wir sind mit unseren Produkten auf allen Kontinenten vertreten. Fast jeder am Tegernsee dürfte eine Banknote aus unserem Papier in seinem Geldbeutel haben – wir sind also in jeder Hinsicht nah am Menschen.

Wieso heißt das Unternehmen Louisenthal und nicht Mangfalltal?
Die Mangfall fließt zwar mitten durch unser Firmenareal und dann in den Tegernsee, aber unser Name fußt auf einer historischen Anekdote: 1865 beantragte der damalige Eigentümer der Fabrik, der Schweizer Geschäftsmann Schulte, bei König Maximilian II. die Umbenennung des Betriebs in „Louisenthal“. Der Name erinnert an Herzogin Ludovika – französisch Louise – Tochter des Königs Maximilian I. Joseph von Bayern, die auch die Mutter von Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn war, besser bekannt als „Sisi“.

Louisenthal_Tegernsee_Gmund

Gut versteckt hinterm See: Das Produktionsgelände umgeben von 55 Hektar firmeneigenem Wald.
Foto: Louisenthal

Sie sind der größte Arbeitgeber in der Region Tegernsee …
… und sehr stolz darauf. Viele unserer auf drei Standorte verteilten rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohnen und leben am Tegernsee, einige haben ihr Zuhause sogar in einer unserer Werkswohnungen auf dem Gelände. Manche arbeiten bei uns inzwischen in der vierten Generation und natürlich wird an den Maschinen trotz Internationalität gerne bayerisch gesprochen! Wenn wir neue Azubis suchen – aktuell haben wir 55 im gesamten Unternehmen – , wenden wir uns erst einmal an die umliegenden Schulen. In Gmund insbesondere an die Realschule, mit der wir eine Bildungspartnerschaft pflegen. Wir kaufen auch bewusst nach Möglichkeit regional ein und wenn wir Aufträge an Handwerksbetriebe zu vergeben haben, wählen wir bevorzugt regionale Betriebe aus.

Eine Banknotenfabrik im Trinkwassereinzugsgebiet einer Millionenstadt wie München? Hätte es da nicht einen besseren Standort gegeben?
Diese Frage stellt sich nicht mehr wirklich, wenngleich man heute in dieser Idylle wahrscheinlich allein schon aufgrund der Grundstückspreise keine Fabrik mehr bauen würde. Die Wurzeln der Papiererzeugung auf unserem Gelände am Tegernsee gehen mehr als 140 Jahre zurück. Zu unserem Areal gehört auch ein rund 55 Hektar großer Wald, der mehr als 300.000 Tonnen CO2 speichert.

Eine sehr besondere Lage …
Ja, wir schätzen diese großartige Lage wirklich sehr, das saubere Wasser, die reine Luft und wir sind uns der Verantwortung für unsere Umwelt bewusst. Ich spreche in diesem Kontext gerne analog zum Bier von unserem eigenen bayerischen Reinheitsgebot für Banknoten. Nur hochwertige Rohstoffe kommen in unsere Banknoten. Im übertragenen Sinne sind in unseren Banknoten auch immer ein paar Tropfen Tegernsee, da wir unser Wasser und auch Teile der Energie für die Produktion aus der Mangfall gewinnen.

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema geworden. Wie gehen Sie hier bei uns im Tegernseer Tal mit dem Thema um?
Diese große Aufgabe begleitet uns Tag für Tag. Umweltschutz sowie ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sind feste Bestandteile unserer Firmenphilosophie. Wir unterliegen den strengen europäischen Umweltschutzregeln und besonderen Auflagen im Gewässerschutz.

Konkret?
Da wir als Produktionsbetrieb viele Ressourcen wie Strom, Wärme, Wasser und Baumwolle verbrauchen, können wir auch viel sparen. Wasser ist unser wichtigstes Element in der Produktion. Durch eine 2010 gebaute biologische Kläranlage konnten wir unseren Wasserverbrauch um ca. 40 Prozent reduzieren. Wärme erzeugen wir in einem eigenen Dampfkraftwerk und Strom zu fast 25 Prozent mit Wasserturbinen und durch Kraft-Wärme-Koppelung, also vor Ort und CO2-neutral.

Louisenthal_Gmund_Tegernsee

“Unseren Banknoten sind auch immer ein paar Tropfen Tegernsee.”
Foto: Urs Golling

Und die Mangfall …
… ist dabei eine unserer fleißigsten Mitarbeiterinnen, denn wir nutzen sie zur Papierherstellung, kühlen Gebäude sowie Maschinen und erzeugen über Turbinen sogar Ökostrom für unsere Maschinen. Das wieder eingeleitete Wasser wird biologisch gereinigt und permanent überprüft, da passen wir besonders auf. Und natürlich schützen wir die Fische in der Mangfall durch zwei Fischtreppen, damit die Tiere die Wehre umgehen können. Da Teile der Wasserfläche zu unserem Gelände gehören, fischt unsere Mitarbeiter-Fischereigruppe sogar im eigenen Wasser.

Und wie sauber ist dann am Ende unser in Ihrer Fabrik produziertes Papiergeld?
Eine hundertprozentig nachhaltige Banknote gibt es noch nicht, aber wir arbeiten mit Nachdruck daran, den gesamten Lebenszyklus nachhaltiger zu gestalten. Damit wir alle in ein paar Jahren mit reinem Gewissen bezahlen können. Um nachhaltig produzieren zu können, müssen wir alle Faktoren betrachten: Rohstoffe, Produktion, Energie, Wasser und den Standort, darüber hinaus aber auch Transport, Logistik und Verpackung – und nicht zuletzt Entsorgung und Recycling.

Geben Sie uns bitte ein Beispiel?
Für unsere Banknotenproduktion verwenden wir schon heute ein Abfallprodukt aus der Textilindustrie, sogenannte Baumwoll-Kämmlinge, die auch für Wattepads zum Einsatz kommen. Die langen Baumwollfasern überlassen wir der Modeindustrie für feine Kleidung. Bei Verpackung und Transport setzen wir auf plastikfreie Lösungen und wiederverwendbare Transportboxen, idealerweise aus Bio-Kunststoff oder Gras – daran forschen bereits unsere Kolleginnen und Kollegen im sächsischen Werk Königstein. Wir sind also bereit für weniger.

Die Pandemie hat unsere Zahlungsgewohnheiten stark verändert. Kartenzahlung statt Bargeld heißt es immer öfter beim Einkaufen. Wie lange wird es Bar- bzw. Papiergeld noch geben?
Banknoten gibt es in Europa ungefähr seit dem 16. Jahrhundert. Wir alle, die Deutschen ganz besonders, haben eine emotionale Beziehung zu unseren Geldscheinen. „Geld ist gedruckte Freiheit“, hat Fjodor Dostojewski mal gesagt. Ich bin zuversichtlich, dass in der Vielfalt der Bezahlmittel Bargeld noch lange eine Rolle spielen wird. Und vergessen Sie nicht: Bargeld ist die Visitenkarte eines Landes. Weltweit werden jährlich rund 150 Milliarden Geldscheine gedruckt und der Bedarf steigt noch in Krisenzeiten, insbesondere in bevölkerungsreichen Ländern wie China oder Indien. Lieber Bargeld zuhause, sicher ist sicher, heißt es dort. Die Menge der Geldscheine hat hier auch nichts mit einem „Anwerfen der Notenpresse“ durch die Banken zu tun, sondern ganz lapidar mit steigender Bevölkerungszahl und mit dem im Durchschnitt steigenden Reichtum der Menschen.

Was lieben Sie persönlich an Ihrer Arbeit bei Louisenthal am Tegernsee?
Natürlich den wunderbaren Standort, arbeiten, wo andere Urlaub machen. Aber noch mehr Freude macht mir unser geniales Team, der Pioniergeist, der hier lebt, der omnipräsente Spirit – das hier ist wirklich unsere Firma. Wir sind eine kleine, verschworene Gemeinschaft auf einem Hochsicherheitsgelände, die absolute High-Tech-Produkte mit den hohen Sicherheitsstandards der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank herstellt. Ich brauche kein Silicon Valley. Wir holen uns diese Technologie an den Tegernsee und züchten sie hoch. Ist das nicht genial? (lacht)

BARGELD – MYTHOS UND MAGIE

1. Kann man Geld waschen?
Ja, denn Banknoten sind waschecht. Der Hersteller mischt zum Baumwollsubstrat sogenanntes Nassfestmittel. Die Aufheller im Waschmittel lassen die Banknote im UV-Licht aber leuchten. Es könnte also sein, dass die Banknote nicht mehr akzeptiert wird, aber sie ist immer noch echt.

2. Ist Geld eine Keimschleuder?
Nein. Dieser Mythos kam mit der Corona-Diskussion wieder auf den Tisch. Viren und Bakterien halten sich auf Banknoten wesentlich kürzere Zeit als z.B. auf Metall. Trotzdem ist Händewaschen immer eine gute Entscheidung.

3. Wie schwer ist eine Banknote?
Ein Geldschein wiegt nur rund ein Gramm – und das, obwohl er zahlreiche Sicherheitsmerkmale wie Wasserzeichen, Sicherheitsfaden und -fasern eingebaut hat, direkt in das Substrat eingebettet. Trotzdem kann es schwerfallen, einen Hunderter aus der Hand zu geben.

4. Kann ich einer Banknote vertrauen?
Fühlen, sehen, kippen – dieser Dreiklang hilft. Prüfen Sie die Beschaffenheit des Geldscheins. Sehen Sie sich im Licht die Merkmale wie Wasserzeichen, Sicherheitsfaden und Porträtfenster an. Durch Kippen können Sie Hologramm und die Smaragdzahl erkennen. Nicht jeder Fälscher macht sich die Mühe, mehrere Merkmale zu imitieren. Alle Merkmale zu fälschen ist unmöglich, man muss aber aufpassen, dass man nicht auf eine sogenannte Eindrucksfälschung hereinfällt, die auf den ersten Blick wie eine echte Banknote wirkt.

5. Ist mein Geldschein echt?
Sicherheit ist bei einer Banknote das höchste Gut – sagt der Hersteller. Was macht er dafür? Viele Sicherheitstools auf bzw. im Geldschein, die nahezu fälschungssicher sind. Aber Sie müssen diese Merkmale natürlich auch erkennen. Installieren Sie sich die App „Hybrid ADDvance“ von Louisenthal auf Ihr Smartphone, um mehr über Sicherheitsmerkmale zu erfahren.

Über eigens angelegte Fischtreppen können Fische die Wehre umgehen und so die Mangfall auf und ab schwimmen.
Foto: Louisenthal

18. 11. 2021|

Die Malerin Ekaterina Zacharova

Unwahrscheinlich gut

Von Moskau nach Gmund, von der unsicheren Studentin zu einer gefragten Malerin: Die Lebensgeschichte von Ekaterina Zacharova ist eine gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Dabei ist sie ein Beleg dafür, dass das Leben immer noch die besten Geschichten schreibt.

Text: Christian Jakubetz

Ekaterina Zacharova in ihrem Atelier in Gmund.
Foto: Raphael Lichius

Auftritt Ekaterina Zacharova in ihrem Wohnzimmer in Gmund: Die einstmals langen blonden Haare inzwischen halblang, grüne Jacke, Bluse, Schmuck, an der Wand natürlich – Gemälde. Die Szenerie könnte aus einem Film sein, „Die Malerin“ oder so. Insignien eines erfolgreich verlaufenden Künstlerlebens. Eine Zacharova hängt man sich gerne ins Wohnzimmer, ihre Bilder sind viel gefragt. Und vermutlich ist sie an einem Punkt angekommen, bei dem alleine der Name der Malerin das Gemälde per se gleich mal ein bisschen interessanter macht.

Wie also schafft man das, wie ist dieses „Being Ekaterina Zacharova“?

Hinter der Geschichte steckt zumindest ein erkennbares Muster. Was Ekaterina Zacharova macht, macht sie richtig. Mit aller Begeisterung, mit aller Leidenschaft, mit allem Engagement. Wenn sie erzählt, dann unter jeglichem Einsatz aller Mittel, mit Mimik, Gestik, Artikulation. Die Hände sind in Bewegung, die Augen blitzen, und schon mit einem kleinen bisschen Menschenkenntnis ist ihr anzusehen, wie sie sich im Moment gerade fühlt. Weil sie ein grundsätzlich gut gelaunter Mensch ist und andere Menschen meistens mag („Es muss schon viel passieren, dass ich jemanden nicht mag“, sagt sie) besteht die Mimik meistens aus: Lachen, Lächeln und einem aufmerksamen, wachen Blick. Würde sie nur russisch mit jemandem sprechen, wüsste man trotzdem einigermaßen, was sie gerade sagt.

Sie malt, wie sie erzählt.

Und vermutlich ist Ekaterina Zacharova zur gefragten Malerin geworden, weil sie das wollte und gemalt hat, als gäbe es nichts anderes.

Sozialimusgraues Moskau, barockes Gmund

Dabei war für sie lange Zeit keineswegs klar, dass sie irgendwann im Herbst 2021 in einem Wohnzimmer am Tegernsee sitzen würde. Klar war nicht mal, dass sie es zur anerkannten Künstlerin bringen würde und klar war, genau genommen, in ihrem Leben fast nichts. Außer ein unerklärlich starker Drang, das Richtige zu tun. Die Dinge, für die es sich zu leben lohnt. Und ja, auch das: frei zu sein.

Diese Sache mit der Freiheit liest sich vergleichsweise banal, wenn man eine (west-)deutsche Sozialisierung hinter sich hat. Wenn man dagegen in den späten 60ern in der Sowjetunion geboren ist, dann ist das mit der Freiheit keine so selbstverständliche Sache.

Ekaterina Zacharova hingegen, 1968 in Moskau geboren. Kalter Krieg beinahe auf dem Höhepunkt. New York ist weiter entfernt als der Mond, der eiserne Vorhang trennt die Welt in Ost und West, in gut und böse, dazwischen liegt fast nichts. Sie ist 14 oder 15, kommt im Teenageralter das erste Mal mit einer Theaterbühne in Berührung. In dem Moment ist ihr klar: Das ist meine Welt. Kunst, Kultur, Bühne.

Ekaterina Zacharova Malerin Tegernsee

Taking Off, Havanna 2016, 80 x 110, Öl auf Leinwand
Die Autos, entrückt aus einer anderen Zeit, rasen durch die Nacht. In der Luft liegt ein Geruch von Benzin und schmelzenden Reifen. Trotzig entflieht sie der Ödnis ins Reich der Träume.

Diese Welt, die nicht nur Freiheit verspricht. Sondern eine, die in jeder Hinsicht anders ist als das sozialismusgraue Moskau dieser Zeit.

Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus, als würde aus dem Mädchen aus der Millionenmetropole die erfolgreiche Künstlerin. Schon allein deswegen nicht, weil die Ekaterina der jungen Moskauer Jahre große Zweifel an sich selbst und ihrer Begabung hatte.

Lebensläufe sind manchmal trügerisch. Aus jeder offiziellen Vita kann man entnehmen, dass sie sowohl das Kunstpädagogik-Studium in Moskau als auch das Studium der Malerei und Grafik an der renommierten Surikov-Akademie mit Bestnoten absolviert hat. Dabei hatte sie selbst vor allem an der Akademie das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören. Weil die meisten der Kommilitonen aus klassischen Künstlerkreisen stammen. Ekaterina Zacharova hingegen: die Eltern eher aus Parteinähe kommend. Apparatschik-Tochter im Kreis von freidrehenden Künstler-Naturellen? Schwer vorstellbar, für ihre Eltern, alle anderen und nicht zuletzt auch für sie selbst.

Freiheit!

Die Aussicht auf die relative Freiheit des Künstlers und ein unbändiger Drang zur Kreativität sorgen dafür, dass sie weitermacht. „Bücher lesen, reden, diskutieren“, alles das, was man sich klischeehafterweise unter einem Künstlerleben vorstellt, macht auch die Moskauer Tage von Ekaterina Zacharova aus. Die Bestnoten? Ein Beleg für ihr Talent als Malerin. Zacharova selbst sind sie augenscheinlich egal. Spricht man mit ihr, erwähnt sie diese Noten kein einziges Mal.

Das breitbeinige, von der eigenen Bedeutung überzeugten Verhalten anderer Menschen, dieses Auftreten war ihr immer fremd. Und ist es heute noch. Selbstzweifel? „Ja, natürlich habe ich die noch“, räumt sie ein. Und die sind auch gut so. Würde man aufhören, an sich zu zweifeln und deshalb auch an sich zu arbeiten, man würde aufhören, sich weiterzuentwickeln. Ihr Grundsatz: „Wenn du glaubst, dass du ganz oben bist, beginnt in diesem Moment der Abstieg.“ Man muss kein Bergsteiger sein, um den Sinn dieser Metapher zu begreifen.

Trotz eines vergleichsweise angenehmen Lebens in Russland zieht es sie weg. Zunächst zu einem Gaststudium nach Stuttgart, 1996 dann endgültig nach Bayern. In Russland hätte sie es einfacher haben können. Da gab es immer wieder mal Aufträge des Staats. Nicht die große künstlerische Erfüllung, aber eine Art finanzielle Grundsicherung – „und dazwischen hatte man seine Ruhe“, lacht sie. Trotzdem gibt sie diese vermeintliche Sicherheit auf und tauscht sie mit den Risiken einer marktgetriebenen Kunst des Westens. „Daran, dass meine Kunst jetzt auch eine Art Business sein sollte, musste ich mich erst mal gewöhnen“, räumt sie ein.

„Der Stil hat mich gefunden“

Heute ist Ekaterina Zacharova weit entfernt von den Sowjet-Auftragsarbeiten. In den dazwischen liegenden 28 Jahren, seit denen sie in Deutschland ist, hat sich ihr eigener Stil entwickelt, diese Art des Malens, die aus einem Bild „eine echte Zacharova“ werden lässt. Kann man so etwas mit Handwerk erlernen, lässt sich ein eigener Stil entwickeln? Ekaterina Zacharova überlegt, lacht dann herzhaft, wie so oft: „Ich habe keinen Stil gefunden, er hat mich gefunden.“

Und die Sache mit dem vermeintlichen Business ist für sie immer noch nicht entscheidend. Sie malt, was sie malen muss, was sie malen will. Und vermutlich funktioniert Kunst auch nur so. Würde man anfangen, als Malerin erstmal über die vermeintlichen Bedürfnisse eines Marktes nachzudenken, es wäre das Ende aller künstlerischen Kreativität.

Zumal Zacharova, – Ja, wie nennt man das? – aus dem Bauch heraus malt? Emotionen in Bilder gießt?

Und klingt das nun nach dem Klischee der Künstlerin, die einfach wartet, bis sie die Muse küsst? Nur eingeschränkt. Natürlich komme es vor, erzählt sie, „dass ich plötzlich eine Idee habe, dass ich weiß, das muss ich jetzt sofort auf der Stelle malen.“ Trotzdem ist ihr Alltag dem eines normalen Arbeitnehmers gar nicht so unähnlich: Morgens um 9 ins Atelier, arbeiten, im Regelfall bis in die Abendstunden.

Ekaterina Zacharova Malerin Tegernsee

Frühling, Boulevard des Capucines, Paris 2019, 80 x 130, Öl auf Leinwand
Leichtfüßig saust die Joggerin vorbei an den Spätaufstehern, die im hellen Frühlingslicht beim Kaffee verweilen und immer noch zögern, in den verheißungsvollen Tag einzutauchen.

Mit dem Unterschied, dass das Malen auf Knopfdruck nicht so leicht funktioniert: „An manchen Tagen merke ich, dass heute einfach nichts geht.“ Kennt jeder, aber die meisten können das dann mit Routine ausgleichen. Malen als Routine allerdings, man muss kein Maler sein, um zu ahnen: Geht nicht.

Was man dafür aber in jedem Fall braucht: einen scharfen Blick und eine abstrakte Fantasie. Was auf den ersten Blick nach Widerspruch klingt, wird klarer, wenn man einen Blick auf Zacharovas Arbeitsweise für ihre Bilder wirft, mit denen sie in den letzten Jahren Menschen und Straßenszenen aus den Metropolen der Welt gemalt hat. Im Café sitzen, Passanten und die Umgebung beobachten, auf sich wirken lassen, „manchmal stundenlang“.

Das Ergebnis ist dann am ehesten mit dem vergleichbar, was man in der Musik „Sampling“ nennt: „Die Menschen, die ich dann male, die habe ich an diesem Tag alle gesehen und entstehen trotzdem erst in meinem Kopf.” Fantasie und Realität vermischen sich dann. Das Ergebnis ist oft atemberaubend: eine einzige Szene, gemalt noch dazu. Und trotzdem verdichtet sich in dieser einen Szene das Lebensgefühl einer Stadt. Gemalt hat Ekaterina Zacharova solche Straßenszenen u.a. in New York, in Paris, in Havanna und einmal sogar in Rosenheim. Wenn man noch niemals in New York war, bekommt man durch Zacharovas Bilder einen Eindruck, was den Big Apple ausmacht.

Fast 30 Jahre ist es inzwischen her, dass sich Ekaterina Zacharova auf ihren Weg machte. Raus aus dem Postsozialismus, dem zerfallenden sowjetischen Riesenreich. Rein in das unbekannte und trotzdem so vielversprechende Westeuropa, nach Deutschland. Seit genau 25 Jahren lebt sie jetzt in Bayern.

Geblieben ist ihr aus dieser Zeit nur noch der unverkennbare russische Akzent. „Natürlich verstehe ich noch Russisch“, sagt sie. „Aber es zieht mich nichts mehr dorthin.“ Ihre Heimat? Gmund, das Tegernseer Tal, Bayern, die Welt. Die Gmunderin und Weltbürgerin hat in Tokio ebenso ausgestellt wie in New York und Miami, ihre Motive stammen aus Metropolen und Landschaften der ganzen Welt. Trotzdem, am Ende sind es der See, die Berge, das Tal und die Menschen dort, denen sie sich zugehörig fühlt.

Hat sich eigentlich irgendetwas geändert während der Pandemie, wie sind die Pläne für die Zukunft? „Für mich“, sagt sie und lacht noch einmal, „hat sich eigentlich nichts geändert, ich habe einfach weiter gemalt.“

So wie sie es ihr ganzes Leben lang gemacht hat.

In ihrem Atelier in der Wiesseer Str. 4 ist Ekaterina Zacharovas Serie „just a woman“ zu sehen.

Transzendenz, Bolshoi, Moskau 2021, 150 x 330, Öl auf Leinwand
Aus prosaischer Wirklichkeit hinter den Kulissen werden sie gleich in die schwebende Immaterialität der Bühne entfliehen, die weißen Schwäne des Bolshoi.

1. 11. 2021|

Confiserie Hagn

Die Schokoladenseite des Tegernsees

Schon die Lage direkt am See ist besonders. Eine einzige große Verführung sind aber vor allem die Leckereien, die in diesem Bootshaus an der Egerner Seepromenade verkauft werden: In der Confiserie Hagn finden Naschkatzen ihr Glück – und auch nicht mehr so schnell wieder hinaus.

Text: Ute Watzl / Fotos: Urs Golling

Confiserie Hagn Tegernsee

Sabine und Maximilian Hagn in ihrer Confiserie.

Schon verrückt, welche Dinge das Herz manchmal höherschlagen lassen: ein Tisch, ein Stuhl und ein offenes Fenster, das einen nicht alltäglichen Ausblick bietet. Der Bildausschnitt, der sich hier zeigt, könnte genauso gut vom Gardasee stammen: See-Blau und Berg-Grün, davor im Takt der Wellen tanzende Bootsmasten – klack-klack, klack-klack. Hin und wieder schiebt sich ein Stehpaddler durchs Bild. Der Ort, von dem aus man diese Idylle betrachten kann, ist ein Bootshaus, aber irgendwie auch nicht, und es liegt auch nicht am Gardasee. Es ist vielmehr die Confiserie Hagn am Tegernsee.

„Wir arbeiten auf dem Wasser“, sagt Maximilian Hagn. Und das ist für Konditoren ungewöhnlich. Im Innern der Holzhütte äußert sich das Bootshausflair lediglich im Raumgefühl: klein und eng, hyggelig würde der Däne vielleicht sagen, auch wegen der Liebe zu Detail und Dekor, die in jeder Ecke steckt. Wenn dann der Konditormeister den Raum betritt, ist seine Präsenz zu spüren: Der Rottacher ist ein oberbayerisches Schwergewicht. Für ihn und seine Frau Sabine sind Seeblick und Lage hier im Rottacher Malerwinkel Alltag, könnte man sagen. Gut, wenn dann die Kunden und Gäste kommen, ein bisschen schwärmen und die Inhaber an ihr eigenes kleines Glück erinnern.

Wobei: Das Glück kam fast schon auf Aufforderung.

Der gelernte Konditormeister stammt aus einer Wirtsfamilie. An die von den Eltern betriebene Enzianhütte in Enterrottach baute er eine Backstube an und erweiterte zunächst den Betrieb des Wirtshauses um ein Café am Nachmittag. Doch als das Paar erfuhr, dass das Bootshaus im Malerwinkel frei wird, änderten sich die Pläne für die Zukunft. Und das, obwohl das sogenannte Bootshaus am Ende der Seestraße wohl nie wirklich ein solches war.

Aus einem halben Scherz wurde ein Lebenstraum

Mal Obstladen, mal Kiosk, war das Bootshaus zum Schluss vor allem ein Elektroladen, dessen Besitzer Maximilian kannte. Und genau zu diesem Besitzer hatte Maximilian Hagn vor langer Zeit eher scherzhaft gesagt: „Wenn ihr da mal rausgeht, mache ich hier ein Café auf.“ 15 Jahre später rief dieser Freund an und sagte: „Es ist soweit, wir gehen raus.“ Obwohl sich gerade Nachwuchs ankündigte, ergriffen die Hagns die Gelegenheit. Aus einer halb im Scherz gesagten Bemerkung wurde Realität.

Confiserie hagn Tegernsee

Pralinen befüllen ist bei den Hagns Handarbeit.

Seitdem betreiben sie diesen Laden im Bootshaus am See, Hagns „Visitenkarte im Ort“. Die Pläne für ein Café verwarfen die beiden zunächst. Zu abgelegen lag das Häuschen vom Ortskern und den Ladenstraßen, zu groß war die Konkurrenz im Malerwinkel, zu klein die eigene Stellfläche so ganz ohne Terrasse. Und Coffee to go? Das kam erst viel später.

Nach und nach stellt man dann trotzdem hierhin und dorthin einen Tisch. Alles jederzeit gut zu verräumen, denn dass das Wasser im Geschäft steht, das kann schon mal passieren. Ist eben ein Bootshaus. Das Kerngeschäft aber wurde der Verkauf von Kuchen, Pralinen und Eis aus dem Bootshaus, garniert mit ausgewählten Geschenkideen, kreativen Karten und sympathischem Schnickschnack aus ausgewählten Manufakturen und ganz sicher nie „von der Stange“. Sabine Hagn ist gelernte Feintäschnerin, man spürt ihren Sinn fürs Schöne und Besondere, ihre Freude daran, immer wieder neue Themen in Szene zu setzen: Weihnachten und Ostern sowieso, aber auch mal eine Fußball-WM. Was die Kundschaft gerade so umtreibt.

Andererseits lief das Liefergeschäft von der Backstube in Enterrottach aus immer weiter. Auf Hochzeiten werden Hagn-Torten zum zuckersüßen Hingucker. Hotels, Cafés, die Tegernsee Arkaden – sie alle servieren Kuchen, Torten und Pralinen, die Maximilian Hagn in seiner Backstube in Eigenregie herstellt. Echtes Handwerk, darauf legt er Wert. Oft weiß Maximilian Hagn erst am Abend zuvor, wie viel Arbeit er am nächsten Tag hat, wie viele Torten und Kuchen zu backen sind, wie viele Pralinen gegossen und womit gefüllt werden sollen.

Jeder Tag ist anders, planbar ist (fast) nichts

Dass er auch kurzfristig Wünsche erfüllt, von heute auf morgen, das macht ihn zum gefragten Konditor im Tal. Planbar ist in seinem Geschäft überhaupt wenig, erst recht 2021, das Jahr, in dem vieles nachgeholt wird: Taufen, Geburtstage, Hochzeiten – ohne eine ordentliche Torte geht da nichts, am liebsten thematisch individuell gestaltet. Der Kunde hat das Sagen und Maximilian Hagn ist zurzeit immer auf Abruf. So flexibel kann nur ein kleines Geschäft wie das der Hagns arbeiten. Der Mann lebt diesen Beruf – und er liebt ihn. „Ich bin Gastronom, Verkäufer, Handwerker, und ich kann kreativ sein“, sagt er. „Ich mache nicht immer das Gleiche, sondern heute Pralinen, morgen Schokoladen, übermorgen eine Thementorte.“

Die Confiserie Hagn im Bootshaus an der Seepromenade.

Und dann diese Pralinen! Klar, im Sommer und Frühherbst liegt temperaturbedingt nur eine begrenzte Menge aus. Aber sobald es kühler wird, verwandelt sich das Bootshaus zum Pralinen-Paradies: Mehr als 40 Sorten hat der Konditor im Repertoire, gefüllt mit Trüffel, Bränden oder Frucht, künstliche Farbstoffe vermeidet Hagn meistens.

Ergeben hat sich das mit den Pralinen durch Maximilians Freude am Ausprobieren. Zwischendurch ein bisschen Zeit? Warum nicht mal ein paar Pralinen kreieren und in den Laden legen? Mal schauen, wie sie ankommen. Und weil die Leute begannen, danach zu fragen, produzierte er eben noch ein paar mehr Sorten. So entstand das beliebte Sortiment.

Der Renner ist die Praline mit den weiß-blauen Rauten, verfeinert mit König-Ludwig-Dunkelbierbrand. In den großen Händen von Maximilian Hagn nehmen sich die kleinen Pralinen besonders fein aus. Seine Statur lässt vermuten, dass er selbst ein großer Genießer süßer Leckereien ist.

Kuchen, Gebäck, Torten, Schokoladen und Pralinen – man könnte sagen: Die Confiserie Hagn ist ein Tante-Emma-Laden für Naschkatzen und Maximilian ein Alleskönner für süße Sachen. Bei aller Vielfalt bleibt das Angebot der Confiserie Hagn überschaubar. Die Kuchen, die es bei Hagns gibt, sind die, die sich mit der Zeit als Publikumslieblinge erweisen – Bienenstich, Schmandkuchen, Mailänder Kirsch zum Beispiel.

Der besonders gute Geschmack der Hagn-Kreationen hat wohl auch einen vermeintlich simplen Hintergrund – da kommt nichts rein, was man zuhause beim Backen nicht auch verwenden würde: Obst, so frisch wie möglich vom regionalen Händler, Eier und Milch aus der Region und keine künstlichen Farbstoffe für die Pralinen. Aber Hand aufs Herz: Bei all dem Zucker Tag für Tag, schmeckt das dem Bäcker denn selbst auch noch? „Aber ja“, lacht Maximilian, noch bevor das Fragezeichen steht. Man muss schließlich auch verkosten und probieren. Den Angestellten empfiehlt er aber einen Kaugummi während der Arbeit, um nicht so schnell in Versuchung zu geraten. Jeder Beruf birgt eben seine Gefahren.

Wer eine Idee davon bekommen will, wie kreativ so ein Konditor­ meister Torten entwirft, der schaue auf den Instagram­-Account der Confiserie Hagn
Auch online nehmen die Hagns Bestellungen entgegen: www.confiserie-hagn.de

Confiserie Hagn
Seestr. 80
Rottach-Egern
Telefon 08022/673137
von 11.00 bis 18.00 Uhr

Hagns bunter Pralinenmix.

21. 10. 2021|

Bergfilmfestival Tegernsee

Ganz großes Kino

Das 18. Internationale Bergfilm-Festival Tegernsee startet am Mittwoch, 13. Oktober 2021.

Aus dem Film “My Upside Down World”, Regie: Elena Goatelli, Angel Esteban

Eine malerische Landschaft um den See, das Flair der kleinen Stadt und die familiäre Atmosphäre. Dazu Bilder, die begeistern, Geschichten, die bewegen. Das Internationale Bergfilmfestival Tegernsee steht seit jeher für Leidenschaft – bei allen Beteiligten, egal ob Filmemacher oder Zuschauer, Sponsor oder Veranstalter.

Die Auswahl des 18. Bergfilmfestivals umfasst erneut die gesamte Bandbreite des modernen Bergfilms: In Dokumentationen, Reportagen und Porträts werden Geschichten erzählt von der faszinierenden und komplexen Beziehung zwischen Mensch und Natur, von alpinen Spitzenleistungen, aber auch von besonderen Begegnungen und Erlebnissen in den unterschiedlichsten alpinen Kulturlandschaften dieser Welt. „Wir haben in allen Kategorien gute und auch einige absolut herausragende Filme“, freut sich Festivaldirektor Michael Pause.

Auch das Thema Pandemie wird in Tegernsee auf der Leinwand eine Rolle spielen. „Ich bin der Ansicht, dass ein Filmfestival immer eine Bühne für die außergewöhnlichen Filme bereithalten muss, die den Zuschauern neue Perspektiven zeigen und Türen öffnen“, betont Michael Pause. Und so wird es gerade bei der diesjährigen Auswahl interessant sein, welche ausgefallenen Wege die Filmemacher aus aller Welt während des Lockdowns eingeschlagen haben. Viel will Michael Pause davon noch nicht preisgeben: „Nur so viel: Es wird überraschend, es wird spannend und es wird auf jeden Fall ganz großes Kino!“

18. Internationales Bergfilm-Festival Tegernsee
Mittwoch, 13. Oktober bis Sonntag, 17. Oktober 2021
Verschiedene Veranstaltungsorte
Das komplette Programm finden Sie unter: www.bergfilm-tegernsee.de.

12. 10. 2021|

Der besondere Seemoment

Almabtrieb im Herbst

Die Tegernseer Illustratorin Katharina Bourjau lässt uns regelmäßig das Tegernseer Tal mit ihren Augen erblicken. Die Tradition des Almabtriebs lieferte ihr das Motiv für den besonderen Herbstmoment, den sie exklusiv für die “Seeseiten” festgehalten hat.

Text und Illustration: Katharina Bourjau

Illustratorin Katharina Bourjau

Schon immer faszinieren und inspirieren mich Farben und Symbolik von Festen und Ritualen in aller Welt. Besonders liebe ich den traditionellen Almschmuck, den Sennerinnen seit Generationen für den Almabtrieb Ende September im Tegernseer Tal gestalten. Diese knallbunten, überladenen und aufwendigen Gestecke für die Kühe sind für mich wie kleine Kunstwerke, die ich am liebsten sammeln und mir an die Wand hängen würde.

Für den außergewöhnlichen Kopfschmuck der Kühe werden Almrausch, Latschenkiefer, Silberdisteln und andere Gewächse aus den Bergen verwendet, oft kombiniert mit Heiligenbildern und Kreuzen. Mit dem Schmücken der Kühe und dem lauten Glockenläuten hat man schon seit jeher Böses vertreiben und Gutes feiern wollen. Heute noch werden die Kühe für den Weg ins Tal wunderschön geschmückt, allerdings nur, wenn kein Unglück den Almsommer trübte.

Ich nehme mir bei der Komposition meiner Bilder ab und zu die Freiheit, Situationen zu illustrieren, die vielleicht nicht genau so stattfinden. Eine bunt geschmückte Kuh, wie auch den Blick vom Wiesengipfel der Holzer Alm aus wollte ich schon lange zeichnen. Deswegen habe ich in dieser Illustration kurzerhand Landschaft, Farben, Tiere und Perspektive so miteinander verwoben, dass sie für mich zusammengehören und, in Anlehnung an den Blumenschmuck, in Rosa, Rot, Gelb und Grün getaucht. Die Elemente müssen dabei miteinander harmonieren oder sich manchmal sogar ein bisschen beißen. Je nachdem was das Bild „braucht“.

In der Ausstellung „Im bayrischen Paradies“ im Museum Tegernseer Tal findet ist noch bis 10. Oktober eines von Katharina Bourjaus Werken ausgestellt: eine riesige bayrische Spielkarte, gedruckt auf Plexiglas.

4. 10. 2021|

Felix Gatzka, altruistischer Bergsteiger

Mit Rollstuhl in die Berge

Wie kommen Menschen mit körperlichem Handicap dennoch in die Berge? Felix Gatzka verleiht für solche Zwecke einen speziellen Rollstuhl: die Joëlette.

Felix Gatzka

Felix Gatzka verleiht den Rollstuhl Joëlette über seine Website rolling-adventure.de.
Foto: Urs Golling

Hallo Herr Gatzka, was tun Sie gerade?
Ich habe die Joëlette gerade zurückbekommen. Jetzt säubere ich sie, warte alle Teile, wie Schrauben und Verschlüsse und schaue, dass sie für den nächsten Verleih gleich wieder fit ist.

Was ist denn die Joëlette?
Das ist ein spezieller Wanderrollstuhl, der es bewegungseingeschränkten Menschen möglich macht, sich auch in unwegsamerem Gelände fortzubewegen. Direkt unter dem Sitz ist ein großes Rad befestigt, hinten sind Griffe zum Schieben und vorne Schlaufen und Griffe zum Ziehen.

Warum haben Sie so einen speziellen Rollstuhl?
Meine beste Freundin Sarah und ich waren immer zusammen in den Bergen unterwegs. Als sie an ALS erkrankte, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, sie weiterhin mitzunehmen. Erst habe ich mit einer Schwerlastkraxe trainiert, aber das war zu umständlich und anstrengend. Sarah hat dann in Amerika einen Wanderrollstuhl entdeckt und wir haben die Joëlette (benannt nach Erfinder Joël Claudel) dann in Frankreich gefunden. Sofort war klar, das ist die Lösung. Wir haben sie  einmal ausgeliehen und eine Viertages-Tour in den Dolomiten gemacht und als ich genug Geld zusammen hatte, habe ich selbst eine Joëlette gekauft.

Rolling Adventure Tegernsee

Mit geeinter Kraft die Berge hinauf – für einen glücklichen Tag in den Bergen trotz Handicap.
Foto: www.rolling-adventure.de

Und konnten Sie mit Sarah dann wieder in die Berge?
Ja, wir waren wirklich viel unterwegs. Aber man braucht mindestens zwei bis drei Leute, die schieben und ziehen, wenn es bergauf geht. Es hat sich schnell eine gan- ze Gruppe zusammengefunden, die diese Möglichkeit, mit Sarah in Kontakt zu kommen, sehr geschätzt haben. Und auch ihr hat es gefallen, es war für sie bis zu ihrem Tod wie eine Flucht aus ihren vier Wänden. Wir sind sogar im Winter damit die Rodelbahn runtergefahren.

Und Sie verleihen den Bergrollstuhl auch?
Ja, wir möchten mit „Rolling Adventure“ einfach mehr Leuten die Möglichkeit geben, wieder „beweglicher“ zu werden. Gerade hier bei uns im Tegernseer Tal gibt es so viele wunderschöne Wander- oder Seewege, die für normale Rollstühle unmöglich zu passieren sind. Mit der Joëlette können behinderte, kranke oder ältere Menschen wieder mobiler werden und wieder mehr am aktiven Leben mit anderen teilnehmen. Das praktische ist, dass man die Joëlette zusammenfalten kann und sie dann wirklich in jeden Kofferraum passt. Wie genau der Aufbau funktioniert, erklären wir natürlich vor dem Verleih.

Und was kostet das Leihen?
Wir haben keine festen Preise. Jeder soll das bezahlen, was er kann oder möchte. Das ist ja ein gemeinnütziges Projekt. Aber jeder Cent, der durch den Verleih eingenommen wird, wird gespart, und wenn mehr zusammengekommen ist, möchte ich noch eine zweite Joëlette anschaffen, um noch mehr Menschen helfen zu können.

Die Abenteuer mit Joëlette können Sie auf dem Instagram-Account von Felix Gatzka verfolgen: @_rolling_adventure_
Den Rollstuhl können Sie unter www.rolling-adventure.de mieten.

Rolling-adventure.de

Dieser Moment des Glücks ist die Mühe wert.
Foto: www.rolling-adventure.de

27. 9. 2021|