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„Es genügt nicht zu leben,

man braucht ein Schicksal.“

Albert Camus

(Text mit Schreischrift)

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– Generation Schneeflocke –

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HELL

DUNKEL

WELTNEUHEIT

WELTNEUHEIT

KUNDENSTIMMEN

„Bei Klaus Höfler und seiner Leitstern Company merkt man sofort, dass hier ein Unternehmer berät. Er hat wesentlich zur erfolgreichen Markenführung beigetragen und unser Unternehmen mit kreativer, professioneller und zielgruppengenauer B-to-B-Kommunikation auf die Erfolgsspur gebracht.”

Dr. Richard vom Holtz, Geschäftsführer Apomanum GmbH

„Die Unterstützung von Klaus Höfler in einem persönlichen Coaching und einem Werte-Workshop mit unserem Führungsteam war in jeder Hinsicht wertvoll. Mit seinergleichzeitig pragmatischen, kreativen und lösungsorientierten Herangehensweise schafft er es in einer sehr angenehmen Gesprächs- und Arbeitsatmosphäre echte Erkenntnisgewinne entstehen zu lassen. Die Arbeit mit ihm macht Spaß und bringt Ergebnisse. Absolut empfehlenswert!”

„Die Zusammenarbeit macht sowohl fachlich als auch menschlich sehr viel Spaß. Projekt mit Herrn Höfler finden nicht in einer klassischen Kunden-Lieferanten-Beziehung statt. Vielmehr hat man immer das Gefühl, als Partner an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Es findet offene und ehrliche Beratung statt und keine Marketing-Budget-Maximierung. Herr Höfler zeichnet sich durch das besondere Gespür für die Situation und Bedürfnisse seiner Kunden aus und besticht darüber hinaus durch Fachkompetenz, Kreativität sowie absoluter Zuverlässigkeit und Termintreue.”

„Wir haben mit der Leitstern Company einen qualifizierten und sehr vertrauensvollen Partner zu unserer Markenstrategie sowohl in der Evaluierung wie auch Umsetzung an unserer Seite. Insbesondere mit dem Inhaber Klaus Höfler können Themen und Aufgaben
kreativ und wirkungsvoll verarbeitet werden. Durch seine regionalen Kenntnisse und umfangreichen Netzwerke ist er ein wertvoller Ideengeber und authentischer Berater.“

„Klaus Höfler und seine Leitstern Company berät uns vertrauensvoll, zuverlässig und kompetent bei allen Themen rund um unseren Markenauftritt. Wir schätzen seine Leidenschaft und Kreativität, mit der er sich stets der Umsetzung unserer Aufgabenstellungen widmet. Er ist in unserer Region bestens vernetzt, hat stets offene Ohren und wache Augen und ist so für uns zu einem wertvollen Rat- und Impulsgeber geworden.“

„Klaus Höfler und seine Leitstern Company sind meine Spezialagentur für begeisternde Kommunikationsmaßnahmen. Mit dem überzeugenden Workbook für meine Seminare habe ich ein Tool erhalten, das in diesem Marktsegment wirklich einzigartig ist. So werden meine Kunden zum Fan – und ich bin neuer Fan der Leitstern Company.”

„Bei Klaus Höfler und seiner Leitstern Company spüre ich die inspirierende UnternehmerEnergie eines erfolgreichen Anwenders unseres Lehrwerks.”

„Über die Jahre hinweg ist Klaus Höfler ein klarer und zuverlässiger Leitstern in meiner Arbeit als Speaker und Autor geworden. Ohne unseren intensiven Austausch hätten weder meine Vorträge noch mein Bestseller die klare Positionierung und den kreativen Tiefgang erhalten, der sie heute auszeichnet. Die Zusammenarbeit mit Klaus Höfler ist kein Bundesliganiveau, das ist absolute Champions League!“

„Mit Hilfe von Klaus Höfler und seiner Leitstern Company haben wir unserer Versicherungsgesellschaft einen neuen, frischen Anstrich verpasst. Nicht nur wir sind begeistert, auch unseren Kunden und Geschäftspartnern ist das positiv aufgefallen. Nebenbei haben wir wertvolle Erkenntnisse über Markenidentität, Markenwerte und Markenkern gewonnen. Und nicht zuletzt hat es großen Spaß gemacht. Vielen Dank dafür!“

„Die Zusammenarbeit mit Klaus Höfler macht in der Tat immer wieder Spaß, da sowohl kreative Ideen als auch zielgerichtetes Arbeiten nicht zu kurz kommen, wie sich auch an unserem Unternehmensslogan ‚precision & efficiency’ zeigt. Am Ende steht stets ein positives Ergebnis. Wir beauftragen deshalb die Leitstern Company immer wieder gerne für unsere produktspezifischen Marketingaufgaben im b-to-b-Segment.“
  • Mein Credo? Leben und leben lassen. Ich habe schon so viele Lebensgeschichten meiner Mandanten im Hintergrund mitschreiben dürfen, das macht mich schon ein wenig stolz. Das Leben ist mehr als Steuern und Abgaben und mir ist immer der Mensch gegenüber am wichtigsten.

    Karl Pflügler, Gründer und Inhaber der Steuerkanzlei Pflügler

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Den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Alles-Anders-Podcast von und mit Marion Kuchenny und Christian Jakubetz gibt es hier zu hören:

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Der Hirschfänger

Von der Waffe zum Schmuckstück

Der Hirschfänger ist heute ein beliebtes Trachtenmesser.

Text: Susanne Mayr
Foto: Urs Golling

Mit Hirschhorngriff und Stahlklinge wird aus einem einfachen Messer der traditionelle Hirschfänger.
Illustration: panthermedia

Auf der Jagd

Spätestens auf den Waldfesten wurden sie wieder ausgeführt, die Hirschfänger. Heute nur noch Brotzeitmesser und Zierde, steckt dahinter ursprünglich eine Waffe.

Als „Hirschfänger“ wurde früher bei den Jägern das Messer bezeichnet, das dazu verwendet wurde, den Hirsch zu erlegen. Das war lange vor der Erfindung von Schusswaffen und wirklich harte, blutige Arbeit. Damals war die Klinge, so belegen historische Stücke, schwertähnlich und 30 bis 50 Zentimeter lang.

Von der Waffe zum Brotzeitmesser

Man kann davon ausgehen, dass unser heutiger Hirschfänger eher eine Neuinterpretation des traditionellen Jagdmessers und keine Weiterentwicklung ist. Und schließlich ging früher kein Mann ohne Messer aus dem Haus.

Lange vergangene Zeiten, dennoch: Der Hirschfänger ist fester Bestandteil der Tegernseer Tracht. Schließlich hat jede „echte“ Lederhose an der Seite des Hosenbeins eine kleine Tasche, in der ein Hirschfänger Platz findet. Und hier trägt Man(n) ihn stolz – oft sind diese besonderen Stücke von Generation zu Generation weitergegeben, denn sie sind kaum kaputtzukriegen.

Der Griff ist meist aus Hirschhorn gefertigt, darin steckt eine langlebige, scharfe und robuste Stahlklinge. Die Gesamtlänge des Hirschfängers ist meist zwischen 20 und 25 Zentimetern, wobei die Klinge maximal 12 cm hat, um nicht als Waffe zu gelten.

Ungefährliche Zierde

Aber was ist denn eigentlich mit dem Waffengesetz? Aufgrund der Klingenlänge und dem Zweck gilt der Hirschfänger laut Waffengesetz weder als Hieb- noch als Stoßwaffe und darf deshalb getragen werden. Trotzdem schützen schöne Lederhüllen die Klingen, was vor allem hygienische Gründe hat. Und auch jeder Veranstalter hat das Recht, den Zugang zu verweigern, wenn man einen Hirschfänger trägt. Das sollte man sicherheitshalber vorher abklären.

Unser besonderes Stück wurde uns von einem Privatmann zur Verfügung gestellt. Der Griff ist traditionell aus Hirschhorn gefertigt, man sieht ihm die drei Generationen an, die ihn schon getragen haben. Die Klinge weist eine Prägung von Carl Everts Solingen auf. Die Scheide wurde nachträglich gekauft.

30. 9. 2022|

Hotel Alpenhof Bad Wiessee

Einmal neu erfunden

Wenn zwei Generationen gemeinsam ein Unternehmen führen, dann ist das nicht immer ganz einfach. Anders im Hotel Alpenhof in Bad Wiessee. Hier hat unsere Autorin ein familiengeführtes Hotel erlebt, das nicht nur schön, sondern auch sehr erfolgreich ist. Und in dem nach einer General­sanierung (fast) alles anders ist.

Text: Susanne Mayr

Hotel Alpenhof Bad Wiessee

Grüne Oase: der herrliche Garten mit Terrasse.
Foto: Hotel Alpenhof

Heute darf ich mir das Hotel Alpenhof mal genauer ansehen, was für mich etwas Besonderes ist, da es in meiner Nachbarschaft liegt. Letztes Jahr wurde der Familienbetrieb komplett umgebaut und umso neugieriger bin ich auf das Ergebnis.

Seit 18 Jahren ist das Hotel im Familienbesitz. 2004 kaufte Senior Donald John das damals in die Jahre gekommene Hotel Marina in der Anton-von-Rieppel-Straße. „Es gab hier sogar noch Etagenbäder, ich dachte ich bin im falschen Film“, erinnert er sich. Auch von außen wurden er und sein Projekt skeptisch beäugt. „Die Einheimischen haben gesagt: Jetzt kommt der spinnerte Starnberger und macht im Winter auf. Im Winter läuft hier nichts“, so John.

Service und persönlicher Kontakt

Sie sollten sich täuschen. „Heute haben wir eine Bettenauslastung von 98 Prozent“, sagt John. Guter Service, faire Preise und persönlicher Kontakt, das alles seien Dinge, die von den Gästen immer wieder als besonderes Plus genannt werden, erzählt Junior-Chef Chris John.

Kein Wunder also, dass er und seine Mitarbeiter jede Woche mehrere Stunden zur Pflege von Kundendaten aufwenden. Das heißt, das Hotel weiß von jedem Gast, der schon einmal da war, wo er gerne im Restaurant sitzt, welches das Lieblingszimmer ist oder was am liebsten auf den Teller kommt.

Hotel Alpenhof Bad Wiessee

Bayerisch-elegant: der neue Alpen Salon. Er ist hell, lichtdurchflutet und mit einem ausgeklügelten und energiesparenden Lichtkonzept versehen.
Foto: Hotel Alpenhof

Und wenn doch mal ein Problem auftauchen sollte, sind die Chefs immer präsent. Chris wohnt direkt im Hotel, Donald ist jeden Tag ab 7 Uhr im Haus. Der Großteil der Gäste ist Stammpublikum.

Alles neu

Natürlich muss sich auch ein gut laufendes Hotel immer wieder mal neu erfinden. 2020 wurde es generalsaniert; innerhalb von zwei Monaten sämtliche Möbel, Bäder, das Restaurant und auch die Rezeption neu gemacht. „Wir haben dabei junge Ideen und meine Erfahrung kombiniert und alles mit einheimischen Handwerkern umgesetzt“, so der Senior Hotelier. Den neuen Stil beschreiben die Geschäftsführer als bayerisch-elegant. Konkret: Viel Holz, viele typisch bayerische Details und dazu, natürlich, Bilder vom Tegernsee überall im Haus.

Das beste Beispiel für diesen neuen Stil: der neue Alpen Salon. Er ist hell, lichtdurchflutet – Chris John hat hier ein ausgeklügeltes und energiesparendes Lichtkonzept entwickelt – und zu klassischen Elementen wie Holz oder Filzkissen gesellen sich geradlinige Sofas und schlichte Sessel in hellem Grau. In den nächsten Jahren soll noch die Neugestaltung der Zirbenstube und des Spa-Bereichs folgen, der das Projekt von Chris John werden wird.

Ab ins Spa

Auch der jetzige Wellnessbereich entspricht dem hohen Niveau des Alpenhofs. Es gibt ein Schwimmbad, eine finnische Farblicht-Sauna, ein Dampfbad, einen Ruheraum und eine Liegewiese. Auch sportlich können die Gäste hier werden, denn es gibt neben einem Fitnessraum auch Leih-E-Bikes sowie einen Fahrradkeller für die mitgebrachten Bikes der Gäste.

Hotel Alpenhof Bad Wiessee

Für das Schwimmbad hat Junior Chris John schon große Pläne.
Foto: Hotel Alpenhof

Was mich aber am meisten interessiert, ist der Massagebereich. Denn hier behandelt Maria-Theresia Speer, die nicht nur Massagepraktikerin, sondern auch Kinesiologin und Heilpraktikerin ist. Ihr Aushängeschild sind vor allem ganzheitliche Behandlungen. Nach einem Rundgang durch den Spa-Bereich und einer kurzen Schwimmrunde, lege ich mich noch auf eine Liege in den Garten und genieße die Herbstsonne.

Besonders beruhigend wirkt auf mich das Rauschen des direkt am Grundstück vorbeifließenden Breitenbachs, der mich fast zum Einschlafen bringt. Doch der Wecker im Handy reißt mich aus der Entspannung und sagt mir, dass meine Behandlung ansteht.

Mein Körper spricht

Voller Erwartungen finde ich mich also im Massagebereich ein. Um mich genau so zu behandeln, wie ich es brauche, gehen wir zuerst einen ausführlichen Fragebogen durch, den die Therapeutin entwickelt hat. Schnell wird klar, dass nicht nur meine Nackenverspannungen ein Thema sein könnten, sondern mein gestresstes Ich an sich, wie sie erklärt: „Mein großes Ziel ist Entspannung, indem ich den Gast kennenlerne, um dann individuell auf ihn eingehen zu können. Und dazu gehört nicht nur der Körper, sondern auch das Denken und Fühlen.“

Mir empfiehlt sie eine Mischung aus Anti-Stress-, und Yang aktivierender Energie-Massage, wobei sie zuerst bei den Lymphen startet. Und jetzt habe ich wirklich das Gefühl, mein Körper spricht mit ihr. Sie spürt sofort, wo sie behandeln soll, mischt immer wieder eine Faszienmassage dazu und aktiviert verschiedene Fußreflexzonenpunkte. Ich erkenne Elemente aus der Osteopathie wieder und auch klassische Massagegriffe. Sie löst alte Blockaden und bringt spürbar die Energie wieder zum Fließen.

Hotel Alpenhof
Anton-von-Rieppel-Str. 26–28
Bad Wiessee
www.alpenhof-tegernsee.de

Donald und Chris John

“Unser Publikum hat sich stark verjüngt.” Die Geschäftsführer Donald und Chris John des Alpenhofs.
Foto: Urs Golling

20. 9. 2022|

Gleitschirmfliegen am Wallberg

Einfach abgehoben

Was gibt es Besseres als das Gipfelglück beim Bergsteigen? Noch ein bisschen über den Gipfel hinauszusteigen, das Alpenpanorama von oben sehen, mit dem Gleitschirm. Unsere Autorin hat ihre Ängste überwunden. Sie ist geflogen und sie warnt: Achtung, Suchtgefahr!

Text: Ute Watzl
Fotos: Urs Golling

Gleitschirmfliegen am wallberg tegernsee

Nur vom Schirm getragen diesen Ausblick genießen, das ist Gleitschirmfliegen am Wallberg.

Schwerelos durch die Luft schweben, die Welt von oben sehen, nur den Kräften des Windes ausgesetzt – der uralte Traum vom Fliegen. Ein Traum, von dem es heißt, alle würden ihn träumen. Alle? Nein.

Ich nicht. Ich fühle mich wohler, wenn ich festen Boden unter den Füßen habe oder Wasser um mich herum. Wenn es ums Fliegen geht, empfinde ich ein ausgeprägtes Miss- trauen in den mir unbekannten Piloten, in die Technik und ins Equipment. Keine Spur von Neid, wenn ich Gleitschirmflieger am Himmel sah. Da wird mir mulmig. So mulmig wie sonst nur, wenn ich von allzu steilen Berghängen tief hinabschaue. Für mich stand fest: Fürs Gleitschirmfliegen bin ich nicht gemacht. Bis ich Peter Targatsch traf, der mir voller Überzeugung sagte: „Gleitschirmfliegen ist Genusssport.“

Peter Targatsch betreibt ihn seit 14 Jahren. Eigentlich suchte er eine Ersatzsportart, weil er als fast professioneller Mountainbiker körperlich an seine Grenzen gekommen war. Gleitschirmfliegen wollte er von da an mit dem Berg- gehen verbinden. Einen Gleitschirm-Rucksack gibt es heute schon ab drei oder vier Kilo Gewicht. Und der Abflug vom Gipfel ist allemal knieschonender als der Abstieg. Eigent-ich wollte er es mit dem Fliegen ruhiger angehen. Doch je öfter er flog, desto besser wurde er, umso öfter konnte er auch fliegen. Und das hat er dann auch gemacht. Heute arbeitet er als Fluglehrer und Prüfer. Aus dem Mountainbike-Profi wurde ein professioneller Gleitschirmflieger. Für die Seeseiten steige ich also mit Peter in die Wallbergbahn, die uns zum beliebtesten Startpunkt für Tegernseer Gleitschirmflieger hinaufbringt. Auch Peter kommt hier ins Schwärmen. „Der türkisblaue See, das Tal und das Bergpanorama – es ist einfach einer der schönsten Startplätze in den Alpen.“

Wer meistens hier fliegen möchte, sollte es auch hier lernen, rät Peter. Es ist sinnvoll die Wind- und Wetterverhältnisse der Gegend gut zu kennen, in der man diesen Sport vorrangig betreiben wird. Denn der Knackpunkt beim Gleitschirmfliegen ist das Wetter: Man ist ihm vollkommen ausgeliefert. „Es ist nicht möglich, bei einem Schlechtwettereinbruch einfach stehenzubleiben, sich unterzustellen, sich festzuhalten“, erklärt Peter und bringt den Vergleich zum Skifahren: „Beim Gleitschirmfliegen kann sich eine blaue Piste urplötzlich in eine schwarze Piste verwandeln, wenn man nicht aufpasst.“ Und der muss man dann gewachsen sein. Die größte Herausforderung ist nicht das Fliegen selbst, sondern die richtige Einschätzung, ob das Wetter dafür geeignet ist und für die geplante Flugdauer hält.

Startplatz für Gleitschirmflieger am Wallberg

Und jetzt: Laufen! Doch der Wind lässt uns schon schnell abheben.

Mit jedem Höhenmeter wächst die Anspannung

Heute ist das Wetter stabil. Trotzdem: Mit jedem Höhenmeter, den die Wallbergbahn aufsteigt, wächst meine Anspannung. Ich blicke in die Tiefe, um meine Schwindelfreiheit zu testen. Oben angekommen, lenkt mich noch der erstklassige Ausblick auf den Alpenhauptkamm hinter der Wallbergkapelle von meinem Vorhaben ab. Doch dann stehe ich am Startplatz, vor mir die steile Wiese, dahinter den See in Tiefblau vor Augen. Andere Flieger heben vor mir ab, bunte Schirme schweben ins Bild. Sie suchen Thermik, um in ihr aufsteigen zu können. Bei mir steigt erstmal nur der Puls.

Peter erklärt mir, was ich gleich zu tun habe. Und das ist ausgesprochen wenig: Den See im Blick behalten und nicht nach unten schauen, ein, zwei große Schritte nach vorn und dann auf Kommando laufen. Was nicht geht, ist einfach stehen bleiben, denn dann kann es zum Sturz von Pilot und Passagier kommen, weil der Schirm schon aufgespannt ist. Wer sich hier den Gurt anschnallt, sollte sich also auch sicher sein, dass er fliegen möchte.

Während Peter den Schirm ausbreitet und mir Helm und Gurt anlegt, fachsimpelt er über mangelnde Thermik. Wie es aussieht, wird es heute nicht einfach werden, über den Gipfel des Wallbergs hinaus aufzusteigen, um über ihn hinweg nach Süden auf die Bergketten zu sehen. Mir ist das in dem Moment herzlich egal, ich will den Start hinter mich bringen und endlich wissen, wie ich auf den Flug reagiere.

Doch dann geht alles so schnell, dass ich kaum Zeit habe, mich um meine Ängste zu kümmern. Peter steht plötzlich hinter mir. „Und jetzt laufen!“, ruft er sein Kom- mando. Der dritte Schritt geht schon ins Leere. Unfassbar, ich hänge tatsächlich frei in der Luft, meine Füße unter mir baumeln 1000 Höhenmeter über dem Tegernseer Tal, und wir halten auf den Tegernsee zu, einfach so. Von Höhenangst keine Spur. Peter steuert nach rechts, wir schweben über den Bergwald auf der Suche nach Thermik.

Mein Körper entspannt sich und ich fange tatsächlich an, den Flug zu genießen. Davon ermutigt, beginnt Peter zu rollen, was bedeutet, dass wir uns in Schräglage drehen. Und das hat direkte Auswirkung auf meinen Adrenalinpegel. Dem Schirm komplett ausgeliefert werde ich willkürlich hin und her geschwenkt. Und ich weiß nicht, ob mich das ängstigt oder ob ich das schon ziemlich cool finde. Fast hätte ich mir ein bisschen mehr davon gewünscht. Ich bekomme eine leise, ganz leise Ahnung davon, wie facettenreich Gleitschirmfliegen sein kann, von der Genussvariante über ambitioniert bis hin zum Extremen.

Gleitschirmfliegen am Tegernsee

Dem Himmel so nah. Die anfängliche Anspannung löst sich schnell auf.

Die einen betreiben es als knieschonende Abstiegsvariante für Berggeher, die anderen als Streckenflieger. Sie fahren mit der Bahn hoch und versuchen von Berg zu Berg die längst mögliche Strecke mit dem Gleitschirm zurückzulegen. Und dann gibt es noch die Akrobatik-Flieger, die möglichst anspruchsvolle Manöver fliegen. Während man beim Akro- und Streckenfliegen die Extreme sucht, geht es beim herkömmlichen Gleitschirmfliegen ruhig zu, so wie bei uns. Wir fliegen immer tiefer. Zeit, diese Perspektive auf die Landschaft unter mir ganz bewusst zu verinnerlichen und abzuspeichern: der Blick über den See und Gmund hinweg bis nach München, die Weißach unter meinen Füßen, Schloss Ringberg und das Kreuther Tal – wer weiß, wann sich mir die Gelegenheit noch einmal bietet. Moment, habe ich das jetzt wirklich gedacht?

Nach 15 Minuten ist der Flug vorbei – leider!

Zu schnell jedenfalls ist der Flug nach etwa 15 Minuten vorbei. Leider haben wir keinen Auftrieb gefunden, der das Vergnügen in die Länge gezogen hätte. Die Flugdauer lässt sich in diesem Fall nur wenig beeinflussen. Ohne Auftrieb fliegt man recht konstant rund 40 km/h und sinkt dabei jeweils einen Meter in der Sekunde. Im Winter, wenn der Boden mit Schnee bedeckt ist, dauert der Flug vom Wallberg maximal 10 Minuten. Wegen der weißen Fläche im Tal, gibt es dann keine warme Luft, die aufsteigen könnte. Ohne diese Thermik kann der Gleitschirm nicht aufsteigen.

Im Frühjahr dagegen erleben Gleitschirmflieger das Gegenteil, wenn der Boden sich bereits erwärmt, aber die Luft noch kühl ist, steigt die aufgeheizte Luft besonders gut vom Boden nach oben, und der Flieger mit ihr. Gute Piloten können dann den ganzen Tag fliegen. Sie springen von Thermikquelle zu Thermikquelle, von Berg zu Berg. Der Weltrekord liegt da bei 600 Kilometer am Tag, in den Alpen kommen gute Flieger auf etwa 300 Kilometer. Im Sommer und Herbst ist die Thermik etwas moderater.

Peter gibt noch einmal Anweisungen für die Landung: Aus dem Sitz wieder aufrichten, die Arme vor den Körper und am Boden ein zwei Schritte mitlaufen. Überraschend sanft bekomme ich wieder den Boden unter die Füße, die Landung ist nicht mal im Ansatz ein Springen, genauso wenig wie der Start.

Tandemflüge wie diesen kann jeder machen, der nicht zu schwer ist und bei Start und Landung ein paar Schritte gehen kann. Wer selbst fliegen lernen möchte, der hat mittlerweile die Qual der Wahl bei den Flugschulen. Flugschüler absolvieren zunächst einen fünftägigen Grundkurs an einem Übungshang: erste Aufziehübungen, um den Schirm über sich zu bekommen, der Umgang mit den Steuerleinen, der richtige Körpereinsatz, dann erst die ersten Hüpfer, bis hin zu Flügen von zehn bis 15 Sekunden.

Begleitend besucht der Schüler einen Theoriekurs. Gänzlich frei ist man nämlich doch nicht in der Luft. Statt an Vorfahrts- muss man sich an Vorflugregeln halten, dazu Luftrecht und vor allem viel Meteorologie. „Wer fliegen lernen will, muss sich viel mit dem Wetter beschäftigen“, sagt Peter.

Erst dann beginnen die ersten Höhenflüge vom Berg, begleitet per Funk von Fluglehrern am Start- und am Landeplatz. Nach 40 Flügen, 20 Stunden Theorie sowie praktischer und theoretischer Prüfung ist der Flugschein sicher. So weit gehen meine Pläne nicht. Aber ich gebe zu: Heute blicke ich anders hinauf zu den Gleitschirmfliegern am Wallberg. Ein bisschen Neid ist jetzt doch dabei.

Die Auswahl an Gleitschirmflug-Anbietern am Wallberg ist groß.vEin Tandemflug kostet dort ca. 160 Euro. Wer das Gleitschirmfliegen lernen möchte, muss schon ein wenig ansparen, so zwischen 5000 bis 7000 Euro, davon kostet die Ausbildung 1500 bis 2000 Euro, dazu das Gurtzeug, Rettungsschirm und der Gleitschirm.

Mehr Infos gibt es hier:

Fürs Tandemfliegen
Fürs Fliegenlernen

Gleitschirmfliegen am Wallberg

Nach der sanften Landung steht fest: Das war sicher nicht mein letzter Flug.

12. 9. 2022|

Seeseiten online lesen

ePaper: Seeseiten-Ausgabe 70, Sommer 2022

Die aktuelle Ausgabe zum Lesen auf dem Bildschirm.

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Die Herbstausgabe der Seeseiten mit u.a. folgenden Themen:

  • Leicht abgehoben: Mit dem Gleitschirm über dem Tal
  • Tricky Trail: Biken auf dem „Hirschi“
  • Eine für alles: Interview mit Christine Eixenberger

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31. 8. 2022|

Mountainbike-Trail für Kinder

Tricky Trail

Mit dem Mountainbike fahren ist es wie mit dem Ski fahren: Um es richtig gut zu können, lernt man es am besten als Kind. Deswegen gibt es bei den Kreuther Hirschbergliften nun auch einen Mountainbike-Trail für Kinder – kurz, aber knackig.

Text: Ute Watzl / Fotos: Sabine Ziegler-Musiol

Hirschi-Trail Tegernsee

Mit breitem Grinsen kommen die Kinder im Ziel an.

Das Leben ist ein Mountainbike-Trail, könnte man meinen. Mal geht’s aufwärts, dann wieder muss man durch die eine oder andere Niederung, und gelegentlich wird’s knifflig – dann braucht man viel Stehvermögen, um sich im Gleichgewicht zu halten. Und so rasend es gerade noch zuging, so schnell wird man plötzlich ausgebremst durch Hindernisse, die überwunden werden wollen.

So ungefähr ließe sich auch der lange Weg zum kurzen „Hirschi“ beschreiben, dem neuen Mountainbike-Trail für Kinder an den Kreuther Hirschbergliften. Über zwei Jahre ist es her, dass mit den ersten Planun- gen begonnen wurde, jetzt ist er fertig.

Naturbelassen, ohne künstliche Einbauten

Christine Miller von der Tegernseer Tal Tourismus und das Team um Albert Meier von der Outdoorschule Tegernsee sind diesen Weg gegangen. Schon im April 2020 war die Strecke für einen Kinder-Bike-Trail festgelegt: Ein naturbelassener Pfad sollte es sein, auf natürlichem Waldboden und ohne künstliche Einbauten; einer, zu dem die Kinder auch selbst hinaufradeln können, ohne auf Aufstiegshilfen angewiesen zu sein. Am Ende sollte ein kleiner, aber feiner Rundkurs stehen, mit einer 200 Meter langen Abfahrt über 80 Höhenmeter durch den Wald.

Doch kaum waren die behördlichen Genehmigungen eingeholt, vermasselte der erste Lockdown den Start. Und kurz nach dem ersten Spatenstich kam ein früher Wintereinbruch – Vollbremsung. Dann wieder Corona, und so weiter. Am Ende zog sich die Umsetzung über ein Jahr von Oktober 2020 bis November 2021. Erst im vergangenen Frühjahr dann konnte das Team der Freiwilligen ans Feintuning der Strecke gehen. „Immer wieder hieß es: Durchhalten, dranbleiben“, erzählt Christine Miller.

Das gilt nun auch für den Mountainbike-Nachwuchs. Denn: „Der Trail ist nicht ganz ohne, man braucht schon Fahrkönnen.“ Das sagt Christian Räß, dessen Söhne Benedikt (15) und Quirin (13) be- geisterte Mountainbiker sind. Aber gerade, weil sie sich die Strecke erst einmal erarbeiten müssten, ohne dabei komplett überfordert zu sein, mache sie den Kindern einfach Spaß, so Räß.

Hirschitrail am Hirschberg in Kreuth

Hand an der Bremse, Blick auf den Trail – früh übt sich, wer ein sicherer Mountainbiker werden will.

„Ich find‘s cool, dass ich mich hier einfach mit meinen Freunden zum Biken treffen kann und wir dafür nicht mehr so weit fahren müssen“, sagt Benedikt. Denn Fahrtraining für Kinder gab es bisher nur auf dem Trail in der Langenau bei der Schwaigeralm, für viele Kinder zu weit. Auch die neunjährige Lena hat den Hirschi schon fast gemeistert. „Er macht richtig Spaß, aber an manchen Stellen ist er tricky“, sagt sie. Im dritten und schwierigsten Teil musste sie noch absteigen. „Aber danach kann man bis ins Ziel laufen lassen“, freut sie sich.

Sich den Hirschi zu erobern, das geht vielleicht nicht beim ersten Mal, wohl aber Etappe für Etappe. „Die kleineren Kinder können bei den Großen abschauen, wie es geht“, sagt Andrea Meier. Als Mountainbike-Guide weiß sie, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Der Trail ist spannend und technisch anspruchsvoll.“ Wo schaue ich hin, bevor ich die Kurve nehme? Welche Linie wähle ich, um das nahende Hindernis souverän zu meistern? Wieviel Geschwindigkeit muss ich aufnehmen, um nicht ins Schlingern zu geraten? Antworten darauf geben sich die Kids nach und nach, mit jedem weiteren Versuch.

Erst einmal die Regeln checken, denn ohne die geht’s auch auf dem Kidstrail nicht.

Auch hier heißt es wieder: Nicht aufgeben, nach einem Sturz wieder aufstehen und weitermachen. „Der Glaube an uns selbst prägt schließlich unser Leben“, sagt Andrea Meier.

Kameradschaft unter Gleichgesinnten

Und dann ist da noch das große Miteinander. Geht es nach den Wünschen der Initiatoren, dann erleben die Kinder und Jugendlichen auf dem Hirschi ein großes Stück Kameradschaft unter Gleichgesinnten. Sich gegenseitig helfen, Rücksicht nehmen und sobald man es selbst kann, den anderen mit Tipps zur Hand gehen, das soll Teil des Trail-Erlebnisses sein.

„Wer ohne Freunde herkommt, der wird sie hier finden“, sagt Andrea Meier. Schließlich ist der Hirschi-Trail selbst ein Tegernseer Gemeinschaftsprojekt. Eltern, Kinder, Jugendliche, Mountainbike- und Langlaufguides haben in ihrer Freizeit daran mitgearbeitet. Mit der Beschilderung wurden Kreuther Handwerker beauftragt. Auch jetzt noch dürfen sich die Kinder mit Anregungen zur Verbesserung ihres Trails einbringen. Und Christian Räß sieht es so:

„Wenn es einen offiziellen Trail gibt, dann fahren die Kinder nicht irgendwo im Wald herum – dann wissen wir wenigstens, wo sie sind.“

Auf den ersten Blick ist der Trail jedoch kaum zu sehen, so perfekt in den Wald integriert ist er angelegt worden. Von großen Rampen auf der Wiese, wie man sie andernorts sieht, keine Spur. So Mancher sieht den „Hirschi“ daher als Beginn einer größeren Geschichte. Vielleicht wächst er eines Tages zu einem Hirschen aus.

Zum Hirschi-Trail: Vom Parkplatz Bachlerweg in Kreuth bei der Skischule Tegernsee rechts am Waldrand dem Feldweg bis zum Einstieg des Trails folgen. Das Ziel ist wieder kurz oberhalb der Skischule. Der Hirschi-Trail ist nicht nur für Einheimische. Bikeshops und Bikeschulen bieten Gästekindern im Sommerprogramm dort Mountainbike-Kurse an. Extra Downhill-Bikes brauchen die Kids dafür nicht. Ein normales Mountainbike mit Federgabel reicht völlig aus.

“Wer ohne Freunde herkommt, der wird sie hier finden.”

30. 8. 2022|

AlmResidency

Die Kunst im Walde

Auf den Rechelkopf zwischen dem Tegernsee und Bad Tölz kann man wandern, man kann um ihn herum radeln und ihn mit Tourenski besteigen – oder aber man geht dorthin, um junge Kunst zu sehen. Einmal im Jahr ist das möglich, während der AlmResidency.

Text: Ute Watzl

Almresidency beim Tegernsee

Performance-Künstlerinnen tanzen um die Installation von Herta Seibt.
Foto: Magdalena Jooss

Was passiert, wenn sich ein Forstwirt am Tegernsee für junge Kunst begeistert und seinen Wald einmal mit anderen Augen sehen möchte? Mit Augen, die gern über den Tellerrand schauen und schon von Berufs wegen ungewöhnliche Perspektiven suchen? Er lädt ausgewählte Künstlerinnen und Künstler in den Wald ein, gibt ihnen Unterkunft in zwei gut erhaltenen Berghütten, die sich dort befinden, und lässt sie dort zehn Tage in Ruhe an ortsbezogenen Projekten arbeiten. In aller Einfachheit, inmitten der Natur, fernab des Alltags und ihres gewohnten Umfelds.

Jahr für Jahr passiert das nun am Fuß des Rechelkopfes (1330 m), seit 2016 schon, und kaum jemand kennt sie, die AlmResidency.

Jedes Jahr im September beziehen fünf Kunstschaffende die über hundert Jahre alte Ochsenhütte tief im Wald und das Jagaheisl einige hundert Meter weiter oben unterm Gipfel. Beide gehören Leo Bendel, wie auch der Wald in diesem ruhigen Gebiet oberhalb Mariensteins bei Waakirchen.

Die Natur beherrscht das Geschehen, scheinbar endlos läuft der Wanderer hinein ins dichte Grün, begleitet vom Rauschen des Bachs und der Blätter und nur hin und wieder überholt von einem Mountainbiker. Die Welt da draußen mit ihrem Straßenlärm, ihrer Hektik und Geschäftigkeit hat man hier weit hinter sich gelassen.

„Ich möchte Künstler in den Dialog mit dieser Landschaft treten lassen, die mich selbst immer wieder aufs Neue bewegt“, sagt Bendel. Jedes Mal erlebe er eine kleine Wesensveränderung, wenn er hier eintauche. Aber Bendel hat eben nicht nur Freude an seinem Wald, sondern auch daran, mit kreativen Menschen in Austausch zu treten, sie mit Dingen zu konfrontieren und ihre Sichtweise darauf kennenzulernen.

Magdalena Jooss und Janina Totzauer Almresidency

Janina Totzauer und Magdalena Jooss organisieren die AlmResidency.
Foto: Franziska Schrödinger

Und so treffen Wanderer auf dem Weg zum Rechelkopf vielleicht auf Künstler, die an Skulpturen, Installationen und Medienprojekten arbeiten, Videos drehen, fotografieren, zeichnen oder musizieren.

So wie vor sieben Jahren Janina Totzauer und Magdalena Jooss. Die eine setzte sich filmisch mit mittelalterlichen Ritualen in Bayern auseinander, die andere entfremdete zusammen mit der Fotografin Petra Höglmeier Fotos und zog eines davon auf eine große Lkw-Plane auf. Die hängt noch heute instagram-tauglich wie eine Leinwand zwischen zwei Bäumen und überrascht Wanderer, die von der Sigriz-Alm hinab zur Ochsenhütte den Forstweg abkürzen, mit einem Stück kitschig goldenen Sonnenscheins im Wald. „Selfie-Park“ nennt sich die Arbeit.

Ein kleiner Bruch in der Szenerie, aber dennoch fügt sich das Bild perfekt in sie ein. Janina und Magdalena lernten sich hier in Leos Wald kennen. Eine schicksalhafte Begegnung, denn noch heute teilen sie sich ein Atelier in München und seit 2018 organisieren sie die AlmResidency des Försters, die er zwei Jahre zuvor mit der Münchner Künstlergemeinschaft Kollektiv super+ ins Leben gerufen hatte.

Jahr für Jahr wählen sie gemeinsam mit Gastjuroren fünf Künstler und Künstlerinnen aus den eingesandten Bewerbungen aus. Mit jeder Ausschreibung trudeln mehr davon ein. Zuletzt waren es über 150, und sie kommen inzwischen aus der ganzen Welt.

Jedes Jahr wollen Janina und Magdalena auch einen Gast eines anderen Kontinents in den Hütten einquartieren, weil diese einen ganz anderen Blick auf diese Landschaft haben. Dazu Kunstschaffende aus München, Deutschland und Europa.

Was zählt, ist ein überzeugendes Konzept, das der Künstler vor Ort umsetzen möchte, und ob es zu Umfeld und Umständen passt. „Das Projekt soll ja auch im Wald, in der Einsamkeit und bei Schlechtwetter funktionieren“, sagt Janina. Es ergibt sich von selbst, dass die Arbeiten am Ende viel mit dem Ausgesetztsein in der Natur zu tun haben.

Leo Pendel und Künstlerinnen der Almresidency

Förster und Waldbesitzer Leo Bendel lädt die Künstler zum gemeinsamen Essen und betreut sie vor Ort.
Foto: Magdalena Jooss

Das enge Miteinander mit Unbekannten in der alten Ochsenhütte, die Einsamkeit im Jagaheisl, Holz hacken, Feuer schüren, kein fließendes Warmwasser und im Jagaheisl nur eine Gießkanne als Dusche – auf das alles muss man sich einlassen können.

Haben sich die Kunstschaffenden ein paar Tage eingelebt, dann nimmt Leo sie mit auf eine Waldführung und weist sie ein in seine Arbeit und die Geheim- nisse des Waldes. Auch ein gemeinsames Künstleressen organisiert er. Und manchmal kommt er ganz unvermittelt vorbei – mit einem erschossenen Reh. „Solche Momente treten dann etwas los bei den Künstlern“, sagt er.

Dieses Jahr werden zwei Medienkünstlerinnen aus Belarus und Berlin im Jagaheisl wohnen. Sie arbeiten gemeinsam an virtuellen Welten. Zum ersten Mal wird auch ein Musiker Teil der AlmResidency sein, ein Jazz-Funk-Gitarrist aus Tunesien. Möglicherweise werden also Gitarrenklänge im Wald erklingen und vielleicht ergibt sich eine Kooperation mit einer Medienkünstlerin. „Man weiß nie genau, was da passiert im Wald“, sagt Janina.

Was dann während der zehn Tage geschehen ist, davon können sich Interessierte auf einer eigens dafür organisierten Wanderung am dritten September-Wochenende ein Bild machen. Nach einer gemeinsamen Tour zu den Hütten präsentieren die Kunstschaffenden dort ihre Arbeiten. Dann kommen auch Ein- heimische und Münchner mit ihnen ins Gespräch.

Mehr davon wünscht sich Leo Bendel. Solche Begegnungen wie letztes Jahr, als der koreanische Künstler den Tegernseer Waldarbeiter anlässlich eines koreanischen Feiertags zu einer typischen Festtagssuppe in die Almhütte lud. Oder als die Peruanerin die Bergmesse auf dem Rechelkopf besuchte. „Das sind sehr besondere Momente“, sagt Leo Bendel.

Seine Erwartungen an sein „Experiment“ jedenfalls wurden weit übertroffen. Sein eigener Blick auf seinen Wald hat neue Facetten bekommen – und auch sein Bild von sich selbst als Förster, spätestens seit Sobia Zaidi aus Pakistan nach der Waldführung zu ihm sagte: „Verstehe, du bist so etwas wie der Kurator des Waldes.“

Da sei was dran, sagt Bendel. „Als Förster, der Waldnutzung betreibt, bin ich ja kreativ. Ich gestalte Landschaft, verändere das Bild des Waldes, lasse Dinge bewusst weg, und schaffe Räume für Neues, und das manchmal ziemlich radikal.“

Die AlmResidency 2022 findet vom Fr., 09. bis So., 18. September statt. Am zweiten Wochenende ist wieder eine öffentliche Wanderung von Marienstein zu den Hütten geplant. Der Treffpunkt wird auf der Website bekanntgegeben: www.almresidency.com

Im Frühjahr 2023 findet in München wieder eine Ausstellung mit den weiterentwickelten Projekten der Künstler und Künstlerinnen statt.

Ochsenhütte der Almresidency

Die über 100 Jahre alte Ochsenhütte wird von vier Kunstschaffenden bewohnt.
Foto: Magdalena Jooss

30. 8. 2022|

Influencerin Elisabeth Rixfehren

Wenn die Bummi sinniert

Jahrzehntelang kam Elisabeth Rixfehren wunderbar ohne Handy zurecht. Heute betreibt sie als „Bummi Rix“ einen der beliebtesten Instagram-Accounts aus dem Tegernseer Tal – ohne auf Follower zu schielen.

Text: Tatjana Kerschbaumer
Fotos: Andreas Leder

Influencerin Elisabeth rixfehren

„Ich liebe es, nach der Arbeit einen kurzen Abstecher zu „meiner“ Brücke zu machen, denn die Stimmungen, die man hier erleben kann, sind einfach wunderschön.“

Zum 50. Geburtstag zog das erste Handy ein. 2013 war das, und natürlich kam kein alter Nokia-Knochen ins Haus, sondern ein Smartphone. Fünf Jahre später hob Elisabeth Rixfehren, die Freunde und Bekannte nur „Bummi“ nennen, ihren Instagram-Account aus der Taufe – Tochter sei Dank, die beim Erklären und Einrichten Unterstützung leistete. Seitdem haben sich unter dem Foto-Feed @bummi.rix mehr als 7.000 Follower versammelt. Und das, „obwohl ich weder Model noch Weltreisende bin“, sagt die Betreiberin und zuckt mit den Achseln. „Aber ich dachte mir: Ich kann doch da auch als ganz normaler Mensch posten, was ich sehe und was ich mir denke.“

Bummis Erfolgsrezept: Bilder aus ihrer Heimat, dem Tegernseer Tal – gemischt mit ein paar Ausflügen, zum Beispiel in den österreichischen Karwendel, wo sie ebenfalls gern wandern geht und Zeit verbringt. Am liebsten postet sie aus Gmund, ihrem Heimat- und Wohnort: Sonnenuntergänge von ihrem Garten aus gesehen, den Blick von der Gmunder Brücke über den See. Mit der verbindet sie viele Erinnerungen: Etwa, wie sie als Kind darüber zum Volksfest gelaufen ist. „Wir sind im Paradies geboren“, sagt sie. Da sei es schließlich naheliegend, das Schöne nicht nach zehn Flugstunden am anderen Ende der Welt zu suchen, sondern vor der eigenen Haustür.

„Ich sag‘ nicht philosophieren, sondern sinnieren“

Als „leidenschaftliche Fußgängerin“ hat sie sich vorgenommen, im Umkreis von circa 80 Kilometern rund um den Tegernsee „noch viel mehr kennenzulernen“. „Da kommt man bei uns auch richtig weit: Zum Beispiel auch ins Chiemgau, wo es ja auch sehr schön ist.“ Einfach nur ansprechende Bilder von sattgrünen Almwiesen, einsamen Feldkreuzen oder urigen Bauernhöfen in die Welt zu senden, ist aber nicht ihr Ding. „Ich sag‘ nicht philosophieren, sondern sinnieren“, sagt sie und lacht: „Das hat schon meine Oma so gesagt.“

Influencerin Bummi Rix in Tegernsee

Authentisch, ungeschminkt und kein Schielen auf Follower: Elisabeth Rixfehren mag sich für Instagram nicht verstellen.

Zu jedem Bild schreibt Bummi einen kleinen Text: Mal über das, was ihr beim Anblick eines Wurzelstocks im Wald durch den Kopf geht, mal über ihren Großvater, der „Kracherlmacher“ war – also eine Limonadenproduktion im Keller unterhielt. Manchmal geht’s auch ein bisschen um die Lage der Welt, klar. Sinnieren eben. Und das kommt gut an: Meist mehrere Dutzend Antworten unter Bummis „Sinnierereien“ bestätigen es.

„Das Ganze soll ja auch sozial sein, nicht nur auf Follower gemünzt. Ich bin auch niemand, der da so genau drauf schaut: Wie viele es jetzt genau sind, wie viele Likes ein Post bekommt.“ Dafür, sagt sie, hat sie über Instagram schon viele nette Kontakte aufgebaut, durch Kommentare und Chats. „Es gibt manchmal schon kleine Seelenverwandtschaften und bleibende Freundschaften“.

Mit einer Dame traf sie sich im Salzkammergut, das erste Mal, „ganz ohne zu wissen, wie sie heißt oder wie sie ausschaut“. Erkannt haben sich die beiden dann trotzdem gleich. Ein anderes Mal, als Bummi öffentlich mit den neuen Instagram-Videos „Reels“ haderte und übers Einstellen ihres Accounts nachdachte, stand postwendend ein Pärchen aus Garmisch im Gmunder Café Wagner auf der Matte. Das ist seit 43 Jahren Bummis Arbeitsplatz und irgendwie auch ihr zweites Wohnzimmer. Die Botschaft an der Kuchentheke war klar: Bitte bloß nicht aufhören!

Auf ihren Fotos soll nicht jeder gleich sehen, wo genau sie gerade ist

Also wird weitergemacht. Aber ist das nicht auch ein Problem, mit so schönen Aufnahmen eventuell noch mehr Touristen und Tagesausflügler an den Sehnsuchtsort Tegernsee zu ziehen – der ehrlicherweise oft überlaufen ist? „Ich glaube, Instagram ist nicht wirklich schuld daran“, sagt Bummi. Eher schon die großen Tageszeitungen und etliche Wanderapps, die auch noch den geheimsten Geheimtipp bis auf den letzten Zentimeter beschreiben. Sie achte allerdings trotzdem meistens darauf, „dass durch die meisten Bilder keiner ganz genau weiß, wo ich gerade bin“.

Influencerin Elisabeth Rixfehren

Meistens richtet Elisabeth Rixfehren die Kamera nicht auf sich, sondern auf die Welt, die sie umgibt.

Ganz Hartnäckige fragen per Nachricht nach – bekommen aber nur Auskunft, wenn Bummi sie schon länger kennt oder viceversa ebenfalls mal mit einem Ausflugstipp rechnen kann.

Über den Tag kommt so rund eine Stunde zusammen, die Bummi auf Instagram verbringt. Eigentlich gar nicht so viel, wenn man bedenkt, dass sie sich Zeit nimmt, auf möglichst alle Kommentare einzugehen, mit einigen Menschen zu schreiben – und auch mal selbst zu stöbern. Sie folgt überwiegend Profilen, die auch „ein bisserl was dazuschreiben“ und Bilder zeigen, „wo ich vielleicht nicht so hinkomme“. Ganz hohe Berge oder die Mecklenburger Küste zum Beispiel.

„Bei allem Gestellten bin ich weg“, sagt sie. „Ein mega-perfektes Foto verliert für mich oft schon wieder. Für mich sollte der Post aussagen, was der Mensch sich dabei gedacht hat.“ Auch bezahlte Werbe-Partnerschaften sieht sie skeptisch. Bummi zeigt sich als eingefleischter Heavy Metal- und Hardrock-Fan schon einmal im passenden T-Shirt, das ihr besonders gut gefällt, dann wird auch der Hersteller erwähnt. Ehre, wem Ehre gebührt. Geld geben lässt sie sich dafür nicht. „Ich denk‘ mir: Alles, was mit Geld zusammenhängt, kommt in dem Fall nicht mehr richtig von mir, nicht von innen.“

Einige ihrer Fotos und Gedanken hat sie in zwei Bücher gepackt, die für Gäste im Café Wagner auch zum Anschauen ausliegen. „Ganz professionell sind die nicht“, sagt sie, als sie die Bände auf den runden Tisch in der Ecke legt. Ein Profi-Layout scheint den Leserinnen und Lesern aber nicht so wichtig zu sein. Im Gästebuch des Lokals findet sich der Eintrag: „Das hat mich für einen Moment aus einem Tief herausgeholt.“ Bummi strahlt. Und sagt dann: „Das ist doch der schönste Lohn.“

Bummis 3 Tipps
für einen erfolgreichen Instagram-Account

1. Sei du selbst. Spiel nichts vor, was es nicht gibt.
2. Es muss nicht alles perfekt sein.
3. Text unter dem Bild: Sehr gerne. Aber bitte keine Kalendersprüche wie „Carpe Diem“ – das ist gut gemeint, sagt aber nichts über den Menschen hinter dem Profil aus.

25. 8. 2022|

Oldtimer-Experte Thomas Glas

Der Oldie-Flüsterer

Wenn es um Oldtimer geht, dann ist nicht nur Mechaniker-Geschick gefragt. Sondern auch: echte Begeisterung für Fahrzeuge, deren wahre Werte nur Liebhaber kennen und die nicht in Euro auszudrücken sind. Ein solcher Experte ist der Tegernseer Thomas Glas.

Text: Susanne Mayr
Fotos: Urs Golling

Thomas Glas Oldtimer-Experte am Tegernsee

Thomas Glas hat seine Leidenschaft für Oldtimer zum Beruf gemacht.

Für einige ist ein Auto vielleicht nur eine Karosse mit vier Rädern, die uns von A nach B bringt. Aber es gibt auch solche, die mehr sind als ein nützliches Ding: Oldtimer. 

Das mechanische Klicken des Türgriffes, das leise Quietschen der Federkernsitze, der spezielle Geruch und schließlich das tiefe Brummen oder Gluckern eines in die Jahre gekommenen Motors – Liebhaberherzen schlagen höher beim Anblick eines Oldtimers.

Einer, der diese Faszination seit Kindheitsbeinen teilt, ist Thomas Glas, der in Tegernsee eine Werkstatt betreibt, die hauptsächlich Oldtimer restauriert, repariert und wartet. „Ich bin da einfach hineingeboren“, sagt der Tegernseer. Schon sein Opa war Mechaniker bei der herzoglichen Familie, sein Vater und er folgten der Leidenschaft. Schließlich übernahm Thomas Glas die ehemalige Opel-Werkstatt in den herzoglichen Gebäuden und machte sich selbstständig, um seine Leidenschaft mit der Arbeit an alten Autos zum Beruf zu machen.

Oldtimer sollten fahren

Dieser Leidenschaft ist es zu verdanken, dass heute noch der Original-Käfer der Familie in deren Besitz ist. Ein wahres Schmuckstück. „Wir haben sogar noch den Original Kaufvertrag“, weiß Glas, der mit dem braunen Käfer, Baujahr 1954, gerne mit der Familie unterwegs ist. „So ein altes Auto muss man fahren“, erzählt er. „Nur so bleibt es gut in Schuss.“ Denn in seiner Werkstatt repariert er bei den alten Autos hauptsächlich Standschäden wie rissige Dichtungen oder eingerostete Bremsen. „Es gibt viele Oldtimerbesitzer, die das Auto nur besitzen wollen und es nicht nutzen“, so der Experte. „Das ist so schade, denn dann hat ja keiner was davon.“ 

Oldtimer Innenansicht

Alles original? Echte Oldtimerfans achten bei ihren Autos auf jedes Detail.

Das ist auch ein Grund, warum Glas im MSC bei der Tegernsee Classic aktiv ist und gerne bei Treffen oder Ausfahrten dabei ist. „Das ist vor allem hier am Tegernsee schön anzuschauen“, schwärmt er. „Diese alten traumhaften Autos vor dieser Kulisse, das ist schon etwas Besonderes.“

Ein eigener Fuhrpark

Gerade im Tegernseer Tal, in dem viele Wohlhabende leben, ist die Oldtimer-Dichte sehr hoch. Und doch sieht man gar nicht so viele davon auf den Straßen. „Viele sammeln die alten Autos einfach“, weiß Tom Glas. „Denn das können gute Wertanlagen sein.“ Auch er hat nicht nur ein Auto, sondern ein paar besondere Stücke in seinem Besitz. Zum einen den Glas V8, der früher einmal Herzog Max in Bayern gehört hat und in einem heruntergekommenen Zustand war. Mit viel Zeit, Herzblut und Geduld wurde daraus dann wieder ein Schmuckstück, mit dem Glas immer wieder gerne unterwegs ist, alleine schon wegen des passenden Namens.

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Ein echtes Einzelstück: Der Rennwagen von Thomas Glas Baujahr 1927.

Von Australien an den Tegernsee

Auch eine echte Rarität gehört zu seiner Sammlung: „Ich habe noch einen alten Rennwagen, Baujahr 1927, mit einer außergewöhnlichen Geschichte“, erzählt er. Dabei handelt es sich um einen Austin 7, den Glas von einer Kundschaft gekauft hatte und damit bei der Sudelfeld Classic mitmachte. Danach bekam er eine E-Mail und erfuhr mehr über die Herkunft des Autos. Ursprünglich stammt der Wagen nämlich aus Australien. Nach Deutschland kam der Rennwagen über Umwege, denn Herbert Nocker, der mit seinem BMW Dixi eine Weltumrundung gemacht hatte, brachte ihn aus Australien mit.

Nachdem Thomas Glas nach einigen Emails mit dem australischen Vorbesitzer in Kontakt kam, flog er schließlich nach Down-Under. „Die sind dort früher mit dem Auto Rundstreckenrennen gefahren“, erzählt der Mechaniker. „Der Erbauer war bei der Luftwaffe und deshalb sind einige Teile auch aus Flugzeug-Alu gefertigt und der Tankstutzen stammt von einem englischen Jagdflugzeug.” Damals wurden die Rennwagen nämlich einfach nach den Vorgaben der Fahrer weiter aufgebaut.

„Solche Geschichten machen die Oldtimer so spannend“, schwärmt Glas, der dann von einem Freund noch einen Peugeot D3, die sogenannte Schweinenase gekauft hat, um damit den Rennwagen zu transportieren. Denn auch mit diesem 95 Jahre alten Rennwagen ist Glas gerne unterwegs und schon viele Rennen gefahren. Er trägt dann einen alten Rennanzug und macht damit das Ensemble komplett.

Treffen der Raritäten

Allen, die selber einen Oldtimer zu Hause haben, rät Glas: „Wer Lust hat, meldet sich einfach bei den Organisatoren einer Ausfahrt oder eines Treffens und kann dann teilnehmen.“ Meist gibt es dazu ein schönes Rahmenprogramm und einige Ausfahrten, bei denen die Etappen in einer bestimmten Zeit absolviert werden müssen. „Aber auch wer nicht selbst mitmacht, kann bei solchen Treffen Schmuckstücke erleben, das lohnt sich auf alle Fälle.“

Für alle, die schöne Autos lieben. Die Termine dieses Sommers am Tegernsee. Zum Teilnehmen oder einfach nur zum Bewundern.

Sa., 13. August: 8. Youngtimer-/Oldtimertreffen am Tegernsee für Fahrzeuge von 1970–1993
Volksfestplatz, Max-Obermeyer-Straße, Gmund

So., 14. August: 20. Oldtimertreffen am Tegernsee für Fahrzeuge bis 1970,
Volksfestplatz, Max-Obermeyer-Straße, Gmund | Infos: www.oldtimerclub-tegernseertal.de

Fr., 9. bis So., 11. September: Concours d‘Élégance Tegernsee: Schönheitswettbewerb für elegante Automobile
Seehotel Überfahrt, Überfahrtstraße 10, Rottach-Egern Infos: www.concours-tegernsee.de

Thomas Glas Oldtimer-Werkstatt

Als Oldtimer werden alle Autos bezeichnet, die mindestens 30 Jahre alt sind. Dann kann man das sogenannte H-Kennzeichen beantragen, das nur erteilt wird, wenn das Fahrzeug noch in einem guten Zustand ist. Im Tegernseer Tal stammt das älteste Auto wohl aus dem Jahr 1908.

22. 8. 2022|

Saurüsselalm

Zwischen Kaiserschmarrn und veganem Trendfood

Die neue Saurüsselalm war rund um den Tegernsee schon längst im Gespräch, da gab es sie noch gar nicht. Seit wenigen Monaten nun steckt die ehemals verwaiste Alm wieder voller Leben. Zu viel Leben, sagen manche – und zu wenig Alm. Die Seeseiten haben sich einen Eindruck verschafft und das Wirtspaar Tanja und Martin Frühauf besucht.

Text: Ute Watzl

Saurüsselalm Bad Wiessee Tegernsee

Ein echtes Schmuckstück traditioneller Baukultur vor der Bergkulisse.
Foto: Urs Golling

Dieser Ort im Söllbachtal, zwischen Saurüssel- und Auerbachgraben gelegen, strahlt eine besondere Atmosphäre aus: Einsam liegt die langgestreckte Almhütte frisch renoviert mit ihrem Schindeldach und der großen Terrasse auf einer Lichtung. Vor ihr eine weite Weidefläche umrahmt vom Wald, hinter der Hütte ein Berghang, der von vereinzelten Birken bewachsen ist. Hier weiden im Sommer die Ziegen, auf der anderen Seite die Kühe.

Diese Idylle mag nicht so recht passen zu den Schlagzeilen, welche die Saurüsselalm schon vor ihrer Eröffnung bekannt gemacht haben. Vor allem Bedenken von Wildtierschützern machten sie zum Politikum. Man sorgte sich, dass der plötzlich aufkommende Wanderbetrieb an diesem bisher ruhigen Ort die Tiere stört. Nun steht sie da aber in aller Schönheit, bewirtschaftet seit ein paar Monaten. Und es ist neben ihrer Lage und dem leichten Zustieg wohl auch der Neugier der Menschen zu verdanken, dass die Gäste Tag für Tag kommen, an sonnigen Wochenenden mehr, als die große Sonnenterrasse mit ihren 200 Sitzplätzen fassen kann. Schlagzeilen – egal ob gute oder schlechte – wecken eben das Interesse.

„Sie kommen jeden Tag, bei Sonne, Regen und Schnee“, sagt Martin Frühauf, der mit seiner Frau Tanja die Alm als Pächter betreibt. „Wir haben einen riesigen Ansturm erlebt.“ Martin ist stolz auf sein junges Serviceteam, auf seinen „Jugendclub“, wie er gern sagt. „Die haben richtig Spaß bei der Arbeit. Das will was heißen bei den vielen Gästen.“ Das Paar sitzt im einstigen Stallgebäude der Alm an einem der vielen langen Tische, die jeweils Platz für zehn Personen bieten – verordnete Geselligkeit und ein Hauch von Festzelt-Ambiente, wo früher die Kühe in ihren Boxen wiederkäuten. Die einstigen Fresströge fürs Vieh hängen jetzt dekorativ an den Wänden. Der Boden wurde mit Stein ausgelegt und über dem hohen hölzernen Gebälk fällt auch von innen das aufwendige Schindeldach sofort ins Auge. Das mag Vanessa Frühauf ganz besonders. Sie liebt das Rustikale dieses Gebäudes, die traditionelle Baukultur. Aber allzu alpenländisch sollte die neue Almwirtschaft dann auch nicht daherkommen. Deswegen entstand ihre Idee zur „etwas anderen Alm“.

Tanja und Martin Frühauf in der Saurüsselalm

Die Frühaufs haben sich als Gastronomen am Tegernsee bereits einen Namen gemacht.
Foto: Urs Golling

Was das heißt? Zum Beispiel, dass beim Tischnachbarn vielleicht Champagner neben der Trüffel-Pizza perlt, wenn man als einfacher Wanderer auf der sonnenverwöhnten Terrasse Platz nimmt. Gewöhnungsbedürftig? Vielleicht. Andererseits: Warum nicht mal ein Weißwein im Glas, statt Bier in der Flasche, und zum Tatar vom Rind auf dem Teller den Klang von Kuhglocken im Ohr. Kontraste wie diese machen die Saurüsselalm zu einem Erlebnis.
hat er Altkanzler “ Helmut Kohl bekocht.

Moderne und Tradition in einem

„Wir fanden, das Tal kann etwas erfrischend Neues verkraften“, sagt Tanja, „etwas Moderneres, das auch zu uns passt, und wo wir dahinterstehen.“ Irgendetwas jenseits der romantischen Schwarzentenn-Alm und der urigen Siebenhütten sollte es sein. Weder Hirschgeweih-Romantik, noch krachlederne Folklore, keine Selbstbedienung, aber auch keine Bedienung im Dirndl. Stattdessen: dezente Dekoration, moderne Lounge-Musik, ein blutjunges Serviceteam, feines Geschirr und Glas sowie eine erlesene Weinkarte und das etwas andere Alm-Menü. „Es ist eine bayerische Alm und soll es auch bleiben“, sagt Tanja. „Deswegen gibt’s auch bei uns Käse und Kaiserschmarrn, Wiener und Wurstsalat.“

Aber eben auch das Andere: Saibling von der Wiesseer Fischerei, vegane Speisen, Pannacotta mit frischem Rhabarber, kälberne Fleischpflanzerl. Das Fleisch kommt aus der Region, der Käse auch, das versteht sich von selbst. Aber das Mineralwasser heißt hier Bubble Water (weil es die Tochter als Kleinkind immer so nannte) und beim Hüttenabend gibt’s dann auch mal Spargel und Bärlauch. Bodenständig sei ihre Karte dennoch, „bayerisch mit einem gewissen Twist“. So schafft es auch ein Knödel auf die Speisekarte, aber eben „der etwas andere“ Knödel aus der Heimat des Chefs.

Denn der stammt aus Rheinland-Pfalz, und obwohl er schon seit 1990 in Bayern und seit 2005 am Tegernsee lebt, hört man ihm das noch an. Früher, in seiner Heimat, hat er Altkanzler Helmut Kohl bekocht, seit 2005 betreibt er zahlreiche gehobene Firmenrestaurants, denen die Bezeichnung Kantine nicht gerecht werden würde. Gehoben, aber nicht abgehoben, so könnte auch das Motto in der Saurüsselalm lauten. In der Tegernseer Peripherie jedenfalls erscheint sie
allemal ungewöhnlich – ein bisschen so wie das zugereiste Wirtspaar selbst auch.

Festzelt-Ambiente in der Saurüsselalm

Holz wohin das Auge schaut im ehemaligen Kuhstall, die großen Tische sind eine Aufforderung zur Geselligkeit.
Foto: Urs Golling

Vollblut-Gastronom Martin, der gelernte Koch, ist heute mehr Geschäftsmann als Hüttenwirt, lässt es sich aber nicht nehmen, den Kaiserschmarrn höchstpersönlich zuzubereiten. Große Mengen in gleichbleibend hoher Qualität zu kochen, „das ist das Wichtigste, aber auch das Schwierigste“, sagt er. Bei schönem Wetter,
wenn viele Gäste zu erwarten sind, kann er deshalb nicht woanders sein. „Dann möchte ich am liebsten jeden einzelnen Teller sehen, der die Küche verlässt.“

Und Ehefrau Tanja? „Sie ist vielleicht bis heute noch nicht ganz angekommen“, sagt Martin scherzhaft. Sie hatte auch einen weiten Weg hierher: Vanessa stammt aus Südafrika. Sechs Monate wollte die frühere IT-Projektmanagerin in Deutschland bleiben, bis heute sind es schon 21 Jahre. Aus Südafrika stammend und zuvor in London und München lebend, hatte sie zunächst ihre Mühe mit der oberbayerischen Mentalität. Aus ihrem kosmopolitischen Leben wurde sie plötzlich in den Mutter-Kind-Kurs in Rottach-Egern katapultiert – ein Kulturschock. Hin und wieder zieht es die beiden dann doch wieder hinaus in die weite Welt. „Wir lieben das Kontrastprogramm und sind froh, wenn wir wieder zuhause sind.“ Zuhause, am Tegernsee – also doch angekommen.

„Zuagroast“ – und trotzdem keine Unbekannten mehr

Die beiden Zugereisten sind in der Tegernseer Gastronomie längst keine Unbekannten mehr. Bis 2016 betrieben sie zusammen das schicke Wirtshaus „Postillion“ in Rottach-Egern, in dem sie sich auch kennengelernt hatten. Auch hier: Anspruchsvolle, internationale Küche in traditionell bayerischer Kulisse. Im früher sehr beliebten Ausflugslokal „Bauer in der Au“, ebenfalls im Söllbachtal, bewirten sie heute geschlossene Gesellschaften. „Es macht uns Spaß, Gastgeber zu sein“, sagt Martin. „Aber nur dann, wenn wir es auf unsere Art schön haben: nicht überkandidelt, aber eben mit mundgeblasenen Weingläsern, statt mit industriellem Pressglas.“ Alpenländischer Rüschenschick zu Blasmusik – das wäre bei den Frühaufs sicher nicht glaubwürdig.

Die Wanderung zur Saurüsselalm erfolgt vom Parkplatz Söllbachtal zunächst entlang des Söllbachs, hinter der Söllbachklause rechts zum Saurüsselgraben und diesem folgend bis zum Abzweig links zur Alm. Wer mag, gönnt sich zuvor die Gipfeltour auf den Fockenstein.

Die Saurüsselalm hat in den Sommermonaten täglich von Mai bis September 9.30 bis 18.00 Uhr geöffnet, von Oktober bis April ebenfalls täglich bis 16.00 Uhr. Vor allem an den Wochenenden empfiehlt es sich zu reservieren.

Saurüsselalm 1, Bad Wiessee, www.sauruesselalm.de

Terrasse der Saurüsselalm

Rustikal und ohne Kitsch – so zeigt sich die neue Saurüsselalm im Söllbachtal.
Foto: Urs Golling

17. 8. 2022|

Der perfekte Sommermoment

Sommer am Seeufer

Die Tegernseer Illustratorin Katharina Bourjau lässt uns an dieser Stelle das Tegernseer Tal mit ihren Augen erblicken. Den besonderen Sommermoment hat sie exklusiv für diese Ausgabe der Seeseiten festgehalten.

Illustration und Text: Katharina Bourjau

Wie wahrscheinlich alle Menschen, die am Tegernsee leben oder aufgewachsen sind, habe ich eine emotionale Nähe zum Wasser. Das Seeufer zieht mich an. Ich bin sicher, die Evolution steckt dahinter. Denn am Wasser zu leben war schon immer sehr vorteilhaft und steigerte die Überlebenschance. Das Wissen, dass es am Ufer nicht nur schön ist, sondern dort auch gute Lebensbedingungen herrschen, muss geblieben sein. Die heutigen Immobilienpreise für Seegrundstücke im Tal bestätigen das.

Zum Glück gibt es am Tegernsee so viele Stege, Ufer- und Badestellen, die für alle frei zugänglich sind. Orte, an denen sich jeder am und im See erfrischen kann. Übrigens im Münchner Trinkwasser. Denn das bezieht die Landeshauptstadt vor allem aus der Mangfall, die aus dem Tegernsee herausfließt.

Auf einem Steg sitzen und die Füße ins kalte Wasser tauchen. Das ist ein Moment, den ich liebe. Im Sommer am besten mit einem Eis in der Hand oder einem kühlen Radler. Ich beobachte dabei gerne die Spiegelungen und Strukturen, die sich auf der Oberfläche des Sees immer aufs Neue bilden. Wellen und Schatten mischen die Farben zu einem Muster, das sich zum Zeichnen aufdrängt.

Bei dieser Illustration experimentiere ich mit überlagernden und transparenten Flächen, um die Tiefe des Wassers digital zu malen. Wer länger am Tegernsee lebt weiß, dass der See jeden Tag in anderen Farben da liegen kann. In meiner Illustration leuchtet er in karibischem Türkis, dunklem Tannengrün und warmen Blau. Und noch während ich das Motiv zeichne, freue ich mich schon wieder darauf, meine Füße in den kühlen See zu tauchen und übers Wasser zu schauen.

Im Moment arbeitet Katharina Bourjau an einem Tegernsee-Buch für Kinder mit Rätseln, Spielen und Geschichten aus der Region. Das Buch wird es bald in Buchhandlungen und ihrem Onlineshop zu finden geben: www.shoppapeterie.de

4. 8. 2022|

Am See mit …

Best-Ager-Modell Uli Höfle

Sie ist ein Best-Ager-Modell und sie sieht gut aus: Uli Höfle sieht man auf zahlreichen Fotos – und auch im aktuellen Kurzfilm der Tegernseer Tal Tourismus „Wo ist Dein Lieblingsplatz am Tegernsee?“. Dort erzählt sie als „Morgenbaderin Uli“, warum es nicht nur am, sondern auch im See unvergleichlich ist. Und dabei musste sie sich nicht mal irgendwas ausdenken. Wenn es nämlich irgendwie geht, dann ist die Weißacherin am See. Oder im See. Oder beides.

Best-Ager-Modell Uli Höfle

Am liebsten am und im See: Uli Höfle
Foto: Urs Golling

Am See mit … das müsste bei Ihnen ja eher „Im See mit …“ heißen. Wie oft trifft man sie denn im See?
Im Sommer so oft es geht, vor der Arbeit oder am Abend auf dem Heimweg. Gerne auch mit dem SUP-Board die Abendstimmung im See genießend.

Und was ist Ihre Temperatur- Untergrenze?
Zum Schwimmen nicht kälter als 15 oder 16 Grad. Ich bin eine Schönwetterbaderin. Nach der Sauna auch kälter. Da waren es mal 6 Grad im Frühling, allerdings nur kurz rein und wieder raus …

Schon mal den ganzen See durchschwommen?
Nein, noch nie. Ich bin eher die Langläuferin, denn Langschwimmerin.

Was machen Sie eigentlich, wenn man selbst beim besten Willen nicht in den See gehen kann?
Dann gehe ich auf den Berg oder Laufen. Hauptsache draußen!

Wenn Sie einem Fremden in einem Satz beschreiben müssten, wie es sich anfühlt, langsam in den See zu steigen
Schwer zu sagen in einem Satz. Wenn man früh oder später am Abend geht, wenn kaum Menschen da sind, der See ruhig daliegt, die Berge vor einem, ist es ein Gefühl von absoluter Ruhe gepaart mit Demut und Glück, an einem so schönem Fleckchen Erde leben zu dürfen.

Mehr von Uli Höfle auf Instagram: @me_ulihoefle.
Den TTT-Kurzfilm „Wo ist dein Lieblingsplatz am Tegernsee?“ gibt es unter anderem auf YouTube zu sehen.

27. 7. 2022|

5 Fragen an ...

Christoph Kramer, Fußballprofi

Vermutlich ist er der einzige Fußballspieler der Welt, der mal ein WM-Finale gespielt hat – und bei dem man trotzdem nicht nur an den sportlichen Teil dieses Finales denkt: Christoph Kramer wurde – auch – berühmt für seine Frage an den Schiedsrichter, ob er hier zufällig gerade im WM-Finale stehe. Stand er, wenn auch mit Gehirnerschütterung und dadurch bedingt nicht allzu lange. Und deswegen ist Christoph Kramer neben vielem anderen in allererster Linie immer noch das: Fußball-Weltmeister 2014. Im Sommer kommt er mit seiner Gladbacher Borussia zum Trainingslager ins Tegernseer Tal. Grund genug, ihm fünf Fragen zu stellen, von denen allerdings keine einzige mit seinem weltberühmten Blackout zu tun hat.

Interview: Christian Jakubetz

Christoph Kramer Fußball-Profi

Christoph Kramer ist mit von der Partie, wenn Borussia Mönchen Gladbach im Juli in Rottach-Egern trainiert.
Foto: Borussia Mönchengladbach/Presse

Mensch, Tegernsee-Trainingslager: Schon Pläne für ein Grillfest mit den Tal-Bewohnern Manuel Neuer, Philipp Lahm und Uli Hoeneß?

Kramer: Grillfest-Pläne habe ich bislang noch nicht – schließlich sind wir ja auch zum Trainieren am Tegernsee. Insgeheim hoffe ich aber natürlich schon darauf, dass wir pünktlich zum Seefest da sind. (lacht). Das war in der Vergangenheit ja schon häufiger der Fall. Auf jeden Fall freue ich mich sehr, dass wir unser Sommer-Trainingslager wieder in Rottach-Egern absolvieren.

Gladbach in Bayern, in der Hoeneß-Homebase noch dazu. Ist das nicht ein bisschen so, als würde Real ein Trainingslager in Barcelona machen?

Kramer: Wenn ich an den Tegernsee denke, denke ich an optimale Platzbedingungen, an ein super Hotel, hervorragendes Essen und viele schöne Tage im Trainingslager – obwohl diese immer auch sehr anstrengend sind. Dass es die Homebase von Herrn Hoeneß ist und wir in Bayern sind, hat man dann ehrlich gesagt gar nicht so sehr auf dem Schirm.

Den Wallberg mussten die Bayern-Profis zu Magath-Zeiten immer hochlaufen. Schon Bekanntschaft damit gemacht?

Kramer: Bergläufe musste ich in meiner Karriere auch schon machen – aber zum Glück sind das mittlerweile nicht mehr die üblichen Trainingsmethoden. (lacht) Deswegen bin ich mit Borussia noch nie den Wallberg hochgelaufen.

Jetzt mal ehrlich: Bayern gegen Gladbach, das war früher viel schöner als heute dauernd Bayern vs. BVB. Können Sie bitte dafür sorgen, dass sich das wieder ändert?

Kramer: Ja, da würde ich gern für sorgen.

Und schließlich: Feiert der Kolumnist Christoph Kramer irgendwann mal ein Comeback? Wir vermissen Ihre Kolumne bei den Kollegen von „11 Freunde“ sehr!

Kramer: Das mit dem Kolumnen-Schreiben war so ein Ausprobieren – aber es freut mich natürlich, dass es der Redaktion der „Seeseiten“ anscheinend gefallen hat. Ich probiere vieles gerne aus und kann mir gut vorstellen, irgendwann nochmal zum Stift zu greifen. Aktuell ist da aber noch nichts Weiteres geplant.

Borussia Mönchengladbach absolviert von So., 03. bis So., 10. Juli ein Trainingslager auf dem Sportplatz Birkenmoos, Rottach-Egern. Höhepunkt ist ein Freundschaftsspiel gegen den TSV 1860 München, Anpfiff ist am 10. Juli um 14.00 Uhr in Rottach-Egern.

27. 7. 2022|

Haferlschuhe

Von Halbschuhen und Staublatschen

Auch wenn man immer mehr Halbschuhe, Sneaker und Flip-Flops an den Füßen der Lederhosen tragenden Männer sieht – am schönsten sind und bleiben Haferlschuhe. Die klassischen schwarzen oder braunen Lederschuhe haben ihren Ursprung wohl schon im vorletzten Jahrhundert und waren damals, wie so oft bei Trachtenstücken, als einfaches Kleidungsstück für die Landarbeit gedacht.

Text: Susanne Mayr / Fotos: Urs Golling

Haferlschuhe Trachtenschuhe

Aus robustem Leder gearbeitet, halten die Haferlschuhe oft ein Leben lang.

Der halbe Schuh

Diese zwiegenähten Lederhalbschuhe haben ihren Namen vermutlich von den Engländern bekommen, die diesen Schuh entdeckten und ihn „Half-a-Shoe“ nannten, weil er sich so stark von den Stiefeln unterschied, die man zu der Zeit hauptsächlich trug. Das ist zumindest eine Theorie. Glaubt man hingegen einer
anderen Überlieferung, dann wurde der Schuh einfach nach seiner Form einer Schüssel benannt, die in Bayern umgangssprachlich als „Haferl“ bezeichnet wird. So oder so, dieser einfache, aber robuste Arbeitsschuh der Landbevölkerung wurde schnell immer beliebter, wurde nach ganz Europa exportiert und hielt auch beim Adel und am Hof Einzug.

Praktisch und bequem

Charakteristisch für den Haferlschuh sind seine kantige Schuhspitze, sein tiefer Knöchelausschnitt und die hochgezogene Ferse. Alles Merkmale, die vor allem für die Bequemlichkeit so gearbeitet wurden. Ebenfalls unverwechselbar ist die meist seitliche Schnürung mit nur vier Löchern oder Ösen, damit man den Schuh schnell an- und ausziehen konnte. Als etwas ungewöhnlich ist noch die Staublasche zu erwähnen, die statt einer Zunge eingenäht wurde um Dreck, Staub und Nässe bei der Feldarbeit abzuhalten.

Zünftige Töne

Um besseren Halt auf rutschigen Untergründen zu garantieren, waren die Haferlschuhe früher mit Eisenbeschlägen versehen – was beim Laufen auf harten Böden oft ziemlich laut war. Man vermutet, dass damit auch das Schuhplatteln entstanden ist. Heute sind die Plattlerschuhe, also die Haferlschuhe, die die Burschen zum Schuhplatteln tragen, meist nur mit einer besonders dünnen Ledersohle bezogen, um möglichst laut platteln zu können.

Unsere besonderen Stücke stammen aus Privatbesitz und zeigen die Haferlschuh von drei Generationen.

13. 7. 2022|

Geiger und Dirigent Emmanuel Tjeknavorian

“Man sollte ein bisschen verrückt sein”

Er ist gerade mal 27 – und wenn von ihm die Rede ist, dann überschlagen sich die Kritiker ebenso wie das Publikum begeistert ist. Der Platz reicht hier nicht, um all die Hymnen auf ihn unterzubringen. Belassen wir es also bei der kürzesten, treffendsten und dennoch beinahe schon wieder untertreibenden Feststellung: „Ein Ausnahmetalent“. Das liest man fast überall da, wenn es um Emmanuel Tjeknavorian geht. Ein Seeseiten-Gespräch über den Unterschied zwischen Zufriedenheit und Glück und darüber, warum man es ohne obsessive Züge vermutlich nie an der Spitze schafft.

Interview: Christian Jakubetz

Emmanuel Tjeknavorian Violinist

Virtuos auf der Violine, in Zukunft aber eher mit dem Taktstock des Dirigenten zu sehen: Emmanuel Tjeknavorian.
Foto: Lukas Beck

Hallo, wie geht es Ihnen: ein simpler Satz zur Begrüßung, aus dem man zweierlei heraushört. Erstens: Emmanuel Tjeknavorian ist ein ausgesprochen freundlicher und vollständig allürenbefreiter Mensch. Er hat zweitens diesen unverkennbaren Dialekt, der ihn sofort als Wiener ausweist. Und man ahnt: Das wird ein interessantes Gespräch, bei dem man viel über Musik und Menschen lernt.

Herr Tjeknavorian, sorry, dass ich das Gespräch mit einer ganz banalen Frage beginnen muss …
(lacht) … Sie wollen wissen, wie mein Nachname ausgesprochen wird?

Nein, viel simpler: Sie sind als Violinist unterwegs, Sie arbeiten zunehmend mehr als Dirigent, Sie nehmen Alben auf, spielen Konzerte, Sie moderieren in Österreich eine eigene Radio-Sendung. Sagen Sie, wann machen Sie das alles? Auch Ihr Tag kann doch nur 24 Stunden haben.
Ich habe den ganz großen Vorteil, dass ich ja sonst nichts mache …

Verzeihen Sie, jetzt muss ich lachen. Das ist wirklich die lustigste Antwort, die ich von einem vielbeschäftigten Menschen jemals gehört habe.
(erneutes Lachen) Naja, was ich damit meine: Ich habe noch keine eigene Familie. Ich muss keinen Haushalt führen. Ich habe das Privileg, ein Management zu haben. Und ich habe ein Sekretariat. Das ist der größte Luxus, den man als Musiker haben kann. Ich kann mich also ausschließlich der Musik widmen. Das heißt, ich darf mich morgens sieben Uhr nach dem Aufwachen mit der Frage beschäftigen: Welches Tempo wollte Beethoven in seiner Symphonie haben?

Aber das ist ja kein Geburtsrecht gewesen, oder?
Nein, natürlich nicht, ich musste mir das hart erarbeiten. Wenn man allerdings mal acht Stunden wegrechnet, in denen man versucht zu schlafen, dann bleibt an einem normalen Tag genug Zeit, um das unterzubringen, was ich schaffen möchte. Aber Sie haben natürlich recht: Wenn ich neben meiner Musik noch „weltliche“ Dinge machen müsste, dann, um es auf österreichisch zu sagen, würde sich das nicht ausgehen.

Emmanuel Tjeknavorian Violinist und Dirigent

Leidenschaft Dirigieren: „Das war schon immer mein Traum“ sagt Emmanuel Tjeknavorian.
Foto: Oliver Borcher

Bei Ihnen kommt allerdings auch noch etwas anderes dazu. Sie denken ja nicht nur über musikwissenschaftliche Grundsatzfragen nach und darüber, was Beethoven hätte gemeint haben können. Sondern Sie spielen ja auch noch auf allerhöchstem Niveau Geige. Auf dem Level wird es vermutlich kaum reichen, wenn man einmal am Tag für eine Stunde die Violine rausholt und sich ein bisschen warmspielt.
Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil, für meinen aktuellen Tagesablauf würde ich gerne den Begriff absurd verwenden. Ich wache um 7 Uhr auf, um dann zu üben und zu studieren. Und dann lege ich die Geige um 22 Uhr wieder weg. Daneben noch Rumfliegen, Reisen, Hotels, Auftritte. Das ist dann alles nicht so einfach.

Darf man für so ein Leben „normal“ sein und in konventionellen Kategorien denken?
Idealerweise sollte man Musiker dann werden, wenn man ein bisschen verrückt ist. Im positiven Sinne. Bei mir war Musik immer eine Obsession. Das war eine Idealvoraussetzung, um Musiker zu werden – und ist gleichzeitig eine große Herausforderung.

Aber nur mit der von Ihnen beschriebenen Disziplin allein ist es doch auf Ihrem Niveau vermutlich auch noch nicht getan.
Also, ich bin sehr froh, dass mein Vater …

… der Dirigent Loris Tjeknavorian …
… mir schon als Kind nahegelegt hat: Ohne Disziplin wäre es sinnlos, Musik auf diesem Niveau machen zu wollen. Aber wie Sie sagen: Disziplin ist nicht genug.

Was ist es dann? Auch über Grenzen deutlich hinausgehen?
Ich sage Ihnen ein Beispiel: Es kommt bei meinen Kollegen und mir immer wieder mal vor, dass wir an einer Passage, die im Konzert nicht mal eine Sekunde dauert, zwölf Stunden arbeiten und üben. Das muss man sich vorstellen: zwölf Stunden für eine einzige Sekunde. Aber wenn diese eine Passage dann wirklich gelingt im Konzert, ist das so ein Glücksgefühl, von dem man lebt. Schwer zu beschreiben, ich weiß.

Ist das der eine Moment, in dem alles zusammenkommt, Glück und Zufriedenheit?
Das sollte man unterscheiden. Glücklich darf man sein, sollte man sogar nach einem gelungenen Auftritt sein. Zufrieden nicht, man kann immer etwas besser machen.

Wann haben Sie diese obsessive Ader für sich entdeckt?
Schon als Kind. Es gibt Videos von mir, wie ich als Dreijähriger tobe und mich ekstatisch bewege zu Beethovens Musik. Ich bin beispielsweise jetzt gerade bei engen Freunden im Waldviertel in Österreich und wollte nach den wahnsinnigen letzten Wochen ein paar Tage mal gar nichts machen. Und dann nehme ich doch die Geige wieder raus, weil ich ja auch ein Pflichtbewusstsein habe und mir denke: Du hast ein paar Konzerte nächste Woche, die musst du gut absolvieren. Dann übe ich ein bisschen und während dieses Prozesses komme ich in einen Flow, spiele länger als ich wollte und dann ist alles wieder gut. Trotzdem, mein mittelfristiges Ziel für die kommenden Jahre ist, dass ich immer wieder mal ein paar Wochen ganz ohne Musik habe.

Momentan stecken Sie eher in einer Doppelbelastung. Sie treten nicht nur als Violinist auf, sondern dirigieren zunehmend. Frage eins: Haben Sie nicht die Befürchtung, in Ihrer „Kerndisziplin“ schwächer zu werden oder zumindest zu stagnieren, wenn Sie sich auf zwei statt einer Sache konzentrieren? Und Zusatzfrage: Wieso überhaupt dirigieren, verträgt sich das miteinander? Das ist doch etwas gänzlich anderes, als ein Instrument zu spielen.

Ich habe als Kind nichts anderes gekannt als zu dirigieren, das war für mich immer das Selbstverständlichste auf der Welt. Es war schon immer mein Traum, Dirigent zu werden. Aber man wird ja nicht einfach mit sieben oder acht Jahren Dirigent. Man muss, das ist Tradition, ein Instrument lernen. Da habe ich für mich die Geige entdeckt und mich in sie verliebt. Ich bin heute noch verliebt in die Geige. Trotzdem, das Dirigieren war immer die große Leidenschaft. Wenn ich früher nach einem langen Schultag nach Hause gekommen bin, habe ich mich in meinem Zimmer eingesperrt, den Taktstock genommen, damit herumgefuchtelt und mir vorgestellt, wie toll es wäre, jetzt ein Dirigent zu sein.

Tjeknavorian Radiosendung

In seiner Radiosendung spricht Emmanuel Tjeknavorian mit seinen Gästen viel, aber nicht nur über Musik. Hier beispielsweise mit der ehemaligen Microsoft-Chefin und aktuellen E.ON-Geschäftsführerin Dorothee Ritz.
Foto: Ursula Magnes

Die Geige als Pflichtfach also?
Ach nein, das mit der Geige lief gut. Ich will jetzt nicht sagen: „überraschend gut“. Ich hatte gute Lehrer, ich habe viel geübt, die Geige war immer mein Lieblingsinstrument und ist es immer noch. Aber es war nicht mein Plan, eine Karriere als Solist zu machen. Tatsächlich hatte ich mit 18 oder 19 Jahren schon für ein paar Monate aufgehört mit der Geige. Nur weil mein Lehrer das nicht so einfach akzeptieren wollte, habe ich dann in Finnland am Sibelius-Wettbewerb teilgenommen. Und da war ich auch völlig entspannt, ich hatte ja nichts zu verlieren, weil ich Dirigent werden wollte. Tja, und dann bin ich quasi am nächsten Tag aufgewacht und hatte einen vollen Terminkalender als Geiger. (Der Sibelius-Wettbewerb in Helsinki gilt als einer der renommiertesten Wettbewerbe weltweit und wird nur alle fünf Jahre ausgetragen. Emmanuel Tjeknavorian belegte dort 2015 den 2. Platz; d. Red.)

Auch nicht schlecht, oder?
Natürlich war das großartig. Irgendwann kam dann auch der Moment, an dem ich die Technik hatte, um auf der Geige Gefühle auszudrücken. Das ist schon sehr besonders. Also habe ich das erstmal hingenommen und habe weiter auf der Geige gespielt. Aber irgendwann war der Ruf in meinem Innersten so laut: Ich will dirigieren! Das konnte ich nicht mehr ignorieren. Und wie das im Leben so ist: Es öffnen sich neue Türen und plötzlich habe ich wieder angefangen zu dirigieren. Aber so ein Doppelleben ist schwierig und auf Dauer nicht machbar. Deswegen habe ich dann die Zeit des ersten Corona-Lockdowns dazu genutzt, um eine Antwort auf die Frage zu finden, was ich wirklich will.

Auf die Antwort bin ich gespannt!
Da gibt es zwei Antworten. Langfristig möchte ich einfach als Musiker, als Künstler gesehen werden. Kurzfristig wird mein Fokus erstmal auf meiner Arbeit als Dirigent liegen. Deswegen werde ich ab der neuen Spielzeit im September hauptsächlich als Dirigent auftreten.

Ihr Auftritt beim Internationalen Musikfest am Tegernsee wird demnach zu den letzten gehören, bei dem man Sie noch an der Geige sieht.
So dramatisch würde ich das nicht formulieren. Aber ja, mehr oder weniger schon.

Klassische Musik gilt als ein schweres Fach. Sie machen ja auch eine Radiosendung , den „Klassik-Tjek“ im Klassikradio Stephansdom in Wien. Was ist die Idee dahinter? Klassische Musik erklären?
Nein, ich sehe mich nicht als theoretischen Musikvermitler. Ich lade mir gerne spannende Gäste ein, spreche mit ihnen über Musik, auch über das, was sie selbst gerne hören. Ich hatte auch schon mal Dorothee Ritz, die langjährige Microsoft-Chefin in Österreich, als Gast. Sie habe ich gefragt, ob sie Tipps für weibliche Dirigentinnen hat. Und dann hat sie erzählt, dass Authentizität eine enorm wichtige Rolle spielt; das war wirklich beeindruckend.

Apropos: Trügt der Eindruck oder gibt es immer noch sehr we- nige weibliche Dirigentinnen? Und falls ja, warum ist das so?
Es gibt Gott sei Dank immer mehr Dirigentinnen, großartige Kolleginnen! Aber es stimmt, das ist immer noch sehr männerdominiert. Das ist vermutlich eine Art Tradition. Ich liebe ja an sich das Wort Tradition, aber das ist eine eher ungute.

Wir haben mit einer banalen Frage begonnen, ich würde gerne mit einer banalen Frage aufhören: Man stellt sich klassische Musiker ja immer sehr ernst vor und man denkt vermutlich auch, dass Sie nichts anderes hören als Klassik. Was ist an dem Tag, an dem Sie mal keine Lust auf Klassik haben? Kramen Sie dann eine Stones-Scheibe hervor und lassen es ordentlich scheppern?
Also, erstens gibt es keinen Tag, an dem ich keine Lust auf Klassik habe, das ist ja das Erschreckende (lacht). Ich habe mal versucht, mir selbst eine Klassik-Pause zu verordnen, das ging nicht. Aber ich habe Gott sei Dank auch Freunde, die keine Musiker sind. Und wenn ich dann bei denen zuhause bin und die eine Stones-Platte haben, die höre ich mir sehr gerne an. Das fasziniert mich und das gefällt mir.

33. Internationales Musikfest am Tegernsee

Sonntag, 24. Juli 2022, 18.00 Uhr
Seeforum, Rottach-Egern
Emmanuel Tjeknavorian (Violine) gemeinsam mit Benjamin Schmid (Violine), Benedict Mitterbauer (Viola), Matthias Bartolomey (Violoncello)

Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett KV 575a
Georg Breinschmid: Vier Stücke für Streichquartett
Fritz Kreisler: Streichquartet

Emmanuel Tjeknavorian

Als Geiger ist Tjeknavorian international gefeiert. Aktuell ist er u.a. Preisträger in Residence der Festspiele Mecklenburg- Vorpommern.
Foto: Lukas Beck

7. 7. 2022|

Neue Ausstellung im Gulbransson Museum

Private Schätze

Große Namen, große Kunst: Damit weckt das Olaf Gulbransson Museum neuerdings Aufmerksamkeit übers Tal hinaus. Schon die Ausstellung mit Bildern von Marc Chagall war ein Ereignis. Mit der nächsten Kunstschau will man das übertreffen – und fährt dafür wieder ganz große Namen der Kunstgeschichte auf: „Von Renoir bis Jawlensky“.

Text: Ute Watzl

Olaf Gulbransson Musuem Renoir bis Jawlensky

Emil Nolde, Familienbild, 1947, Öl auf Leinwand, 68 x 88,5 cm, ©Privatsammlung
Foto: Olaf Gulbransson Museum

Berühmte Namen sind am Tegernsee nichts Ungewöhnliches. Aber Pierre-Auguste Renoir, Paul Gauguin, Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger, Paul Klee, August Macke und Emil Nolde – das sind Kaliber, die man dann doch eher in der Großstadt erwartet. Insbesondere, wenn diese Herren mit ausgewählten Werken gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen sind: „Von Renoir bis Jawlensky: Mit Leidenschaft gesammelt“. Weltbekannt, tief verehrt und am Kunstmarkt kaum noch zu bezahlen – eine Kunstschau mit solchen erstklassigen Namen am Tegernsee lässt sich wohl nur mit ihm erklären: Michael Beck.

Der heutige Vorsitzende der Olaf Gulbransson Gesellschaft hatte diese Ausstellung für das Museum bereits Anfang 2020 fertig zusammengestellt, als das Virus noch nicht im Land und er selbst noch nicht künstlerischer Leiter des Hauses war. Hineingeboren in eine Tegernseer Künstlerfamilie – sein Vater war kein Geringerer als Herbert Beck, jener einheimische Künstler, nach dem man hier eine Parkanlage benannt hat – und seit Jahrzehnten als Kunsthändler und Galerist in Düsseldorf erfolgreich, hat sich Beck das Vertrauen vieler Sammler erarbeitet.

Olaf Gulbransson museum Renoir

Pierre-Auguste Renoir, Personnages dans un paysage, um 1900, Öl auf Leinwand, 32 x 41 cm, ©Privatsammlung
Foto: Olaf Gulbransson Museum

Vertrauen ist vermutlich sein wertvollstes Kapital, wenn es darum geht, teure und einzigartige Werke aus privatem Besitz für einige Monate auszuleihen, um sie der Öffentlichkeit in einem Museum zu zeigen. Immerhin ist das Olaf Gulbransson Museum keine allzu große Institution, die üppige Leihgebühren bezahlen kann.

So eine Werkschau kann dieses Museum nur auf die Beine stellen, wenn jemand wie Beck über sein auf Freundschaft und Vertrauen beruhendes Netzwerk unbürokratisch die Kunstwerke organisiert und transportiert.

Einblicke in die Welt privater Sammler

Rund 60 Gemälde und Grafiken hat er aus seinem persönlichen Sammlernetzwerk zusammengetragen, alles bekannte Namen aus Impressionismus, Expressionismus und klassischer Moderne. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei drei der wichtigsten Künstlerinnen der damaligen Avantgarde: Paula Modersohn-Becker, Marianne von Werefkin und Gabriele Münter.

Bewusst hat Beck dabei verzichtet, die Werke nach bestimmten Kategorien auszuwählen. Wichtig war ihm der Blick in private Sammlerleidenschaften. „Der wirklich spannende Teil einer Ausstellung sind immer die Werke, die aus den privaten Sammlungen kommen“, sagt Beck, „weil sie lange Zeit vor der Öffentlichkeit verborgen waren.“

Olaf Gulbransson Museum

Alexej von Jawlensky, Mädchen aus St. Prex, um 1916, Öl auf Malkarton © Privatsammlung
Foto: Olaf Gulbransson Museum

Die Werkschau „Mit Leidenschaft gesammelt“ wird so ein bunter Reigen namhafter Künstler, ein Spaziergang durch die Kunstgeschichte der letzten 120 Jahre. Namen und Bilder, die erst einmal keiner Erklärung bedürfen, weil sie im kollektiven Gedächtnis längst ihren Platz haben. Deswegen ist sich Beck sicher: „Mit diesen Bildern kann man nichts falsch machen. Das gibt dem Tegernseer Tal einen echten kulturellen Mehrwert.“

Mit Becks erster Ausstellung als Museumsleiter durfte man sich schon an große Namen der Kunst gewöhnen und an deren anziehende Wirkung. 18.000 Besucher kamen zur Chagall-Kunstschau ins Olaf Gulbransson Museum.

Mit der neuen Kunstschau knüpft das Museum an die Präsentation der Chagall-Werke an und zeigt weitere Meister des 19. und 20. Jahrhunderts, die Kunstgeschichte schrieben. „Sieht man heute auf diese Werke voller Bewunderung, können wir uns gar nicht mehr vorstellen, wie viel Unverständnis am Anfang diesen Malern und Bildhauern entgegenschlug“, erklärt Michael Beck dazu.

Die Avantgarde von gestern gilt heute als Weltkunst und wird in allen Museen gefeiert. Deshalb rechnet Beck mit der neuen Sonderausstellung mit ebenso vielen Besuchern – oder mehr. „Das wird ein Selbstläufer.“ Da ist sich Beck sicher.

„Von Renoir bis Jawlensky: Mit Leidenschaft gesammelt“

23. Juli 2022 bis 8. Januar 2023

Die feierliche Eröffnung ist am Freitag, den 22. Juli 2022 um 18.00 Uhr im Kurgarten Tegernsee.
Verschiedene Gespräche und Panel-Diskussionen zu den Themen Kolonialismus, Feminismus sowie ein spannender Kandinsky-Film begleiten die Ausstellung.

www.olaf-gulbransson-museum.de

Wassily Kandinsky, Häuser vor blauem Berg, 1908, Öl auf Malkarton, 33 x 44,5 cm
© Privatsammlun

Foto: Olaf Gulbransson Musuem

27. 6. 2022|